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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Krieg und Frieden
Gedanken für einen friedlichen Völkervorfrühling
Den verdrehten Sinn gerade rücken
Von Irene Eckert

„Alles ist jetzt verkehrt. Alle stellen sich auf den Kopf und strampeln mit den Beinen in der Luft... Ihr seid ja von eurer Eitelkeit und eurem Stolz so angeschwollen, dass ihr euch am Schluss noch gegenseitig auffressen werdet, das prophezeie ich euch.“ (Lisaweta Prokjofewna Jepantschin, Dostojewski, der Idiot, 1869) Es ist im Frühjahr 2016 noch vieles mehr verkehrt, verdreht durch hochdotierte Spezialisten für mediale Desinformation, als sich unser einer bei der täglichen Lektüre oder auch beim Gang auf die Straße bewusst machen mag. Hören und Sehen kann einem westlich gebildeten Menschen dabei schon einmal vollkommen vergehen. Das alte Freund-Feind-Schema ist lange dahin. Jedes Wort muss neu auf die Goldwaage gelegt werden. Die gute Botschaft: So lange da Leben ist, lässt sich jeder menschengemachte Unsinn auch wieder gerade rücken. Wunden lassen sich heilen. Was von Menschen zerstört wurde, kann von Menschen wieder aufgerichtet werden. Zurecht meint der kluge Volksmund, dass Lügen kurze Beine haben und er weiß, dass die Wahrheit am Ende ans Licht kommt. Wahrhaftigkeit muss aber unser Tun leiten, damit es genießbare Früchte tragen kann.

Der Krieg scheut das Licht

Im Gegensatz dazu gehört es zur imperialen Verwirr-Strategie seit jeher zu lügen, was das Zeug hält. Die Möglichkeit zur Wahrheitsfindung wird postmodern grundsätzlich geleugnet, wenn es um Belange des menschlichen Miteinander geht. Das ist natürlich barer Unsinn und auf Dauer unhaltbar. Ein Fakt bleibt schließlich ein Fakt und lässt sich objektiv überprüfen. Tatsachenaussagen kann man verifizieren oder falsifizieren und zwar unabhängig vom Betrachter- Standpunkt. So lässt sich natürlich objektiv feststellen, wer oder was für den Absturz oder gar Abschuss von Flugzeugen verantwortlich ist. Es lässt sich durchaus feststellen, ob und wie viele zivile Opfer die russischen Bombenangriffe in Syrien verursacht haben oder eben auch nicht. Das Zeitalter der Drohnen und Satelliten lässt nichts verborgen. Die Wahrheit aber braucht die Macht im Rücken, damit sie Verbreitung finden kann. Grundsätzlich sind Opfer und Täter im 21. Jahrhundert mit Hilfe modernster Überwachungstechnologie natürlich unterscheidbar. Unbestritten davon bleibt, dass manche Kreise das Licht der Wahrheit scheuen und es manchmal auch einen Rollenwechsel gibt. Auch ein solcher lässt sich schließlich nachweisen, auch wenn es manchmal lange dauert. Wer die Macht besitzt, kann natürlich Tatsachen vertuschen, kann von der Lüge eine ganze Zeitlang profitieren. Das unkontrolliert lügenhafte Gebaren der Mächtigen aber bringt kontaminierte Früchte hervor, deren Genuss unser aller Ruin am Ende bedeuten könnte.

Der tönerne Koloss verfängt sich allmählich im eigenen Lügengestrüpp

Wir befinden uns in einem Zeitalter des epochalen Übergangs. Die Ära des ungezügelten Kapitalismus neigt sich ihrem Ende zu. Die westlich-hegemoniale Vorherrschaft hat komplett versagt und wird von der Geschichte verdrängt werden. Gezielt herbeigeführtes Chaos, Hunger, Elend, Kriege, Massenmigration, Umweltvernichtung und Kulturzerstörung sind seine katastrophale Bilanz. Der Niedergang solcher Ignoranz gegenüber Mehrheitsbelangen ist vorprogrammiert. Jetzt endlich naht der Moment, wo der tönerne Koloss des noch mächtig erscheinenden, US-geführten Imperiums über sein undurchschaubar gewordenes Lügengespinst zu stolpern beginnt.


