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Aktueller Online-Flyer vom 28. Juli 2017  

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Protest anlässlich der Grünen Woche 2014
Fressen und gefressen werden: Wir haben es satt
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

30.000 Menschen haben in Berlin am 18. Januar 2014 unter dem Motto „Wir haben es satt!“ ein Ende der Agrarindustrie gefordert. Insbesondere richtet sich diese Forderung gegen das so genannte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP). Jochen Fritz vom Wir-haben-es-satt-Bündnis: „Hinter verschlossenen Türen verhandelt die EU-Kommission über ein Freihandelsabkommen, das Bauern und Verbrauchern gleichermaßen schadet. Die große Mehrheit der Menschen will keine Chlorhühnchen, kein Hormonfleisch und keine Gentechnik durch die Hintertüre.“ Genau das drohe aber, wenn das geplante Freihandelsabkommen abgeschlossen wird. Aufgerufen zu der Demonstration hatte das Wir-haben-es-satt-Bündnis aus über 100 Organisationen, darunter Bäuerinnen und Bauern, ImkerInnen, Natur-, Tier- und VerbraucherschützerInnen, Entwicklungsorganisationen und Erwerbsloseninitiativen.


„TTIP: No! – Eigentum verpflichtet, es soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen (Grundgesetz)“
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com


„Monsanto“


„TTIP“ (Transatlantic Trade and Investment Partnership)


„Merkel, Seehofer, Gabriel… Stoppen Sie die Agrarindustrie!“


„TTIP: Totally Terrifying Idiotic Policies“ (Total furchterregende, idiotische Politik)


„Für eine gerechte Weltwirtschaft! Freihandelsabkommen stoppen!“


„Das kann nicht gut gen!“ - auch mit der EU


„Hans-Peter [Friedrich], schieb’s nicht auf später! – Sozial-ökologische Agrarwende jetzt!“, „TTIP: der Wolf im Schafspelz“


„Wir haben es satt: Agrarindustrie Monsanto, Nestle,… Game over“


„Genfreier Honig: kaum gewonnen, schon zerronnen – Freihandelsabkommen“


„Gegen das transatlantische Freihandelsabkommen – Für Schutz vor Gen-Food, artgerechte Tierhaltung, faire und nachhaltige Agrarwirtschaft!“


„Stop dem Hunger“


Straßentheater „Danke für das Freihandelsabkommen mit den USA!“


„MonSatan weiche!“


„Agrarwende“


„Bauernhöfe statt Agrarindustrie!“


„Happy Meal“


„Rettet die Apotheken – kauft eure Medizin nicht über’s Fleisch“


„Stoppt die Folter! Habt ihr kein Gewissen?!“


„Wer Tiere quält, wird nicht gewählt!“


„Du sollst nicht töten – Esst kein Fleisch“


„Tiere essen? Nein Danke!“

„Angeführt von hunderten Bäuerinnen und Bauern und 70 Traktoren zogen heute 30 000 Menschen vor das Kanzleramt in Berlin. Die DemonstrantInnen forderten von Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Gabriel einen Kurswechsel in der Agrarpolitik. Statt weiterhin 'Klientelpolitik für die Agrarindustrie' zu betreiben, solle sich die Bundesregierung für eine soziale, tiergerechte und ökologische Agrarwende einsetzen.“ So hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung des Protest-Bündnisses.

Es war ein breites Feld von Themen, um die es bei den Protesten in Zusammenhang der Grünen Woche am 18. Januar 2014 in Berlin ging: ungesunde Nahrung, die Rolle der Agrarindustrie, industrialisierte Massentierhaltung, Gentechnik, Fleischkonsum, Hunger in der Welt, so genannte Freihandelsabkommen, die unersättliche Gier der Saatgutkonzerne wie Monsanto und vieles mehr, was den kapitalistischen "Gesetzmäßigkeiten" entspringt. Die Palette der Forderungen, die von den Protestierenden formuliert wurden, sei anhand einer Reihe von Statements der Protest-Veranstalter, einer Mitteilung des Deutschen Tierschutzbüros und eines Zitats der Ethnologin Anne Schweigler ansatzweise verdeutlicht.

Bäuerliche Saatgutverwendung per Gesetz zur Straftat machen?

Anne Schweigler, Ethnologin, im Aktionsnetzwerk globale Landwirtschaft tätig und Mitbegründerin der Saatgutkampagne saatgutkampagne.org, über eine Entwicklung, die die ganze Welt bedroht: „Im August 2013 streikten die Bauern in Kolumbien für mehrere Wochen und stellten die Belieferung der Städte mit Nahrungsmitteln quasi ein. Zusammen mit Studenten, Indigenen und Industriearbeitern, die sich solidarisch erklärten, legten sie das Land lahm. Die Auswirkungen der Freihandelsabkommen mit den USA und Europa auf die Landwirtschaft des Landes und die Empörung über eine damit zusammenhängende Saatgutverordnung waren der zentrale Auslöser. Mit letzterer wurde selbst produziertes Saatgut für illegal erklärt und dessen Beschlagnahmung und Zerstörung verfügt. Kolumbien ist ein Beispiel dafür, wie Saatgut weltweit Schritt für Schritt privatisiert und monopolisiert wird. Dahinter stehen die Interessen der Agrarkonzerne..." ('junge Welt', 23.01.2014)

