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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Betrachtung zur Befreiung der syrischen UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Palmyra
Deutsche Medien müssen befreit werden
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Palmyra, das im Mai 2015 in die Hände der IS fiel, wurde Ende März dieses Jahres von der syrischen Armee und pro-Damaskus-Milizen befreit, die russische Kampfflugzeuge aus der Luft unterstützten. Die Befreiung verdiente aber keine Nachricht, auch keinen würdigen Kommentar bei deutschen Medien. Umso schockierender und vollkommen unvereinbar mit journalistischen humanistischen Mindeststandards ging das ARD/ZDF-Mittagsmagazin am 6.5.2016 um 13 Uhr vor, als es in unglaublich niederträchtiger Weise das Musizieren des russischen Orchesters in Palmyra zu Ehren der Befreiung der kulturellen Stadt als „geschmacklos“ bezeichnete. Darüber hinaus wurde die um mindestens einen Monat verspätete Nachricht über die Befreiung in Verbindung mit dem Massaker des US-gestützten Terrors gegen ein Flüchtlingslager gebracht und die syrische Regierung dafür haltlos beschuldigt. Diese extrem gehässige propagandistische Verzerrung im Mittagsmagazin vom 6.5. kommt ausgerechnet am selben Tag der Verleihung des Karlspreis an Papst Franziskus, der als höchste moralische Instanz fast gleichzeitig eine mahnende Rede über dieses verkommene Europa hielt. Welche Schande für das Bayrische Fernsehen, das ausgerechnet auf diese beschämende Weise die Ermahnung des Papstes offenkundig belegt!


Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters im Amphitheater von Palmyra (Foto: SANA)

Beängstigende Erosion des kulturellen und moralischen Fundaments

Was für Leute sind da in deutschen Redaktionen tätig, die sich so niederträchtig und dumm von US-amerikanischen und britischen Stellen benutzen lassen? Welcher deutsche Medien-Intendant wagt es, so etwas nicht einfach folgenlos durchgehen zu lassen? Wo bleiben die gesellschaftlichen Führungsinstanzen, um gegen solche widerliche antirussische Propaganda vorzugehen? Welche europäischen Werte repräsentieren diese Leute? Das Urteil vom Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp in Rom am 6.5. während der Karlspreisverleihungsfeier trifft diesbezüglich völlig zu: „Die Erosion des kulturellen und moralischen Fundaments in Europa ist beängstigend.“

Palmyra-Veranstaltung: Ehrung für alle, die gegen Terrorismus kämpfen, egal wo und wann

"Völlig andere Töne gab es in der Oasenstadt Palmyra zu hören. Mit zwei Kulturveranstaltungen aus Anlass des syrischen 'Tages der Märtyrer'  am 6. Mai – mit dem an die Hinrichtung von syrischen Freiheitskämpfern 1916 erinnert wird - sowie des russischen „Tages des Sieges“ am 9. Mai, an dem die Kapitulation Hitlerdeutschlands 1945 gefeiert wird, fanden in der vor wenigen Wochen aus der Hand der Dschihadistenmiliz 'Islamischer Staat' befreiten Ortschaft zwei Konzerte statt. Am Donnerstag (5.5.) spielte das Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters im Amphitheater des UNESCO-Weltkulturerbes, am Freitag (6.5.2016) folgten das Syrische Nationale Symphonieorchester und andere Formationen. Der aus Sotschi zugeschaltete Präsident Wladimir Putin würdigte die Veranstaltungen als 'Zeichen des Dankes, der Erinnerung und der Hoffnung', als Ehrung für alle, 'die gegen Terrorismus kämpfen und ihr Leben opfern, egal wo und wann Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden'." („Massaker an Flüchtlingen“, Junge Welt, 7.5.2016) Darüber wollen große deutsche Medien nicht berichten. Diese Nachricht fehlt auch bei ARD und ZDF.

Perfider Original-Ton aus britischen Stellen

Stattdessen offenbart sich ein verfallener Geist, der gewissenlos fremden Angeboten folgt. Die Perfidie kommt augenscheinlich nicht aus deutschem Original-Ton, sondern aus britischen Stellen wie etwa der britischen Nachrichtenagentur „Reuters“, britische Stellen, die dem russischen Präsidenten nicht verzeihen, dass er die Regie in Syrien übernommen hat. Aber deutsche Redakteure sind nicht verpflichtet, den fremden Unfug und Unsinn zu reproduzieren. Sie sind ihrem gebildeten Gewissen verpflichtet. Wenn sie in ein Illicitum verfallen, tragen sie selbst dafür die volle Verantwortung.

