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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Kommentar
Saudi-Arabien gründet eine »Antiterrorallianz« gegen IS und Al-Nusra
Bock zum Gärtner
Von Rainer Rupp

Nein, es ist noch nicht der 1. April. Aber die Nachricht, dass ausgerechnet Saudi-Arabien eine Militärallianz von 35 islamischen Ländern zur Bekämpfung des Terrorismus gegründet hat, schien ein schlechter Scherz zu sein. Dennoch gab es Lob von westlichen Politikern und Medien. Das zeige, dass die Nationen des christlichen Abendlands nicht allein gegen Terrorismus im Mittleren Osten kämpften, sondern von ihren islamischen Waffenbrüdern wie Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Türkei und vor allem Saudi-Arabien aktiv unterstützt würden.

 


Saudi-Arabiens König Salman bin Abdulaziz
Quelle: newshe.at

 

Es fragt sich nur, welchen »Terrorismus« diese Finanziers, Ausstatter und Waffenlieferanten islamistischer Fanatiker wie IS und Al-Nusra tatsächlich bekämpfen wollen. Schließlich teilen sie nicht nur die Ziele dieser brutalen Banden, die bereits den gesamten Mittleren und Nahen Osten in Brand gesteckt haben, sondern stecken mit ihnen auch ideell unter der gleichen Decke. 

Saudi-Arabien und die anderen sunnitischen Aristokratien am Golf sehen ihre Erzfeinde in der säkularen politischen Führung sowohl in Syrien als auch im Irak, zumal beide gute Beziehungen zum schiitischen Iran unterhalten. Dessen Einfluss soll zurück gedrängt werden, was auch ein Ziel Washingtons ist. Die USA wiederum hatten mit ihrem Angriffskrieg gegen den Irak das säkular gestaltete Regierungssystem von Saddam Hussein komplett zerstört. Nun stellt die schiitische Mehrheit mit traditionell engen Beziehungen zum Iran die Regierung in Bagdad. Das wiederum lässt die Saudis um ihre regionale Hegemonie fürchten. Derweil versuchen die ebenfalls religiös daherkommenden sunnitischen Machthaber in der Türkei den aktuellen Konflikt auszunutzen, um territoriale Ansprüche gegenüber Syrien und geostrategische Ziele gegen die Kurden durchzusetzen. 

 


Die "Gysi-Bibel"
Quelle: Eulenspiegel-Verlag

 

Was soll vor diesem Hintergrund Saudi-Arabiens neue militärische "Antiterrorallianz"? Dem IS- und Al-Nusra-Terror könnte das neue Bündnis im Handumdrehen den Geldhahn zudrehen, und ohne Nachschub an Waffen und Material aus den Staaten des neuen Bündnisses, z.B. Panzerabwehr-raketen aus US-Produktion und deutsche Maschinengewehre, könnte sich der ganze Spuk nicht lange halten. 

Allerdings darf stark bezweifelt werden, dass das islamistische Saudi-Arabien und seine islamistischen Verbündeten gegen ihre islamistischen Ziehkinder von IS, Al-Nusra usw. mehr tun werden als – wie bisher – zum Schein mal eine Bombe in den Wüstensand zu werfen. Die von der Allianz zu bekämpfenden »Terroristen« werden vielmehr die kurdische PKK, die Huthi-Kämpfer im Jemen, die Hisbollah im Libanon und andere sein. Aus gutem Grund hatte sich der Gregor Gysi als Redner der LINKEN bereits 2011 öffentlich gegen Waffenlieferungen an Saudi Arabien ausgesprochen. 

Hauptsächlich aber scheint es den Saudis und den Türken darum zu gehen, die Krise für eine Neuordnung im Nahen Osten zu nutzen. Das aber ist ein gefährliches Unterfangen. Denn über den »unberechenbaren« Faktor Türkei (Sigmar Gabriel) kann die NATO und damit auch Deutschland schnell in einen großen Konflikt hineingezogen werden. (PK) 

Von Hanno Harnisch (Hg.), Olaf Miemiec (Hg.)
"Worte des Vorsitzenden Gregor Gysi"

ISBN 978-3-359-02490-3 
160 Seiten
7,5 x 10,5 cm
brosch.
sofort lieferbar
10,00 € 

Die politischen Positionen des demokratischen Sozialisten Gysi aus vielen Jahren aufreibender Arbeit, aus Reden, Interviews, Parteipapieren und Talkrunden, zusammengefasst in zitabler Form und in origineller Aufmachung.

Gysi nimmt die Sache ernst, die Agitation leicht und das Leben und sich selbst locker. Deshalb gibt es hier mehr zum Lachen, mehr Überraschendes und Amüsantes als in allen andern Bibeln. Klare Ansagen zu Meinungen und Auftritten seiner Gegner sind dabei nicht ausgeschlossen - 160 Seiten reines Polemik-Vergnügen. 

Hanno Harnisch (Hg.)

Hanno Harnisch, geb. 1952, studierte Philosophie in Rostow am Don und in Berlin; arbeitete als Journalist (DT 64 und Neues Deutschland) und als Pressesprecher der PDS, aktuell bei der Linksfraktion im Bundestag; lebt in der Prignitz. 

Olaf Miemiec (Hg.)

Olaf Miemiec, geb. 1968, studierte Philosophie und Logik in Leipzig und promovierte dort; arbeitet für die Linksfraktion im Bundestag und lebt in Berlin.



Online-Flyer Nr. 542  vom 23.12.2015

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