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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Cap Anamur beendet Kinder- und Krankenhilfsprojekt in Mogadischu
Bedrohliche Situation in Somalia
Von Christian Glöckner

Als wir im August 2011 unsere Arbeit in Mogadischu aufnahmen, stand uns ein schwieriger Einsatz bevor. In den folgenden zwei Jahren haben wir im Benadir-Hospital zahllose Patienten versorgt und umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Nun mussten wir unser Engagement beenden: Die Sicherheit für unsere Mitarbeiter konnte nicht länger gewährleistet werden.

Glücklicher Patient im Benadir-Hospital
Alle Fotos von Jürgen Escher / Cap Anamur
 
Begonnen haben wir unsere Arbeit im Juli 2011, während der extremen Dürre, die eine Hungersnot auslöste, von der das gesamte Horn von Afrika betroffen war. Millionen von Menschen waren auf humanitäre Hilfe angewiesen. Hunderttausende sammelten sich in Flüchtlingslagern und wurden notdürftig versorgt.

Essenverteilung an die Flüchtlingsfamilien im Hafenviertel von Mogadischu
 
Die Bevölkerung von Somalia hatte es besonders schwer getroffen: Seit 20 Jahren leidet das Land unter anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen um Rohstoffe und politische Macht. Vor allem in der Hauptstadt Mogadischu, der einstigen „Perle Ostafrikas“, haben die bewaffneten Konflikte zwischen Warlords, Clans und verschiedenen Milizen nicht nur weite Teile der Infrastruktur zerstört, sondern auch die Zivilbevölkerung in Hunger, Armut und Krankheit getrieben. Internationale Hilfe war und ist hier aufgrund der prekären Sicherheitslage rar.

Soldaten der African Union patrouillieren mit ihren gepanzerten Fahrzeugen durch die Stadt
 
Die Evaluierungsreise unseres Logistikers Volker Rath führte uns die akute Hilfsbedürftigkeit der Menschen in eben diesem Gebiet vor Augen. Einen Monat später reiste unser Team nach Mogadischu und kümmerte sich unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen um die vier Bereiche der Kinderstation des Benadir-Hospitals. Mit neuen medizinischen Geräten und Medikamenten versorgten unsere Mitarbeiter einen nicht enden wollenden Patientenstrom. Viele der durch schwere Unterernährung ohnehin geschwächten Kinder litten zudem an Malaria und Durchfallerkrankungen.

Wartende Patienten vor dem Benadir-Hospital in Mogadischu
 
Im Oktober 2011 zwang uns eine Entführungsdrohung dazu, das größte Krankenhaus Mogadischus umgehend zu verlassen und unsere Arbeit dort vorerst zu unterbrechen. Angesichts der weiterhin akuten Notlage der Bevölkerung Somalias haben wir ein Alternativprojekt in Mogadischu aufgebaut: Wir errichteten eine Ambulanz, in der wir gemeinsam mit einheimischen Mitarbeitern täglich rund 350 Flüchtlinge versorgen konnten.

In der Stadt gibt es über 200 Flüchtlingslager.
 
Anfang Januar 2012 konnten wir in das Benadir-Hospital zurückkehren. Neben der täglichen Arbeit mit den Patienten haben wir in einem enormen Kraftakt die Kinderstationen innerhalb kürzester Zeit saniert. Neben der Installation von neuen Toiletten sowie eines Abwasser- und Frischwassersystems haben wir unter der Leitung von Cap-Anamur-Mitarbeiter Eckard Schmitdke die vier Stationen renoviert und eine gesonderte Isolationsstation zum Schutz vor Infektionskrankheiten eröffnet. Alle notwendigen technischen Geräte wurden beschafft und installiert, die Stromversorgung gesichert und die Stationen und Operationssäle mit Medikamenten, Spezialnahrung für unterernährte Kinder, Betten und Lampen ausgestattet.

Krankenpfleger Philippe Valentin untersucht einen kleinen, schwer unterernährten Patienten
 
Ein weiterer Schwerpunkt unserer medizinischen Arbeit vor Ort lag in der Einführung eines Impfkonzepts, das alle notwendigen Impfungen für die Kinder gewährleistet. Darüber hinaus haben wir einheimische Kollegen in Fachbereichen wie Anästhesie und Notfallmedizin weitergebildet. Bei der Arbeit mit einer derart hohen Patientenzahl ist es zudem besonders wichtig, die schwerwiegendsten Fälle zu erkennen und bevorzugt zu behandeln. Eine derartige Selektion ist weder medizinisch noch ethisch einfach vorzunehmen, jedoch für viele Patienten überlebensnotwendig. Daher wurde die Fähigkeit zu einer solchen Ersteinschätzung, der sogenannten Triage, ebenfalls durch unsere Mitarbeiter geschult.

Dichtgedrängt: Auch auf den Fluren stehen die Betten
 
Unfreiwillig müssen wir unser Engagement in Mogadischu nun jedoch beenden. Zu bedrohlich stellt sich die derzeitige Situation in Somalia dar. Trotz weitreichender Schutzvorkehrungen ist es uns nicht mehr möglich, die Sicherheit unserer Mitarbeiter vor Ort zu garantieren. Wir bedauern diese Entwicklung, blicken aber zugleich auf einen erfolgreichen Einsatz zurück. Im Jahr 2012 konnten wir allein in der Kinderklinik rund 60.000 Patienten medizinisch versorgen. Die Sterblichkeitsrate ist um die Hälfte gesunken. Alle angefangenen Baumaßnahmen konnten wir wie geplant abschließen. Zusammen mit den Schulungen des einheimischen Personals bilden sie auch nach unserer Abreise die Basis einer nachhaltig wirksamen Verbesserung der medizinischen Versorgung vor Ort. (PK)

Unterstützt durch das einheimische Personal macht Cap Anamur-Ärztin Jaqueline Hupfer Visite

Visite: Auch Dr. Markus Hohlweck wird vom einheimischen Personal unterstützt
 
 
Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V. ist eine deutsche Hilfsorganisation, die 1982 von Christel und Rupert Neudeck sowie dem Schriftsteller Heinrich Böll gegründet wurde. Sie entstand aus dem Hilfskomitee "Ein Schiff für Vietnam", das 1979 durch die Rettung tausender vietnamesischer Flüchtlinge, der so genannten Boatpeople, mit der zum Hospitalschiff umgebauten "Cap Anamur" weltweit bekannt wurde.
 
Cap Anamur, Thebäerstr. 30, 50823 Köln
Tel.: 0221 - 9 13 81 50
Fax: 0221 - 9 13 81 59
 
www.cap-anamur.org
www.facebook.com/CapAnamur
 
Spendenkonto: Sparkasse KölnBonn, Konto Nummer: 2 222 222, BLZ: 370 50 198
IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22
 


Online-Flyer Nr. 418  vom 07.08.2013

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