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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Globales
Berichte von Patienten und Angestellten
Swisso-Kalmo in Somalia
Zusammengestellt von Heinrich Frei

In diesem Bericht werden die vielfältigen Aktivitäten in den Gesundheitszentren von Swisso-Kalmo in der Region Lower Shebelle in Merka präsentiert. Merka liegt in Südsomalia, 90 km südwestlich von der Hauptstadt Mogadischu, direkt am Indischen Ozean. Aktivitäten von Swisso-Kalmo in Lower Shebelle sind: Umfassende Behandlung von Kinderkrankheiten; Beratung zur Kinderpflege, Kinderentwicklung sowie zur Hygieneaufklärung; Betreuung und Krankenpflege von eingelieferten und ambulanten Patienten; Bereitstellung von Nahrungsmitteln für werdende Mütter und Kinder; Behandlung von Tuberkulose und Erkrankungen wegen mangelnder Hygiene; Aufklärung zu HIV Infektionen.


Mütter warten mit ihren Kindern vor dem Swisso-Kalmo-Ambulatorium in Merka


Ambulatorium in Merka

Gerade für arme, aber schwer erkrankte Patienten wäre der weite Weg von Merka in die Hauptstadt Mogadischu für eine Behandlung vielfach nicht zu schaffen. Das Ambulatorium in Merka kann Ärmsten, am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen, helfen. Die am häufigsten behandelten Krankheiten sind Tuberkulose, Unterernährung, Malaria sowie Haut- und Augenentzündungen. Die meisten der genannten Krankheiten werden durch Armut und durch einen geschwächten Allgemeinzustand begünstigt. Die am häufigsten betroffenen Personengruppen sind daher Kinder unter fünf Jahren, sowie schwangere und stillende Frauen.

Erschwert werden die Lebensumstände der Menschen in Lower Shebelle durch: (Vorausgehende) Vertreibung, Dürre und einem Mangel an Trinkwasser, Arbeitslosigkeit, eine hohe Inflation, seit vielen Jahren fortlaufende bewaffnete Auseinandersetzungen.

Auch in diesem Jahr, 2016, gab es erst eine Dürre, dann eine Überschwemmung. Diese erschwerten Lebensbedingungen verbunden mit Unterernährung bilden die Grundlage für Tuberkulose und anderen Krankheiten.


Patientenbericht: Unterernährung


Asha Abukar Ali, Mutter von Abdulqadir Haji Nur

Mein Name ist Asha Abukar Ali, ich bin die Mutter von Abdulqadir Haji Nur. Mein Sohn der sehr schwer unterernährt war, wurde im Ernährungszentrum von Swisso-Kalmo in Merka behandelt. Ich komme von einem ganz kleinen Dorf mit dem Namen Bullo-Garun, westlich von Jilib-Merka. Als ich mit meinem Sohn zu Swisso-Kalmo kam war er ganz schwach und in einer Notsituation, er hatte eine Lungenentzündung und hat viel gehustet. Swisso-Kalmo hat uns sofort ins Ernährungszentrum überwiesen, dort wurden unmittelbar Laboruntersuchungen durchgeführt. Es stellte sich heraus, dass mein Sohn eine schwere Anämie (Blutarmut) hatte. Ein Mitarbeiter von Swisso-Kalmo hat für ihn Blut gespendet. Danach war mein Sohn stabil genug um ins „Stabilisierungszentrum“ von Swisso-Kalmo überwiesen zu werden. Nach zwei Wochen Pflege und Ernährung im „Stabilisierungszentrum“ wurde er in das offene Pflegezentrum überwiesen. Es bedurfte weitere fünf Monate intensiver Pflege und Versorgung bis mein Sohn entlassen werden konnte.

Wenn ich jetzt zurückdenke in welch schlimmen Zustand mein Sohn war, macht mich das noch immer sehr traurig, ich war ganz verzweifelt. Umso mehr danke ich den Mitarbeitern von Swisso-Kalmo für ihren Einsatz. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit dass Swisso-Kalmo Ihre Hände so großzügig für uns geöffnet hat. Ich werde das nicht vergessen solange ich lebe.


Patientenbericht: Diagnose Tuberkulose


Hassen Nur Da (39), aus dem Dorf Wagadi

Mein Name ist Hassen Nur Da, ich bin 39 Jahre alt und komme aus dem Dorf Wagadi. Bei mir wurde Tuberkulose festgestellt und ich war mehr als vier Monate bei Swisso-Kalmo in Behandlung. Als ich zu Swisso-Kalmo kam war ich so schwach, dass ich nicht mehr normal laufen konnte. Ich war bereits seit fünf Monaten zuhause schwer krank, bis mein Nachbar kam und mich überzeugte zu Swisso-Kalmo zu gehen. Mein Nachbar erzählte mir, dass seine Frau 2003 bei Swisso-Kalmo ebenfalls von Tuberkulose geheilt wurde.

