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Aktueller Online-Flyer vom 07. August 2022  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
Mit der Tora in der Hand siedeln sie im ganzen Land
Von Evelyn Hecht-Galinski

Denken Sie bei ihrem nächsten Einkauf doch einmal nach, ob die Cherrytomaten, oder das Basilikum, oder diverse andere Küchenkräuter, oder Paprikaschoten, Auberginen, oder andere Gemüse, oder Datteln, Weintrauben, oder Wein aus dem besetzten Golan, nicht eine faulen Beigeschmack der Besatzung und der Apartheid haben? Schauen sie weiter genau auf die Herkunftsbezeichnung. Steht dort Herkunft Israel, sollten alle ihre Warnleuchten im Gehirn angehen und auf gelbe Ampel, Vorsicht schalten. Schließlich kommen vieler dieser Gemüse und Früchte aus besetztem, gestohlenen palästinensischen Land.

 
Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas
Quelle: wikipedia 

Auch wenn sich Israel so gern über alles hinwegsetzen und mit aller Macht verhindern will, dass die EU-Fördergelder nicht mehr an Projekte in den besetzten Gebieten in das Westjordanland oder an die 1967 eroberten und besetzten Golan-Höhen gehen, Israel hat es innovativ geschafft viele landwirtschaftliche Erfindungen gemacht zu haben, aber nur wenige Eingeweihte kennen die wahren Hintergründe. In der bereits 1921 bei Beit Dagan gegründeten Forschungs-organisation (ARO), arbeiteten die Zionisten schon damals an der "Fruchtbarmachung" der Wüste, ohne Rücksicht auf die dort lebende einheimische Bevölkerung. Man machte Versuche, um eigentlich völlig ungeeignete Produkte in Palästina anzubauen. Alles unter der Voraussetzung, Land und Wasser von den Ureinwohnern, den Palästinensern abzuschöpfen, was ja unter der Staatsgründung und der anschließenden Nakba (Katastrophe für das palästinensische Volk!) vortrefflich gelang. Man erfand Bewässerungssysteme, wie "Tröpfchen-bewässerung", in Kuhställen der Zionisten standen "Turbo-Kühe", die Weltmeister in der Milcherzeugung sind, man erfand die Cherrytomaten, und israelische Forscher arbeiten heute an Schrumpftomaten, die besonders wenig Wasser enthalten sollen. Heute ist aus diesem Center das Volcani Center geworden, wo etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind, und das der israelischen Regierung gehört.
 
Jetzt kommt "unser" Part, auf den ich hinaus will: Durch die neuen EU-Richtlinien über die Vergabe der Fördergelder soll Israel nun endlich bei allen gestellten Anträgen auf Gelder, unterschreiben, dass keine Mittel an Projekte den besetzten Gebieten gehen. Natürlich lehnt das die israelische Regierung ab, da diese ganzen Forschungsergebnisse des Volcani-Zentrums natürlich hauptsächlich den Produkten aus den besetzten Gebieten zugute kommen. Das ist nämlich ein wirkliches Problem für Israel und würde den "jüdischen Staat" insofern auch treffen, da dieses Volcani-Zentrum der israelischen Regierung gehört und dieses Zentrum hauptsächlich durch die EU Fördergelder am Leben erhalten werden kann. Wir können diesem Problem nur begegnen, indem wir als Verbraucher akribisch darauf achten, welche Produkte wir kaufen und woher sie kommen? Nur diese Chance haben wir als Verbraucher, um dem Treiben der "Falschdeklarierung" ein Ende zu machen. Das ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber zumindest ein kleiner Beitrag, der Israel trifft. Daher auch der massive Widerstand dagegen!
 