"Nato oder Weltherrschaft", Gemälde von Ursula Behr, 2009

Sein absehbarer Garaus wird die Völker am Ende wieder freier atmen lassen. Es gilt daher, die Wahrheit über sein angeschimmeltes Unwesen voll umfänglich zu erkennen. Diese allein ist zwar noch kein Garant für den Frieden, um aber zu einem friedvollen Miteinander zu gelangen, müssen wir die Dinge zunächst einmal bei ihren wahren Namen nennen. Prüfen wir also, woher der Wind weht.

Der Weltfrieden ist bedroht durch das NATO-Kriegsbündnis und seine Vasallen

Die jüngsten Eskalationen im Nahen Osten gehen aus von der neo-otto-manischen Türkei und vom mittelalterlichen Saudi Arabien. Im geheimen Einverständnis handeln diese Länder auch mit dem Hebräer-Staat Israel, einem Land ohne Grenzen, dem kein Verbrechen zu gemein ist, um es am palästinensischen Volk zu verüben.

Die US-geführte Pseudo-Anti-Terror-Koalition, mühsam zusammengebunden von aggressiven NATO-Kreisen, ihren Rüstungsschmieden und ihren Vasallen, konnte gegen das Krebsgeschwür der ISIS und Konsorten natürlich nichts ausrichten. Schließlich sind die Zauberlehrlinge des Terrors doch Metastasen ihrer hauseigenen Geschwulst. Erst das entschiedene, strategisch zielklare und punktgenaue Eingreifen der Russen hat deutlich gemacht, dass der Antiterrorkampf durchaus zu gewinnen ist. Nur wo ein Wille ist, da ist eben auch ein Weg.

Das NATO-Mitglied Türkei tut selbstverständlich keinen seiner unheilvollen Schritte ohne Absprache mit seinen Verbündeten. Gleiches gilt für das saudische Königreich und Israel, die beide als Vorposten neokolonialer Interessen, als Pfahl im Fleische der arabischen Welt, zu agieren haben. Zu ihnen fließt daher ungehindert alles, was die NATO-Rüstungskonzerne im Angebot haben. Ihre Mietlinge haben die Lizenz zum Töten und zum allzeitigen Verstoß gegen Menschen- und Völkerrecht. Ihre Terrorableger in Afghanistan, im Irak, in Libyen, in Syrien und anderswo gehen ausnahmslos auf das Konto dieser Gesellen und ihrer Hintermänner. Alle zusammen sind sie Resultate einer Jahrhunderte alten, kolonialen, rassistischen und menschenverachtenden Politik. Das bösartige Schimpfwort „Antisemit“ gegen jeden, der es wagt, die immer dreister werdenden Untaten Israels anzuprangern, beleidigt die Opfer des Faschismus und verkennt dessen Saat.

Russland und seine Verbündeten sind Stützen des Weltfriedens

Ohne Russland gäbe es den souveränen, säkularen Staat Syrien nicht mehr. Das Chaos in der Region wäre noch unheilvoller und noch gewaltiger wären die Flüchtlingsströme. Ohne Russland kein Chemiewaffenabkommen mit Assad, keinen Iran-Deal mit Rouhani, kein Waffenstillstandsabkommen in München mit dem UN-Syrien-Beauftragten Mistura und den 17 Staaten der Syrien-Kontakt-Gruppe.

Die Aufhebung der Iran-Sanktionen kommt dem friedlichen Handel und Wandel aller zugute. Die gebeutelte Region wird stabilisiert und ein Stückchen Frieden rückt näher.

Die Achse Iran-Russland, eben gestärkt durch den jüngsten Moskau Besuch von Verteidigungsminister Hossein Dehghan ist also dem Frieden in der Region zu- und nicht abträglich. Die türkisch-saudische NATO-gestützte Achse des Krieges dagegen ist diesem jungen Friedensbund und seinen mächtigen Freunden in Asien, Lateinamerika und auch in Afrika nicht gewachsen. All ihre Drohgebärden laufen ins Leere, wo die Kräfte der Vernunft und des strategischen Weitblickes sich zusammentun.

