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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2017  

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Krieg und Frieden
"Skeptiker und Gegner von der Wichtigkeit der Hilfe für Flüchtlinge überzeugen"
Interview mit Evelyn Hecht-Galinski
Von Anne Schulz

www.starke-frau.de ist der Name eines lesenswerten online-Magazins "von Frauen für Frauen", das in seiner September-Ausgabe ein Interview mit unserer Autorin Evelyn Hecht-Galinski veröffentlicht hat. Darin geht es um die Flüchtlingsströme und die aktuelle Lage in Palästina, zu der sie wöchentlich Kommentare in der NRhZ veröffentlicht. Hier beantwortet sie spannende Fragen von Anne Schulz, Herausgeberin von "Starke Frau".


Evelyn Hecht-Galinski
Foto: Lösche, Müllheim/Baden
 
Frau Hecht-Galinski, was sagen Sie zu den aktuellen Flüchtlingsströmen?

Das ist die Folge der Interventions- und aggressiven Kriegspolitik der westlichen Allianz. Davon profitieren insbesondere Saudi Arabien mit seiner mörderischen Allianz, wie im Jemen und Syrien. Saudi Arabien nimmt keine Flüchtlinge auf. Ebenso der „Jüdische Staat“, der sich einmauert, Gefängnisse für schwarze Asylbewerber baut  und  keine Flüchtlinge aufnehmen will, mit Ausnahme jüdischer Flüchtlinge.
 
Glauben Sie, dass die Regierung die „Flüchtlingsproblematik“ im Griff hat?
 
Frau Merkel regiert nicht, sie reagiert verzögert und ihre Alleingänge haben einen wahren Schleusertourismus ausgelöst. Die Notsituation hat sich durch die Grenzkontrollen nicht verbessert, im Gegenteil jetzt hängen Menschen zwischen den Ländern fest und die Verwirrung ist größer als zuvor.
 
Was ist Ihrer Meinung nach an der Meldung dran, dass die USA die Flüchtlingsströme nach Europa „anzetteln“?
 
Mir erscheinen diese Meldungen nicht absurd, da die USA ein Interesse daran haben, einen Keil zwischen Europa und insbesondere Deutschland und Russland zu treiben, der die EU langfristig weiter schwächen soll.
 
Was sagen Sie zu Flüchtlingsgegnern, Skeptikern und Menschen, die das Eintreffen der Flüchtlinge fürchten?
 
Es gibt nichts zu fürchten, es sollten aber die europäischen Regeln und Verträge eingehalten werden, um Skeptiker und Gegner von der Wichtigkeit der Hilfe für Flüchtlinge zu überzeugen, schließlich könnte jeder von uns zum Flüchtling werden und diese Solidarität sollten wir nicht über Bord werfen, nur weil wir momentan mit der Situation völlig überfordert sind.
 
Seitdem das Thema „Flüchtlinge & Asylanten“ immer aktueller wird, wird auch die Fremdenfeindlichkeit wieder stärker. Rechtsradikale kommen aus ihren Verstecken, veranstalten Demos, grölen Hassparolen. Glauben Sie, dass wir bald wieder ein „braunes“ Problem haben könnten?
 
Die Willkommenskultur in Deutschland setzt doch ein Zeichen der Hoffnung dagegen. Mit solchen Reaktionen muss man europaweit rechnen und ich sehe das nicht als vordergründiges Problem, sondern betrachte eher die ständige mediale Aufmerksamkeit als unnötige Aufwertung dieser unterbelichteten Horden.
 
Man liest immer öfter von Flüchtlingsheimen, die angezündet werden. Woher kommt dieser Hass gegen das Fremde?
 
Gegen diese Brandstifter sollte mit aller Härte vorgegangen werden. Hass kommt immer aus Unwissenheit und Dummheit. Diesem muss man mit Aufklärung begegnen. Mir macht allerdings die Islamophobie größere Sorgen, da sie auch gezielt von namhaften Publizisten und Autoren befördert wurde um Muslime als Gefahr darzustellen. Dazu gehört auch der ständige Hinweis aus den Reihen von Politik oder dem Zentralrat der Juden, dass Migration den Antisemitismus fördert. Auch das ständige Gerede von der christlich-jüdischen Wertegemeinschaft ist mehr als scheinheilig und fördert nicht das friedliche Zusammenleben der Kulturen und Religionen.
 
Fühlen Sie sich als deutsche Bürgerin von den immer mehr werdenden Flüchtlingen oder gar von den Muslimen bedroht?
 
Absolut nicht, ich sehe das als eine große Bereicherung an, dass Muslime nach Deutschland kommen. Jede neue Kultur sollte uns willkommen sein. Allerdings habe ich etwas gegen Parallelgesellschaften generell. Wir alle leben in einem gemeinsamen Deutschland und sollten an einem Strang ziehen. Demokratie und Meinungsfreiheit ist ein kostbares Gut, dafür sollten wir immer kämpfen.
 
Warum wächst die Angst vor dem Islam, während die Verbundenheit zum israelischen Volk in Deutschland immer größer wird?
 