 Seit 1967 grünt es immer grüner auf dem geraubten palästinensischen Boden. Die Krake der Siedlungen hat sich mittlerweile über 9300 Hektar auf gestohlenen palästinensischen Land ausgebreitet. Hemmungslos erntet man dort die Kräuter, Gemüse, Datteln, Weintrauben und Oliven. Brutal werden palästinensische Bauern von jüdischen Siedlerbanden im Westjordanland (Samaria) überfallen und deren Olivenbäume und Ernten zerstört - alles im Namen der "jüdischen und zionistischen Pflicht", die Siedeln und Landraub auf diese Art legalisieren will.
 
"Mit der Tora in der Hand, besiedeln sie das ganze Land"! So feierte der "jüdische Staat" auch gerade das Laubhüttenfest (Succot) und baute Hütten, währenddessen die IDF Hütten der Beduinen zerstörte. Ebenfalls zum Laubhüttenfest debattierte die Knesset (das israelische Parlament) über die Öffnung des Tempelberges für Juden. Erinnern wir uns: Als der damalige Oppositionsführer Ariel Scharon am 28.September 2000, also fast genau vor 13 Jahren, den fatalen Besuch auf dem Tempelberg inszenierte, um damit den Anspruch Israels auf das gesamte Jerusalem deutlich zu machen, löste er die zweite Intifada aus. Die machte ihn allerdings 4 Monate später zum Gewinner dieses gezielten Besuchs und ließ ihn nach seinem Wahlsieg zum Ministerpräsidenten werden, vor allem wegen seiner "kompromisslosen" Haltung gegenüber den Palästinensern!
 
Diese Politik wird auch unter allen Nachfolgeregierungen zelebriert. Zusätzlich graben die Israelis den Palästinensern das Wasser ab und sind natürlich auch die Herren über das Wasser. Merke: wer das Wasser hat, hat das Leben und die Ernte. Die Palästinenser dürsten wie ihre magere Ernte, und die jüdischen Siedler ernten und vergnügen sich in ihren Swimmingpools! Nicht umsonst haben sich die Anbauflächen der Siedlungen in den letzten 15 Jahren um etwa 35% vergrößert. Nach dem 1967er Sechstagekrieg wurde von der israelischen Regierung mit der Anordnung 151 ein etwa 2 km breites Gebiet im Jordantal zur militärischen Sperrzone erklärt und durch einen elektrisch gesicherten Zaun dicht gemacht. Diese ungefähr 16.700 Hektar, gehörten zu gut einem Drittel Palästinensern. Heute hat man von diesem Sperrgebiet mehr als 800 Hektar an jüdische Israelis gegeben, die dort Datteln zum Export anbauen und damit im Jahr etwa 160 Millionen Euro erwirtschaften. Hier haben wir es mit einer subtilen Methode der Landnahme zu tun, die das Land viel effizienter und gewinnbringender in den Besitz der jüdischen Siedler bringt, als es der Häuserbau vermag. So kann das Land ohne Aufheben und Anteilnahme der Weltöffentlichkeit enteignet und in Besitz genommen werden. Hier haben wir es wieder mit der zionistischen Methode zu tun, die es den jüdischen Siedlern ermöglicht, alle Infrastrukturvergünstigungen vom Staat zu bekommen, also Straßen, Elektrizität und Wasserversorgung. Alles für die jüdischen Bürger in der Ethnokratie, dem Apartheidstaat Israel.
 
Hinzu kommt noch der militärische Schutz durch die IDF ("Verteidigungsarmee") im Namen der Sicherheit Israels für seine jüdischen Bürger. Da muss endlich die Frage gestellt werden: Warum unterstützt die EU seit Jahrzehnten diese Zustände mit Milliarden, lässt die kriminellen und rassistischen Methoden des "jüdischen Staates" zu, um dann die durch den Besatzer verarmten Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten zu unterstützen? Was ist das für ein Wahnsinn? Auf Grund des Völkerrechts ist es die absolute Pflicht der EU, diese Förderrichtlinien durchzusetzen und auf deren Einhaltung durch Israel zu bestehen. Das ist auch die Pflicht der neuen Bundesregierung, egal welche Koalitionsbildung sich durchsetzen wird.
 
