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Aktueller Online-Flyer vom 21. Juli 2019  

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Globales
Die aktuelle Entwicklung in der Ukraine schon unter Hitler vorbereitet
Das "Vierte Reich"
Von Dr. Barbara Hug

Andrey Fursov ist russischer Historiker und Soziologe. Er äussert sich mit detaillierten Analysen zu den Vorgängen um die Ukraine und hebt z.B. das intensive Wirken der Geheimdienste verschiedenster Provenienz hervor, die im wirtschaftlichen, militärischen, gesellschaftlichen Raum als nicht unerhebliche Akteure berücksichtigt werden müssen. Der Rückblick in die Geschichte erlaubt es Fursov, Parallelen zwischen heute und den vor dem ersten Weltkrieg und im zweiten Weltkrieg vorliegenden Plänen des Westens zu ziehen.
 

Swoboda-Parteilogo Wolfsangel
Diese konnten nach 1945 wegen dem sowjetischen Sieg über Hitler-Deutschland nicht umgesetzt werden. Schlaglichtartig sei hier nur das "Projekt Galizien“ oder der Versuch der internen Spaltung der russischen Bevölkerung in der Ukraine genannt. Ukrainische Russen sollten gegen Moskauer Russen aufgebracht werden mit dem Ziel, Bürgerkrieg und Chaos zu erzeugen. Ein Hass gegen alles Russische sollte hervorgebracht werden, was ja auch heute ein deutliches Ziel des Westens ist. Banderas Mörderbanden bereits 1939 und die SS-Division Galizien stehen als Beispiel für das unheilvolle Wirken Hitlers in der Ukraine. Hitler hatte den antikommunistischen Reflex der ukrainischen Ultranationalisten ausgenutzt.
 
Wie Fursov schreibt, habe der Maidan in Kiew im Jahre 2004 nicht das erwünschte Resultat gebracht, so brauchte es einen zweiten Maidan, diesmal gespeist durch eine Allianz der Neoliberalen mit den Ultranationalisten vom Schlage der Banderisten, die nach dem Hitler-Kollaborateur Stepan Bandera benannt wurden. Ultranationalisten – wir würden von reinen Faschisten sprechen, die sich mit Nazi-Emblemen wie der Wolfsangel (1) schmücken – gehen gegen russischfreundliche Mitbürger vor.
 

Hitler-Unterstützer Stepan Bandera
NRhZ-Archiv
Worauf läuft die Gesamt-aktion Ukraine hinaus? Unschwer zu erkennen ist die massive Frontstellung gegen Russland, im weiteren Sinn gegen China. Unschwer ebenfalls sehen wir die wirtschaftliche Unterwerfung der Ukraine und ihrer Bodenschätze, die die Vernichtung des Sozialsystems noch restlos zementiert. Weiter zeigt sich die Rolle der Ukraine als Pitbull, der mit ständigen Provokationen und Wunden die russische Regierung reizen und zu Gegenmassnahmen veranlassen soll. Ein nicht unwesentlicher Aspekt dürfte im Nahen Osten liegen, wo es etliche kriegslüsterne Akteure gibt….
 
Doch warum führt Fursov das "Vierte Reich" an? Er habe keine Beweise, sagt er, doch er glaube, dass ein Gebilde wie das "Vierte Reich" angestrebt werde. Worum geht es?
 
Die Niederlage Hitlers in Stalingrad im Winter 42/43 war so vernichtend, dass sie ein Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutet hätte. Dies geschah aber nicht. Über das "Warum nicht?" müssen wir dringend nachdenken. Russia Today lässt im Mai 2014 den englischen Journalisten Tony Gosling zu Wort kommen, der die Anfangsgründe der Entstehung eines Vierten Reiches im Jahre 1943 skizziert: „Betrachtet man die Geschichte, so begann sich ab 1943 – als die Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg absehbar wurde – ein Netzwerk zu bilden, in dem nicht nur die Nachkriegsordnung Europas kontrolliert werden, sondern dieses auch noch an die USA geschweißt werden sollte. Die "Krieg und Frieden Studiengruppe" des Council On Foreign Relations der USA erarbeitete den Marshall-Plan, der neben dem Office of Strategic Services (OSS) dazu dienen sollte, die Westeuropäer vom Kommunismus fernzuhalten.“
 
Man wusste also, dass der Krieg mit einer Niederlage Deutschlands enden würde, und die Sowjetunion als Sieger hervorgehen würde. Was also glaubte man vordringlich tun zu müssen? Man musste einen Teil Europas und seines enormen Potentials in die Hände bekommen, koste es, was es wolle. Man durfte es doch nicht den Russen überlassen. Die SS-Grössen, wie z.B. Prinz Bernhard der Niederlande, wurden für die "Nachkriegsordnung“ dringend gebraucht. Aus den Ruinen des "Dritten Reiches" erstand alsbald ein Netzwerk, das durch das "Vierte Reich" die Kontinuität der Pläne offenlegt.
 
Nicht ohne Grund hat die russische Regierung eine Resolution in der UNO eingebracht, die sich gegen jedwede Nazi-Verherrlichung wendet. Die Generation, die den Faschismus in Deutschland durchlebt hat, sollte sich zu Wort melden. Schweigen und Zuschauen geht nicht länger. Die Wolfsangel auf den Armbinden der Maidan-Aktivisten ist nicht einfach eine Zierde, sondern ein Bekenntnis, ebenso wie der Hitlergruss. (PK)
(1) Die Wolfsangel ist eine heraldische Figur, die seit dem frühen Mittelalter in Wappen verwendet wird. Ob es sich ursprünglich um eine Rune handelt, ist in der Forschung umstritten. Als Symbol steht die Wolfsangel für ein Gerät, das schon im 8. Jahrhundert zu finden ist. Bis heute ist nicht ganz klar, ob es als Mauerhaken (zur Stabilisierung) oder zum Jagen von Wölfen verwendet wurde. Unter Hitler haben sich die Nationalsozialisten die Wolfsangel-Erkennungszeichen angeeignet. Die Adjutanten der Hitlerjugend trugen sie als Ärmelaufnäher, auch die „SA-Standarte Feldherrenhalle“ und der „Nationalsozialistische Schülerbund“ verwendeten dieses Symbol als Ausdruck der Wehrhaftigkeit. Die 1982 verbotene neonazistische Organisation „Junge Front“ (JF) nutzte die Wolfsangel als Erkennungszeichen. Auch andere Organisationen der neonazistischen Szene weltweit verwenden das Symbol. Die Verwendung der Wolfsangel in deutschen rechtsextremem Kontext ist inzwischen verboten und darf nach § 86a StGB in der BRD nicht mehr als Kennzeichen dieser Organisationen oder in einer damit zu verwechselnden Form (öffentlich) gezeigt werden. Seit 1991 war dieses Symbol auch das Abzeichen der Sozial-Nationalen Partei der Ukraine (SNPU) die sich 2004 in Allukrainische Vereinigung "Swoboda“ umbenannte). Dieses Symbol führte auch das im April/Mai 2014 gegründete, als rechtsextrem geltende ukrainische Miliz-Bataillon Asow zusammen.
Dr. Barbara Hug ist aktiv im Schweizer Arbeitskreis "Tschernobyl und die Folgen".


Online-Flyer Nr. 491  vom 31.12.2014

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