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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Krieg und Frieden
Nina Andrejewa, Vorsitzende der KP der Bolschewiki, im Interview:
"Russland verteidigt die Prinzipien der UN-Charta"
Von Brigitte Queck

Im August war die Vorsitzende der Vereinigung „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“ in Sankt Petersburg und hat dort ein Interview mit Nina Andrejewa, der Vorsitzenden der Kommunistischen Allunionspartei der Bolschewiki, gemacht....



Brigitte Queck: Wie schätzen Sie das derzeitige strategische Gleichgewicht der Kräfte zwischen den USA und den imperialistischen Hauptländern einerseits und Russland mit seinen Verbündeten andererseits ein ? Das russische Außenministerium erklärte am 1. Juli 2014, dass „die Nichteinbindung Russlands zum Raketenabwehrdialog des Westens Besorgnis errege, weil der uneingeschränkte Aufbau des US/NATO Raketenschirms aktiv weitergehe“. Das könne „das strategische Gleichgewicht stören und die internationale Situation untergraben.“


Nina Andrejewa: Ein Wettrüsten zwischen den genannten Ländern widerspricht sowohl den Interessen des russischen, wie auch den Interessen der anderen Völker der Welt. Ungeachtet dessen drängen die imperialistischen Hauptmächte der ganzen Welt dieses schreckliche Wettrüsten auf. Der erste und hauptsächlichste Feind für die Länder der USA/NATO ist Russland mit seinen reichen Bodenschätzen und auch deshalb, weil Russland das einzige Land der Welt ist, das in der Lage ist, der NATO auf militärischem Gebiet zu widerstehen. Außerdem unterstützt Russland in der UNO die Länder, welche selbstbewusst ihren eigenen Entwicklungsweg gehen, ohne sich den USA/NATO unterzuordnen.
Eine Untergrabung des strategischen Gleichgewichts der Kräfte durch die imperialistischen Hauptländer der NATO kann nicht hingenommen werden, denn das würde auf den Untergang der ganzen Menschheit hinauslaufen. Wir sehen doch, dass die imperialistischen Hauptländer, vor allem die USA, bis zum heutigen Tag mit ihren sogenannten begrenzten Kriegen und unter dem Vorwand „des Schutzes der Menschenrechte“ ganze Völker vernichtet haben und vernichten, aber im Gegenteil damit ihre imperialistische, koloniale und faschistische Herrschaft auf alle Länder der Welt ausdehnen wollen.
Russland hat mit den BRICS-Staaten und den Ländern Lateinamerikas Bündnisse auf politischem und ökonomischem Gebiet geschlossen, um gemeinsam gegen den imperialistischen Hauptfeind, die USA/NATO, der ständig internationales Recht bricht und der Kriege plant und durchführt, vorzugehen. Viele Länder der Welt unterstützen die Außenpolitik Russlands, da Russland die Prinzipien der UNO-Charta verteidigt, welche darauf gerichtet sind, keine Aggressionskriege zuzulassen, sondern einen diplomatischen Weg aus Krisensituationen zu suchen. Deshalb hoffen wir auf den gesunden Menschenverstand der Politiker und Menschen, keine Aggressionskriege mehr zuzulassen, die lediglich imperialistischen Interessen dienen, sondern eine Politik des Friedens und der Völkerverständigung zu betreiben.

Welche Auswirkungen haben die Droh- und Embargobestimmungen der imperialistischen Hauptländer auf die russische Wirtschaft und die innenpolitische Situation Russlands?

Die Embargobestimmungen der USA/NATO haben nicht nur Auswirkungen auf Russland, sondern auch auf die Wirtschaft der Länder, von denen diese Embargobestimmungen ausgehen. Diese Embargobestimmungen treffen besonders die Arbeiterklasse der USA/NATO und führen dort zu einer wachsenden Arbeitslosigkeit.
Russland ist im Großen und Ganzen eine autarker Staat, der mit den Belastungen fertig werden kann, zumal auch das ganze Volk Russlands hinter dem russischen Präsidenten Wladimir Putin steht. Und unsere Verbündeten im Ausland, die Staaten der BRICS und Lateinamerikas, verkaufen auf Grund des Embargos Lebensmittel nach Russland. Ich hoffe, dass auch die deutschen Kommunisten und die deutsche Friedensbewegung sich in den antiimperialistischen Kampf unseres Landes einreihen.