Doppelmoral macht unglaubwürdig

Der kompromissbereite US-Außenminister Kerry wird dagegen von seinen eigenen Leuten der Unwahrhaftigkeit überführt und der Lächerlichkeit preisgegeben. So geschehen, wenn er in München am 12. Februar ausdrücklich vor der internationalen Presse hervorhebt, dass es nicht die Russen waren, die die Genfer Syrien-Gespräche im Januar torpediert haben, sondern wahrheitsgemäß die syrische Opposition. Wenn Kerry mit Bezug auf die UN Resolution 2254 hervorhebt, dass die dort definierten Terrorgruppen, unabhängig von einer Waffenruhe, weiter bombardiert werden dürfen und er kurze Zeit später sich selbst ins Wort fallen und die Russen anprangern muss, dann verliert er an Überzeugungskraft.

Die Glaubwürdigkeit der US-Außenpolitik wird weiter dadurch untergraben, dass ihre Verbündeten sich gegenseitig an den Kragen gehen oder sich klammheimlich davonstehlen. Die Türken definieren scheinbar eigenmächtig, wer als Terrorist zu bekriegen ist. Die syrischen Kurden, eben noch US-Partner im vermeintlichen Kampf gegen den ISIS-Terror, werden nun selber zu Terroristen umgedeutet und ohne Rücksicht auf Völker- oder Menschenrecht auf fremdem Hoheitsgebiet angegriffen. Menschenrechtsverletzungen liegen also offenkundig immer da vor, wo gegen US-Kalkül verstoßen wird. Das nennt man Messen mit zweierlei Maß. Solche Doppelmoral kratzt auf Dauer das Image der westlichen 'Wertegemeinschaft' empfindlich an. Friedensarbeit muss solche Doppelmoral anprangern. Friedensarbeit muss aufrichtig, eindeutig, konsequent und jedermann verständlich sein.

Friedensarbeit heißt Kooperation mit den BRICS Staaten (1), mit Iran und Syrien suchen!

Friedensarbeiter im Westen müssen vor allen Dingen die Scheuklappen abnehmen und mit Russland, Syrien, Iran und China zusammenarbeiten. Dort finden sich befähigte Bündnispartner im Kampf um eine alternative, friedliche, multipolare Weltordnung, eine Ordnung, die ohne Hegemon auskommt. Dort finden sich jene leidgeprüften Nationen, die für den Weltfrieden jegliche diplomatische Mühe auf sich nehmen. Wer nach Wegen aus der Gefahr sucht, der findet dort seine zuverlässigsten Partner.

Friedensarbeit findet nicht vorrangig auf der Straße statt

Friedensarbeit ist in erster Linie Kopfarbeit. Der Schreibtisch, das Laptop, das Buch sind die Kampfinstrumente des Friedens. Friedensarbeit heißt zuverlässige, geprüfte, fundierte, beweiskräftige Information sammeln und weiterreichen. Die Köpfe müssen vom Geist der Verunreinigung, der Verwirrung, der Irreführung befreit werden. Der Müll der Kriegshetze muss raus und friedenspolitische Aufklärung muss rein.

Wider die verordneten Feindbilder antreten

Die erste Aufgabe von Friedensarbeit heißt der Feindbildpropaganda entgegentreten. Dämonisierung und Heroisierung von Führungspersönlichkeiten sind nur zwei Seiten einer Medaille. Der im Schafspelz verborgene Wolf bleibt meist unerkannt. Die beste Orientierungshilfe ist ist Sachbezogenheit, Prüfung von Argumentationsketten über lange Zeiträume und innere Unabhängigkeit. Wer viel buntes und gedrucktes Hochglanzmaterial verbreitet, muss sich fragen lassen, woher er die Mittel dafür nimmt.

Der Fokus der aufklärenden Argumentation muss machtkritisch sein und ins aktuelle Zentrum der Problematik zielen. Wer lange um den heißen Brei herum redet und das Herz der Macht nur am Rande streift, macht sich unglaubwürdig.

Profiteure der Kriegspolitik in den Fokus nehmen

Der Gegner in der Friedensarbeit ist die Kriegspolitik der NATO-Staaten, von ihnen geht, um es noch einmal hervorzuheben, eine menschheitsbedrohende Gefahr aus. Ihre Propaganda-Maschinerie gilt es zu knacken. Die Profiteure der Kriegspolitik sind im militärisch-industriellen Komplex zu suchen und in der Sicherheitsindustrie, aber auch in der Medienindustrie, die ihre heiße Ware weiß wäscht. Die Verfechter einer russlandfeindlichen, chinafeindlichen, iranfeindlichen, syrienfeindlichen Politik müssen daher von Kriegsgegnern ins Kreuzverhör genommen werden. Intellektuelle Abrüstung ist zu fordern.
Umwidmung von Geldern für zivile Belange muss stets auf die Agenda. Das gleiche gilt für die Beachtung der Vorschriften des Rechtsstaates, der verfassungsrechtlichen und völkerrechtlichen Ordnung. Diese zu verteidigen ist Friedensauftrag. Wir dürfen uns nicht in kleinkarierte Grabenkämpfe verstricken lassen. Wer nicht überzeugt, dem wenden wir den Rücken zu.

