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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Inland
Nach einer kurzen Atempause wird es bald weitergehen
Der Solarboom geht in die zweite Runde
Von Manfred Strecker

Die weltweiten Absatzzahlen für Solartechnologie steigen, auch wenn in Deutschland momenentan Stillstand herrscht. Dank fallender Preise für Solartechnologie vermuten Experten, dass Deutschland kurz vor einem weiteren Solarboom steht, der ohne staatliche Subventionen in Gang kommen soll.
 

Solartechnologie vor neuem Solarboom
Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2f/Vermont_Law_School_Solar_Panel_Array-7.JPG
 
Regelmäßig veröffentlicht die Deutsche Bank Berichte und Analysen zur Entwicklung der Solarenergie. Der aktuellste Bericht wurde vor einiger Zeit vom US-Analysten Vishal Shah herausgegeben. Er birgt ausgezeichnete Nachrichten (der Originalbericht befindet sich im RenewEconomy Blog (1).
 
Shah vermutet, dass Solarenergie in den kommenden zwei Jahren weltweit Netzparität erreichen wird. Das bedeutet, dass der Solarstrom preislich mit dem konventionell hergestellten Strom gleich zieht oder diesen sogar unterbietet.
 
Energieversorger durch Netzparität gefährdet
 
Geht man von einem dreiprozentigen jährlichen Wachstum der Strompreise aus, könnte der Preis für konventionell hergestellten Strom durch den Solarstrom in vier bis fünf Ländern weltweit unterboten werden. Sollte der Strompreis nicht ansteigen, würde sich Solarenergie dennoch in zwei Dritteln aller Weltmärkte rentieren.
 
Der privat erzeugte Ökostrom aus Solarenergie kostet momentan zwischen elf und zwanzig Euro-Cent pro Kilowattstunde. Aufgrund dessen könnte sich die Nachfrage nach Solarpanels im nächsten Jahr allein in den Vereinigten Staaten verfünffachen.
 
Die Netzparität ist für die Energiebranche und ihre Angestellten so gesehen ein Wendepunkt. Ist dieser erreicht, sollte man sich als Angestellter des Energiesektors Gedanken über eine berufliche Weiter- oder Fortbildung machen. Die Kundenzahlen bei den konventionellen Energieversorgern werden in dem Fall stark sinken, wodurch das Geschäft mit dem konventionellen Strom unrentabel wird.
 
Solarstrom wird mit Batterien gespeichert. Diese sind mittlerweile äußerst effizient und günstig geworden, womit der Bezug von konventionellem Strom um 70 % gesenkt werden konnte. Außerdem sinken die Preise für Solartechnologie im Allgemeinen. Laut Shah könnten die Preise für Solartechnologie bis 2020 um weitere 40 % sinken, während sich der Preis für konventionell hergestellten Strom in die entgegengesetzte Richtung bewegt.
 
Sollten Shahs Analysen stimmen, werden für konventionelle Stromanbieter bald düstere Zeiten aufkommen und der Solarboom geht folglich in die nächste Runde.
 
Ein Boom ohne staatliche Hilfe
 
Die Bundesregierung subventionierte die Solartechnologie bisher, um ihre energiepolitischen Ziele zu erreichen (Energiewende), was Auslöser für den ersten Boom war. Den zweiten Boom wird sie höchstwahrscheinlich allein in Gang bringen, da die Preise für Solartechnologie inzwischen gefallen sind und ihr Erfolg nicht mehr von staatlichen Unterstützungen abhängt. Dass der Solarboom bald in die zweite Runde geht, bestätigt auch die hohe Kundennachfrage nach Solartechnologie.
 
Dass es zu einem Boom in der Branche kommen wird, hat auch Angela Merkel bemerkt. Während des Empfangs des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) sagte sie aus, dass die Energiewende gerade eine Verschnaufpause eingelegt hätte. Damit hat sie sich klar auf die schwachen Verkaufszahlen in Deutschland im letzten Jahr bezogen, während der Absatz weltweit aber stieg. Kritik regnete es aber trotzdem von allen Seiten. Es stimmt aber trotzdem: die Energiewende wird auch künftig, nach der Atempause, weitergehen.
 
