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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Für bedrohte Bäche, Flüsse und Trinkwasserquellen in NRW
Umweltverbände fordern mehr Einsatz
Von Peter Kleinert

Anlässlich des europaweiten Flussbadetages „Big Jump“ am 12. Juli schlugen die nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände BUND, LNU, NABU, DUH und andere  Alarm: Die meisten Flüsse und Grundwasservorkommen in NRW befänden sich in einem kritischen Zustand. Nahezu flächendeckend würden die EU-weit verbindlichen Anforderungen an einen „guten Zustand“ der Gewässer verfehlt.
 

Der 12. Juli ist europaweiter Flussbadetag „Big Jump“
Quelle: BUND NRW
„Unsere blauen Lebensadern sind gefährdet“, sagte Holger Sticht, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). „Statt der Mehrheit der Flüsse wieder mehr Raum zu geben, wird in den meisten Flussauen immer noch versiegelt und entwässert. Es ist inakzeptabel, dass Verursacherressorts wie das Bau- und Verkehrsministerium des Landes sich nicht zuständig fühlen, wenn es darum geht, die Mindestanforderungen des Gewässerschutzes fristgerecht einzuhalten.“ Mindestens 90 Prozent unserer Fließgewässerstrecken seien weiterhin so verunreinigt oder verbaut, dass sie die EU-weiten Standards nicht erfüllen. Für die meisten bedrohten Arten wie Lachs und Flussperlmuschel bieten sie kaum noch Lebensraum. 20.000 Barrieren verhinderten, dass Fische und andere Wasserbewohner ungehindert die Flusstrecken durchwandern können.
 
„Die Industrialisierung der Landwirtschaft und der Ausbau der Tierfabriken haben ein Ausmaß angenommen, das der Gesellschaft hohe Kosten aufbürdet. Die Havarie eines Gülletanks kann die Trinkwasser-Versorgung ganzer Orte vor Probleme stellen. Bis heute werden die Kosten für die Umwelt und Allgemeinheit nicht ermittelt und den Verursachern in Rechnung gestellt“, kritisierte Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des Naturschutzbund Deutschland NRW (NABU). „Wer für den Schaden verantwortlich sei, sollte auch die Rechnung übernehmen. Zudem sollten sich öffentliche Förderungen in Zukunft allein auf Nutzungen beschränken, die für Natur und Gewässer verträglich seien.“ Nach einer internationalen Studie seien mit der Aufbereitung von Nitrat-verunreinigtem Wasser 5 bis 10mal höhere Kosten verbunden, als wenn direkt gewässerverträgliche Landnutzungen gefördert würden.    
 
„Mit dem Rückgang intakter Gewässer verlieren wir auch die Chance, uns an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Flüsse und Auen leisten zum Beispiel einen wichtigen Beitrag, um die zunehmenden Flutwellen zu entschleunigen und Dürren abzumildern. Sie sorgen auch lokal für mehr Lebensqualität“, konstatierte Mark vom Hofe, Landesvorsitzender der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU). „Viele Bäche wurden durch Verbauung und Kanalisierung zu Risikozonen. Sie müssen wieder zu Lern- und Erlebnisorten werden.“ Maßnahmen die den natürlichen Rückhalt in der Fläche fördern, sind nach den Planungen des Landes nur an 5 Prozent der Gewässerabschnitte vorgesehen.
 
Die Naturschutzverbände haben für die weiteren lokalen bis landesweiten Gewässerschutzplanungen eine umfassende Stellungnahme vorgelegt, damit die EU-weiten Vorgaben für Flüsse und Grundwasservorkommen erreicht werden. Gemäß der EG-Wasserrahmenrichtlinie ist auch das Land verpflichtet, an allen Gewässern, die Ziele verfehlen, zusätzliche Maßnahmen zu planen und umzusetzen.

Hintergrund:

Der Europäische Flussbadetag, auch Big Jump genannt, geht zurück auf den Elbebadetag, den Roberto Epple 2002 mit der DUH ins Leben rief. Seit 2005 organisiert Epple mit dem European Rivers Network (ERN) den Flussbadetag europaweit. Ziel der Flussbadekampagne ist die „Wiederversöhnung mit den Flüssen“ und die Sensibilisierung für Gewässerschutz, insbesondere für die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die Big Jump Challenge als Jugendkampagne des Big Jumps wird von der sozial-ökologischen Plattform GETIDOS europaweit organisiert. Die Umweltverbände DUH und Grüne Liga sind die Ko-Organisatoren des Big Jumps in Deutschland.
Bundesweit finden rund 50 Big Jump Events statt. Organisatoren sind Gemeinden, Umwelt- und Sportverbände sowie Schulen und Jugendgruppen. Alle Termine sind hier zu finden: www.bigjump.org. Das „youth and water“ Manifest ist ab Montag bei Rafael Ziegler (rziegler@uni-greifswald.de) erhältlich.  (PK)
 
 


Online-Flyer Nr. 519  vom 15.07.2015

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