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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Medien
Die Tagesschau: Kaum Nachrichten, viel Meinung
Der Golineh-Lügen-Automat
Von Ulrich Gellermann

Schon wieder müssen die ARD-Experten Bräutigam und Klinkhammer ihres Amtes walten: Dem Staatsfunk erklären, was er darf und was nicht. Das ist eine mühselige Arbeit, um die niemand die beiden beneidet. Denn in der ARD hat man eine ideologische Harthörigkeit entwickelt, die mit Journalismus wenig zu tun hat. Vor allem der antirussische Reflex, aus dem Kalten Krieg übrig geblieben, scheint nicht heilbar. Insbesondere die Frontkämpferin dieser Ideologie, Frau Golineh Atai, ist unbelehrbar, wie das folgende Beispiel belegt. Wir wünschen den Experten trotzdem viel Erfolg bei der Bewältigung ihrer schweren Aufgabe: 

 


ARD-Journalistin Golineh Atai
Quelle: wdr

 Programmbeschwerde: Attentat auf russisches Flugzeug

Golineh Atai, ARD Moskau, zu den neuen Erkenntnissen zum Flugzeugabsturz
tagesschau24 14:30 Uhr, 17.11.2015 



Sehr geehrter Herr Marmor, 

ein weiteres Mal müssen wir Sie darauf hinweisen, dass es für die journalistische Arbeit im NDR Normen im Rundfunkstaatsvertrag gibt, die aber in einem Programmangebot gesprengt wurden.

Verantwortlich dafür ist die ARD-Korrespondentin Golineh Atai, die nicht davor zurückschreckt, mit den abwegigsten Konstrukten den Mord an über 200 russischen Terroropfern zu missbrauchen, um Präsident Putin weiter zu dämonisieren. 

Hier der unsere Programmbeschwerde veranlassende Textauszug: 

Golineh Atai: “Ja, eine gute Frage, denn der Kreml hatte ja zuvor kritisiert, ähm, als es Hinweise gab aus den USA und aus Großbritannien, dass es da einen Zusammenhang gibt zwischen der russischen Syrienpolitik und dem Anschlag, und daran hatten sich die weisungsgebundenen Staatsmedien auch gehalten und äh noch gestern auf dem G20-Gipfel, da hatte Vladimir Putin davon gesprochen, dass alle Versionen möglich sind, dass die Ermittlungen noch weiter laufen und gestern Nacht – plötzlich – hier in Moskau bei der Sitzung mit dem Sicherheitsrat, herrschte dann plötzlich Gewissheit. 

Was auffällt, wenn man sich die Bilder anschaut und die Aussagen, sie wirken doch sehr sorgfältig inszeniert und so glauben denn auch einige Beobachter, dass dieses Timing kein Zufall ist, dass diese Nachricht äh erst jetzt nach den Pariser Terroranschlägen und nach dem G20-Gipfel herauskommt ähm denn äh hätte vorher Russland das gemacht, dann hätte es vor der eigenen Bevölkerung äh hätte sich denn sozusagen die Imagekatastrophe verifiziert.

So kann man sagen, Frankreich und Russland, wir sitzen beide im gleichen Boot im gemeinsamen Boot und wir haben die gleichen Feinde und deswegen müssen wir auch international zu einer gemeinsamen Politik übergehen. Vladimir Putin äh sprach gestern Nacht sogar von den gleichen Werten, die die internationale Gemeinschaft teilt und damit überdeckt und übermalt der Kreml natürlich auch, dass bei aller Gemeinsamkeit die Ziele in Syrien doch sehr unterschiedlicher Natur sind.” 

Frau Golineh Atai wirft dem russischen Präsidenten damit beweis- und argumentationslos vor, er sei nicht bereits in dem Moment, als die westlichen Geheimdienste ein Attentat vermuteten, an die Öffentlichkeit gegangen und habe den Absturz des russischen Flugzeugs überm Sinai als IS-Anschlag benannt, sondern aus reinem politischem Kalkül und nicht, weil er erst das Vorliegen des Untersuchungsberichtes am 17.11.15 habe abwarten wollen. Frau Atai berichtet hier nichts, sondern verbläst wilde selbstgestrickte und dem russischen Präsidenten übergeworfene Spekulationen. 

Dass Absturzuntersuchungen zeitaufwändig sind, hat der Abschuss der MH-17-Boeing über der Ukraine gezeigt. Die dauert bereits länger als ein Jahr und hat außer einem äußerst fragwürdigen Zwischenbericht noch kein erwähnenswertes Ergebnis gebracht.