Abbas vor der UNO und die Farce der Friedensgespräche
 
Seit August, dem Beginn der durch Druck der USA ausgehandelten "Friedensgespräche" zwischen Israel und der PA (Palästinenser-Behörde) wurden 5 Palästinenser von der IDF ermordet. Die jungen unbewaffneten Palästinenser wurden ermordet während Einsätzen in den Flüchtlingslagern Jenin und Qalandia bei Ramallah. Viele andere wurden verletzt oder von der IDF eingesperrt. Wurden diese Morde und Vorfälle in den Medien registriert? Nein, aber als 2 israelische Soldaten von einem Palästinenser getötet wurden, verurteilte das US-Außenministerium diese Tat sofort als Terror. Wurde dieser Ausdruck jemals im Zusammenhang mit ermordeten palästinensischen Zivilisten benutzt? Die Reaktion der Rache von Netanjahu folgte auf dem Fuße. Er erlaubte die Besiedlung eines "umstrittenen" Hauses in der Nähe des Patriarchengrabens in Hebron und weitere Besiedlungen sollen folgen!
Das wiederspiegelt das perverse Denken der westlichen Staaten, die immer wieder mit zweierlei Maß messen, wenn es um Israel geht: Der israelische Besatzer und seine ausführende "Verteidigungsarmee" werden zum Opfer und der Besetzte, also das palästinensische Opfer, zum Aggressor.
 
Haben denn nicht Palästinenser wie alle besetzten und unterdrückten Menschen ein legitimes Recht auf Widerstand? Wurde den Palästinensern nicht 1970 vor der UNO die Legitimation zum Widerstand im Kampf gegen Besatzung und Kolonisation zugesichert, also das Recht auf Selbstverteidigung, bis die israelische Besatzung beendet ist? Kann man das Töten von Besatzungssoldaten mit der Ermordung von besetzten einheimischen (palästinensischen) Zivilisten vergleichen? Solche Vorfälle beweisen die Scheinheiligkeit der Weltgemeinschaft, die Widerstand als Verbrechen behandelt und Besatzung als Normalität hinnimmt.
 
Was sagen die PA und Präsident Abbas dazu? Wenig, denn er lässt ja die Farce der Friedensgespräche zu, die unter dem Druck der USA und finanzieller Zusagen zustande kamen. Worüber will Abbas verhandeln lassen? Über die israelischen Ansprüche auf Jerusalem, die auf ewig ungeteilte Hauptstadt eines "jüdischen Staates", oder auf den "irrelevanten" Siedlungsbau Israels, oder auf die militärische Präsenz in Palästina - alles für die Sicherheit des "jüdischen Staates" - oder über die Ablehnung des legitimen Rückkehrrechts der Palästinenser in ihre Heimat?
 
Hatten nicht 100 amerikanische Juden der US-Lobby "Israel Policy Forum"(IPF) die Chuzpe, an Präsident Abbas vor seiner Abreise nach New York und seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in einem Brief die Forderung nach Abschwur des Rückkehrrechts der Palästinenser zu stellen und sich außerdem für einen entmilitarisierten Palästinenserstaat auszusprechen und einen "positiven Ton" anzustimmen, um die Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern zu fördern? Sollte es stimmen, was weiter in dem Brief der IPf steht - dass nämlich Abbas in einem kleinen Kreis für einen demilitarisierten Staat und gegen das Rückkehrrecht der Palästinenser eingetreten ist, und er das nun auch "endlich" vor der UN-Vollversammlung öffentlich in einer Rede bekunden will, so würde das alle meine früheren Kommentare zur Palästinenserbehörde und (Vichy!) Abbas nur bestätigen!
 
