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Aktueller Online-Flyer vom 23. März 2017  

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Fotogalerien
Ausstellung mit Fotos von Toni Tripp im Kulturbahnhof Eller
Unbestechlicher Portraitist seiner Zeit
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Noch bis zum 23. Oktober 2016 läuft im Düsseldorfer Kulturbahnhof Eller die Ausstellung „TT-Foto, Fotografien von Anton (Toni) Tripp aus der jungen Bundesrepublik“. Toni Tripp war ein Ausnahmefotograf, -künstler und -aktivist, 1911 in Essen geboren, die NS-Zeit überstanden mit der Haltung eines Gewaltfreien, nach dem Krieg entschiedenster Gegner der Wiederbewaffnung und – schon in den ersten Tagen – gegen den Einsatz von Atomsprengkörpern unter der US-dirigierten Adenauer-Regierung. Zu seinem 80. Geburtstag (1991) präsentierte die Galerie Arbeiterfotografie eine Werkschau. Die Düsseldorfer Ausstellung ist die erste, die in seiner Wahl-Heimatstadt überhaupt zu sehen ist.


„Düsseldorf ist immer im Wandel“ (aus der Ausstellung im Kultur Bahnhof Eller)


Kinder (aus der Ausstellung im Kultur Bahnhof Eller)


Nissen-Hütten, Düsseldorf-Heinefeld, 1954 (ähnlich in der Ausstellung im Kultur Bahnhof Eller)


Protest gegen Zechenschließungen, Gelsenkirchen-Erle, 1966 (ähnlich in der Ausstellung im Kultur Bahnhof Eller)


1. Mai 1963 (aus der Ausstellung im Kultur Bahnhof Eller)


(aus der Ausstellung im Kultur Bahnhof Eller)


(aus der Ausstellung im Kultur Bahnhof Eller)


Waffenschau der Bundeswehr, Anfang der 60er Jahre – „Die Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit ist das wichtigste Ziel unserer Politik – Adenauer“
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgabe 95 – als Postkarte erhältlich)


Betriebsrat Paus, Unterschriftensammlung gegen Atombewaffnung, Dortmund, 1959
Das Tor ist offen, Moskau will verhandeln, steht auf dem Flugblatt, das im Jahre 1959 in Dortmund verteilt wird. Die Diskussion um atomare Aufrüstung und Wiedervereinigung ist in vollem Gange. Die Sowjetunion hat den Entwurf eines Friedensvertrags vorgelegt, hat zu einer Friedenskonferenz aufgerufen. Doch die Vorschläge stoßen bei der Bundesregierung auf ein entschiedenes Nein. Atomare Aufrüstung und Wiedervereinigung - das paßt nicht zusammen, sagen sich viele Dortmunder, insbesondere als vor den Toren der Stadt eine Atomraketenbasis angelegt wird.
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgaben 67 und 95)


Kauenwärter der Westfalenhütte, Dortmund, 1959
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgaben 67 und 95 – als Postkarte erhältlich)


Dortmund, 6. Juni 1953, 70.000 Teilnehmer folgen den Worten des KPD-Vorsitzenden Max Reimann bei einer Kundgebung im Vorfeld der zweiten Bundestagswahl: „... für Deutschland gibt es zwei Wege der Entscheidung: Der eine Weg, das ist der Weg der nationalen Wiedervereinigung Deutschlands, der Weg des Abschlusses eines gerechten Friedensvertrages, ... der den Abzug der Besatzungstruppen einschließt und Deutschland aus der Asche und den Ruinen des letzten Krieges als freien, einheitlichen, friedliebenden, demokratischen und unabhängigen Staat wiederentstehen läßt. Diesen Weg ... will das friedliebende deutsche Volk gehen. Und welchen Weg wollen Dr. Adenauer und die deutschen Monopol- und Bankherren von Rhein und Ruhr gehen? Sie wollen die Aufrechterhaltung der Spaltung unseres Vaterlandes, die Knechtung der Bevölkerung durch die ausländischen Imperialisten und westdeutschen Monopolherren zur Erzielung von Maximalprofiten. Ihre Politik ist die Politik der Kriegsvorbereitung ..."
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgaben 64 und 95)


