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Aktueller Online-Flyer vom 27. Mai 2017  

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Protest anlässlich der Jahreshauptversammlung 2014 der Deutschen Bank
Die Erde darf kein Schwarzer Planet werden!
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

„Sie treten Moral und Ethik mit Füßen und nehmen den Untergang der Erde als Schwarzen Planeten in Kauf.“ Dies war ein zentraler Satz, der am 22. Mai 2014 bei einer Veranstaltung in der Festhalle auf dem Gelände der Frankfurter Messe ausgesprochen wurde – bei der Jahreshauptversammlung 2014 eines multinationalen Unternehmens, das sich gemeinhin DEUTSCHE BANK nennt. Vor den Toren der Festhalle wurden die Verantwortlichen des Konzerns mit zahlreichen Facetten von Protest empfangen. Und auch in der Festhalle wurden sie an den Pranger gestellt – insbesondere durch die Stiftung Ethik & Ökonomie: ethecon. „Verantwortlich für Entscheidungen und Handeln der DEUTSCHEN BANK sind in erster Linie die Vorstandsvorsitzenden und die Großaktionäre. [Sie] handeln zum Vorteil persönlicher Macht und privater Bereicherung“, wurde ihnen von ethecon-Vorstandsmitglied Axel Köhler-Schnura mitgeteilt. Der Black Planet Award, mit dem das unethische Verhalten gebrandmarkt werden sollte, schaffte es bis in die Festhalle, wurde aber von den Geschmähten nicht entgegengenommen.


Vorstandssprecher Jürgen Fitschen und Anshu Jain vor den Frankfurter Türmen der Deutschen Bank mit der ethecon-Black-Planet-Award-Urkunde
Fotos: arbeiterfotografie.com


Repräsentant der Deutschen Bank


ethecon-Black Planet Award


Repräsentant der Deutschen Bank


Axel Köhler-Schnura mit ethecon-Black Planet Award – Trophäe und Urkunde


An den Toren der Festhalle


Vorstandsvorsitzender Anshu Jain vor den Frankfurter Türmen der Deutschen Bank


ethecon-Black Planet Award


Repräsentant der Deutschen Bank


Proteste vor der Festhalle – ethecon-Black-Planet-Award-Urkunde


Proteste vor der Festhalle


Ethecon-Protest vor der Festhalle


Symbolische Übergabe des ethecon-Black Planet Award an die Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, vor den Toren der Festhalle


Frankfurter Türme der Deutschen Bank


Symbolische Übergabe des ethecon-Black Planet Award an die Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, vor den Toren der Festhalle


Im Foyer der Festhalle


Symbolische Übergabe des ethecon-Black Planet Award vor den Toren der Festhalle


„Leistung aus Leidenschaft“ – im Foyer der Festhalle


Der Black Planet Award, der darauf wartet, in der Festhalle zum Einsatz zu kommen


Der Black Planet Award passiert alle Sicherheitschecks…


… und kommt während der Rede von ethecon-Vorstandsmitglied Axel Köhler-Schnura in der Festhalle zum Einsatz


Im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Deutschen Bank sagte Axel Köhler-Schnura in der Festhalle:

"Guten Tag, mein Name ist Axel Köhler-Schnura. Ich bin Gründungsmitglied des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre sowie Gründungsstifter und Vorstandsmitglied von ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie.

