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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Inland
DEUTSCHE BANK-Vorstandsvorsitzende verweigern ethecon-Preisannahme
Moralische Ignoranz der Konzernherren
Von Peter Kleinert

Die Übergabe des Internationalen ethecon Black Planet Award 2013 an die Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie an Großaktionäre der DEUTSCHEN BANK am 22. Mai war ein auffälliger Protestakt im Rahmen der Hauptversammlung. Ein Bündnis der Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) Dachverband der Kritischen Aktionäre, ethecon - Stiftung ethik & Ökonomie, Facing Finance, Friends of the Earth Südafrika, Oxfam, Rettet den Regenwald, Robin Wood und urgewald hatte die Vorstandsvorsitzenden eingeladen, den Preis sowie 80.000 Protestunterschriften draußen in Empfang zu nehmen. Die Eingeladenen kamen dem natürlich nicht - „ein erschreckendes Zeichen für die Ignoranz der Verantwortlichen gegenüber der Kritik“, so Axel Köhler-Schnura von ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie.

Symbolische Übergabe des Black Planet Award 2013 an Anshu Jain und Jürgen Fitschen
Foto: arbeiterfotografie.com

Stattdessen bekamen zwei Männer mit den Gesichtsmasken der Herren Jain und Fitschen den Schmähpreis symbolisch von der ethecon-Vertreterin Linda Spieckermann überreicht. Herausgestellt wurde die erschreckende Priorität des Profits vor jeglicher Moral und Ethik auf Seiten der Vorstandsvorsitzenden und Großaktionäre der DEUTSCHEN BANK. Sie nehmen bei ihren Entscheidungen den Untergang unseres Blauen Planeten als Schwarzen Planeten in Kauf.
 
Zu diesen zählen insbesondere die Finanzierung von Kohleförderung, das Geschäft mit dem Krieg durch milliardenschwere Unterstützung der Rüstungsindustrie bis hin zum Uranabbau, die Förderung von sicherheitstechnisch fragwürdigen Atomkraftwerken sowie die Fortführung der Nahrungsmittelspekulation. Profitierende Unternehmen sind beispielsweise COAL INDIA, die bisherigen ethecon-Schmähpreisträger TEPCO (2011) und GLENCORE (2012) und RHEINMETALL. Folgen dieser Geschäfte sind Zerstörung der Heimat vieler Menschen und Tiere, Vertreibung und Hunger, sowie der Tod durch Waffengewalt.
 
Kurz nach Beginn der Hauptversammlung verlagerte sich der Protest auch nach drinnen. Gleich der erste Redner der Generaldebatte kritisierte vor allem die Erhöhung der variablen Bonuszahlungen. Sie macht die Entscheidungen der MitarbeiterInnen noch abhängiger von riskanten Geschäften. Mit diesem Antrag der Erhöhung der variablen Vergütung von 100% auf 200% des Grundgehaltes agiert der Vorstand nicht nur entgegen seinem Versprechen, zukünftig nachhaltig und vertrauensvoll zu handeln. Er tritt vor allem wiederholt Moral und Ethik mit den Füßen. Der „Kulturwandel“ ist nicht zu finden. Die Entscheidungen haben nachhaltig Hunger und Leid auf der ganzen Welt zur Folge, so Axel Köhler-Schnura von ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie.


Axel Köhler Schnura
Foto: arbeiterfotografie.com
 
Aufgrund dieser „Verantwortung für Ruin und Zerstörung unseres Blauen Planeten“ (Begründung aus dem ethecon Black Planet Dossier 2013 DEUTSCHE BANK) bekamen die maskierten "Stellvertreter" der Vorstandsvorsitzenden sowie Großaktionäre den Internationalen ethecon Black Planet Award 2013. Der Schmähpreis „brandmarkt Gleichgültigkeit und Ignoranz“ und symbolisiert, dass die Preisträger „zum Vorteil persönlicher Macht und privater Bereicherung ... den Untergang der Erde als Schwarzen Planeten in Kauf nehmen“ (ebd.). Die Verweigerung des Internationalen ethecon Black Planet Award 2013 war eine deutliche Aussage über ihre Reflexionspraxis.
 
Auf einer Pressekonferenz und in Pressemitteilungen des Bündnisses machten die VertreterInnen von ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie, Facing Finance, oxfam, urgewald sowie ein Betroffener aus Australien das Ausmaß der zerstörerischen Geschäftspraktiken der DEUTSCHEN BANK an ausgewählten Beispielen deutlich:
 
„Eine Bank, die für sich in Anspruch nimmt, nach hohen ökologischen und gesellschaftlichen Maßstäben zu handeln, darf nicht von massiver Klimaschädigung, Menschenrechtsverletzungen und weltweiten Waffengeschäften profitieren“, kritisiert Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance.
 