Essen, 1957, Unterschriftensammlung für den „Göttinger Appell“ gegen die atomare Bewaffnung der Bundesrepublik
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgabe 95)


Manfred Mutig, Essen, 1960
„Riechst Du nichts?" fragte der Justizwachtmeister des Amtsgerichts in Essen-Borbeck seinen Kollegen, und ging mit ihm dem brenzligen Geruch nach, den sie wahrgenommen hatten. Als sie die Tür der brennenden Toillettenkabine aufbrachen, fielen ihnen die verkohlten Überreste Manfred Mutigs entgegen. Was war dem Flammentod vorausgegangen? Der Prüfungsausschuß hatte am 23. Juli 1959 befunden, Manfred Mutig sei nicht berechtigt, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern. Und das Essener Amtsgericht verurteilte den Hüttenarbeiter Manfred Mutig am 18. März 1960 zu acht Monaten Gefängnis, nachdem dieser dem Gestellungsbefehl durch Aufsuchen seines Arbeitsplatzes in der Hütte nicht Folge geleistet hatte. Manfred Mutig war der Überzeugung, daß es falsch sei, sich mit der Waffe zu verteidigen, er wollte kein Soldat werden, er wollte keinen anderen Helm.
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgaben 67 und 95)


Niederrhein, 1954, Protest gegen die Einrichtung von Atomsprengkammern in Straßen und Brücken – Soviele Aspekte der Remilitarisierung sichtbar werden, soviele Formen des Widerstands entwickeln sich. Am Niederrhein, wo entlang des Flusses in Straßen und Brücken Atomsprengkammern angelegt werden, um damit ein atomares Inferno als Bollwerk gegen den Vormarsch der Russen schaffen zu können, werden die Sprenglöcher von Gegnern der Remilitarisierung wieder zugeschüttet oder zerstört.
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgabe 64)


Zum ersten Mal besuchen Atombombenopfer aus Hiroshima die BRD, Köln, Dezember 1958
(aus der Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie 1991 und Zeitschrift Arbeiterfotografie, Ausgaben 64 und 95 – als Postkarte erhältlich)


Die Antikriegsbewegung in den Anfängen der „jungen Bundesrepublik“ ist in der Düsseldorfer Ausstellung eher verhalten präsentiert. Viele von Tripps einmaligen Fotodokumenten, die als gestalterische Kunstwerke gelten können, entstanden im Zusammenwirkung mit der Anti-Atomtod-Bewegung und der daraus sich ergebenden Ostermarsch-Bewegung. Es ging gegen die (atomare) Wiederaufrüstung und verschärfend gegen Atomsprengkammern in Brücken und Straßen. Dies war freilich kein Ruhmesblatt für SPD- und Gewerkschaftskreise, die sich aufgrund der starken Beteiligung von Kommunisten und Kirchengrößen wie Martin Niemöller und Oberkirchenrat Kloppenburg, entschieden distanzierten.

Eindringliche Aufnahmen gelangen Toni Tripp anläßlich des KPD-Verbotes, als „der Mann mit dem Befehl“ 1956 das Düsseldorfer Büro in der Ackerstraße ansteuert, Zuschauer, Protestierende und Teilnehmende ins Bild bannt, und beim Verfahren des KPD-Verbotsprozesses vor dem Bundesverfassungsgericht 1954 fotografiert. In der Zeitschrift Arbeiterfotografie Nr. 64 „Fotografie schreibt Geschichte“ heißt es im Beitrag „Auferstanden – Stillgestanden, 40 Jahre BRD“, (April/Juni 1989, also noch vor der „Wende“):