Meine Damen und Herren, trotz der kurzen Redezeit etwas vorab. Herr Fitschen, Sie sagten heute morgen einen Satz, der haute mich schlichtweg um, wie man so sagt. Ich darf das mal wörtlich zitieren. Sie sagten: „Kurzum: Wir wollen nicht nur als eine anständige Bank wahrgenommen werden, sondern wir wollen auch eine anständige Bank sein.“ Herr Fitschen, erklären Sie doch mal bitte, wie eine Bank, die Rüstungsgeschäfte finanziert, die in Atomkonzerne investiert, die Nahrungsmittelspekulation betreibt und den Hunger befördert, die mit Immobiliengeschäften die Menschen in die Wohnungslosigkeit treibt, die systematisch Sozialdumping und Ausbeutung der Belegschaften betreibt und die ins Gespräch kam, weil sie sich an der Verwüstung eines Weltkulturerbes, ich wiederhole, eines Weltkulturerbes!, des Great Barrier Reef in Australien, beteiligen wollte, wie eine solche Bank als „anständig“ wahrgenommen werden soll oder gar „anständig“ sein soll? Herr Fitschen, die Bank wird nicht als „anständig“ wahrgenommen, weil sie nicht „anständig“ ist. Im Gegenteil, die Bank denkt und handelt hochgradig unanständig. Sie ist unanständig. Das ist die Realität, die sich auch mit Ihren Wortspielen, Herr Fitschen, nicht ändert. Und die sich auch nicht ändert, wenn Sie, Herr Achleitner (Vorsitzender des Aufsichtsrats und Versammlungsleiter) jetzt die Diskussion über das Great Barrier Investment unterbinden wollen, weil die Bank sich aus dem Projekt zurückziehen möchte. Tatsache ist doch, dass die Bank vorher wusste, dass es um ein Weltkulturerbe und ein weltweit einzigartiges Biotop geht. Und vor allem hat die Bank doch erst auf den öffentlichen Druck reagiert und nicht, weil sie „anständig“ ist. Doch jetzt zu meinem eigentlichen Thema.

Meine Damen und Herren, die Stiftung ethecon vergibt alljährlich zwei internationale Preise - einen Ehrenpreis, den Internationalen ethecon Blue Planet Award sowie einen Schmähpreis, den Internationalen ethecon Black Planet Award. Während der Ehrenpreis Menschen auszeichnet, die sich in herausragender Weise für Erhalt und Rettung unseres Blauen Planeten einsetzen, stellt der Schmähpreis Personen an den Pranger, die in erschreckender Weise für Ruin und Zerstörung unseres Blauen Planeten verantwortlich sind und so die Gefahr heraufbeschwören, dass unsere Welt zu einem Schwarzen Planeten wird.

Meine Damen und Herren, ich möchte Sie darüber informieren, dass im Ergebnis eines weltweiten Nominierungs- und Auswahlverfahrens im Jahr 2013 die beiden Vorstandsvorsitzenden, Herr Jain und Herr Fitschen, sowie die GroßaktionärInnen der DEUTSCHEN BANK für den Internationalen ethecon Black Planet Award nominiert wurden und diesen am 16. November des vergangenen Jahres verliehen bekamen.

Meine Damen und Herren, ethecon stützte sich bei ihrer Entscheidung auf die in der Öffentlichkeit bekannten Fakten. So manches haben wir auch heute wieder gehört. Zusammengefasst ergibt sich ein erschreckendes Bild: Auf das Konto der DEUTSCHEN BANK gehen der Ruin der menschlichen Gesundheit und die Zerstörung der Umwelt im großen Stil, ja selbst der Tod vieler Menschen. Die DEUTSCHE BANK stellt nicht nur eine Gefahr für den Frieden und die Menschenrechte dar, sondern auch für die Demokratie, die Ökologie und die Menschheit insgesamt.

Meine Damen und Herren, verantwortlich für Entscheidungen und Handeln der DEUTSCHEN BANK sind in erster Linie die Vorstandsvorsitzenden und die Großaktionäre. Ihnen gehört der Konzern, sie leiten die Firma. Die Genannten handeln zum Vorteil persönlicher Macht und privater Bereicherung. Dafür treten Sie Moral und Ethik mit Füßen und nehmen den Untergang der Erde als Schwarzer Planet in Kauf. Entsprechend sieht ethecon in Ihrem Handeln, Herr Jain, Herr Fitschen sowie die Damen und Herren GroßaktionärInnen, einen schockierenden Beitrag zu Ruin und Zerstörung unseres Blauen Planeten. Für diese erschreckende Missachtung und Verletzung menschlicher Ethik schmäht ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie Sie mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2013. Die Preistrophäe überbringen wir Ihnen heute hier. „...Wir fordern Sie auf, beenden Sie die Ausbeutung und den Ruin von Mensch und Umwelt durch den DEUTSCHE-BANK-Konzern. Stellen Sie soziale Gerechtigkeit, Sicherheit und Menschenrechte im Unternehmen selbst und in dessen Wirkungsfeld sicher. Bewahren Sie die Umwelt und den Frieden. Nutzen Sie Ihr Geld statt zur Jagd auf Profit für ethische Investments und Solidar-Projekte, wie sie von der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung gefordert werden.“ (Aus dem Offenen Brief an die mit dem Black Planet Award Geschmähten Preisträger)

