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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Inland
"Nicht die Not ist das Schlimmste, sondern dass sie ertragen wird.“ (Erich Mühsam)
Lasst uns mal über Anarchie reden
Von Jochen Knoblauch

Acht Jahre nach "ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert“ (1) legt der Koordinationsredakteur der ältesten anarchistischen Zeitschrift in Deutschland – "Graswurzelrevolution" – den Nachfolgeband mit Interviews und Gesprächen vor. Wie zeitgeschichtlich wichtig diese Bücher sind, zeigt die Tatsache, dass von den 24 Interviewten aus dem ersten Band in der Zwischenzeit fünf GesprächspartnerInnen verstorben sind, und somit die Möglichkeit des direkten Gesprächs nicht mehr vorhanden ist.

Der promovierte Soziologe Bernd Drücke hat das "Anarchismus Hoch 2“-Buch herausgegeben und dafür die 16 Gepräche geführt. Auch dieses Mal hat er einen illustren Kreis an GesprächspartnerInnen zusammen bekommen: Ob nun die Öko-Aktivistinnen Franziska Wittig und Cécile Lecomte, die feministische Bloggerin Antje Schrupp, den Liedermacher Konstantin Wecker, das Comic-Duo Gerhard Seyfried und Ziska, den Arzt Michael Wilk, den Politologen Wolf-Dieter Narr, den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Rüddenklau, den russischen Anarchosyndikalisten Vadim Damier, den Kommunarden Bernd Elsner, den Soziologen Luz Kerkeling oder die jungen österreichischen Publizisten Gabriel Kuhn und Sebastian Kalicha.

Bernd Drücke
Dieses Projekt der Oral-History ist nicht nur eine Nabelschau, die unterschied-lichen Personen spiegeln auch diverse Positionen und Ansätze, sowie deren Umsetzung wider. Ob Publizistin oder Kommunarde, ob Aktivistin oder Philosoph, die kurzweiligen Gespräche spiegeln deren Werdegang und unsere Realität wider. Es ist ein Teil lebendiger Geschichte. Interessant ist auch, dass sich Bernd Drücke hier, neben der Einführung von ihm, auch mal selbst interviewen läßt – sozusagen als Vorwort.

Neben den unterschiedlichen Ansätzen der GesprächspartnerInnen spielt auch die Bandbreite der Altersgruppen eine Rolle. Die anarchistische Bewegung ist längst den Kinderschuhen entwachsen und kein Privileg der Jugend mehr, sondern eher ein Mehrgenerationenprojekt mit gegenseitigem Gewinn. Das Projekt arbeitet auch gegen die Vorstellung, dass es einen Weg geben würde. Die Wege der unterschiedlichen Leute sind vielfältig, jeder hat seinen Sinn und Platz.
Die zweite Auflage des ersten Bandes ist in Arbeit und ein dritter Band mit weiteren Interviews in Vorbereitung. Es ist wichtig, über unsere eigene Geschichte, Erfahrungen, Träume und Kämpfe zu reden, für die Nachwelt, für uns und um die Vielfalt einer Bewegung uns selbst ins Gedächtnis zu rufen, die größer ist, als wir selbst oft denken – jenseits von wikipedia, facebook und anderem elektronischen Schnickschnack. (PK)
(1) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10125
 
Bernd Drücke (Hg.), "Anarchismus Hoch 2. Soziale Bewegung, Utopie, Realität, Zukunft. Interviews und Gespräche." Karin Kramer Verlag, Berlin, 2014, einige Abb., 240 S., ISBN 978-3-87956-375-3, 18 Euro
Bernd Drücke ist Redakteur der anarcho-pazifistischen Monatszeitschrift "Graswurzelrevolution" und Herausgeber des Buches "Ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert."


Online-Flyer Nr. 464  vom 25.06.2014

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