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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Medien
Professionelle Offenheit und vorurteilsfreie Haltung
Allen Journalisten zu wünschen
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Der SZ-Artikel "Nahost - Syrien, Irak, Libyen - Ägypten?" von Paul-Anton Krüger (1.7.) verfällt in die Propaganda-Masche, die die Massenmedien unter der Regie der USA/EU ständig über Syrien, Irak und Libyen wiederholen, um die US-Interventionskriege in Nahost zu vertuschen. So wie es keinen "Bürgerkrieg" in Syrien gibt, sind die Angriffe von Sousse, Lyon und Kuweit dieselben Verbrechen, die die Terrormiliz IS, bewaffnet und finanziert von den USA, in Syrien begangen hat und immer weiter begeht. Das unterschlägt der Journalist Paul-Anton Krüger. Was der US-Herrscher durch seine Terror-Miliz in Ägypten plant, ist nicht bekannt, aber aus dem Tenor desselben SZ-Journalisten, der unter NATO-Einfluss zu schreiben scheint, kann man erahnen, dass das Pentagon dieselben verheerenden Verhältnisse wie in Syrien, Irak oder Libyen auch für Ägypten vorhat. Dazu nutzt das Pentagon Terror-Milizen genauso wie in den anderen zerrütteten Ländern. Aus der Berichterstattung von Tony Cartalucci, "ISIS: Amerikas verdeckte erneute Invasion in den Irak" (13.6.) ist der IS-Terror entlarvt. (http://landdestroyer.blogspot.de/2014/06/americas-covert-re-invasion-of-iraq.html, Auszüge, Übersetzung von Jan Lenkait):

IS-Terroristen auf dem Weg in den IRAK
http://landdestroyer.blogspot.com.tr
 
<Schwer bewaffnet, finanziell gut versorgt und organisiert als ein professionelles stehendes Heer, bewegten sich die Militärkräfte des Islamischen Staates (IS) von Irak und Syrien, südwärts von der Türkei und nordöstlich von Syrien kommend in den Irak hinein, besetzten die Städte Mosul und Tikrit und bedrohten dann selbst die irakische Hauptstadt Bagdad. …
IS benutzt brandneue Toyotas, die gleichen Autos, die von der NATO zugegebenermaßen bewaffnete Terroristen schon überall von Libyen bis Syrien benutzten und nun auch im Irak. IS ist eine künstliche, staatlich gesponserte regionale Söldnerarmee.
 
Die Vereinigten Staaten waren sich sicher, zwei unbegründete Narrative in Umlauf zu bringen - das erste bestand darin, dass US Spionage-Organisationen trotz Verfügungsvermögen im Irak und darüber hinaus in Form von Überwachungsdrohnen, es verfehlten, vor der Invasion zu warnen, und dass der IS eine Art von sich selbst-erhaltener Terroroganisation wäre, die einen "Staat" aufbaue, indem sie "Banken ausraube" und "Zuwendungen" via Twitter bekomme. ...
 
Obwohl Drohnen Daten sammeln und in einem drei Jahre langen CIA-Programm entlang der syrisch-türkischen Grenze fliegen, um für die Bewaffnung von moderaten Kämpfern gegen die syrische Regierung aufzuklären, verlautbaren die USA, sie wären (vom Erfolg des IS) überrascht worden. Falls Drohnen und CIA-Mitarbeiter, die auf IS-Territorium operieren, nicht genügend an der Zahl wären, um eine bevorstehende Invasion zu entdecken, hätte vielleicht die CIA gerade nur eine Zeitung zur Hand nehmen müssen. In der Tat berichtete die Zeitung "Lebanon Daily Start" im März 2014, dass der IS offen seine Kräfte von den westsyrischen Provinzen Latakia und Idlib abzöge und sie im Osten Syriens wieder einsetzte - entlang der syrisch-irakischen Grenze. ... Die Frage bleibt, wenn eine libanesische Zeitung wusste, dass IS sich nach Osten bewegte, warum nicht der CIA? Die offensichtliche Antwort ist, der CIA wusste es und täuschte auf Kosten seines Ansehens einfach Unwissenheit vor, um seine Feinde damit zu ködern, der CIA wäre unfähig und nicht, dass er vielmehr in Komplizenschaft mit den entsetzlichen terroristischen Schwaden des IS steht, die sich jetzt im Norden vom Irak durcharbeiten. ...
 
