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Aktueller Online-Flyer vom 16. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Dafür verantwortlich sind primär die Industrieländer, allen voran die USA:
Das Treibhaus brennt
Von Harald Schauff

Seit Jahrzehnten sind sich alle Staatsrepräsentanten darin einig, dass es höchste Zeit ist, etwas zu unternehmen gegen die fortschreitende Klimaerwärmung. Schon beim zähen Ringen um eine Vereinbarung zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhaus-Gasen entsteht der Eindruck, dass sie es doch nicht all zu eilig haben. Geht es an die Umsetzung der vereinbarten Ziele zeigt sich, dass andere, ganz kapitale Interessen immer noch Vorrang genießen gegenüber dem Klimaschutz.


George Bush sen.
NRhZ-Archiv
Bislang folgte den großen Ankündigungen nur ein weiterer Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen. 2013 lagen sie bei 35,3 Milliarden Tonnen gegenüber 23 Milliarden 1990. Durch das Wachstum der Schwellenländer hat sich der ‘anthropogene’ = von menschlicher Aktivität herrührende Einfluss auf die Erderwärmung zwischen 1980 und 2011 verdoppelt (Inform.: le monde diplomatique / Nov. 2015). 

 

Seit dem Rio-Gipfel 1992 betont die internationale Staatengemeinschaft offiziell die Notwendigkeit, sofort und radikal umzusteuern. Tatsächlich wurde seitdem der alte verheerende Kurs beibehalten und der Weltpott noch tiefer in den von Kohlestaub eingehüllten Ölteppich gesteuert. Dafür verantwortlich sind primär die Industrieländer, allen voran die USA. 

Der Hauptanteil der Emissionen geht auf das Konto großer Energie-Firmen. Der US-Ölkonzern Chevron soll seit seiner Gründung sechsmal so viel in die Atmosphäre gepustet haben wie alle afrikanischen Länder südlich der Sahara (ohne Südafrika) seit 1850. Gazprom stößt so viel aus wie das gesamte Afrika und Saudi-Aramco mehr als Lateinamerika. 

Das Beste ist: Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas geschieht mit tüchtiger Nachhilfe von Steuerzahlers Groschen. 2013 betrugen die Subventionen für fossile Brennstoffe 480 Mrd. Dollar. Mehr als das Vierfache der Investitionen in regenerative Energien. Fossil-Lobbyisten verdrehen diesen Umstand gern, wenn sie die angeblich übertriebene staatliche Förderung von Solaranlagen und Windparks anprangern. 

Auf der anderen Seite sind Schiffsdiesel und Flugbenzin steuerbefreit und sollen es bleiben. Zu diesen Faktoren gesellt sich die fehlende Bereitschaft, unsere Produktions- und Konsumgewohnheiten grundsätzlich in Frage zu stellen. Allein deshalb scheinen angekündigte Ziele zur Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes nicht das Papier wert, worauf sie stehen. Dabei ist klar: Der Großteil der verbliebenen Vorkommen an fossilen Brennstoffen sollte im Boden bleiben, sonst ist die Klimakatastrophe nicht zu verhindern. Damit dies gelingt, sollte weltweit an einem Strang gezogen werden, was wiederum eine Bekämpfung der globalen Ungleichheit erfordert. 

1992 erklärte George Bush sen. den amerikanischen Lebensstil für nicht verhandelbar. Genau davon ist jedoch abzurücken, um den Globus nicht vollends zu ruinieren. Schleunigst. Die Natur sendet bereits deutliche Warnsignale. Nicht nur als Extremwetter, sondern auch als Leuchtfeuer: Im August meldete der SPIEGEL (34/2015) gewaltigen Brände in den arktischen Tundra-Wäldern Alaskas und Kanadas. Zum Zeitpunkt der Meldung war bereits eine Fläche annähernd der Größe Bayerns verbrannt. Die arktischen Permafrostböden enthalten doppelt so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre. Tauen sie durch die Brände auf, könnte das Treibhausgase wie Methan freisetzen und die Klimaerwärmung beschleunigen. Ein Waldbrandjahr in Alaska pustet halb so viel CO 2 in die Atmosphäre wie der gesamte weltweite Flugverkehr. Fazit: Das Verrauchen fossiler Brennstoffe ist unverzüglich einzustellen. (PK) 

Harald Schauff ist Redakteur der Kölner Obdachlosen- und Straßenzeitung "Querkopf" und hat diesen Beitrag in deren aktueller Ausgabe veröffentlicht.



Online-Flyer Nr. 544  vom 06.01.2016

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