Wie ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Kommunistischen Parteien in der Russischen Föderation und wie wird von ihnen die Außenpolitik der Russischen Föderation- auch in bezug Krim und Ostukraine- unterstützt ?

Wir arbeiten mit den verschiedenen Kommunistischen Parteien der Russischen Föderation zusammen und unterstützen die Außenpolitik der Russischen Föderation hinsichtlich der Krim und der Ostukraine. Das Referendum auf der Krim war eindeutig und sprach sich für die Zugehörigkeit zu Russland aus, während die Menschen in der Ost- und Südostukraine unterschiedliche Meinungen über den Verbleib im ukrainischen Staat und über den Anschluss an Russland haben.
Aber alle Menschen in der Ost- und Südostukraine lehnen den Regime-Change in Kiew vom 22. Februar 2014 ab und sind gegen die faschistische Regierung dort, welche dafür ihr eigenes Volk bestraft und vernichtet.
Wir unterstützen jegliche humanitäre Hilfe seitens Russlands gegenüber dem ukrainischen Volk, denn die ukrainischen Menschen sind unsere Brüder und Schwestern.
Im Übrigen hatte sich unsere Kommunistische Allunionspartei Bolschewiki schon vor Monaten in einem offenen Brief an die Russische Regierung mit der Bitte gewandt, dem Volk der Ostukraine humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.
Eie offene militärische Hilfe gegenüber dem Volk der Ost- und Südostukraine würde nicht nur Russland, sondern auch Europa in einen Krieg hineinziehen, welcher sogar den Tod der ganzen europäischen Bevölkerung zur Folge haben könnte, denn in Europa gibt es viele Militärbasen der USA und der NATO, von denen aus seit Jahren Aggressionskriege in aller Welt geführt werden. Russland aber wird den USA/NATO-Staaten niemals gestatten, einen Aggressionskrieg gegen das russische Volk zu führen.
Deshalb rufen wir Sie, alle deutschen Kommunisten und deutschen Freunde auf, in unser aller Interesse nicht zuzulassen, dass sich der ukrainische Konflikt in einen Aggressionskrieg der USA/NATO gegenüber Russland und Europa ausweitet. (PK)



Nina Andrejewa wurde am 12. Oktober 1938 in Leningrad geboren. Während der Belagerung Leningrads wurde ihre Schule evakuiert und sie lebte einige Jahre in der Stadt Uglin. Nach dem Sieg über die Hitlerfaschisten und der Aufhebung der Blockade kehrte sie mit ihrer Mutter und ihren zwei Brüdern im Mai/Juni 1944 nach Leningrad zurück. Die Schule in Leningrad schloss sie mit einer Goldmedaille ab und besuchte dann die Technische Universität in Leningrad, die sie ebenso mit Auszeichnung absolvierte. Als wissenschaftlicher Kader in der Forschungsabteilung verteidigte Nina Andrejewa 1967 ihre Dissertation und bildete später Ingenieure für die Schwerindustrie der Sowjetunion aus. Zu Gorbatschows Zeiten und vor allem wegen ihrer mutigen Stellungnahme in der Prawda gegen die Perestroika wurde sie vorzeitig aus dem Institut entlassen. 1991 nach dem Putschversuch in Moskau wurde die KPdSU verboten. Am 8. November 1991 wurde die Allunionspartei der Kommunistischen Partei Bolschewiki auf marxistisch-leninistischer Grundlage gegründet, zu deren Generalsekretärin Nina Andrejewa einstimmig gewählt wurde. Nach Aufhebung des Verbotes der KPdSU im Jahre 1993 bildeten sich in der Folgezeit mehrere kommunistische und sozialistische Parteien heraus, die sich dann zur KPRF zusammenschlossen. Bis heute leitet Nina Andrejewa die Allunionspartei der KPB, deren Ziel die Wiedererichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in Russland ist.

Brigitte Queck ist Diplomstaatswissenschaftlerin für Außenpolitik und Vorsitzende der Vereinigung „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“. Anfang Juli hat Harry Popow in der NRhZ 466 ihr Buch „Die Ukraine im Fokus der NATO. Russland das eigentliche Ziel“ vorgestellt. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20536


Online-Flyer Nr. 476  vom 17.09.2014

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