Wie es ausführlich im Artikel „NATOs Terror-Horden im Irak sind der Vorbote für eine Syrien Invasion“ in der Zeitschrift "New Eastern Outlook Journal" (NEO) beschrieben ist, haben die USA, die Türkei, Saudi Arabien und Katar die Terroristen gesponsert und bewaffnet, die in den letzten drei Jahren in Syrien für Hunderte von Millionen Dollar kämpften. ...
 
Was macht der IS im Irak? Beim "NEO Report" wurde auch der Artikel "Die Umkehr“ von Seymour Hersh (2007) veröffentlicht, in dem auf neun Seiten dokumentiert wird, dass die Absicht bei den USA, Saudi-Arabien und Israel darin bestand, regional sektiererische Extremisten zu schaffen und einzusetzen, um den Iran, Syrien und Hezbollah im Libanon zu bekämpfen. Hersh würde bemerken (so der Autor Tino Carlucci), dass "sektiererische Extremisten" entweder mit Al Qaida verbunden oder Al Qaida selbst sind. Eine sich auf Bagdad zu bewegende IS-Armee ist die endgültige Manifestation dieser Konspiration, eine stehende Armee, die in Straffreiheit operiert und die syrische Regierung zu stürzen droht, die pro-iranische Kräfte im Irak beseitigt und sogar den Iran selbst bedroht, indem sie eine Brücke von den sicheren Standorten der Al Qaida in der Türkei aus über den Norden Iraks bis direkt an die Grenzen des Iran bildet. Als "Terroristen" vom Westen etikettiert, erlaubt dies dem Westen die plausible Verneinung, dass er sie geschaffen hat und benutzt und dass er mit dem breiten Spektrum von Kriegsgräuel zu tun hat, die der IS nun fortwährend begeht. ...
 
Das vom IS beanspruchte Territorium umfasst sowohl den Irak, als auch Syrien. Falls es möglich ist, eine NATO–Pufferzone zu errichten, dann kann der IS straflos in Syrien, in den Irak und in den Iran einfallen und der Westen kann jahrelang einen regionalen Stellvertreterkrieg führen. ...
 
Wenn der IS vom Westen volle Handlungsfreiheit bekommt, direkt in den Nordirak und in Ostsyrien einzudringen und eine lang ersehnte „Pufferzone“ zu schaffen mit einem Zugang zum Hafen, um noch größere Einsatzkräfte zu bilden, bietet es sich für Syrien, den Irak, Iran und andere an, dem zuvorzukommen, indem sie gemeinsam geopolitische Punkte auswählen, die NATO-Söldner, Washingtons letzte „Schurken“, zu eliminieren.>
 
Das perfide Vorgehen der USA und ihrer Vasallen im Nahen und Mittleren Osten, ihre Komplizenschaft mit dem IS und ähnlichen Gruppen ist also durchschaut und deshalb werden sich Gegenkräfte formieren, um weitere indirekte verdeckte Attacken der USA gegen Syrien, Irak und später Iran zu verhindern.
 
Wie auch immer die Dinge dort im Einzelnen verwickelt sein mögen, um diese Länder zu befrieden, muss die verdeckte militärische Intervention aus den USA und der von ihnen finanzierte Terror definitiv beendet werden. Die Rolle anständiger und ehrenhafter Journalisten ist, solche terroristische US-Intervention an den Pranger zu stellen. Kein Prozess wird zu einer Befriedigung führen, während die US/EU-Intervention andauert und die Bevölkerungen terrorisiert.
 
Ist Washingtons Gewalt, ist westlicher Terror ein legitimes Mittel? Diese Frage müssen sich Journalisten stellen, um dem Problem des Terrors fair auf den Grund zu gehen und es sachlich zu erfassen. Washingtons Terror-Intervention als Außenpolitik des Westens ist das ursprüngliche andauernde Problem, das Chaos und unermessliche Zerstörung in den Ländern Irak, Libyen, Syrien und Afghanistan mit sich gebracht hat.
 
Der Artikel "Die tauben Ohren der Medien" von Gerrit Hoekman, Junge Welt von 24.6., entlarvt die herrschende Manipulation und Lüge in der Öffentlichkeit in Bezug auf Syrien.
 