Diese Verbundenheit existiert nur auf politischer Ebene unter den Repräsentanten. In der Bevölkerung dagegen wächst der Unmut über die brutalen Kriegsverbrechen und die illegale Besatzung Palästinas durch den "Jüdischen Staat“. Allerdings sollten sich mehr Bürger zu diesem Thema mutiger äußern, ohne gleich in die falsche Ecke gestellt zu werden. Denn Kritik an der Politik des "Jüdischen Staates“ ist legitim und nicht antisemitisch.
 
Sollten wir uns Gedanken machen, "warum“ die Flüchtlinge fliehen müssen?Deutschland ist einer der größten Waffenlieferanten und hilft aktiv dabei die Kriegsgebiete zu destabilisieren. Ist Deutschland auch Ihrer Meinung nach mit verantwortlich an den Flüchtlingsströmen?
 
Natürlich ist Deutschland aufgrund seiner internationalen Verstrickungen, Kriegsbeteiligungen und als Waffenexporteur Nr 3 mit verantwortlich. Vergessen wir auch nicht die Geschäfte mit Saudi Arabien und die U Boot- Geschenke an den "Jüdischen Staat" aus Steuergeldern mitfinanziert. Hier haben sich die Parteien der sogennanten Gro/Ko geradezu gegenseitig darin überboten dem "Jüdischen Staat“ in seiner "Selbstverteidigung“ zu helfen.
Auch die Grünen stehen in puncto Kriegslust nicht sonderlich im Schatten der Gro/Ko, wie z.B. ihre Haltung zum Ukraine-Konflikt und Syrien beweist. In meinem Kommentar "Die Braunfärbung der grünen Partei“ habe ich mich ausführlich dem Thema gewidmet.
 
Die Medien berichten fast ausschließlich über die ankommenden Flüchtlinge, aktuelle Neuigkeiten aus dem Inland, Stars & Sternchen, Sport und natürlich das Wetter. Von Gaza hört man nicht mehr viel. Dabei geht das Leid weiter. Wie ist die Lage in Gaza aktuell?
 
Nach dem leidigen Griechenland-Thema überschwemmt gerade die mediale Flüchtlingswelle alle Kanäle. Wir hangeln uns ohne Tiefgang von Brennpunkt zu Talkshow, um das Flüchtlingsproblem abzuarbeiten. Diese Aufmerksamkeit hätte ich mir für die Menschen im abgeriegelten Gaza und im illegal besetzten Palästina gewünscht. Gaza ist ein Konzentrationslager, in dem die Menschen traumatisiert und in größter Armut ihr Dasein fristen müssen.
Vergessen wir nicht, dass nahezu 2 Millionen Menschen von allen Seiten eingesperrt durch den „Jüdischen Staat“ und Ägypten leben müssen. Sie sind hilflos den Massenangriffen der „jüdischen Verteidigungsarmee“ ausgeliefert.
Es waren hauptsächlich Zivilisten, Frauen und Kinder, die diesen mörderischen Angriffen der hochgerüsteten "Jüdischen Verteidigungsarmee“ zum Opfer fielen. Alle diese Kriegsverbrechen, die der "Jüdische Staat“ immer als Selbstverteidigung rechtfertigt, bekamen einen "Kosher-Stempel“ durch Frau Merkel. Sie unterstützte die These der Selbstverteidigung, mahnte "Verhältnismäßigkeit“ an und machte Deutschland damit mitschuldig an diesem Genozid in Gaza.
Gaza ist ein riesiges Labor der jüdischen Waffenindustrie, die dort am lebenden Objekt ihre Waffen ausprobiert, um sie dann weltweit erfolgreich zu verkaufen. Die deutsche Regierung hätte besser daran getan, Lazarettschiffe nach Gaza zu schicken, um den Verzweifelten zu helfen – ich bezeichne das als unterlassene Hilfeleistung, da wir auch eine Verpflichtung gegenüber dem palästinensischen Volk haben.
In Deutschland sollten Flüchtlinge aus Gaza willkommen sein, allerdings spielt das auch den Interessen des "Jüdischen Staates“ nach ethnischer Säuberung Palästinas in die Hände. Die Staatengemeinschaft sieht zu, wie dem palästinensischen Volk täglich mehr Land geraubt wird und die Besatzung in tödlicher Härte zuschlägt.
Wie ich es auch in meinen Kommentaren stets betone, wünsche ich mir ein freies Palästina, so wie auch alle anderen Menschen, die derzeit auf der Flucht sind, eine sichere Heimat verdient haben. Das Recht auf Heimat ist ein Menschenrecht!
Vielen Dank für das Interview, Frau Hecht-Galinski! (PK)


Lesen Sie auch den aktuellen NRhZ-Kommentar von Evelyn Hecht-Galinski.
Anmerkung: Auch auf ihrer Webseite veröffentlicht Evelyn Hecht-Galinski regelmäßig Kommentare und berichtet über die aktuelle Lage in Gaza, spricht aber auch über brisante Themen aus dem Inland. Wer auf dem neusten Stand bleiben möchte, sollte auch die Facebook-Seite von Frau Hecht-Galinski liken & verfolgen)


Online-Flyer Nr. 529  vom 23.09.2015

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