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Aktueller Online-Flyer vom 27. Juni 2016  

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Protest gegen die Schliessung des Vaillant-Werks Gelsenkirchen
Gegen Gier und Lügen
Von Arbeiterfotografie

„Vaillant produziert im Werk Gelsenkirchen auf höchst effizientem Niveau und kann jährlich bis zu 150.000 Sonnenkollektoren mit einer Gesamtkollektorfläche von etwa 370.000 Quadratmetern produzieren.“ Und: „Mit dem Start der Produktion von Wärmepumpen im Werk Gelsenkirchen setzt Vaillant weiter auf den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ So steht es auf der Seite zur Geschichte des Vaillant-Konzerns. Doch jetzt heißt es: die Geschäftsführung des Vaillant-Konzerns will das Gelsenkirchener Werk bis Anfang 2018 schließen. Ca. 200 Menschen sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Die IG Metall mobilisiert gegen "Gier und Lügen". Am 19. Dezember 2015 hat sie zum öffentlichen Protest gegen die Verlagerung der Produktion ins Ausland aufgerufen. Etwa 400 Menschen sind dem Aufruf gefolgt.


Protest gegen die drohende Schließung des Vaillant-Werks Gelsenkirchen
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com (Sven Kaiser)


Protest gegen die Schließung


Knut Giesler (Bezirksleiter NRW der IG Metall): „Die Geschäftsführung sollte den [Nachhaltigkeits-]Preis zurückgeben. Sie hat ihn nicht verdient!“ Und er zitiert noch einen Satz von der Homepage des Unternehmens: „Wer zur Vaillant-Group kommt, der bleibt.“


Protest gegen die Schließung: „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze“


Robert Sadowsky (IG Metall Gelsenkirchen): „Wir alle sagen Nein zur Schließung von Vaillant in Gelsenkirchen!“


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung


Frank Baranowski (Oberbürgermeister von Gelsenkirchen): „Das ist eine unternehmerische Entscheidung, die nicht nachvollziehbar ist. Vaillant sieht sich selbst als familiäres Unternehmen. Aber den familiären Zusammenhalt gibt es nicht, denn so geht man nicht mit Familienmitgliedern um!“


Protest gegen die Schließung


Yasemin Rosenau (Betriebsratsvorsitzende von Vaillant Gelsenkirchen): „Die Stammbelegschaft in Gelsenkirchen zählt 199 Kolleginnen und Kollegen. Ein Indiz dafür, dass wir nicht zu wenige Aufträge haben, ist die zusätzliche Beschäftigung von 23 Leiharbeitnehmern.“


Protest gegen die Schließung: „Keine Entlassungen! Arbeit für unsere Region“


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung: „Keine Entlassungen! Gute Arbeit für unsere Region!“


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung: „Entlassungen trotz Profit“


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung: „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze“


Protest gegen die Schließung: „Keine Entlassungen! Gute Arbeit für unsere Region!“


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung


Protest gegen die Schließung: „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze“


Der Protest-Aufruf ist überschrieben mit "Keine Werksschließung bei Vaillant!". Weiter heißt es darin:

„Liebe Mitbürgerin, lieber Mitbürger, liebe Kollegin, lieber Kollege, die Geschäftsführung des Vaillant-Konzerns will das Gelsenkirchener Werk bis Anfang 2018 schließen. 199 Menschen sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Begründung: Davon verspricht man sich höhere Gewinne. Und das, obwohl der Konzern insgesamt schwarze Zahlen schreibt und auch das Gelsenkirchener Werk seit seinem Bestehen (1987) noch nie rote Zahlen geschrieben hat. Es gibt realistische Alternativen zu diesen unsozialen Schließungsplänen. Der Betriebsrat und die IG Metall haben das immer wieder nachgewiesen. Es darf nicht sein, dass in unserer von hoher Arbeitslosigkeit betroffenen Region noch mehr Arbeitsplätze – ohne Not und aus reinem Gewinnstreben – abgebaut werden! Wir fordern das Unternehmen Vaillant auf: Erhalt des Werks in Gelsenkirchen! Nehmen Sie die Beschlüsse zur Verlagerung der Produktion weg aus den deutschen Standorten zurück! Das wollen wir laut und deutlich sagen... Kommt alle zur Demonstration gegen Werksschließung, Verlagerung und Arbeitsplatzabbau! Vaillant Gelsenkirchen muss bleiben!“

Die IG Metall NRW berichtet vom Tag des Protests. Ihr Bericht mit dem Titel "Demo gegen Vaillant, Gier und Lügen" ist nachfolgend wiedergegeben:

„Mächtige sollen gestürzt, Unterdrückte aufgerichtet werden“

Vaillant in Gelsenkirchen arbeitet profitabel, soll aber 2018 geschlossen werden. Dagegen protestierten heute 400 Menschen.

