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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Das Land wo die illegalen Siedlungen blühen!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Einmalig in der Welt, blühen im illegal besetzten Palästina keine Früchte, sondern es "blühen" illegale Siedlungen, und von den jüdischen Besatzern werden Felder und Olivenbäume der palästinensischen Bauern zerstört. Das sind die Früchte der Zerstörung und der ethnischen Säuberung, die die jüdischen Besatzer auf Kosten der Palästinenser ernten. Es ist die Raubernte der Judaisierung, die zum verzweifelten Widerstand führt. Während jüdische Terroristen straffrei für ihre Taten ausgehen, werden Palästinenser unschuldig in Haft genommen oder direkt getötet. Die Ankündigung Netanjahus, es werde neue "aggressive Maßnahmen" seitens seines Regimes gegen die Bewohner im illegal besetzten Westjordanland geben, sollte endlich dazu führen, diesen jüdischen Staatsterror zu beenden.


Protest in Düsseldorf, 2009 (Foto: arbeiterfotografie.com

Netanjahu kündigte nach der sonntäglichen Kabinettssitzung nicht nur 42 Genehmigungen für neue Siedlungen an, plus über 30 Millionen Euro für die Erweiterung der bestehenden illegalen Siedlungen, sondern er will als Antwort auf Messerattacken nun unter anderem eine Blockade um das gesamte Gebiet von Hebron, das etwa 700.000 Palästinenser in Kollektivbestrafung und Sippenhaft nehmen würde.

Bewohnern des Dorfes Bani Naim, aus dem mehrere der jungen Widerständler stammen, sollen ihre Arbeitsgenehmigungen entzogen werden, die "jüdischen Verteidigungssoldaten" werden zusätzliche Brigaden in das illegal besetzte Westjordanland verlegen, und die jüdischen Siedlungen sollen noch mehr gestärkt werden. Alles ist erlaubt, meint Netanjahu, da er sich in einem fortgesetzten Kampf gegen den Terrorismus befindet. Wie die noch weiteren aggressiveren Maßnahmen aussehen werden, wie sie in der Vergangenheit noch nicht verwendet wurden, können wir uns schon ausmalen. Das Regime will mit Hilfe des Geheimdienstes Schin Beth und wer weiß, was noch alles an perversen Ideen, die Palästinenser derart knebeln, dass sie entweder für immer schweigen, oder „freiwillig“ gehen. Dann hätte er endlich das Endziel der Judaisierung Palästinas erreicht.

Verzweifelte Aufschreie

Es sind die illegalen jüdischen Siedlungen, es ist die jahrzehntelange brutale Unterdrückung und Besatzung, es ist die Hoffnungslosigkeit und Demütigung, die junge Menschen dazu bringt, verzweifelte Aufschreie in Form von Attentaten zu begehen.

Natürlich ist es furchtbar, wenn ein 13jähriges Mädchen in ihrem Bett erstochen wird. Aber ebenso furchtbar ist es, dass jüdische Nationalisten, Zionisten, im Schutz ihrer räuberischen Regierung in illegale jüdische Siedlungen auf geraubtes palästinensisches Land ziehen und dieses Land langsam in Besitz nehmen! Was hat eine US-Familie in der Siedlung Kirjat Arba, die an das illegal besetzte Hebron grenzt, verloren? Warum zieht es vor allem jüdische US-Bürger in das illegal besetzte Palästina? Warum bleiben sie nicht im Kernland Israel, wo sie legal wohnen könnten, ohne gegen internationales Völkerrecht zu verstoßen?

Ist es nicht geradezu verantwortungslos, bewusst mit Kindern in einem besetzten Land zu siedeln, obwohl man wissen sollte, wie gefährlich das sein kann, abgesehen von dem Verstoß gegen das Völkerrecht?

Es leuchtet doch jedem ein, dass fast 50 Jahre nach illegaler jüdischer Besatzung und 68 Jahre nach Gründung des "Jüdischen Staates" auf Kosten der vertriebenen palästinensischen Bevölkerung die Wut wächst. Jede neue Siedlung ist ein Stich ins Herz jedes vertriebenen Palästinensers. Der 17jährige Palästinenser, der das 13jährige US-Siedlermädchen im Bett erstach, war ein Verzweifelter, der mit der Ermordung eines nahen Verwandten durch "jüdische Verteidigungssoldaten" nicht fertig wurde und nur noch dafür lebte, um zu sterben, nachdem er diesen Mord gesühnt hatte. Was muss in diesem Jungen vorgegangen sein, dass er nur noch für das Recht auf seinen Tod lebte und andere palästinensische Widerstands-Attentäter als Märtyrer bewunderte? Für uns mag das unverständlich sein, aber wenn man die ausweglose Situation im illegal besetzten Palästina einmal gesehen hat und sich damit beschäftigt, und sich in die Situation dieser verlorenen Jugend herein versetzt, kann man es zumindest nachvollziehen, dass diese jungen, verzweifelten Menschen nichts mehr hält auf Erden.

