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Aktueller Online-Flyer vom 28. September 2016  

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Fotogalerien
Zur Auseinandersetzung über die "alte" und "neue" Friedensbewegung
Teile und Herrsche
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Man schleuse ein Mitglied der Geheimdienstorganisation NPD ein, man mache ein Foto von dem NPD-Mann in der Menge, man veröffentliche dieses Foto in einer "linken" Zeitung, man spreche in einer Fernsehsendung der Herrschaftsmedien von einer "neu-rechten" Bewegung und lasse von einem Spitzenmann der "alten" Friedensbewegung die Behauptung aufstellen, die "neue" Friedensbewegung sei "von der NPD ins Leben gerufen" und veröffentliche auch das in einer "linken" Zeitung. Dann ist die "neue" Bewegung diskreditiert. Bringt man so das Prinzip "Teile und Herrsche" zur Anwendung? Lautet so das Rezept zur Verhinderung einer starken Friedensbewegung, die den Kriegstreibern gefährlich werden könnte? Die folgende Fotogalerie wirft einen Blick in diese Szenerie – zwei Beispiele für die "alte" und zwei Beispiele für die "neue" Friedensbewegung.


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung – "Wir sagen NEIN zu Interventionskriegen"


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Berlin am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung – Wojna von der Duisburger Polit-Hip-Hop-Band – im Hintergrund u.a. Mahnwachenteilnehmer (mit den Schildern) des seit 1999 bestehenden Antikriegsbündnisses Aachen (AKB) – „Alle reden von der NPD, doch Extremisten sitzen längst im Bundestag. Zu Hartz vier und Afghanistan ham sie alle Ja gesagt... Wir haben sie verhundertfacht. Unsre Produktivität. Weshalb es mich verwundert macht, dass nicht jeder hier in Wohlstand lebt. Wir sind an einem Wendepunkt. Dem Fehler im System.“ (DIE BANDBREITE in ihrem Song "Was ist los in diesem Land")


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung – Helene Klein: Mitglied der seit mehr als 30 Jahren bestehenden Würselener Initiative für den Frieden, Mitglied in der bundesweiten Kooperation für den Frieden


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung – im Hintergrund u.a. Mahnwachenteilnehmer (mit Schild) des seit 1999 bestehenden Antikriegsbündnisses Aachen (AKB) – mit Blick in die Fußgängerzone Adalbert-Straße


Aachen am 31.5.2014: die "neue" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung – Kurt Bender vom Düsseldorfer Friedensforum: „Und jetzt zurzeit läuft eine große Kampagne gegen Russland, personifiziert in Herrn Putin. Interessant ist auch, dass man nirgendwo in den Monopol-Medien, in den Sendeanstalten Originaltext erfährt, was sagt denn Herr Putin. Stattdessen jeden Tag Streicheleinheiten für die abenteuerlichsten Putschisten und Faschisten in Kiew. Machen wir uns nichts vor, auf dem Maidan haben sich die übelsten Kräfte an die Macht geputscht.“


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Düsseldorf am 31.5.2014: die "alte" Friedensbewegung


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung – darunter Wojna von der Duisburger Polit-Hip-Hop-Band: „Aufstand und Aufruhr darf man niederschießen, laut dem Vertrag ist et legales Blutvergießen. Selbst wenn sie friedlich – wie damals in der DDR – demonstrieren, ohne datt da irgendwat passiert, wärs Grund genug gewesen, die Waffen zu erheben. Unter so nem Machwerk will ich doch nicht leben. Wenn irgendwat im Weg des Wirtschaftsinteresses liegt, stehen hier alle Wege offen für nen Angriffskrieg. Wir schaufeln unser Grab. Wir rüsten auf statt ab. Er [der Vertrag von Lissabon] fordert immer mehr, Waffen und Militär.“ (DIE BANDBREITE in ihrem Song "Angst vor Lissabon")


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung – Jan (23), Student und Bundeswehrreservist gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Militarisierung der Europäischen Union: „Auf europäischer Ebene werden Verträge beschlossen, die uns nicht nur an die Banken verkaufen (ESM), die uns genmanipuliertes Fressen und Billiglöhne (TTIP) vorsetzen, die staatliche Überwachung fördern (ACTA), sondern auch die Tötung von Zivilisten legalisieren.“ (mehr: siehe unten)


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung – vereint: Pedram Shahyar, langjähriger Attac-Aktivist und Ken Jebsen (Betreiber des Video-Kanals KenFM) kennen sich erst seit drei Wochen. Die Mahnwachen für den Frieden haben sie zusammengebracht.


