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Aktueller Online-Flyer vom 28. April 2017  

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Krieg und Frieden
Friedliche Konfliktbearbeitung in der Friedensbewegung notwenig
Die Glut am Glimmen halten
Von Bernhard Trautvetter


Die alternativen sozialen Bewegungen stellen ein Spektrum dar, in dem sich Humanisten, Pazifisten, gewerkschaftlich orientierte Kräfte und Kapitalismuskritiker unterschiedlichster Motive gegenseitig brauchen und ergänzen: Das beginnt bei der kapitalismuskritischen Bewegung um attac und Blockupy (Bsp. Frankfurt am Main), Umweltbewegungen etwa gegen Castor-Transporte oder gegen die Nuklearfabriken im Münsterland (1), und natürlich der klassischen Friedensbewegung mit„Urgesteinen der Friedensbewegung“, die seit den ersten Ostermärschen vor 55 Jahren – mitorganisierend und engagiert Verantwortung mittragen.

Ostermarsch 2015 in Dortmund
Foto: essenart.de
 
Die Ostermärsche haben nicht nur wieder die Bewegung aufrechterhalten, die eine einzigartige Tradition aufweist, sondern sie haben auch viele Menschen mobilisiert, die weder im Friedenswinter oder bei Mahnwachen aktiv geworden sind...  Zu wenige, aber doch so viele, dass wir die Glut am Glimmen halten und nicht totgeschwiegen werden können. Hier dazu wichtige Reden, die die Substanz der Bewegung z.T. widerspiegeln (2).
 
Dass bürgerliche Medien bis zur taz gefiltert berichten und dadurch den Versuch der Schwächung des kritischen Potentials unternehmen, kennen vor allem antikapitalistische Bewegungen seit jeher. Das ist normal. Die herrschenden Gedanken in der Medienwelt sind die Gedanken der Herrschenden.
 
Leider hat das auch Auswirkungen auf Medien, die enger mit den neuen sozialen Bewegungen verbunden sind. Das geschieht beispielsweise beim Friedenswinter, dem rechte RednerInnen im Widerspruch zu den Fakten angedichtet werden. Und es geschieht, wenn undifferenzierte Darstellungen von Gegnern der Friedensbewegung wie Henryk M.Broder übernommen werden, so als seien deren Interpretationen über antisemitische Positionen etc. wahr. Auch z.B. die Benennung der Kritik an der Regierung Israels als Antisemitismus zählt dazu. 
 
Und natürlich haben nicht alle jungen Menschen das Glück gehabt, das jenen langjährig Aktiven zuteil geworden ist, die die kritische Theorie mit ihrer Systemanalyse des Kapitalismus überall an Schulen und in den Universitäten wie selbstverständlich alltags erlebt und aufgenommen haben.
 
Wenn heute jemand Machenschaften von Nato-Kreisen, Bankern, der NSA, Mafiösen Kreisen usw. personalistisch als Verschwörungen verarbeitet, dann liegt das mit daran, dass der Kapitalismus eine Blindheit gegenüber dem System und gegenüber dieser Blindheit selbst produziert. Wenn daraus Theoreme erwachsen, die teilweise gewisse Ähnlichkeiten mit rebellisch verpackter NS-Ideologie aufweisen, ist die klassische Bewegung gefordert, Orientierungshilfen zu geben, statt diese jungen Engagierten in die falsche Ecke nach rechts weg-zu-stigmatisieren.
 
Es ist nicht der Friedenswinter selbst, der der Friedensbewegung schadet, sondern eine ausgrenzende und bis zur Diffamierung gehende Undifferenziertheit in der Kritik von Personen und Spektren u.a. des Friedenswinters. Wenn das teils verdienten Mitengagierten unterläuft, dann gibt es die Notwendigkeit, die natürlichen Vorbehalte gegen falsche Trittbrettfahrer ernst zu nehmen. Wenn dabei Aktive aus dem einen wie dem anderen Spektrum persönlich werden, dann schadet das insgesamt der Bewegung, für die sie sich einsetzen. Da haben sich bestimmte Kräfte gegenseitig verstärkt. Und es wäre besser, die Beteiligten würden mehr mit- statt übereinander kommunizieren.
 
Ich selbst wurde auch als Rechtskraft – teils von alten Weggefährten – abgekanzelt und zugleich als jemand, der Hetze betreibt, aus dem Spektrum nach rechts offener Anhängsel regionaler Mahnwachen (etwa in Richtung sogenannter Reichsbürger) im Laufe des letzten Jahres.
 
Wenn kritische Kräfte aus der systemkritischen und Friedens-Bewegung zur undifferenzierten Mischung von Person und Sache greifen, dann ist das traurig und am ehesten durch Sacharbeit überwindbar. Das beginnt damit, verstärkt darauf hinzuweisen, wie wichtig unsere Friedensarbeit für das Überleben der Menschheit ist. Etwa, wenn wir sehen, wie die Nato Kalkar zur logistischen Zentrale der Verbindung von Satelliten-Luftwaffen-Heeres- und Marine-Kriegsführung macht, oder in der Ukraine mit dem Atomkrieg spielt (3).
 
Wir alle sind wichtig. Vor der Nazizeit hatten sich die Gegner der Nazis zerstritten, das darf nie wieder geschehen, auch nicht mit den Gegnern des Krieges.
Es geht darum, das in den Vordergrund zu stellen, was als gemeinsames Anliegen der unterschiedlichen Beteiligten kraftvolle Friedensaktionen im Großen wie auch regional ermöglicht. (PK)
 
 
(1) http://umweltfairaendern.de/
(2) http://www.friedensratschlag.de/?Startseite:Ostermarsch_2015:Ausgew%C3%A4hlte_Redebeitr%C3%A4ge
(3) http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-akw100.html
 
 
Bernhard Trautvetter gehört zu den erfahrenen Aktivisten der „klassischen“ Friedensbewegung. Er ist aktives Mitglied des Essener Friedensforum und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Expansions-Politik der NATO und damit den Kriegen der Zukunft.


Online-Flyer Nr. 508  vom 29.04.2015

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