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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Inland
Leid und Tod der sowjetischen Kriegsgefangenen endlich anerkennen!
Petition für die größte NS-Opfergruppe.
Von Eberhard Radczuweit

Am 27. Januar 2014 sagte der Bundestagspräsident bei der Gedenkstunde im Bundestag über den Krieg gegen die Sowjetunion: "Der rassenideologische Raub- und Vernichtungskrieg, dessen erklärter Zweck die 'Dezimierung der slawischen Bevölkerung um 30 Millionen' war, bediente sich einer weiteren Waffe: des Hungers. Sie erwies sich dort am brutalsten, wo es kein Entkommen gab: im eingeschlossenen Leningrad und in den Kriegsgefangenenlagern. Mehr als die Hälfte aller sowjetischen Kriegsgefangenen, über 3 Millionen Menschen, sind in deutschem Gewahrsam elendig zugrunde gegangen."
 

Sowjetischer Kriegsgefangener 1942
Quelle: www.dhm.de
Foto: Joe Heydecker
Aber Parteifreunde des Bundestags-präsidenten blockieren seit sieben Jahren unsere Petition, mit der wir die Anerkennung ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener als NS-Opfer forderten. Die CDU/CSU lehnte auch einen entsprechenden interfraktio-nellen Antrag der SPD und Grünen ab. So haben wir jetzt eine Öffentliche Petition auf den Weg gebracht, die bis zum 16. März 2014 auf dem PETITIONS-FORUM von www.bundestag.de unter der ID-Nummer 49326 mitgezeichnet werden kann.

Ab 50.000 Mitzeichnungen muss der Bundestag die Petition öffentlich beraten. Wir bitten um die Verbreitung des anhängenden Flyers und regen dazu an, sich auch deshalb ins Petitions-Forum einzuloggen, um den Diskussionsverlauf dort nicht den Verweigerern zu überlassen. (Seit Kriegsende gibt es eine Schlussstrichdebatte zur deutschen Verantwortung gegenüber NS-Opfern.) Wir hoffen auf Unterstützung des Bürger-Engagements für "vergessene"
NS-Opfer.
 

Von etwa 5,7 Millionen Rotarmisten in
deutsche Kriegsgefangenschaft
überlebten 3,3 Millionen nicht
Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge eine Resolution beschließen, die die Anerkennung des von sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg in deutscher Kriegsgefangenschaft erlittenen großen Unrechts zum Ziel hat. Er möge in diesem Zusammenhang den heute noch lebenden ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen einen symbolischen Anerkennungsbetrag von 5.000 Euro für in deutschem Gewahrsam erlittenes Leid zusprechen.

Begründung

Neben den europäischen Juden zählen sowjetische Kriegsgefangene zur größten NS-Opfergruppe. Mit rassenideologischem Gleichheitszeichen "jüdisch-bolschewistisch" stigmatisiert, wurde Gefangenen der Roten Armee eine temporäre Existenzberechtigung nur zur Nutzung ihrer Arbeitskraft gewährt. "Nicht arbeitende Kriegsgefangene in den Lagern haben zu verhungern." (Generalquartiermeister des Heeres E. Wagner am 13.11.1941) Im
Vergleich zu zivilen Zwangsarbeitern und westalliierten Kriegsgefangenen der Wehrmacht wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen weit härteren Bedingungen ausgesetzt. Als Unterzeichner der Genfer Konvention von 1929 verstieß der NS-Staat hierbei vorsätzlich gegen alle internationalen Normen zur Behandlung von Kriegsgefangenen. Eine Gleichsetzung sowjetischer und deutscher Kriegsgefangener, die Aufrechnung von NS- mit sowjetischem Unrecht verbietet sich in Kenntnis der unvergleichbaren Verbrechen gegen die
Menschlichkeit von Seiten des NS-Staates. Ein symbolischer Anerkennungsbetrag an die wenigen noch Lebenden wird in Russland und anderen Nachfolgestaaten auch die Zustimmung von Millionen Menschen finden, deren Väter und Großväter in deutschem Gewahrsam verhungerten. (PK)
 
Eberhard Radczuweit ist Gründer des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.
Mehr unter http://www.kontakte-kontakty.de/
2002 würdigte die Internationale Liga für Menschenrechte mit der Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille Radczuweit und seine Mitarbeiterin Marina Schubarth für die Aktivitäten des Vereins. Die Bürgermeister von Berlin und Moskau verliehen ihm eine Medaille für Verdienste um die Städtepartnerschaft Berlin/Moskau.
2007 veröffentlichte der Ch. Links Verlag das Buch "Ich werde es nie vergessen - Briefe sowjetischer Kriegsgefangener 2004-2006" von Kontakte e.V., Deutsch-Russisches Museum Karlshorst, Hilde Schramm und Eberhard Radczuweit.


Online-Flyer Nr. 447  vom 26.02.2014

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