NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 23. März 2017  

zurück  
Druckversion

Krieg und Frieden
Rheinmetall entrüsten
Produktion für das Leben, nicht mehr für den Tod
Von Heinrich Frei

Zieht der Rüstungskonzern Rheinmetall Air Defence aus Zürich-Oerlikon weg, oder bleibt er? Der Wegzug des Konzerns aus Oerlikon wird von Rheinmetall in Betracht gezogen, wegen den ungünstigen strukturellen Gegebenheiten sowie möglichen Konflikten zwischen der Produktion von Kriegsmaterial und geplantem Wohnen an diesem Standort. Die Stadt Zürich wünscht an diesem Standort nach wie vor Industrienutzung. Das Areal ist 53 000 Quadratmeter groß. Seit 1999 ist die deutsche Rheinmetall DeTec Besitzer dieses Unternehmens, das sie von Oerlikon-Bührle-Gruppe, von Contraves Defence, übernommen hat.


Rheinmetall Air Defence, Zürich-Oerlikon, Foto: Heinrich Frei

Umstellung auf zivile Produktion

Man kann auch die Frage stellen: „Könnte der Rüstungskonzern Rheinmetall nicht vollständig auf zivile Produktion umstellen?“ Rheinmetall Air Defence in der Schweiz stellt vor allem Fliegerabwehrkanonen und Granaten her. Ich denke, die Angestellten, Ingenieure und Techniker bei Rheinmetall des Rüstungssektors, in Oerlikon und auch in Deutschland und anderen Ländern, wären durchaus in der Lage moderne zivile Güter herzustellen, die verkauft werden könnten. Die Vorgängerfirma von Rheinmetall, Oerlikon-Bührle produzierte früher in Oerlikon unter anderem auch Eisenbahnbremsen.

Bundeseigene Rüstungsbetriebe Ruag produzieren zu 55 Prozent zivil

Rheinmetall stand 2014 weltweit mit seiner Waffenproduktion an 31. Stelle (2,970 Milliarden US-Dollar), laut den Zahlen des Stockholm Peace Research Institute SIPRI. 52 Prozent der Güter, die Rheinmetall fabriziert, sind heute zivile Güter. Die fünf grössten Waffenhersteller und Militärdienstleister der Welt sind Lokheed Martin (USA), Boeing (USA), BAE Systems (Grossbritannien), Northrop Grumman (USA). (1)

Die bundeseigenen Rüstungsbetriebe Ruag der Schweiz haben bereits einen Teil der Rüstungsproduktion auf zivile Fertigung umgestellt. Die Ruag produziert heute zu 55 Prozent für den zivilen Sektor. Die Ruag steht heute mit ihrer Waffenproduktion in der Welt an 92. Stelle. Der schweizerische Flugzeughersteller Pilatus produziert noch zu 75 Prozent für den den militärischen Sektor und steht mit seiner Produktion weltweit an 75. Stelle der Rüstungskonzerne.

Wie viele Menschen wurden schon mit Waffen von Rheinmetall getötet?

Rheinmetall begann 1889 in Deutschland Munition für das deutsche Kaiserreich herzustellen. Auf der inzwischen „bereinigten“ Bildunterschrift der Website von Rheinmetall war vor einigen Jahren noch zu lesen:

„Am 13. April 1889 gründet der Ingenieur Heinrich Ehrhardt die "Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft". Die Produktion beginnt in gemieteten Räumen in der Düsseldorfer Talstrasse. Bereits ein knappes Jahr später zählt das junge Unternehmen 1.400 Mitarbeiter und liefert pro Tag 800‘000 Geschosse. Bis Ende 1891 wird es insgesamt 120 Millionen sein.“ (2)

Ebenfalls heute weggelassene Bildunterschrift: „Neues aus der Vergangenheit: Vor 50 Jahren, im Sommer 1958, begann bei Rheinmetall der Einstieg in die Entwicklung von Panzerwaffen für die Bundeswehr.“

Erster Weltkrieg: Größter Rüstungshersteller des Kaiserreichs

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Rheinmetall einer der größten Rüstungshersteller im Deutschen Kaiserreich, neun von zehn deutschen Soldaten trugen einen Helm dieser Firma. Nach dem Ersten Weltkrieg machten die Bestimmungen des Versailler Vertrages eine Umstellung auf zivile Produkte notwendig. Rheinmetall produzierte daher im Rheinland Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Landmaschinen und Dampfpflüge. Ab 1921 erlaubten die Bestimmungen der Alliierten wieder die Produktion von Waffensystemen in geringer Stückzahl. (3)

Waffen und Munition für Hitler und dann für die Bundeswehr

Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen der nationalsozialistischen Diktatur entwickelte und produzierte der Konzern, jetzt mit dem Namen Rheinmetall-Borsig, ab Mitte der 1930er Jahre im Auftrag des Reichskriegsministeriums Waffen und Munition. Der staatliche Einfluss durch Institutionen der Wehrmacht und die Eingliederung von Rheinmetall-Borsig in das Staatsunternehmen Reichswerke Hermann Göring nahm so weit zu, bis das Unternehmen vollständig verstaatlicht und in die planmäßige Kriegsvorbereitung integriert wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden die Produktionsstätten durch alliierte Luftangriffe erheblich beschädigt oder zerstört. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Werkanlagen der Rheinmetall-Borsig AG zum größten Teil zerstört.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit, nach 1945, war die Rüstungsproduktion in Deutschland verboten. Der Boss von Rheinmetall, Hermann Röchling, gestorben 1955, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich bei der Deportation von Zwangsarbeitern hervorgetan und war von Adolf Hitler zum Chef verschiedener Organisationen ernannt worden. Viele der Verschleppten waren Jugendliche – nicht nur bei Daimler-Benz arbeiteten sogar Neunjährige in der Rüstungsindustrie. Auch bei Rheinmetall wurden tausende Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in die Produktion eingespannt.