Im Bericht der Defense Intelligence Agency (DIA), der übergeordneten Behörde aller vier amerikanischen Militärgeheimdienste vom August 2012 kann Paul-Anton Krüger erfahren:
Al-Qaida unterstützte von Beginn an die syrische Opposition sowohl ideologisch als auch über die Medien, stellte die DIA damals fest. ...Das Chaos in Syrien schaffe "die ideale Atmosphäre für Al-Qaida... Die Regierung in Damaskus werde allerdings überleben und weiter Territorium kontrollieren."
 
Damit bestätigt der DIA-Bericht jene Journalisten und Nahost-Experten, die von Anfang davor gewarnt haben, den Aufstand gegen die Regierung in Damaskus falsch einzuschätzen, nämlich ... als Volksaufstand für Freiheit und Demokratie. In Wirklichkeit würden im Hintergrund schon Fundamentalisten auf ihre Chance lauern, den... Präsidenten Al-Assad zu stürzen und das Ruder zu übernehmen. Das Resultat wäre dann ein diktatorischer Gottesstaat nach dem Vorbild von Saudi Arabien und Katar.
Ist es den Mainstreammedien unangenehm, dass sie vor ein paar Jahren alle Korrespondenten aus Syrien abgezogen und jeden Kontakt zur Regierung in Damaskus verloren haben? ... bis heute erscheint so gut wie kein Artikel in einer deutschen Zeitung ohne den Hinweis, dass aufgrund der Sicherheitslage eine Berichterstattung aus Syrien für westliche Journalisten im Moment nicht möglich sei. Blödsinn! Seit über vier Jahren berichtet die freie Journalistin Karin Leukefeld unter anderem für die junge Welt direkt aus der syrischen Hauptstadt!
 
Was die meisten Medien als "Wahrheit" verkaufen, haben sie von der selbsternannten Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte erfahren, die in London ihren Sitz hat und von einem ausgewiesenen Assad-Gegner betrieben wird. Er gibt vor, in Syrien ein weit verzweigtes Netz von Informanten zu besitzen. Allerdings nur auf Seiten der Rebellen... (London ist bekannt für seine Intervention und Gewalt-Tätigkeit in Nahost).
 
Die Redaktionen von Zeitungen und TV-Sendern behaupten dreist, die Angaben der Beobachtungsstelle hätten sich in der Vergangenheit meistens als korrekt erwiesen. Da stellt sich sofort die Frage: Woher wollen sie das wissen, wenn sie gar keine Korrespondenten haben, die das bestätigen könnten? Aber auf die Wahrheit sind die Mainstreammedien beim Thema Syrien schon lange nicht mehr neugierig, (Hoffentlich bringt Paul-Anton Krüger den Mut auf, eine zukünftige Ausnahme zu werden) weil sie Angst haben, zugeben zu müssen, dass sie sich mit ihrer Einschätzung der Situation seit langem auf dem Holzweg befinden. ("Die tauben Ohren der Medien" von Gerrit Hoekman, Junge Welt, 24.6.)
 
Aus demselben Artikel kann man richtig lernen: Die gute vorurteilsfreie Arbeit von Jürgen Todenhöfer, der ein Interview mit dem Präsidenten Baschar Al-Assad durchführte, sollte ein vorbildlicher Denkanstoß für befangene Journalisten sein. Ebenso wie die Ansicht von Peter Scholl-Latour, der im selben Flugzeug mit dem iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeni saß, als jener aus dem französischen Exil nach Teheran zurückkehrte, nachdem der Schah die Macht verloren hatte. "Ich bin wohl der Europäer, der Ungläubige, der ihm am nächsten gekommen ist - und dem er vertraute", sagte Scholl-Latour später in einem Interview mit der Deutschen Welle. Diese professionelle Offenheit und vorurteilsfreie Haltung ist allen Journalisten zu wünschen.
 
Wie die freie, in Damaskus seit 2010 akkreditierte Korrespondentin Karin Leukefeld aus Syrien schreibt, hört man Syrer sagen: <Die Leute in Europa wüssten anscheinend noch immer nicht, was in Syrien geschehe ... "Diese Terroristen, die man bei Ihnen moderate Rebellen nennt, wollen uns ins Mittelalter zurück katapultieren. Dagegen kämpfen wir und hätten gern Unterstützung aus Europa. Aber Europa ist wohl zufrieden, dass die Extremisten von dort hierher nach Syrien kommen und wir sie hier bekämpfen müssen."
 