Das "Freihandelsabkommen" zwischen den USA und der EU stoppen

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „2014 ist ein entscheidendes Jahr. Es kommt darauf an, das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU zu stoppen. Dieses Abkommen gefährdet uns, unsere Kinder, die Tiere und die Umwelt. Das dürfen wir nicht zulassen. Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik auf dem Teller lehnen wir ab! Stattdessen brauchen wir eine Landwirtschaft, in der bäuerliche Betriebe gefördert werden statt Massentierhaltung und Export. Agrarminister Friedrich muss sich dafür einsetzen, dass mehr Geld in tiergerechte Haltungsformen fließt und dass Gentechnik und Pestizide nicht in unsere Lebensmittel gelangen.“ (Wir-haben-es-satt-Pressemitteilung, 18.01.2014)

Den Irrweg manipulierter Hochleistungstiere verlassen

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: „Immer größere Bestände in immer intensiveren Haltungen mit immer mehr manipulierten Hochleistungstieren sind ein Irrweg. Wir brauchen ein neues Denken und Handeln in der Agrarpolitik.“ (Wir-haben-es-satt-Pressemitteilung, 18.01.2014)

Keine Gentechnik auf Äckern und Tellern

Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW): „Die Menschen wollen keine Gentechnik auf Äckern und Tellern. Die Zukunft aller Landwirte in Deutschland hängt daher davon ab, ob sie weiterhin gentechnikfrei produzieren können. Es ist deshalb entscheidend, dass die Bundesregierung in Brüssel mit einem klaren Nein gegen die Zulassung des Gentech-Maises '1507' stimmt.“ (Wir-haben-es-satt-Pressemitteilung, 18.01.2014)

Keine Vergiftung von Mensch, Tier und Umwelt durch Pestizide

Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung bei MISEREOR: „Milchpulver, Hühnchenreste und Schweinefleisch, die in Massen von Deutschland und der EU exportiert werden sind so billig, dass Bauern in Afrika damit nicht konkurrieren können. Auch unsere Soja-Importe als Futtermittel für die massenhafte Fleischproduktion gehen auf Kosten der Armen in den Herkunftsländern. Riesige Flächen von wertvollem Ackerland werden für die Sojaproduktion genutzt, die dann für den Anbau von Lebensmitteln fehlen. Menschen werden von ihrem Land vertrieben. Pestizide für die anfälligen Monokulturen vergiften Menschen, Tiere und die Umwelt.“ (Wir-haben-es-satt-Pressemitteilung, 18.01.2014)

Natürliche und menschliche Ressourcen respektvoll nutzen

Carlo Petrini, Präsident von Slow Food International: „Die bäuerliche Landwirtschaft ist nicht modernitätsfern, arm oder unterentwickelt. Es ist ein nachhaltiges landwirtschaftliches Modell, das natürliche und menschliche Ressourcen respektvoll nutzt und so soziale und Ernährungssicherheit weltweit garantiert. Dafür steht das diesjährige Internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe und dafür stehen wir heute in Berlin!“ (Wir-haben-es-satt-Pressemitteilung, 18.01.2014)

Verbot von Megaställen

Eckehard Niemann, Sprecher des Netzwerks Bauernhöfe statt Agrarfabriken: „Das Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken fordert von der Bundesregierung das vollständige Verbot neuer Megaställe sowie Gesetze für eine artgerechte, flächenverbundene Tierhaltung ohne Antibiotika-Abhängigkeit, mit Auslauf und Stroh, in bäuerlich-mittelständischen Strukturen und lebendigen ländlichen Regionen – also: Klasse statt Masse zu fairen Erzeugerpreisen!“ (Wir-haben-es-satt-Pressemitteilung, 18.01.2014)

Hinsehen statt wegsehen

„Wie auch schon in den vergangenen Jahren haben Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüro e.V. den Presserundgang zur Eröffnung der grünen Woche in Berlin gestürmt und damit gegen industrielle Massentierhaltung demonstriert... Mit Plakaten mit der Aufschrift 'Hinsehen statt wegsehen' und Bildern, die die Zustände in modernen Mastanlagen zeigten, haben unsere Aktivisten deshalb Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich aufgefordert, das Staatsziel Tierschutz endlich ernst zu nehmen – bevor sie von Sicherheitskräften überwältigt und zu Boden gerissen wurden... Besonderer Anlass für unseren Protest war dieses Jahr eine Äußerung des Präsidenten des Bauernverbandes, der auf einer Pressekonferenz mit dem Kommentar 'Massentierhaltung gibt es nicht' für Unverständnis und Hohn gesorgt hatte. Aussagen wie diese zeigen, dass die Verantwortlichen in der Agrarindustrie ganz offensichtlich kein Interesse haben, herrschende Zustände zu verändern.“ (Mitteilung des Deutschen Tierschutzbüros vom 23.01.2014)

Online-Flyer Nr. 445  vom 12.02.2014

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Von Kostas Koufogiorgos
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