Als ich bei Swisso-Kalmo ankam, wurde ich sofort ins Labor gebracht. Dort wurde ein Sputum Abstrich gemacht, (Untersuchung des Speichelauswurfes) dieser war positiv. Zusätzlich wurde Bilharziose (Wurmbefall), Malaria und eine Harnweginfektion diagnostiziert und dann ebenfalls behandelt. Diese umfangreichen Behandlungen haben mich sehr glücklich gemacht und mit außerordentlicher Dankbarkeit erfüllt. Ehre und Dank sei Allah, dass ich wieder gesund bin. Mit großer Dankbarkeit erfüllt mich auch der Gedanke an Swisso-Kalmo und die Menschen die dort arbeiten. Hoffentlich könnt Ihr Eure Aktivitäten noch lange fortsetzen und ausweiten. Vielen Dank an alle.


Erfahrungsbericht einer Angestellten



Fadumo Beskey Ali (56), Reinigungskraft, arbeitet seit 14 Jahren bei Swisso Kalmo

Ich bin eine Witwe und habe 7 Kinder, das älteste ist 30 Jahre alt, das jüngste ist 18 Jahre alt. Ich bin der einzige Brotverdiener für meine Kinder, niemand anderes unterstützt mich. Swisso-Kalmo ist meine einzige Einkommensquelle.

Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch in Merka, dies ist eine große Last für viele junge Somalis. Das gleiche gilt für meine Kinder, keines von Ihnen hat eine Arbeitsstelle bekommen; und dies obwohl drei von Ihnen einen Universitätsabschluss haben (die vier anderen Kinder haben keinen Abschluss, da ich die Gebühren nicht bezahlen konnte). Unsere Region, Lower Shebelle, ist jetzt sehr in Aufruhr und ohne Ordnung. Es gibt keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen und meine Familie zu versorgen.

Ich bin Swisso-Kalmo sehr dankbar, dass sie mir einen Job gegeben haben. Trotzdem möchte ich  mich mit der Bitte an Swisso Kalmo, als ethischer Arbeitgeber, wenden mein Gehalt zu erhöhen damit ich die Schulgebühren für meine Kinder bezahlen kann.


Erfahrungsbericht eines Labortechnikers



Mohamed Qazali Mohamed (34), Labortechniker, arbeitet seit 10 Jahren bei Swisso-Kalmo

Ich bin bei Swisso-Kalmo in Merka seit über 10 Jahren angestellt. Ich bin verheiratet, wir haben 6 Kinder, das älteste ist 9 Jahre alt, während das jüngste gerade 5 Monate ist. Ich bin der einzige Brotverdiener in meiner ganzen Familie und für meine Eltern, die auch bei uns im Haus leben. Das einzige Einkommen das wir haben kommt von Swisso-Kalmo. Was mein Herz sehr schwer macht ist, dass keines meiner Kinder zur Schule gehen kann. Die einzige Schule zu der meine Kinder gehen können ist die Koranschule, um dort über den Islam unterrichtet zu werden. In der Koranschule müssen keine Schulgebühren bezahlt werden. Es ist sehr schwierig die Schulgebühren für die anderen Schulen zu bezahlen. Es gibt eine hohe Inflation in Merka, zu dem herrscht eine hohe Unsicherheit und Übergriffe durch das Militär sind nicht selten. Oft wird die Strasse von Mogadischu nach Merka blockiert und nur durch eine „Weggebühr“ darf man weiterfahren, dies verteuert die Waren zusätzlich und macht uns das Leben schwer. Dies sind die Fakten aus meinem täglichen Leben.



Aus einer Präsentation von Heinrich Frei


Text: Ustaad Majow
Übersetzung: Dr. Agnes Kiener, Vizepräsidentin Swisso-Kalmo
Fotos: Swisso Kalmo Merka (Somalia)
Zusammenstellung: Heinrich Frei, Vorstandsmitglied Swisso-Kalmo



Infos zu Swisso-Kalmo: In der somalischen Stadt Merka eröffnete Magda Nur-Frei mit ihrem Mann im Februar 2001 ein Ambulatorium. Swisso-Kalmo in der Schweiz unterstützt heute hauptsächlich dieses Ambulatorium. Während viele andere ausländischen Organisationen Somalia während dem Bürgerkrieg verliessen, arbeitete Swisso-Kalmo weiter, auch als die Stadt Merka unter der Kontrolle der Al Shabab, der extremistischen Islamisten stand. Nach dem Tod von Magda Nur-Frei, vor sechs Jahren, konnte Swisso-Kalmo unter der Leitung des somalischen Arztes Dr. Abdi Hersi weitergeführt werden. Weitere Infos zu Swisso-Kalmo: www.swisso-kalmo.ch

Online-Flyer Nr. 576  vom 24.08.2016

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