Die Souveränität unseres Landes gegen Übergriffe verteidigen

Wer mehr Demokratie will und Volksentscheide für bedeutsam hält, sollte um glaubwürdig zu sein und realitätsbezogen zumindest auf das Grundgesetz Art. 20 verweisen und die Abendrothsche Interpretation unserer Verfassung kennen. Da wir keine andere haben, müssen wir diese verteidigen. Wer das nicht tut ist ein Phantast im besten Fall.

Der militärisch-industrielle Komplex hat keinen Respekt vor der rechtsstaatlichen Ordnung. Es ist daher an uns, sie zu verteidigen und zwar konkret. Sich gegen hegemoniale, verfassungs- und rechtswidrige Übergriffe zu wehren, das heißt etwa den Abzug der Atomwaffen aus Büchel zu fordern, ebenso die Schließung aller US-Militärbasen im Lande, allen voran die der US-Drohnen-Kriegszentrale Ramstein. Auch heißt es, auf unserer nationalen Unabhängigkeit zu bestehen und die gewählten Vertreter dahin gehend in die Pflicht zu nehmen.

Wenn man derart wichtige friedenspolitische Belange ins Zentrum rückt, wird schnell klar, wer wo oder gar ganz falsch liegt. Die Verunglimpfung ganzer Staatswesen zielt auf Zerstörung deren Souveränität. Die Abwertung des Nationalstaates als solchem dient nur der Chaos-Politik jener Staaten, die ihre Vorherrschaft um jeden Preis bewahren wollen, im Interesse und im Auftrag ihrer Eliten. Das sehr verbreitete Abschweifen auf randständige Fragen lässt immer berechtigte Zweifel an der Integrität der Handelnden aufkommen.

Elitenkritik an alle Orte tragen

Kritik an den eigenen und nicht an fremden Eliten ist das Gebot der Stunde. Zweifel nicht nur gegenüber den Zentren der Macht sind lautstark zu artikulieren. Nicht die neu aufkommenden basialen, zum Teil sicher längst auch gekauften Oppositionsbewegungen stellen derzeit die Hauptgefahrenquelle dar, sondern unsere hörigen Eliten.

Diese anzuprangern und die Machtkritik ins Zentrum zu rücken, erfordert mehr als nur Mut. Wie Bert Brecht schon in seinen „Fünf Schwierigkeiten beim Verbreiten der Wahrheit“ wusste, sind Scharfblick und die Gabe um die Ecke zu denken ebenfalls erforderlich. Mit dem pseudolinken, pseudo-friedens-bewegten Strom zu schwimmen, kostet nichts und bringt schon längst nichts mehr ein. Den Mund zum Einspruch öffnen, wenn alle „Friedensaktiven“ mehr oder weniger ausbalanciert im Gleichschritt marschieren, Zweifel zu artikulieren am verordneten Weltbild, das kostet wirklich Kraft, viel Zeit zur Wissensaneignung und Zivilcourage. Es erfordert dies unter Umständen mehr, als sein Fähnchen vor sich her auf die Straße zu tragen. Man muss bereit sein, gewisse Kreise zu stören und deren Gemunkel. Man riskiert Freundschaften und merkt sehr schnell, woher der Wind weht. Nicht viele halten dem Sturm stand. Wer aber aufrichtig kämpft, gewinnt an Selbstvertrauen und findet bald neue, treue, zuverlässigere Partner.


1 Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika


Erstveröffentlichung unter dem Titel "Gedanken für einen friedlichen Völkervorfrühling - Den verdrehten Sinn gerade rücken, darauf kommt es jetzt friedenspolitisch an" am 20. Februar 2016 in Eirenae's Blog

Online-Flyer Nr. 550  vom 24.02.2016

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