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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Strom aus Kohle und der Atomstrom kosten inzwischen bis zu 30 Cent pro KWh
Lohnen sich Stromspeicher und Selbstverbrauch?
Von Franz Alt

In Deutschland ist zurzeit kein Argument zu doof, um nicht gegen erneuerbare Energien ins Feld geführt zu werden. Die Energiewende sei zu teuer, die Versorgung zu unsicher, die Technik noch nicht ausgereift und der Zubau gehe zu schnell. Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende ist freilich, dass sie intelligent und möglichst frei von Partikularinteressen gestaltet wird. Der Umbau muss rasch organisiert werden, denn wir haben – wie der jüngste Weltklimabericht wieder einmal deutlich gemacht hat – nicht unendlich viel Zeit. Die Bundesregierung propagiert zwar verbal die Energiewende, aber faktisch bremst sie diese ganz im Sinne der alten Energiewirtschaft aus und verschläft die Zukunft mit falschen und unhaltbaren Argumenten.
 

Solarzellen lohnen sich
Aber auch Branchenfunktionären muss man gelegentlich durch Fakten widersprechen. Jahrelang galt der Grundsatz, dass Speichern von Solarstrom und Eigenverbrauch nicht ökonomisch sei. Interessanter sei es, den Solarstrom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Diese Überlegung war etwa bis vor einem oder zwei Jahren noch richtig. Im Jahr 2.000 gab es noch über 50 Cent pro KWh Solar- strom und der Strom aus der Steck- dose kostete etwa 12 bis 15 Cent.
 
Doch heute haben wir eine völlig andere Preissituation. Der Strom aus Kohle und der Atomstrom kosten jetzt bis zu 30 Cent, und die Kilowattstunde Solarstrom können wir für etwa zehn Cent selber produzieren. Jetzt rechnen sich also das Speichern und der Eigenverbrauch bei heute installierten PV-Anlagen. Und Jörg Meyer, Geschäftsführer des Bundesverband Solarwirtschaft BSW-Solar hat unrecht, wenn er in einem Interview am Rande der Intersolar-Messe erklärt: „Auch heute rechnen sich Speicher noch nicht. Durch Kostendegression werden wir aber erleben, dass wir zur Wirtschaftlichkeit kommen.“ Der Solarverband erwarte, dass es zwischen 2015 und 2017 soweit sei.
 
Lieber Jörg Meyer. Ich höre von Fachleuten in der Praxis genau das Gegenteil. Die Kostendegression sei bereits eingetreten und viele von uns, die heute Anlagen und Batterien installieren bestätigen mir das. Wenn jetzt immer mehr ihren selbsterzeugten Strom mit Hilfe von Batterien selbst verbrauchen, dann erleben wir auch – ähnlich wie bisher bei der Produktion von PV-Strom – eine rasche Kostendegression bei Batterien oder wie früher bei Handys oder PCs. Umgekehrt: Jede Verzögerung des Selbstverbrauchs führt zu einer Verzögerung der Kostensenkung.
 
Die herkömmlichen Strompreise werden immer teurer.
 
In den letzten Jahren sind sie im Schnitt pro Jahr um sechs Prozent gestiegen. Realistischer weise müssen wir mit einer nochmaligen Verdoppelung bis 2025 rechnen. In dieser Zeit lohnt es sich also, immer weniger Solarstrom ins Netz einzuspeisen und immer mehr selbst zu verbrauchen. Diese Strategie wird immer preiswerter, die Akkus immer billiger und Braunkohle- und Atomstrom immer teurer. Seit etwa 2013 wird der Eigenverbrauch immer attraktiver.
 
Fünf Vorteile gilt es jetzt zu erkennen:
 
    Erstens: Eigenverbrauch lohnt sich schon jetzt
    Zweitens: Die Stromversorgung ist auch beim Netzausfall sicherer
    Drittens: Die Akkus werden immer besser und preiswerter
    Viertens: Viele Hersteller geben bereits sieben Jahre Garantie für Akku und Elektronik aus einer Hand.
    Fünftens: Meine Verbrauchsdaten habe ich über Laptop oder Smartphone immer im Blick. Die jetzt angebotene Akku-Technik wird schon seit Jahrzehnten in der Industrie eingesetzt und ist bewährt. (PK)
 
 
Franz Alt arbeitete bis 2003 überwiegend beim Südwestfunk (SWF, heute: SWR), für den er 20 Jahre lang das Politmagazin Report moderierte. Die Veröffentlichung des Buchs "Frieden ist möglich", in dem er Zweifel an der Politik der Nachrüstung anmeldete, führte zu jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zwischen Alt und dem Sender. Von 1992 bis 2003 leitete Franz Alt die Zukunftsredaktion im SWR und moderierte außerdem in 3sat die Magazine Querdenker und Grenzenlos. Seine Bücher wurden in zwölf Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von über zwei Millionen.
Diesen Beitrag von Franz Alt haben wir mit Dank von seiner Sonnenseite übernommen.
http://sonnenseite.kjm4.de/r/ZH0AAD421856ms431.html
 


Online-Flyer Nr. 464  vom 25.06.2014

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