Herr Fitschen, Herr Jain, wenn ich Ihnen nun den Internationalen ethecon-Black-Planet-Award 2013 übergeben dürfte... Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.



Protest vor der Festhalle


Protest vor der Festhalle


Protest vor der Festhalle


Protest vor der Festhalle


Deutsche-Bank-Beflaggung vor der Festhalle


Protest vor der Festhalle


Protest vor der Festhalle


Protest vor der Festhalle


Die Frankfurter Türme der Deutschen Bank – vom Rothschild-Park aus gesehen


Seit dem 1. Juni 2012 ist Anshu Jain Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Das war Anlass für Werner Rügemer, sich mit dem Charakter der Deutschen Bank zu befassen. Was er herausgefunden hat, ist verblüffend: die Deutsche Bank ist verschwunden. Denn sie ist keine Bank (mehr). Und auch "deutsch" ist sie nicht (mehr). Jubel ist angesagt, könnte man meinen. Doch Werner Rügemers Analyse ist alles andere als erheiternd:

„Die Deutsche Bank ist mit Jain keine Bank, sondern endgültig eine Vorfeldorganisation mehrerer Hedgefonds. Mit ihrer mafiaähnlichen Doppelstruktur kann man sie sich auch als Finanzkraken vorstellen, der vielarmig zwischen dem dunklen Reich der Schattenbanken und dem vermittelt, was in den Kapitaldemokratien 'Öffentlichkeit' genannt wird... Die Deutsche Bank, mehrheitlich in ausländischem Eigentum, hat zwar ihren Sitz in Frankfurt, aber das wesentliche operative Geschäft wird von den Sitzen in New York und London gesteuert, unter Verwendung von 1.064 juristischen Sitzen von Deutsche Bank-Tochtergebilden in einem Dutzend Finanzoasen, angefangen in Delaware. Die Deutsche Bank ist weder deutsch noch eine Bank, sondern eine globale Vorfeldorganisation für ausländische und auch ein paar deutsche Investoren... So ist etwa der US-Finanzakteur Blackrock, der größte Vermögensverwalter des Planeten, der Hauptaktionär der Deutschen Bank."

Im Rahmen der ethecon-Preisverleihung am 16.11.2013 in Berlin hat Jutta Ditfurth in ihrer Schmährede auch die NS-Vergangenheit der Deutschen Bank zum Thema gemacht:

„Das Office of Military Government for Germany/U.S. (OMGUS) war die höchste Verwaltungseinrichtung der US-amerikanischen Besatzungszone Deutschlands und des US-amerikanischen Sektors von Berlin in den ersten vier Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg... Die OMGUS-Akten dienten bei den Nürnberger Prozessen als Beweismaterial. Im Abschlussbericht empfahl OMGUS die Auflösung der drei deutschen Großbanken: Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank sowie des Verbrecherkonzerns I.G. Farben... Die OMGUS-Untersuchung der Deutschen Bank ergab eine – selbst im kapitalistischen Vergleich – ungewöhnliche Konzentration wirtschaftlicher Macht in den Hände der Deutschen Bank und die direkte Teilnahme an der verbrecherischen Politik des Naziregimes... Die Deutsche Bank versorgte das NS-Reich mit riesigen Fonds für die Kriegsvorbereitung. Die Deutsche Bank lenkte die von ihr kontrollierten Industriezweige in den Krieg... OMGUS stellte fest, dass es in den USA keine vergleichbar mächtige einzelne Bank gab, welche die Wirtschaft in einem derartigen Ausmaß beeinflusste und steuerte. Die Deutsche Bank... kontrollierte beispielsweise über 38 Prozent der Aktien der IG Farben, jenem Zusammenschluss der Chemiekonzerne Bayer, BASF und Hoechst, welche ein eigenes KZ in Auschwitz betrieb, Auschwitz III oder Monowitz genannt...“