Besonderer Dorn im Auge sind den Umweltschützern die Kohlefinanzierungen des deutschen Bankenprimus. „Die Deutsche Bank präsentiert sich gern als Klimaschützer und Klimabotschafter“, sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald. „Gleichzeitig gehört sie zu den Top-Finanziers des Kohlebergbaus weltweit. Zwischen 2005 und Januar 2014 hat sie großen Kohleunternehmen weltweit zu fast 15 Milliarden Euro verholfen. Dabei schreckt sie vor der Finanzierung umstrittener Unternehmen wie Coal India oder Glencore nicht zurück, die massive Umweltzerstörungen und Klimaschäden verursachen. Diese Schizophrenie zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Deutschen Bank muss endlich ein Ende haben. Sie muss die Finger von zerstörerischen Projekten und Unternehmen lassen“, so Schücking.
 
Aktuell ist die Deutsche Bank unter Druck, da an der Ostküste Australiens ein Tiefseehafen ausgebaut werden soll, um Kohle zu transportieren. Dieser liegt nur knapp 50 Kilometer vom Great Barrier Reef entfernt, dem größten Korallenriff der Erde. Der Kohlehafen-Ausbau bedroht das sensible Ökosystem. „Was da gerade in Abbot Point geplant wird, stellt eine Gefährdung für das Weltnaturerbe Great Barrier Reef dar und somit auch für sämtliche dort beheimateten Industrien, die von einer intakten Umwelt abhängen“, sagt Tony Brown, Präsident der Whitsunday Charter Boat Industry Association (Vereinigung mariner Tourismusbetriebe am australischen Great Barrier Reef). „Die Deutsche Bank sollte daher nicht erwägen, den Ausbau des Kohlehafens mit all seinen gravierenden Umweltrisiken finanziell zu unterstützen.“
 
Auch große Waffenproduzenten - und damit Atomwaffen und Drohnen - werden nach wie vor vom Branchenprimus finanziert. Zugleich profitiert die Bank damit auch in großem Stil vom weltweiten Handel mit Waffen. Allein zu Atomwaffen-Herstellern unterhält die Deutsche Bank gegenwärtig Geschäftsbeziehungen in Höhe von fast 3 Milliarden Euro. Die Bank unterstützt damit Erhaltung, Modernisierung und Neuentwicklung eines Waffensystems, dessen Einsatz die gesicherte Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zur Folge hätte. Dem weltweiten Abrüstungsansatz „Global Zero“ (Globaler Verzicht), den auch die Bundesregierung unterstützt, folgt die Bank offenbar nicht.
 
Das NRO-Bündnis wendet sich auch gegen die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen für Landraub und Menschenrechtsverletzungen von Palmölkonzernen wie Wilmar in Indonesien, Uganda, Nigeria und Liberia.
 
Auf Kritik stößt ferner das anhaltende Engagement der Bank bei der Nahrungsmittelspekulation. Laut UNO (FAO) sind die Lebensmittelpreise im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Entwicklungsorganisationen und multilaterale Institutionen wie die Weltbank gehen davon aus, dass Warentermingeschäfte der Banken enormen Einfluss auf die Preise für Nahrungsmittel haben und diese in die Höhe treiben können. „Die Deutsche Bank ist nach wie vor einer der größten internationalen Spekulanten mit Nahrungsmitteln“, sagt David Hachfeld, Spekulationsexperte von Oxfam. „Während andere Banken längst ausgestiegen sind, bietet die Bank ihren Kunden immer noch Investmentfonds an, mit denen auf steigende Preise von Agrarrohstoffen gewettet werden kann. Wenn die Preise explodieren, können sich Menschen in armen Ländern Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten. Statt ihre riskanten Geschäfte einzustellen, treibt die Deutsche Bank ein Spiel mit der Öffentlichkeit. Vor zwei Jahren kündigte sie eine umfassende Untersuchung zu Nahrungsmittelspekulation an, doch bis heute hat sie nichts Substantielles veröffentlicht.“
 
ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“, die sich mit ihren derzeit 40 ZustifterInnen und dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“ in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.
 
Mit seinen Internationalen Black Planet Awards schmähte ethecon, wie die NRhZ in den vergangenen Jahren berichtete, Manager und GroßaktionärInnen der Konzerne MONSANTO/USA (2006), NESTLÉ/Schweiz (2007), BLACKWATER (XE)/USA (2008), Formosa Plastics Group/Taiwan (2009), BP/Großbritannien (2010), TEPCO/Japan (2011) und GLENCORE/Schweiz (2012).
Mit den Internationalen Blue Planet Awards ehrte ethecon in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008), Uri Avnery/Israel (2009), Elias Bierdel/Österreich (2010), Angela Davis/USA (2011) sowie Jean Ziegler/Schweiz (2012). (PK)
 
ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen "von unten", die sich mit ihren derzeit 40 ZustifterInnen und dem Leitmotiv "Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!" in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.

Der Deutschen Bank gewidmet haben wir auch die Fotogalerie in dieser Ausgabe.

 
 
 
 


Online-Flyer Nr. 460  vom 28.05.2014

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