Die PA und ihre Vertreter ohne Mandat steuern auf eine schreckliche Kollaboration mit Israel zu und haben sich gut, ihr Volk aber schlecht verkauft Diese Friedensgespräche sind eine Fata Morgana, ebenso wie die Zweistaatenlösung. Merke: die palästinensischen Flüchtlinge sollen auf ihr LEGITIMES Rückkehrrecht verzichten, aber die ungehemmte Einbürgerung aller JUDEN aus der ganzen Welt in den "jüdischen Staat" wird massiv gefördert und beworben. Abbas hütete sich bei seiner Rede am 26. September vor der UNO zwar davor, öffentlich auf das Rückkehrrecht zu verzichten, aber bekräftigte, dass die Friedensgespräche "in gutem Glauben, unvoreingenommen, und mit deutlicher Entschlossenheit und Willen zum Erfolg" weitergeführt würden. Er schien eher milde gestimmt und verwendete viele schöne Worte und Zitate, wahrscheinlich um seine "israelischen Verhandlungspartner" nicht allzusehr zu verärgern und beteuerte den Willen der Palästinenser zum Frieden und dass sein Volk nichts mehr als die Gnade eines gewöhnlichen Lebens wolle. Zitatende!
 
Diese Worte von Abbas scheinen mir doch sehr an der Wirklichkeit vorbeizugehen, denn im "guten Glauben", mit Israel als Besatzer zu verhandeln, der nichts geben will, außer vielleicht Landtausch, einem entmilitarisierten Rumpfstaat unter israelischer Hoheit, ohne Jerusalem, scheint mir doch mehr als unglaubwürdig. Tatsächlich braucht doch Abbas nicht den palästinensischen Friedenswillen zu betonen, sondern sollte vielmehr den Friedenswillen der israelischen Besatzer fordern! Deshalb werden meiner Ansicht nach die angestrebten neun Verhandlungsmonate so enden wie wir es hinlänglich seit Jahrzehnten zu hören bekommen: ohne annehmbare Ergebnisse für das palästinensische Volk, da die ausgestreckte Hand der israelischen Besatzer nichts außer einem Gewehrlauf in der Hand hat.
 
Ich bin auch entsetzt über den US-Arm von B`Tselem, der erneut - wie ich es zu meinem Erschrecken auf der Electronic Intifada in einem Artikel von Ali Abunimah lesen musste - gemeinsame Sache mit Kriegsverbrechern macht, indem dieser US-Ableger von B`Tselem eine gemeinsame Bühne mit US-Vize Joe Biden und Tzipi Livni teilt und ebenso stolz auf die Zusammenarbeit mit J Street, einer anderen jüdischen Lobby-Organisation verweist (1), die machtvoll Kampagnen gegen palästinensische Menschenrechte führt und Kriegsverbrecher als Gastgeber bei ihren Konferenzen einlädt. Dazu auch eine Aussage von Peter Beinart (2) in einem Interview von 2010 bei Jeffrey Goldberg, einem früheren Wächter eines Gefängnisses für Palästinenser (3): "Ich frage Israel nichts Utopisches. Ich frage Israel, Israel nicht die Palästinenser, die gezwungen wurden 1948 zu gehen (oder zu fliehen), in ihre Häuser zurückkehren zu lassen. Ich frage nicht einmal nach einer gleichwertigen Staatsbürgerschaft für israelische Araber, weil das bedeuten würde, dass Israel nicht länger ein jüdischer Staat wäre. Ich bin tatsächlich ziemlich gewillt, einen Kompromiss einzugehen und meinen Liberalismus für Israels Sicherheit und seinen Status als jüdischen Staat aufzugeben." (4) Zitatende. Dank an Ali Abunimah! (PK)
 
(1) http://angryarab.blogspot.de/2013/09/btselem-proud-partner-of-war-criminals.html
(Angry Arab)  
(2) http://www.chbeck.de/Beinart-amerikanischen-Juden-Israel/productview.aspx?product=11431211
(3) http://exiledonline.com/s-h-a-m-e-releases-profile-on-jeffrey-goldberg-prison-camp-guard-war-booster-israeli-apartheid-apologist/:
(4) http://electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/btselem-proud-partner-war-criminals-enemies-palestinian-rights
 


Online-Flyer Nr. 426  vom 02.10.2013

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