Der Krieg in Syrien wird als Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten dargestellt. Wären die Kollegen von ARD und ZDF oder von den großen Tageszeitungen in Syrien, könnten auch sie berichten, was sie sehen und hören und wären nicht auf Fernsicht aus Beirut, Amman, Kairo, Istanbul oder gar nur aus Hamburg angewiesen. Werden sie gestoppt von den Redaktionen? Weil das Auswärtige Amt nicht will, dass deutsche Journalisten aus Syrien berichten? Sie könnten sehen, dass Tausende sunnitische Inlandsvertriebene im "Tal der Christen" leben. Es ist offensichtlich, dass die Religionsgruppen sich nicht zerfleischen, sondern sich gegenseitig helfen, weil sie alle Syrer sind. Sollen die deutschen Medien das nicht darstellen? Doch die Menschen sind tief verletzt. Sie haben ihre Häuser, ihre Arbeit verloren. Verwandte, Freunde wurden getötet, ihre Zukunftsperspektiven zerstört. So ist der Kriegsalltag in Syrien. Weil ihre Hände durch die vielschichtige ausländische Einmischung gebunden sind, warten sie (die Menschen) dass dieser Krieg endlich ein Ende findet.> ("Szenen aus dem Krieg. Keine Fernsicht aus Hamburg, sondern Recherche in Syrien - an Ort und Stelle. Wo sind die Kollegen von ARD und ZDF?" von Karin Leukefeld, Junge Welt, 24.6.)
 
Peter Wolter schreibt in der Tageszeitung "Junge Welt" (24.6.) sehr erhellend: <Die Interventionen der USA und der von ihnen kommandierten NATO haben Länder wie Syrien, Libyen, Afghanistan oder den Irak fast "in die Steinzeit zurück gebombt", wie ein US-General das Ziel Washingtons im Vietnamkrieg formulierte. Zugleich nimmt die Gefahr eines Atomkriegs zwischen den USA und Russland zu....
 
Kriege brechen nicht aus, wie es Massenmedien gerne darstellen. Sie werden von Menschen gemacht, langfristig geplant und minutiös vorbereitet. Vor allem gilt es dabei, das Publikum auf Interventionen vorzubereiten. In der NATO und den USA gibt es mittlerweile zahlreiche Institutionen, die nichts anderes machen, als die Medien mit ständig neuen Alarmmeldungen zu füttern. Motto: Wir sind die Guten, die Russen die Bösewichte. Kriegspropaganda nennt man das. Diese Heerscharen sind ziemlich perfekt im Umgang mit der deutschen Sprache...
 
Die Lüge wird zum Prinzip: Unvergessen sind die täglichen Horrorgeschichten, mit denen während des Kosovokrieges der damalige NATO-Sprecher Jamie Shea die Journalisten fütterte. Er ist mittlerweile zum stellvertretenden Generalsekretär des Bündnisses aufgestiegen (und so mit ihm die Medienmanipulation und Lüge auf höchster NATO-Ebene). Anfang Juni (begann der Meister der Lüge) über den "Bündnisfall" zu spekulieren - also über einen Krieg gegen Russland.> Gehören nicht diese kriminellen Kriegstreiber hinter Gitter? Wie lange noch werden sie weiter das Territorium Deutschlands und der EU ohne Sorge vor Verhaftung betreten können?
 
< Die Beeinflussung der Menschen über die Medien gehört zum Standardrepertoire der Bellizisten. Die "Öffentlichkeitsarbeit" ist schon seit langem ... die vierte Teilstreitkraft. Sie stößt aber immer mehr an ihre Grenze: Leserinnen und Leser werden zunehmend misstrauisch. Es gibt mittlerweile (im Internet) Seiten, auf denen eine gründliche und sachkundige Auseinandersetzung mit den ständigen Manipulationsversuche stattfindet.> (Aus dem Artikel "Die Lüge als Prinzip - Kalte Russenpeitsche, Kriegspropaganda und die Rolle der Massenmedien." Von Peter Wolter, Junge Welt, 24.6.) (PK)

Die Textauszüge, die hier von der Seite http://landdestroyer.blogspot.de/2014/06/americas-covert-re-invasion-of-iraq.html übernommen wurden, hat  Jan Lenkait übersetzt.


Online-Flyer Nr. 518  vom 08.07.2015

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