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung – Ken Jebsen (Betreiber des Video-Kanals KenFM): „Mein Name ist Ken Jebsen und meine Zielgruppe bleibt der Mensch. Vielleicht bin ich zornig, weil ich die letzten Jahre (wo Du so aktiv warst, Pedram) nichts gemacht habe. Ich habe immer journalistisch gearbeitet, habe eine Kultursendung gemacht bei einem großen ARD-Sender… Vielleicht rührt der Zorn auch daher, dass ich zu spät eingestiegen bin. Aber es gibt im Grunde kein Zuspät für den Frieden. Das gilt, glaube ich, auch für viele, die heute hier sind, die zum ersten Mal politisch aktiv werden. Es gibt kein Zuspät, für den Frieden aktiv zu werden. Wenn man einsteigt, um sich für den Frieden einzusetzen, ist der Zeitpunkt der richtige Zeitpunkt.“


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung – Gegendemo von Anhängern des zionistischen Rassismus – an der Haltestelle, von wo aus die Mahnwache in der Woche zuvor über die Außenlautsprecher einer Straßenbahn als "antisemitisch" beschimpft worden ist (siehe auch Text unten)


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung – Pedram Shahyar (attac): „Der Anlass, aus dem wir zusammen kommen, ist kein fröhlicher. Wir erleben gerade in der Ukraine eine Katastrophe. Dieses Land wird gerade zerrissen. Faschistische Banden marschieren durch Kiew, durch die Ostukraine und ermorden Leute... Wir sind hier, weil unsere Regierung nicht unschuldig ist an dem, was dort passiert. Die Bundesregierung war aktiv dabei, die Ukraine auseinander zu reißen. Sie hat diese faschistischen Kräfte unterstützt durch einen Empfang, sie hat sie hofiert. Wir sind heute hier, um NEIN zu sagen gegen diese Kriegspolitik, die seitens der Bundesregierung gemacht wird.“


Köln am 2.6.2014: die "neue" Friedensbewegung – Schlussaktion nach ca. vier Stunden Reden, Musikbeiträgen und offenem Mikro


„Besonders antiamerikanische und verschwörungstheoretische, aber auch antizionistisch-antisemitische und autoritäre Einstellungen haben eine teils große Verbreitung“, heißt es in einem am 16. Juni 2014 veröffentlichten "Forschungsbericht" des "Zentrum Technik und Gesellschaft" an der TU Berlin zu den "Montagsmahnwachen für den Frieden". Was für ein Satz?! Er vereint in sich fast alle zurzeit gängigen Kampfbegriffe gegen Aufklärung und berechtigte Kritik an kriminellen Machenschaften der gegenwärtigen Kriegstreiber. Einer der Autoren des "Forschungsberichts", Peter Ullrich, ist bereits als Propagandist der Israel-Lobby in Erscheinung getreten. Er war vom "Aachener Friedenspreis" zu einer Veranstaltung über Antisemitismus eingeladen und hat dort reichlich demagogisches Gift versprüht.

Antiamerikanisch? Verschwörungstheoretisch? Antizionistisch-antisemitisch?

Antiamerikanisch? Was ist das? Das ist ein Begriff, mit dem Kritik am US-Imperium und seiner anhaltend verbrecherischen Politik abgewehrt werden soll. Verschwörungstheoretisch? Was ist das? Das ist ein Begriff, der die Aufklärung von verdeckten Operationen, insbesondere von so genannten False-Flag-Operationen im Keim ersticken soll. Antizionistisch-antisemitisch? Was ist das? Das ist die bewusste Vermengung zweier Begriffe insbesondere zur Abwehr von Kritik an der zionistisch-rassistischen Politik Israels.

