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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Inland
Appell russischer und ukrainischer Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg
Offener Brief an Kanzlerin Merkel
Von Konstantin Wecker, Nikolaj Lebedew und Semjon Iwtschenko

Sehr geehrte Frau Merkel, mit Ihrer Forderung nach der sofortigen Umsetzung der Sanktionen gegen Russland gefährden Sie die vereinbarte Waffenruhe zwischen der Ukraine und Russland und riskieren einen Krieg, an dem Sie zwar nicht persönlich beteiligt sein werden, aber dafür unzählige unschuldige BürgerInnen und Bürger.
 

Konstantin Wecker, Musiker, Liedermacher,
Komponist, Schauspieler und Autor
NRhZ-Archiv
Die sonst auch nicht unbedingt friedliebende EU will immerhin bis zum Inkrafttreten weiterer Strafmaßnahmen gegen Russland die Entwicklung der Waffenruhe abwarten. Ich bin entsetzt über eine Kanzlerin, die uns ohne jeden Sinn für diplomatische Vernunft in eine politische Katastrophe manövrieren will.
 
Der nachfolgende „Aufruf zur Versöhnung“ wurde am 1. September 2014 an mehrere Dutzend ehemaliger Kriegsgefangener nach Russland und zur Ukraine per Post mit dem Vorschlag geschickt, ihn zu unterschreiben. Ein Satz darin hat mich sofort aufschrecken lassen: "Die Nazis wollten uns gegeneinander hetzen, um beide Seiten besser zu beherrschen." Richtig!
 
Aber wer will heute wohl beide Seiten besser beherrschen? Wer finanziert den Streit seit Jahren mit Milliarden? Wer hetzt gezielt heute die beiden Staaten gegeneinander auf? Wie wär's, Frau Merkel, wollen Sie diesen Aufruf nicht mal im Bundestag verlesen? Er ist vernünftiger und menschlicher als alles was Sie öffentlich zu diesem Thema gesagt haben.
 
Hier der Aufruf zur Versöhnung zwischen Ukrainern und Russen, Friedensappell ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener:
 
"Besinnt Euch! Erstickt Euren Hass, redet miteinander statt aufeinander zu schießen!
Wir Veteranen der Roten Armee gerieten als Frontkämpfer in deutsche Gefangenschaft. Wir sind Überlebende eines Menschheitsverbrechens, dem über drei Millionen unserer Kameraden zum Opfer fielen. Wir überlebten, weil wir solidarisch waren. Russen, Belorussen, Ukrainer, Kaukasier, Mittelasiaten teilten das gleiche Schicksal in den Lagern der Wehrmacht und halfen sich brüderlich.
 
Wir alle riefen nach der Befreiung dasselbe: NIE WIEDER KRIEG!
Es ist eine einfache Lehre, die wir aus unserer harten Lebensgeschichte ziehen: Nationaler Egoismus, Nationalismus ist die Keimzelle des Unfriedens zwischen Nachbarvölkern. Die Deutschen haben dies gelernt und leben in friedlicher Union mit ihren einstigen Feinden. Wir sowjetischen Kriegsveteranen glaubten nach der Befreiung, alle Bürgerinnen und Bürger unserer multinationalen Union hätten als Überlebende und Besieger des faschistischen Terrors umso mehr gelernt. Unvorstellbar war der Gedanke, dass sich dereinst unsere Völker in Hass und nationalem Dünkel gegenüber stünden. Es heißt, wir seien Brudervölker. Wer ist hier Kain, wer Abel? Die Medien beider Länder nennen die einen „Terroristen“, die andern „Faschisten“.
 
Besinnt Euch! Erstickt Euren Hass, redet miteinander statt aufeinander zu schießen! Blickt zurück: Krieg und Stalinismus belasteten Russen und Ukrainer gleichermaßen. Die Nazis wollten uns gegeneinander hetzen, um beide Seiten besser zu beherrschen. Wo es ihnen gelang, floss auf beiden Seiten Blut. Ihr jungen Leute mit der Kalaschnikow in ungeübter Hand, respektiert Eure Großväter, die mit ihrer Waffe einen wirklichen Feind vertrieben. Hört auf uns, die in faschistischen Lagern das wenige Brot miteinander teilten.
 
Benehmt Euch wie Mitglieder einer Familie, in der man sich streitet im Bewusstsein gegenseitigen Respekts und sich wieder verträgt.
Macht endlich Frieden miteinander!"
Nikolaj Lebedew, Russland Semjon Iwtschenko, Ukraine (PK)
 
Quelle:VVN-BdA, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Karlsruhe


Online-Flyer Nr. 476  vom 17.09.2014

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