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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Kommentar
Rein in die Kampfzone, raus aus der EU
Goodbye England!
Von Ulrich Gellermann

Martin Schulz, das EU-Orakel aus Würselen, hat es über David Cameron gesagt: "Er hat sich damit eine Kampfzone eingehandelt, in der er nicht immer selbst Herr des Verfahrens ist." Gemeint war Camerons Verspechen an seine Wähler, er würde im Falle eines Wahlsieges ein Referendum über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU abhalten lassen. Für Eurokraten wie Schulz ist es typisch, dass sie eine demokratische Abstimmung für eine Kampfzone halten. Die würden nur abstimmen lassen, wenn sie sicher wären, dass ein gewünschtes Ergebnis rauskommt. Nun haben Cameron und die Tories die britischen Wahlen gewonnen und sie werden wahrscheinlich ihr Wahlversprechen einlösen müssen. Und mit ein wenig Glück für die EU, wird das Referendum den Austritt Großbritanniens fordern.


Premier David Cameron – will raus, soll raus
Quelle: wikipedia
"Special Relationship" ist das treffende Wort, mit dem die Sonderbeziehungen zwischen England und den USA bezeichnet werden. Spätestens seit den Tagen des Lend-Lease Act, jenes US-Gesetzes zur Unterstützung Großbritanniens im zweiten Weltkrieg, ist London der vorgeschobene Brückenkopf der USA in Europa. Erst im Jahr 2006 konnte die letzte Rate der Milliardenschulden aus den Kriegslieferungen zurückgezahlt werden. Längst gefällt sich England in der Rolle des 51. Staates der USA. Selbst wenn sich Deutschland in den letzten Jahrzehnten auch um diesen Rang bemüht: An Servilität gegenüber den USA lässt sich England nicht übertreffen.
 
Vor allem in den diversen, von den USA gewünschten Kriegen, stellte England immer bereitwillig große Truppen-Kontingente: Von Afghanistan über den Irak-Krieg bis zur Zerstörung Libyens. Wann immer die USA Hilfe bei ihren mörderischen Geschäften benötigten, war das Vereinigte Königreich zur Stelle. Außer den USA hat kein Staat mehr Soldaten im Ausland stationiert als Großbritannien. Zurzeit sind etwa 60.000 britische Soldaten in anderen Ländern postiert. Doch ist es nicht nur die Kriegskumpanei mit den USA, die England zu einem besonders gefährlichen Partner in der Europäischen Union macht. Die alten kolonialen Interessen des Landes sind auch heute noch militärisch virulent. Als herausragendes Beispiel darf der "Falklandkrieg" gelten: Als England den Krieg um die vor Argentinien liegenden Falkland-Inseln (Malvinas) gewonnen hatte, konnte die damalige Premierministerin Margret Thatcher auch ihren nächsten Wahlkampf gewinnen. In Großbritannien gab es nicht wenige, die genau darin den Hauptkriegsgrund sahen.
 
Großbritannien wurde schon 1952 die dritte Atommacht der Welt. Jede Menge strategischer Kernwaffen sind auf U-Booten der Royal Navy stationiert. Gegenwärtig sind es Schiffe der Vanguard-Klasse mit Interkontinentalraketen des Typs Trident, der von den USA entwickelt wurde und dessen Atomsprengköpfe in gut 11.000 Kilometer ihre Ziele finden können. Diese atomare Partnerschaft hat Tradition: So genehmigte Dwight D. Eisenhower 1958 den fast unbegrenzten Austausch von Atomgeheimnissen zwischen Washington und London; und John F. Kennedy bewilligte den Briten 1962 amerikanische Polaris-Raketen für ihre Atom-U-Boot-Flotte. Wann immer die Eurokratie ihre Existenz mit der Wahrung des Friedens begründete, hat sie im Fall Großbritannien noch mehr gelogen als üblich.
 
Schon der von Margret Thatcher 1984 ausgehandelte "Britenrabatt“ weist England als finanziellen Trittbrett-Fahrer der EU aus. Mit dem Schlachtruf "We want our money back!“ holte die Dame bis zu 7,2 Milliarden jährlich aus dem europäischen Topf. Dieser Rabatt existiert bis heute. Und natürlich führte David Cameron, der Schnösel aus der britischen Oberschicht, seinen Wahlkampf mit anti-europäischen Slogans. Diese britische Sonderrolle fasste der FPD-Europa-Abgeordnete Graf Lambsdorf 2013 mit drei Worten zusammen: "Taktieren, spionieren, blockieren". Anlass waren die Enthüllungen zum Ausspähen von Daten europäischer Bürger, Wirtschaft und politischer Institutionen durch den britischen Geheimdienst GCHQ. Auch wenn der BND sich zurzeit um ein ähnlich warmes Plätzchen neben der NSA bemüht: Die englischen Dienste sind denen der USA immer noch ein wenig dienstbarer.
 
Bis zu 115 Euro pro Person, errechneten Wirtschaftswissenschaftler des Ifo-Instituts jüngst für die Bertelsmann-Stiftung, würde der "Brexit", der Austritt der Briten aus der EU, die Deutschen kosten. Angesichts eines unwilligen und gefährlichen Partners der europäischen Kapitalgemeinschaft m. b. H. wäre das ein günstiger Preis für ein klein wenig mehr Abstand zu den USA. Und wenn in diesen Tagen der Chef-Volkswirt der Hamburger Berenberg Bank, Holger Schmieding, darum bittet, den Briten doch eine Brücke zu bauen, dann liefert er einen weiteren Grund, den Engländern ein fröhliches farewell hinterherzurufen. Denn die älteste Privatbank Deutschlands und aktive CDU-Spendierhose meint natürlich nicht die Cliffs of Dover oder den Leicester Square, wenn sie Brücken schlagen will. Der Bank geht es um die City of London, den größten Finanzhandelsplatz der Welt, an dem täglich 46 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden und die internationale Finanzpiraterie einen sicheren Hafen hat. Für die Europäische Union wäre der Verlust Großbritanniens ein echter Gewinn. (PK)
 
Diesen Kommentar haben wir mit Dank von Ulrich Gellermanns Blog übernommen: http://www.rationalgalerie.de/home/goodbye-england.html
 


Online-Flyer Nr. 511  vom 20.05.2015

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