Wie in der Tageszeitung „Junge Welt“ („Massaker an Flüchtlingen“, 7.5.) zu lesen, hat die syrische Armee am Freitag (6.5.) Vorwürfe zurückgewiesen, für Bombenangriffe auf ein Flüchtlingslager in der Region Idlib verantwortlich zu sein. Das Oberkommando der Streitkräfte Syriens erklärte laut staatlicher Nachrichtenagentur SANA: „Wir haben gesicherte Informationen, dass bestimmte terroristische Gruppen zuletzt auf Weisung bekannter ausländischer Seiten damit begonnen haben, zivile Ziele anzugreifen, um große Opfer unter den Zivilisten zu verursachen und die Syrische Arabische Armee dafür verantwortlich zu machen“.

Neue Leute in deutsche Redaktionen

Wenn Europa sich regenerieren sollte, wie es Papst Franziskus in der Sala Regia am Freitag 6.5. anlässlich seiner Entgegennahme des Karlspreises ansprach, müssen neue Leute deutsche Redaktionen leiten, Leute, die sich mit den kulturellen humanistischen Werten Europas identifizieren, mit seinen christlichen Grundsätzen, nicht aber mit der  verlogenen Darstellung einiger seiner heutigen Verantwortungsträger an der Macht. Die Befreiung deutscher Medien von unwürdiger Führung und Beeinflussung muss jetzt Priorität bekommen. Zu recht verlieren deutsche Medien Tag für Tag an Glaubwürdigkeit.

Wichtigste Lektion aus Syrien-Krieg: Westliche Länder unehrlich, fern von den Grundsätze des internationalen Rechts und der Vereinten Nationen

Der militärische Erfolg Russlands wurde mit gedämpfter Reaktion von US-offizieller Seite aufgenommen und einige der US-Alliierten versuchten, ihn herunterzuspielen. Das ARD/ZDF-Mittagsmagazin am 6.5. hat bezeichnenderweise diesen Erfolg Russlands herabgesetzt. Die Befreiung von Palmyra ist besonders bedeutend, weil Palmyra eine alte historische Stadt Syriens ist, die wegen ihrer Kulturschätze unter dem Schutz der UNESCO steht - umso beschämender für die westliche US-Koalition, sie nicht befreit zu haben in all den vielen Monaten, in denen sie in der Region militärisch engagiert war. Diese notorische Unterlassung beweist, dass dem Westen nicht vertraut werden kann. Das sei die wichtigste Lehre, die Syrien während fünf Jahre von einem aggressiven Krieg, orchestriert aus dem Ausland, gelernt habe, wie der Präsident Syriens Baschar Al-Assad sonnenklar in einem Exklusiv-Interview vom 3.4.2016 mit der Nachrichtenagentur Sputnik manifestiert.

Westliche Länder sind in der Tat unehrlich. Die USA, EU und ihre Alliierten „folgen einer Politik, fern von den Grundsätzen des internationalen Rechts und der Vereinten Nationen“ und deshalb „ist es unmöglich, dem Westen zu trauen, irgendein Problem zu lösen“, sagte zutreffend der Präsident Syriens. In der Tat lässt es sich nicht mit der Charta der Vereinten Nationen vereinbaren, dass fremde Militärs und anderes ausländische Personal ohne Konsultation mit der amtierenden Regierung, ohne deren ausdrückliche Erlaubnis, sich auf syrischem Territorium aufhalten und agieren. Dass US-amerikanische, britische und französische Kräfte auf syrischem Territorium operieren oder es im Kampf gegen den IS bombardieren ohne Konsultation und Einwilligung der syrischen Regierung, ist schlicht illegal und macht sie zu potentiellen Tätern von täglichen Massakern in Syrien. Warum will man das in deutschen Redaktionen nicht zur Kenntnis nehmen? Was hindert die Mitarbeiter daran, entsprechende Nachrichten auf Sendung zu geben? Dass internationales Recht keine Rolle spielt, gab es schon einmal in der jüngsten deutschen Geschichte. Warum weigern sich heutige Redakteure, internationales Recht ernst zu nehmen?

Hässliche Wirklichkeit: US-Regierungen säen Zerstörung, Tod und Terror – keine einzige Friedensinitiative von ihnen in letzten Jahrzehnten