„Am 22. November 1951 stellt die Bundesregierung unter Dr. Adenauer Antrag auf Verbot der KPD, einer Partei, die im Potsdamer Abkommen von 1945 ausdrücklich als zuzulassende Partei genannt ist. Bereits 1946 erklären die USA, daß sie nicht bereit seien, das Abkommen einzuhalten. Sie gehen über zu einer Politik des ‘Roll-back’, der Zurückdrängung des Kommunismus. Am 19. September 1950 erklärt die Bundesregierung, daß die Zugehörigkeit eines Beamten, Angestellten oder Arbeiters zur KPD im Bundesdienst mit der Treuepflicht zum Staat nicht vereinbar sei. Aufgrunddessen werden Tausende aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Demgegenüber tritt am 11. Mai 1951 das ‘Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse früherer Angehöriger des öffentlichen Dienstes’ in Kraft. Danach sind ehemalige Beamte, Diplomaten, Polizisten, Richter und Lehrer des Hitler-Staates bevorzugt einzustellen und zu befördern. Am 17. August 1956 wird die KPD vom Bundesverfassungsgericht verboten. Das Verbot trifft damit eine Partei, die in den vergangenen Jahren treibende Kraft gegen die Remilitarisierung und gegen die Teilung Deutschlands war.“

Noch bis zum 23. Oktober läuft im Düsseldorfer Kulturbahnhof Eller die Ausstellung „TT-Foto, Fotografien von Anton (Toni) Tripp aus der jungen Bundesrepublik“. Sie zeigt Aufnahmen aus dem Alltagsleben, Gewerkschaftsaktivitäten und die äquidistante Forderung: Gegen Atomtests in Ost und West. Die Ostermarsch-Bewegung ist durch Fasia Jansen und Joan Baez in einer Abteilung prominenter Künstler – darunter ein eindrucksvolles Portrait des bildenden Künstlers Otto Pankok  – repräsentiert.


Die Ausstellung:

TT FOTO - Fotografien von Anton (Toni) Tripp aus der jungen Bundesrepublik
18.9. - 23.10.2016 . Kultur Bahnhof Eller . Vennhauser Allee 89 . 40229 Düsseldorf
Di bis So 15 bis 19 Uhr . www.kultur-bahnhof-eller.de . Tel 0211 - 210 84 88 . Eintritt 3 €


Publikationen der Arbeiterfotografie:

Toni Tripp ist in drei Zeitschriften der Arbeiterfotografie vertreten. Die Ausstellung in der Galerie Arbeiterfotografie aus Anlaß seines 80. Geburtstages im Jahr 1991 erlebt er nicht mehr. Er stirbt am Tag seines Geburtstages im August 1991.


Arbeiterfotografie, Ausgabe 64
mit Titelbild von Toni Tripp, Demonstration des Demokratischen Frauenbundes gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, Düsseldorf, 1954, und Artikel: "AUFERSTANDEN STILLGESTANDEN – 40 Jahre Bundesrepublik Deutschland in Fotos von Toni Tripp, Manfred Scholz und Klaus Rose"


Arbeiterfotografie, Ausgabe 67
Mit Artikel "GESICHTER DES RUHRGEBIETS – Von Toni Tripp mit der Kamera erfaßt"


Arbeiterfotografie, Ausgabe 95, Toni Tripp-Monographie zum 100. Geburtstag


Ausgaben 64 und 67 sind vergriffen

Ausgabe 95 der Zeitschrift sowie Postkarten sind zu beziehen über
Galerie Arbeiterfotografie, Merheimer Straße 107, 50733 Köln bzw. eMail arbeiterfotografie@t-online.de
Zeitschrift für 12 Euro plus Versand (Inland 1,50, Ausland 3,50)
Postkarten für je 1 Euro plus Versand

Online-Flyer Nr. 582  vom 06.10.2016

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