Was Jutta Ditfurth, die die Deutsche Bank auch als Prototyp des heutigen Deutschen Kapitals darstellt, nicht erwähnt, ist die Verflechtung von deutschem und US-Kapital schon in der NS-Zeit – ein Aspekt, der – wie man sich leicht denken kann – bei OMGUS fehlt. Mit Werner Rügemer lässt sich ergänzen: „Die USA traten möglichst spät in den Krieg ein und machten, solange es ging, Geschäfte mit Kriegsteilnehmern beider Seiten. Die Wall-Street-Banken, die dem Deutschen Reich während der 1920er Jahre umfangreiche Kredite gegeben hatten (Dawes-Plan 1924, Young-Plan 1929), stundeten und erließen sie dem NS-Regime. Zwanzig US-Großkonzerne hatten in der gewerkschaftsfrei nach dem Führerprinzip organisierten deutschen Wirtschaft eine ideale Wirkungsstätte... Sie nutzten gern auch von der SS gelieferte Zwangsarbeiter. Ohne die Ölprodukte von Standard Oil (später Esso, Exxon) hätte die Wehrmacht die energieaufwendigen Kriege in ganz Europa, Nordafrika und gegen die Sowjetunion nicht führen können. Hitlers Blitzkriege – beispielsweise die Transportplanungen im besetzten Europa – und die Judenerfassung wären ohne die Informationstechnologien von ITT und IBM so nicht möglich gewesen. Ford und General Motors produzierten Motoren und LKW für den Russland-Feldzug.“


Gebäude der Zentralverwaltung der I.G. Farben in Frankfurt

Und auch der IG-Farben-Konzern, von dem US-Senator Homer T. Bone am 4.6.1943 gegenüber dem Senatskomitee für militärische Angelegenheiten gesagt hat „Farben war Hitler und Hitler war Farben“, war tief in der US-Wirtschaft verwurzelt. Zum Direktorium der Tochtergesellschaft der I.G. Farben, der "American IG Farben" gehörten neben Hermann Schmitz von der Spitze des deutschen Mutterkonzerns führende Kräfte des US-Kapitals, darunter die fast alle anderen Banken in den Schatten stellende Federal Reserve Bank, die Bank of Manhattan, die National City Bank, Standard Oil und Ford Motor – auch ein Aspekt, der – wie man sich wieder leicht denken kann – bei OMGUS fehlt. Das als Zentralverwaltung der I.G. Farben in Frankfurt errichtete Gebäude steht heute noch wie am Tag der Inbetriebnahme im Jahr 1931 – als Teil der Johann Wolfgang Goethe-Universität – von keiner Bombe getroffen. Lapidar heißt es bei wikipedia: „Im Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude unversehrt.“

Insofern ist die Deutsche Bank ein Prototyp für das Kapital, das über Leichen geht und dabei keine nationalen Grenzen kennt. Die Erde darf kein Schwarzer Planet werden! Das ist ein Appell, der heute zuvorderst also auf das multinationale Kapital und den US-Imperialismus zielt. Denn der US-Imperialismus mit Vasallen wie Deutschland ist zurzeit ohne Frage die führende Kraft auf unserem Planeten, die uns alle in den Untergang zu treiben droht." (PK)

Einen Bericht zur Jahreshauptversammlung der Deutschen Bank finden Sie unter der Überschrift "Moralische Ignoranz der Konzernherren" in dieser NRhZ-Ausgabe.


Online-Flyer Nr. 460  vom 28.05.2014

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