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Aktueller Online-Flyer vom 21. Februar 2017  

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Fotogalerien
50 Jahre Naturfreunde-Fotogruppe Königsbach
Zyklus des Werdens und Verschwindens
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

In der Fotografie führt die Natur selbst den Pinsel über den Malgrund, so einer der Erfinder der fotografischen Verfahren, William Fox Talbot. Das Entstehen der ersten, von ihm als Negativ-Positiv-Verfahren patentierten Lichtbilder trägt Talbot in einem Buch mit dem Titel „The Pencil of Nature“ zusammen. Seit ihrer Entdeckung findet die Fotografie leidenschaftliche Anwenderinnen und Anwender. Seit über 50 Jahren praktiziert die Naturfreunde-Fotogruppe Königsbach/Stein. In diesen Tagen präsentierte sie ihre 25ste Ausstellung mit Werken von rund 20 Mitgliedern aus den vergangenen zwei Jahren.


Reinhard Epple: Kaufhausfassade Dresden


Barabara Oettinger:  Begegnung auf dem Dach – Lahr


Barabara Oettinger:  Einkaufswagen – Gutach


Magdalene Glück: Handarbeit


Barabara Oettinger: Container – blau


Magdalene Glück:  Hauchzart


Uwe Merker: Busfahrerin – Indien


Martin Pritzkow: An der Spree


Manfred Schröter: ohne Titel


Timo Frey: The Kelpies

„Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet.“ Dieser viel zitierte, dem Maler Paul Cézanne zugeschriebene Ausspruch thematisiert ein Spannungsfeld zwischen dem Landschafts-, Stillleben- und Bildnis-Maler Paul Cézanne und seinem einstigen Freund und Schulkameraden, dem „Ankläger“ (J’accuse) Émile Zola. Der eine, Maler, mit einer dunklen romantischen Phase und dem philosophischen Gedanken des Werdens, Entstehens und Verschwindens. Der andere, Romancier und Journalist, stark verhaftet in der künstlerischen Umsetzung konkret gesellschaftlicher Ereignisse von der staatstragenden Affaire Dreyfus bis zum Bergarbeiterstreik.

Von Émile Zola existiert das Portrait eines Fotografie-Pioniers mit Künstlernamen Nadar, der sich in frühester Zeit von der üblichen Studioportraitfotografie löste, Hintergrundmalereien verschwinden ließ und statt dessen mit Licht- und Aufnahmegestaltung sich auf die tiefere Seele des Portraitierten zu konzentrieren beabsichtigte. Im Zyklus des Werdens und Verschwindens und der Existenz des entscheidenden Augenblicks operiert die Kunst und mit ihr das Medium Fotografie.

Mehr als 130 großformatige Schwarz-Weiß- und Farbbilder waren an nur wenigen, genau an vier Tagen im November 2014 am variablen Ausstellungsort der Festhalle in Königsbach zu sehen. Walter Benjamins Gedanke vom originären Ort des Kunstwerkes findet hier eine neuzeitliche Entsprechung. Und Benjamins Betrachtung rund um die Reproduzierbarkeit begleitet die Technik der Fotografie, lange bevor sie ihren revolutionären digitalen Wandel erfuhr. Wandel aber ist ein Grundthema der Fotografie...

Stringenz in Werk, Form und Thema

Rund zwanzig beteiligte Fotografinnen und Fotografen sind in der themenungebundenen Jubiläumsfotoschau vertreten. Naturfreundinnen und -freunde zeigen ihre Landschaftsaufnahmen, berechnet in goldenem Schnitt und Kontrastverhältnis. Kaum ein Bild, aus dem nicht ästhetische Grundregeln den bildgeplagten Betrachter des 21. Jahrhunderts anspringen. Ja, es stimmt. Zu den größten und leidenschaftlichsten Fotografen zählen nicht (nur – eher selten) die Absolventen der Akademien. Sebastiao Salgado umkreiste die Welt, um den Arbeiterinnen und Arbeitern, den Landlosen, den Kriegsereignissen zu folgen – fast bis er zerbrach. Walter Ballhause, der Zwanzigjährige mit geborgter Leica folgte den Elenden der 20er Jahre, von denen er selber einer war. Scharf portraitiert, ja karikiert der leidenschaftliche junge Fotograf die Zeit zwischen den Kriegen: Krüppel des 1. Weltkrieges hier, marschierende Jugend der 30er Jahre da – als wäre nichts geschehen.

Faszinierende Technik, kreatives Medium Fotografie. Auf jede und jeden Einzelnen kommt es an, Reproduktionen zu reproduzieren oder die Leidenschaft aus dem Sack zu lassen. Die Technik, von Gestaltung bis Ausführung ist ein Werkzeug, das gebraucht werden kann, aber nicht abhängig machen darf.

Hinweis:
http://www.fotogruppe-koenigsbach.de

Online-Flyer Nr. 486  vom 26.11.2014

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