Experten sind einer Meinung
 
Es sind nicht nur die Experten der Deutschen Bank, die der Meinung sind, dass der Solarboom in die zweite Runde geht. Experten der Citibank Group kamen zum Schluss (2), dass der Ökostromanteil im Strom-Mix in den nächsten Jahren stark ansteigen wird. Sie fanden fünf Gründe, die dafür sprechen:
 
1.     Solarpanels werden immer effizienter und gewinnen dadurch mehr Strom. Das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis macht sie für die Verbraucher attraktiver.
2.     Kredite für erneuerbare Energien werden in den folgenden Jahren günstiger, weil Banken bereits Erfahrungen mit Solarprojekten sammeln konnten.
3.     Die Produktion von Solarzellen ist günstiger geworden. Das US-Energieministerium geht davon aus, dass der aus der Solarenergie gewonnene Ökostrom bald nur noch vier Cent pro Kilowattstunde kosten wird. Die Kosten für Solartechnologie haben sich seit 2010 halbiert (3).
4.     Netzparität wird in immer mehr Märkten und in immer mehr Ländern erreicht, da der Solarstrom immer günstiger wird. Für Hausbesitzer und Unternehmen ist eine Solaranlage deshalb eine lohnende Investition, weil der daraus gewonnene Strom verkauft oder selbst verbraucht werden kann. Deutschland ist dabei das Vorzeigebeispiel. Märkte wie Großbritannien, Japan und Südkorea halten jedoch Schritt.
5.     Die USA möchten ihre Importabhängigkeit reduzieren und setzen deshalb auf den Bau von Kraftwerken, in denen Strom aus erneuerbaren Energiequellen produziert wird. Durch die stabile Stromproduktion in Solarkraftwerken werden Preisschwankungen und die Importabhängigkeit verringert.
Laut den Analysen der Citibank-Experten werden die Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) über die Entwicklung der Solarenergie bis 2035 nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Die IEA verfügt über ein breit gefächertes Expertengremium, dessen Schätzungen für das Jahr 2035 eine Stromproduktion von über 660 Gigawatt Strom aus erneuerbaren Energiequellen voraussagen. Die Strommenge würde dabei die Strommenge übersteigen, die von allen Kohlekraftwerken weltweit produziert wird.
 
Weitere Informationen zum Thema Solarenergie, Ökostrom und Stromanbieterwechsel gibt es beim Portal Energieinitiative (4). (PK)
 
(1)    Originalbericht der Deutschen Bank im RenewEconomy Blog
(2)    Expertenanalyse der Citibank Group
(3)    Preisentwicklung der Solartechnologie
(4)    Informationen zum Thema Solarenergie, Ökostrom und

Stromanbieterwechsel
(1)    – Originalbericht der Deutschen Bank im RenewEconomy Blog - http://reneweconomy.com.au/2015/solar-grid-parity-world-2017
(2)    - Expertenanalyse der Citibank Group - http://reneweconomy.com.au/2014/citigroup-outlook-global-solar-getting-brighter-51347
(3)    - Preisentwicklung der Solartechnologie - http://green.wiwo.de/solarstrom-in-den-usa-preise-haben-sich-seit-2010-halbiert/
(4)    Informationen zum Thema Solarenergie, Ökostrom und Stromanbieterwechsel - http://energieinitiative.org/stromanbieter-wechseln/

HTML
(1)                    <a href=http://reneweconomy.com.au/2015/solar-grid-parity-world-2017">Originalbericht der Deutschen Bank im RenewEconomy Blog</a>
(2)                    <a href="http://reneweconomy.com.au/2014/citigroup-outlook-global-solar-getting-brighter-51347">Expertenanalyse der Citibank Group </a>
(3)                    <a href="http://green.wiwo.de/solarstrom-in-den-usa-preise-haben-sich-seit-2010-halbiert/">Preisentwicklung der Solartechnologie</a>
(4)                    <a href="http://energieinitiative.org/stromanbieter-wechseln/">Informationen zum Thema Solarenergie, Ökostrom und Stromanbieterwechsel </a>


Online-Flyer Nr. 498  vom 18.02.2015

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