Wie viele Menschen sollen noch mit Waffen von Rheinmetall und von deutschen Soldaten getötet werden?

Bereits mit Aufstellung der deutschen Bundeswehr 1956 wurde bei Rheinmetall wieder ein wehrtechnisches Produktionsprogramm aufgelegt. Rheinmetall produzierte Maschinengewehre, Maschinenkanonen, Munition usw., diesmal um Deutschland wehrtechnisch in das westliche Bollwerk gegen den Osten zu integrieren, um den „Frieden und die Freiheit mit Waffen und Soldaten zu sichern“.

1999 beteiligte sich die deutsche Luftwaffe und die Kriegsmarine erstmals nach Ende des Zweiten Weltkriegs an einer bewaffneten Intervention. Die NATO, auch mit deutschen Soldaten, griff die Bundesrepublik Jugoslawien an, ohne dafür ein UN-Mandat zu haben und ohne dass ein Mitgliedsland angegriffen und so der Bündnisfall der NATO ausgelöst worden wäre.

Seit dem Dezember 2001 beteiligten sich deutsche Truppenverbände auch am Krieg in Afghanistan. Peter Struck, der sozialdemokratische Bundesminister der Verteidigung, begründete den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr wie folgt: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“

Als Reaktion auf die angeblich durch Mitglieder der Al-Qaida ausgeführten Anschläge vom 11. September 2001 in den USA intervenierte im Oktober eine US-geführte Koalition zugunsten der Vereinigten Front Afghanistans. Wer wirklich hinter den Terrorangriffen vom 11. September 2001 gestanden hatte, ist nicht klar. Zahlreiche Organisationen, darunter Piloten, Architekten und Ingenieure, fordern eine neue Untersuchung. (4)


Aktion der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (www.gsoa.ch)

Bomben von Rheinmetall im Krieg im Jemen

Bomben von Rheinmetall der MK-80-Serie wurden in der von Saudi-Arabien angeführten Militärintervention im Jemen eingesetzt. Die abgeworfenen MK-83 wurden bis 2012 vom Rheinmetall-Tochterunternehmen RWM Italia S.p.A. in die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft. MK-82 und MK-84 wurden dagegen von der ehemaligen Tochtergesellschaft Burkan Munitions System (VAE) aus gelieferten Bauteilen der RWM Italia S.p.A. in den Vereinigten Arabischen Emiraten montiert (3)

Ausführlichen Informationen auch zu den Kriegsmaterialexporten von Rheinmetall präsentierte Jürgen Grässlin in seiner Rede am Ostermarsch Rhein-Ruhr am 4. April 2015 auf dem Marktplatz in Düsseldorf:

Der Tod ist ein Meister aus Düsseldorf – und aus Berlin


Rüstungsexporte stoppen! Rüstungsindustrie auf Zivilproduktion umstellen! Rede von Jürgen Grässlin (5)

1700 Milliarden US-Dollar für Rüstung und Mittel fehlen für Flüchtlinge


Heute leben viele Menschen im Elend. Nicht zuletzt deshalb, weil im letzten Jahr weltweit 1700 Milliarden US Dollar für die Rüstung vergeudet wurden. Dem Welternährungsprogramm mit einem Budget von etwa 6 Milliarden US-Dollar pro Jahr hingegen fehlen oft die Mittel, um zum Beispiel syrische Flüchtlinge im Libanon oder Hungernde in Ostafrika zu versorgen. Wenn nur ein Teil der Militär- und Rüstungsausgaben für zivile, sinnvolle Zwecke eingesetzt würden, könnte das für die Menschheit zu einem Segen werden.

Kriege angeheizt durch Waffenexporte, in der Folge Hunger und Elend

In vielen Ländern hungern die Menschen, und Kinder können nicht in der Schule gehen. Menschen aus den Kriegsgebieten, auch aus den Dürregebieten in Ostafrika, flüchten in Nachbarländer, nur wenige riskieren die Flucht nach Europa, wo sie nicht willkommen sind. Zwischen Oktober 2010 und April 2012 starben laut UNO 258.000 Menschen in Somalia an den Folgen der Nahrungsmittelknappheit. Jetzt droht wegen der Dürre erneut eine Hungersnot in Ostafrika, in Somalia, Äthiopien, Kenia und in Djibouti. UNO-Organisationen helfen, aber die Mittel fehlen oft, um die Not zu lindern. In Somalia ist auch die kleine Schweizer Organisation Swisso Kalmo seit über 20 Jahren tätig. Jetzt unterstützen auch staatliche Stellen der Schweiz ein Projekt dieses Hilfswerks. (6)


Fussnoten:

(1) https://sipri.org/databases/armsindustry
(2) http://www.rheinmetall.com/de/rheinmetall_ag/group/corporate_history/index.php
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinmetall
(4) http://www.ae911truth.ch/index.html, http://pilotsfor911truth.org/
(5) http://www.ag-friedensforschung.de/bewegung1/ostermarsch2015/graesslin.html
(6) www.swisso-kalmo.ch

Online-Flyer Nr. 572  vom 27.07.2016

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Danke für das Monster!
Von Arbeiterfotografie
FOTOGALERIE