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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Träger und Profiteure der Energiewende in den USA Milliardäre und Konzerne
Die Erneuerbaren auf der Siegesstraße
Von Franz Alt

Auch im Land der Klimaskeptiker und des Fracking-Booms, in den USA, ist die Energiewende nicht mehr aufzuhalten. Die Träger und Treiber sitzen dort allerdings nicht in der Hauptstadt oder stehen an der Spitze der Umweltverbände, sondern an der Spitze der Konzerne. Es sind primär potente Investoren, die auf satte Rendite setzen und viele Milliarden erneuerbar investieren. Sie wissen warum.

Öl-Milliardär Philipp Anschutz und seine Familie
NRhZ-Archiv
  
Die Börsenlegende Warren Buffet ist bereits vor einigen Jahren mit 15 Milliarden Dollar in die erneuerbaren Energien eingestiegen und hat soeben angekündigt, hier weitere 15 Milliarden zu investieren. Auch der Medienmogul Ted Turner investierte Milliarden in die Sonnenkraft. Demnächst will er mit weiteren Milliarden in die Windkraft einsteigen. Deshalb will der bisherige Öl-Milliardär Philipp Anschutz auch nicht länger zurückstehen und kündigte an, einen 3.000 Megawatt-Windpark in Wyoming zu errichten und eine 1.000 Kilometer lange Stromleitung zu bauen, um den Windstrom nach Nevada, Arizona und Kalifornien transportieren zu können. Erneuerbare sind heute oft bereits preiswerter als die alten Energieträger und morgen unschlagbar billig. 
 
Deutschland gewinnt 2015 bereits 33% seines Stroms aus Sonne, Wind und Co. Davon ist knapp ein Drittel aus Windrädern. Hier begann der Boom der Erneuerbaren schon vor 25 Jahren, getragen von Umweltfreunden, mutigen Mittelständlern, Hausbesitzern, innovativen Bauern, Handwerkern, Stadtwerken und einigen visionären Politikern wie Hermann Scheer und Hans-Josef Fell.

Photovoltaikanlage in Deutschland
NRhZ-Archiv
 
Die politischen Rahmenbedingungen für den Erfolg schufen zuerst das Stromeinspeise-Gesetz und das 1.000-Dächerprogramm, später das Hunderttausend-Dächer-Programm und schließlich das EEG, das inzwischen von 71 Ländern übernommen wurde, darunter China, Indien, Japan und Polen. Die Erneuerbaren sind jetzt unaufhaltsam auf der Siegesstraße.
 
Inzwischen ist China das Boom-Land Nr. eins. Der Kohleverbrauch soll im Reich der Mitte ab sofort jedes Jahr sinken. 2014 ging er landesweit bereits um 8% zurück. Japan hat 2014 seinen Solarstromanteil um 80% gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Weiterer Druck kommt jetzt von den Börsen. Die Kohleproduktion hat weltweit ihren Höhepunkt überschritten. Der aktuellste Schlachtruf an den Börsen heißt jetzt „Raus aus der Kohle“.
 
Über 180 Kommunen, Versicherungen, Kirchenkreise, Universitäten und Bildungseinrichtungen, darunter der weltgrößte Staatsfonds in Norwegen, haben in den letzten Monaten beschlossen, ihr Geld von konventionellen Energieproduzenten zurückzuziehen und in Erneuerbare Energien umzulenken. Die Begründungen sind ethisch, ökologisch, aber zunehmend auch ökonomisch.
 
Sollte die Erderwärmung bis 2.100 tatsächlich noch auf zwei Grad Erhöhung gestoppt werden, dann müssen zwei Drittel der fossilen Energieträger im Boden bleiben. Und das wäre das Ende des bisherigen Energie-Geschäftsmodells, hat der Londoner Carbon Trust errechnet. Das hieße, dass deren Börsenwert um mindestens 30% bis 40% sinken werde. Deshalb ziehen sich jetzt immer mehr Investoren aus Kohle und Co zurück. Vattenfall hat angekündigt, aus der schmutzigen Braunkohle auszusteigen und sogar RWE sowie E.on und EnBW wollen immer mehr Geld in erneuerbare Projekte stecken. Sie haben keine andere Wahl, wenn sie künftig überhaupt noch existieren wollen.
 
In den USA sind Großanleger wie Goldman Sachs und Morgan Stanley mit zweistelligen Milliardenbeträgen bereits dabei. Grüner Strom wird immer preiswerter, herkömmlicher Strom immer teurer und bleibt sowieso schmutzig. Trotz allen Geschreis der Republikaner und der Klimaskeptiker gegen die Energiewende-Pläne von Barack Obama werden die Wind- und Solarrekorde der Zukunft in den USA aufgestellt werden. Sonne und Wind schicken eben keine Rechnung. Geschäftstüchtige Amis verstehen diese schlichte Erkenntnis schneller als deutsche Bedenkenträger.
 
Wer wissen will, wohin die Reise geht: Seit dem Jahr 2.000 hat sich der globale Anteil an der Sonnenenergie verhundertfacht und der Windstromanteil verzwölffacht. (PK)
 
 
Franz Alt arbeitete von 1968 bis 2003 überwiegend beim Südwestfunk (SWF, heute: SWR), für den er 20 Jahre lang das Politmagazin Report moderierte. Die Veröffentlichung des Buchs "Frieden ist möglich", in dem Alt Zweifel an der Politik der Nachrüstung anmeldete, führten zu jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zwischen Alt und seinem Sender. Von 1992 bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion im SWR und moderierte außerdem in 3sat die Magazine Querdenker und Grenzenlos. Seine Bücher wurden in zwölf Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von über zwei Millionen. Auf seiner Homepage http://www.sonnenseite.com gibt Franz Alt einen Überblick über die Alternativen der Energieerzeugung – erneuerbare Energien, solares Bauen, solares Wirtschaften – sowie über die Themen Klimawandel, Klimapolitik, Treibhauseffekt, ökologische Verkehrswende, ökologische Wasserwirtschaft, Ökolandbau, ökologische Steuerreform, Frieden und Menschenrechte.


Online-Flyer Nr. 524  vom 19.08.2015

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Von Kostas Koufogiorgos
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