Damit wird klar, was von den herrschenden Kräften befürchtet wird: dass eine Friedensbewegung aufgestellte Tabus missachten und Tabuisiertes zum Thema machen könnte. Deshalb muss sie gespalten und geschwächt werden. Das ist das, was wir zurzeit erleben: nach dem Prinzip "Teile und Herrsche" wird versucht – teils unter Nutzung von Agenten des Imperialismus in den Bewegungen, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen – die Gefahr für das herrschende System zu minimieren. Von den Herrschenden verlangt wird eine Friedensbewegung, die die wirklich entscheidenden Fragen – weiterhin – ausklammert. Wer sich auf dieses Spiel einlässt, hat schon verloren.

Selbstverständlich ist nicht zu garantieren, dass eine offene Bewegung von Einflüssen, die zu verurteilen sind, frei bleibt. Dafür sorgen auch Einrichtungen wie der Verfassungsschutz und andere Geheimdienste. Aber das gilt nicht nur für die "neue", sondern auch für die "alte" Friedensbewegung und die "Linke" im Allgemeinen. So genannte Antideutsche, also die Stosstrupps des US-Imperialismus, sind schon seit langem eingeschleust und besetzen viel zu viele Schaltstellen der "alten" Bewegung.

Antisemitismus per Lautsprecher

Eine Begebenheit bei der Montagsmahnwache in Köln macht deutlich, welche Wirkung die Medienkampagne bereits hat und dass damit nicht zu spaßen ist. Über die Außenlautsprecher einer an der Haltestelle Rudolfplatz stehenden Straßenbahn wurden die Mahnwachenteilnehmer als "antisemitisch" beschimpft. Ein nahezu einmaliger Vorgang! Und – es ist fast nicht zu glauben – das geschah, als dieselbe Straßenbahn wieder vorbeikam, noch ein zweites Mal. Damit wird deutlich, wie leicht sich Menschen aufhetzen und in eine Art von Hysterie hinein steigern lassen. Die Organisatoren haben die Kölner Verkehrsbetriebe angeschrieben und Beschwerde eingereicht. Dabei haben sie die Angaben bewusst vage gehalten, damit der verantwortliche Straßenbahnfahrer – um ihm berufliche Schwierigkeiten zu ersparen – möglichst nicht ermittelbar ist.

„Das müsst Ihr Euch mal auf der Zunge zergehen lassen, liebe Leute!“

Es ließe sich viel wiedergeben, was bei den stigmatisierten Mahnwachen für den Frieden gesagt wird. Zwei Zitate eines 23jährigen zum Abschluss:

„Ich stehe hier auf der Friedensmahnwache in Köln, weil ich etwas zu sagen habe: Ich habe es nämlich satt! Ich habe es satt, dass wir belogen werden... ich habe es satt, dass man in Afghanistan von einer 'Friedensmission' spricht! Seit Beginn des Krieges sind über 50 Bundeswehrsoldaten und vermutlich tausende nicht gezählte Zivilisten gefallen oder gestorben. Heute stehe ich hier und frage: Wofür? ... Ist das der Frieden der NATO? Sind das westliche Werte? Sind das Werte, die uns die französische Revolution und die 48er Revolution erkämpft haben?" Das fragt ein 23jähriger Student und Reservist der Bundeswehr.

„Auf europäischer Ebene werden Verträge beschlossen, die uns nicht nur an die Banken verkaufen (ESM), die uns genmanipuliertes Fressen und Billiglöhne (TTIP) vorsetzen, die staatliche Überwachung fördert (ACTA), sondern auch die Tötung von Zivilisten legalisieren. Ich zitiere mal aus dem Vertrag von Lissabon, welcher 2009 beschlossen wurde: --- Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels [Recht auf Leben] betrachtet, wenn sie durch Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um c) einen Aufruhr oder einen Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen. --- Das müsst Ihr Euch mal auf der Zunge zergehen lassen, liebe Leute!“

Online-Flyer Nr. 463  vom 18.06.2014

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