Aber der Zeitaufwand in Vergleichsfällen - wie hier -  ficht Frau Golineh Atai bei ihrer Kaffeesatz-Leserei nicht an; in den Niederlanden sind es ihrer offenkundigen Ansicht nach die "Guten", die den Absturz untersuchen. Im Unterschied dazu wähnt sich Frau Atai berechtigt, zu behaupten, die "weisungsgebundenen Staatsmedien" in Russland hätten das (bis dahin noch nicht vorliegende) Untersuchungsergebnis in Wirklichkeit nur verschwiegen und hätten ein verdächtiges Spiel Putins mitbetrieben: als Tatsachenpräsentation unhaltbar. 

Frau Golineh Atai lügt das Fernsehpublikum dreist an, als sie behauptet, Putin habe am 16.11.erwähnt, dass "alle Versionen eines Absturzes möglich seien". Richtig ist vielmehr, dass er bei einem Treffen mit Italiens Regierungschef am 16.11.15 gesagt hat, dass die "Materialuntersuchungen sich im Abschlussstadium befänden". Das ist etwas gänzlich anderes.

Zur Kategorie Märchen-Journalismus gehört auch die Bemerkung, am 17.11. habe "plötzlich" Gewissheit über die Absturzursache geherrscht. Frech unterschlägt die "Journalisten-Preisträgerin", dass US-Techniker an der Absturz-Untersuchung mitgewirkt und Einfluss auf den Zeitpunkt der Ergebnis-Veröffentlichung hatten. Erfahrungsgemäß ist die Teilnahme politisch gegnerischer Experten eine Garantie für korrekte Ermittlungen; bei etwaigen Unregelmäßigkeiten hätten US- Amerikaner ebenso wie Russen und Ägypter Alarm geschlagen. 

Frau Golineh Atai behauptet weiter, ohne dafür auch nur einen einzigen objektivierbaren Anhaltspunkt zu nennen, dass die Bilder und Aussagen der russischen Behörden zur Absturzursache, sehr "sorgfältig inszeniert wirkten". Anstelle von Faktischem und Überprüfbarem erfindet sie einfach ominöse "Beobachter“, die „glauben", dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung "kein Zufall" war. Dem (bösen) Putin sei es nur darum gegangen, eine „Image-Katastrophe“ gegenüber der eigenen Bevölkerung zu vermeiden. Ein, mit Verlaub, geradezu hirnrissiges Konstrukt, das nur einem Zweck dient, den russischen Präsidenten in ein schiefes Licht zu rücken. Als ob der irgendein Problem damit gehabt haben könnte, der Bevölkerung seines Landes mitzuteilen, dass auf ein russisches Zivilflugzeug ein verbrecherischer Anschlag verübt worden war.

Einen solch erbärmlichen Stuss können nur Wirrköpfe und abstruse Verschwörungstheoretiker verkünden.

Frau Atai ist jedoch in ihrer vollen Fahrt nicht mehr aufzuhalten: Der russischen Präsident, so insinuiert sie, maße sich "sogar" an, von gleichen Werten zu reden, die auch der „Westen“ pflege (lächerliches Muster: pöse pöse Russen, Putin voran, klauen uns unsere Werte). 

Der gesamte Text ist ein Konstrukt aus Vermutungen, Verdächtigungen, Beleidigendem und Infamien. Verifizierbares, Nachvollziehbares, Faktengestütztes ist nicht erkennbar. 

Mit diesem Atai-Beitrag ist ein weiterer publizistischer Tiefpunkt erreicht. Die hier gebotene Fehlleistung anstelle einer "Berichterstattung" ist typisch für Journalisten, die nicht begreifen, dass sie für die Übermittlung von sachlichen Informationen bezahlt werden und nicht für die Weitergabe ihrer skurrilen Meinungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angestellt sind. 

Wegen der ausschließlich subjektiven Ausschweifungen ist der Beitrag allenfalls als (schlechter) Kommentar zu betrachten. Da Frau Atai ihn aber nicht – wie im Rundfunkstaatsvertrag vorgesehen – als Kommentar gekennzeichnet hat bzw. die Redaktion ARD-aktuell ihn nicht als solchen auswies, liegt ein Programmverstoß vor. (Richtlinien, § 11e RSTV i.d.F. v. 17.9.13): 

"Kommentare sind von der Berichterstattung deutlich zu trennen und unter Nennung des Verfassers als solche zu kennzeichnen." 

Will man die subjektiven Ergüsse dagegen als Bericht ansehen, dann liegt ebenfalls ein Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag vor: 

"Alle Beiträge haben den Grundsätzen journalistischer Sorgfalt und Fairness und in ihrer Gesamtheit der Vielfalt der Meinungen zu entsprechen. Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen. Sie müssen unabhängig und sachlich sein." 

In Frau Atais Ausführungen findet sich von der Einhaltung dieser Verpflichtungen keine Spur. 

Mit freundlichen Grüßen 

F. Klinkhammer + V. Bräutigam (PK)



Online-Flyer Nr. 538  vom 25.11.2015

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Von Kostas Koufogiorgos
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