19. Dezember, kurz vor 10 Uhr: Vor dem MIR (Musiktheater im Revier) am Kennedyplatz in Gelsenkirchen stehen schon einige hundert Demonstranten. Jemand singt „Alle Eure Sorgen werft auf Ihn, denn Er sorgt für Euch!“ Es ist der katholische Pfarrer. Sein evangelischer Amtsbruder spricht ins Mikro: „Nicht, dass Ihr meint, Ihr seid im falschen Film.“ Ganz im Gegenteil. Die „revolutionäre Botschaft von Weihnachten“ laute: „Mächtige sollen gestürzt und Unterdrückte aufgerichtet werden.“ Jesus‘ Programm sei „der Umsturz bestehender Verhältnisse“ gewesen. Deshalb sei der Protest gegen die Stilllegung eines profitablen Werks „Inhalt von Weihnachten“.

Die Pfarrer stimmen das „Vater unser“ an. Die Gespräche verstummen, es wird still; der kurze Gottesdienst ist beendet. Die Betriebsratsvorsitzende von Vaillant, Yasemin Rosenau, schreibt oben auf das hölzerne „Kreuz der Arbeitslosigkeit“ mit rotem Filzstift „Vaillant 2015“. Weiter unten steht „Vaillant 2003-2004“. Schon damals sollte das Werk plattgemacht werden. „Aus reiner Profitgier“, schrieb „metall“, die Vorläuferin der „metallzeitung“.

„Und weil der Mensch ein Mensch ist...“

Im Gänsemarsch setzt sich der Demo-Zug in Bewegung, bei Sonnenschein und 15 Grad Celsius; über Flora-, Luitpold-, Ring- und Augusta-Straße, durch die weihnachtlich geschmückte Fußgängerzone, bis zur kleinen Zeltbühne vor dem Bahnhof. Dort kommen wir nach knapp einer Stunde an. In der Glasfassade des Bahnhof-Centers spielt sich die Fassade des alten Postamtes von 1910. Heiko Fänger spielt Gitarre und singt das Einheitsfrontlied („Und weil der Mensch ein Mensch ist…).

Der IG Metall-Bevollmächtigte der Stadt, Robert Sadowsky, ruft über den Platz: „Wir alle sagen Nein zu Schließung von Vaillant in Gelsenkirchen!“ Es gebe Alternativen. Oberbürgermeister Frank Baranowski, SPD,  sagt: „Man muss dieser Belegschaft die Chance geben, sich einzubringen.“ Wie 2003. Damals sei die Firma gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Dieses Mal denkt die Firmenleitung nicht daran; das hat sie gestern noch betont, als NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) versuchte, sie von der Werksschließung abzubringen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Vaillant-Zentrale in Remscheid, Rainer Häusler, ruft die Gelsenkirchener auf, „weiter zu kämpfen“. In Remscheid sollen 170 von knapp 2000 gehen und ihre Arbeit – wie die ihrer 200 Kollegen in Gelsenkirchen – in die Slowakei verlagert werden.

IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler erinnert an den 6. Mai. Damals hat er Vaillant besucht, und das Management habe gesagt, Gelsenkirchen sei „der“ Standort für mit regenerativer Energie betriebene Heizanlagen. Jetzt sollten zu den 2300 Arbeitsplätzen, die allein in den vergangenen zwölf Monaten verloren gegangen sind, weitere 200 hinzukommen. Die Stadt hat eine Arbeitslosenquote von 15 Prozent.

„Wer zur Vaillant-Group kommt, der bleibt.“

Am 20. November hat das Familienunternehmen Vaillant sein Verlagerungsprogramm „Fit for go“ bekannt gegeben. Zehn Tage später erhielt es den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2015. In der Pressemitteilung der Firma heißt es: Vaillant komme „als Anbieter von Schlüsseltechnologien für die Energiewende … seiner ökologisch-sozialen Verantwortung … in mustergültiger Weise nach.“ Knut Giesler ist empört: „Die Geschäftsführung sollte den Preis zurückgeben. Sie hat ihn nicht verdient!“ Und er zitiert noch einen Satz von der Homepage des Unternehmens: „Wer zur Vaillant-Group kommt, der bleibt.“

Slowakei übernimmt bis zu 70 Prozent der Investitionskosten. Josef Hülsdünker, der DGB-Vorsitzende der Region Emscher-Lippe, hat sich gefragt, was Vaillant ausgerechnet in die Slowakei zieht – und ist auf der Internetseite des slowakischen Honorarkonsuls in Bad Homburg fündig geworden. Danach lauten drei der „10 Gründe, um in der Slowakei zu investieren“:
- Einheitlicher Steuersatz i.H.v. 19% und 0% Dividende Steuersatz
- Niedrige Arbeitskosten bei hoher Arbeitsproduktivität
- Investitionsanreize

Dort ist nachzulesen, dass es neben dem einheitlichen Steuersatz von 19 Prozent auf alle Einkommen „keine doppelte Versteuerung und keine Dividendensteuer“ gibt. Der durchschnittliche Monatslohn betrug 2008 inklusive Nebenkosten 977 Euro; er sei geringer als in Polen und Ungarn. Das Reizvollste aus Unternehmersicht dürften die Investitionsanreize in den Bereichen „High-Tech“ und „strategische Dienstleistungen“ sein: Die Staatshilfe beträgt bis zu 50 Prozent – in besonderen Fällen sogar 60 oder 70 Prozent – der Investitionsausgaben!

Die Protestkundgebung geht zu Ende. Es ist 5 vor 12.

Online-Flyer Nr. 543  vom 30.12.2015

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Von Kostas Koufogiorgos
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