Die Wirklichkeit ist sehr hässlich geworden: Die US-Amerikaner, einst die willkommenen Befreier und Besatzer, gerade auch Bayerns, betätigen sich inzwischen als die Hunnen und Tartaren des 21. Jahrhunderts. Dort, wo sie gewaltsam intervenieren, verwüsten sie alte Zivilisationen, säen unermessliche Zerstörung, Tod und Terror. Längst haben US-Regierungen das Wort Frieden verbannt. Keine einzige Friedensinitiative ist von einer US-Regierung in den letzten Jahrzehnten zu erfahren. Jeder Friedensprozess ist von der turnusmäßigen US-Regierung verhindert oder zerstört worden. So geschah es schon beim ersten Irak-Krieg 1991 und jetzt beim Syrien-Krieg 2011-2016. Frühzeitig genau geplante Terroraktionen finden statt, um den Friedensprozess zu torpedieren, der unter dem UN-Vermittler Staffan de Mistura mit der Unterstützung Russlands, Chinas und vieler nicht US-gebundener Staaten abläuft. Das ARD/ZDF-Mittagsmagazin, die Redaktionen Zeitgeschehen im ARD-Fernsehen und ZDF müssen ein für alle Male ihre Augen öffnen, um sich nicht weiter durch US-Propaganda-Lügen vorführen zu lassen. Sie sollten aufhören, billiges, dummes Sprachrohr von US-amerikanischen und britischen Stellen zu sein.

Niederträchtige Haltung der US-Regierung und mit ihr des Bayrischen Fernsehens

Die niederträchtige Haltung der US-Regierung und mit ihr des Bayrischen Fernsehens, was die Befreiung von Palmyra betrifft, offenbart zudem ihre Sorge und Bemühungen, den bemerkenswerten politischen und militärischen Erfolg Russlands in Syrien zu vertuschen und ihn medial herunterzuspielen. Diesbezüglich kam die Panama-Dokumenten-Veröffentlichung dem westlichen US-Block höchst gelegen, um sein politisches und militärisches Scheitern in Syrien zu vernebeln. Der niederträchtige Raketen-Angriff von terroristischen Banden auf ein Flüchtlingslager in der Nähe der türkischen Grenze führt zum selben Zweck, nämlich das politische und militärische Scheitern des US-Blocks in Syrien medial zu verstecken und das Spiel des russischen und Syrischen Nationalen Symphonieorchester zur Ehre der Befreiung der kulturellen Stadt Syriens herabzusetzen.

Fortschritt für Syrien dank Russland von chinesischem Präsidenten anerkannt

Im Gegensatz zum Weißen Haus, das kein Wort der Anerkennung, keine Glückwünsche an den Kreml für dieses großartige erfreuliche Ereignis in Syrien richtete, erkennt der chinesische Präsident den Fortschritt für Syrien dank Russland. (Weiteres in Englisch siehe: sputniknews.com)

Der Kreml begann militärische Operationen in Syrien letzten September mit Luftschlägen gegen Terroristen wie Daesh, auch bekannt als lS/Islamischer Staat. Die russische Regierung handelte auf Bitte der legitimen Regierung Syriens unter Präsident Bashar Al-Assad. Moskau meldete vor wenigen Wochen, dass die Mission ihre Zwecke erfüllt habe.

Syrien: Größte aktuelle humanitäre Krise der Welt

Der vom Westen angestifte Krieg in Syrien tobt seit 2011. Die syrische Regierung bekämpft seitdem die bewaffnete Opposition und verteidigt das Land gegen verschiedene Gruppen von Terroristen, einschließlich Daesh/der Islamische Staat (IS, vorher ISIS/ISIL) und die Al-Nusra-Front. Syrien sieht sich einer terroristischen Aggression gegenüber mit Gräueltaten, die nach Wesen und Gestalt in den letzten Jahrzehnten beispiellos sind und vielleicht sogar in den vergangenen Jahrhunderten. Der Konflikt führte laut Schätzungen der Vereinten Nationen zu über 250.000 Toten, über 6,5 Millionen intern Vertriebene und über 4,8 Millionen, die aus dem Land flüchteten.


Luz María de Stéfano Zuloaga de Lenkait ist chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Sie war jüngstes Mitglied im Außenministerium und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen. In Deutschland hat sie sich öffentlich engagiert für den friedlichen Übergang der chilenischen Militärdiktatur zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat, u.a. mit Erstellen von Gutachten für Mitglieder des Deutschen Bundestages und Pressearbeit, die Einheit beider deutschen Staaten als ein Akt der Souveränität in Selbstbestimmung der beiden UN-Mitglieder frei von fremden Truppen und Militärbündnissen, einen respektvollen rechtmäßigen Umgang mit dem vormaligen Staatsoberhaupt der Deutschen Demokratischen Republik Erich Honecker im vereinten Deutschland, für die deutsche Friedensbewegung, für bessere Kenntnis des Völkerrechts und seine Einhaltung, vor allem bei Politikern, ihren Mitarbeitern und in Redaktionen. Publikationen von ihr sind in chilenischen Tageszeitungen erschienen (El Mercurio, La Epoca), im südamerikanischen Magazin “Perfiles Liberales”, und im Internet, u.a. bei Attac, Portal Amerika 21, Palästina-Portal. Einige ihrer Gutachten (so zum Irak-Krieg 1991) befinden sich in der Bibliothek des Deutschen Bundestages.

Online-Flyer Nr. 561  vom 11.05.2016

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