Von der heuchlerischen „Werte“gemeinschaft im Stich gelassen

Über jedes Attentat, das gegen einen jüdischen Bürger begangen wird, berichten die Medien sofort. Während die beinahe täglichen, auch tödlichen, Vorfälle gegen Palästinenser keine Meldung wert ist! Wie muss es für die Besetzten in Palästina sein, täglich zu sehen und zu spüren, dass die heuchlerische „Werte“gemeinschaft sie im Stich gelassen hat, und sie ihrem traurigen Schicksal überlässt und das rechtswidrige Tun ihrer jüdischen Besatzer immer wieder toleriert. Zumal es der "Jüdische Staat" immer wieder versteht, seinen Besatzungs-Terror als Kampf um „Sicherheit für seine Bürger“ darzustellen. Kein Wort wird mehr verloren über die illegale Abrieglung des Konzentrationslagers Gaza. Aber wenn wieder mal eine „Rakete“ aus Gaza kommt, die zwar nichts anrichtet im „Jüdischen Staat“, ist das sofort eine Meldung wert

Schon lange wäre es die Pflicht der Staatengemeinschaft gewesen, das sofortige Ende der rechtswidrigen Gaza-Abrieglung zu verlangen, anstatt sich noch mit dem Netanjahu-Besatzer-Regime zu verbünden. Als beim letzten Gaza Angriff über 2100 Palästinenser ermordet wurden, davon 540 Kinder und 371 unter 12 Jahren und noch jünger, da schwieg die Welt zu diesem Völkermord! Und dass 2097 palästinensische Kinder seit dem Jahr 2000 von der "Jüdischen Verteidigungsarmee" ermordet wurden und etwa 13.000 verwundet, auch darüber schwieg die Welt, aber jeder getötete Israeli ist große Schlagzeilen und Solidaritätsbekundungen wert. (1)

Es ist Menschen wie meinem leider viel zu früh verstorbenen Freund Walter Herrmann zu verdanken, dass die Bilder der ermordeten Kinder von Gaza gezeigt wurden. Dafür wurde er noch von einem Gericht verurteilt.

Es ist makaber, wenn das sogenannte Nahostquartett aus UNO, USA, Russland und der EU einen Bericht vorlegt, indem Israels "Siedlungsaktivitäten" und Gewalt auf palästinensischer Seite in einem Atemzug angeprangert werden. Schließlich ist die "palästinensische Gewalt" nichts anderes als der vom Völkerrecht legitimierte Widerstand gegen illegale Besatzung. Wenn es dann weiter heißt, dass die israelische Siedlungspolitik, die Zerstörung palästinensischer Häuser und die Beschlagnahme von Ländereien "Hindernisse" für den israelisch-palästinensischen Friedensprozess mit dem Ziel zweier friedlich koexistierender Staaten ist, dann kann man doch nur den Kopf schütteln, über soviel denkfaulem Schwachsinn.

Frieden kann so einfach sein, wenn man ihn will!

Wenn dann noch von der Autonomiebehörde verlangt wird, den Anti-Terrorkampf zu verstärken, sowie die Hamas-Behörde im Gazastreifen mehr unter ihre Kontrolle zu bringen und "alle Terrorakte entschieden zu verurteilen", ist das frisierte Maß voll. Warum wird nicht klipp und klar von den jüdischen Besatzern der Rückzug auf die Grenzen von 1967 verlangt und ein Ende der illegalen Besatzung und Abrieglung? Frieden kann so einfach sein, wenn man ihn will! Aber Israel will ja bekanntlich alles – nur keinen Frieden!

Feiges Schweigen der EU auch zu den Zerstörungen von der EU-finanzierter Projekte durch die jüdischen Besatzer – aber können uns lebhaft vorstellen, wie sich das das Netanjahu-Regime lächelnd zurücklehnen kann, denn er weiß ja, dass es sich beinahe alles erlauben kann! Den Ruf nach Beendigung des Siedlungsbaus hat er sofort zurückgewiesen, denn "Siedlungen sind nicht das Problem", es gäbe nur ein Problem, nämlich die Forderung an die Palästinenser, Israel als "jüdischen Staat" anzuerkennen. Er weiß ja zu gut, dass diese unannehmbar ist, aber einer der wichtigsten Punkte auf dem Weg zur ethnischen Säuberung und Judaisierung Palästinas. Überall soll die Davidstern-Flagge als jüdisches Symbol wehen, ein schlimmes Symbol der Unterdrückung und Besatzung. Geht es nach dem Willen des Netanjahu-Regimes, dann wird diese Flagge demnächst auch im "ewig ungeteilten " Jerusalem und auf dem Haram al-Sharif (Tempelberg) wehen.

Diese jüdische Besatzungspolitik, und als deren Resultat der Terrorismus, muss endlich die Staatengemeinschaft dazu bewegen, ihre einseitige Empathie für die Besatzer aufzugeben, und der ständig den Holocaust instrumentalisierenden Politik des "Jüdischen Staates" entgegenzutreten und schließlich auch eine besondere Verantwortung übernehmen für die Sicherheit und das Existenzrecht Palästinas.

Es gibt nur eine Garantie für Frieden und Sicherheit: Abkommen unter ebenbürtigen Partnern, oder aber einen Staat auf gleicher Augenhöhe. Allerdings scheint mir diese Vorstellung mit diesem jüdischen Regime und einer Bevölkerung, die mehrheitlich hinter diesem steht, so gut wie aussichtslos!

Palästina sollte endlich wieder zu einem Land werden, wo Früchte blühen, anstelle illegaler Siedlungen.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen muslimischen Freunden ein gesegnetes Fastenbrechen/Zuckerfest und ein Bayraminiz Mübbarek Olsum
Eid mubarak/Eid Said


Fussnote:

1 https://desertpeace.wordpress.com/2016/07/01/you-dont-murder-a-sleeping-child-for-peace/


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzen der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.

Top-Foto:
Evelyn Hecht-Galinski (sicht-vom-hochblauen.de)


Online-Flyer Nr. 569  vom 06.07.2016

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