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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Kultur und Wissen
Wie man in der Bonner Bundeskunsthalle 10.000 Diven auf die Palme bringt
50 Palmen für die Diva Kleopatra
Von Klaus Maresch

Die Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert dieses Jahr eine sehenswerte Ausstellung zum Mythos Kleopatra, die sich mit dem Bild der letzten ägyptischen Königin von ihrem Tod bis hin zu dem Film mit Liz Taylor als Kleopatra beschäftigt. Parallel dazu wird auf dem Dachgarten der Bundeskunsthalle ein Orientalischer Garten präsentiert. Verschiedene Bereiche zeigen orientalische Gartenkultur, darunter Duftpflanzen, ein Zelt, in dem Kinder sich orientalische Märchen anhören können und Wasserbassins mit Lotus und Seerosen. Außerdem werden Pflanzen gezeigt, die nach Kleopatra VII. aus der Ptolemäer-Dynastie benannt sind und dazu natürlich zwölf Bienenvölker aus meiner Bioland Imkerei "Honighäuschen".

Kleopatra in der Bundeskunsthalle
Quelle: http://www.bundeskunsthalle.de
  
Ein umfangreiches Rahmenprogramm präsentiert u.a. Barockarien, Monologe und andere Veranstaltungen zur Ausstellung “Kleopatra – Die ewige Diva”. Dazu zählen auch regelmäßige Führungen durch die Gartenanlagen auf dem Dach der Bundeskunsthalle. Ebenso Führungen zu den Bienenvölkern und Schmetterlingszuchtboxen an der Wildblumenwiese. Dort wird der Schwalbenschwanz Papilioe machaon vermehrt, einer der größten heimischen Schmetterlinge.
 
Ebenfalls wird eine Palmenallee mit rund 50 Hanfpalmen gezeigt, für die Patenschaften übernommen werden konnten. In der Nähe der Palmenalleen stehen zwölf Bienenvölker der Bioland Imkerei Honighäuschen. Eines dieser Bienenvölker hatte bereits am letzten Sonntag einen großen Bienenschwarm abgegeben, der in einem Olivenbaum am Südaufgang der Bundeskunsthalle landete. Dort wurde er im Beisein zahlreicher Besucher eingesammelt, die das Naturschauspiel mit großem Interesse verfolgten.

Dieser nette ältere Herr entdeckte diesmal ein schwärmendes Bienenvolk, während ich auf der anderen Seite der Pylone, den Wahrzeichen der Bundeskunsthalle, eine Honigverkostung durchführte.
Foto: Klaus Maresch
 
Einige Besucher des Dachgartens der Bundeskunsthalle wagten sich in den Bienenschwarm und konnten so erschnuppern, wie Bienen Duftsignale abgeben, um andere Bienen des Schwarms heranzulocken. Dieser Duft erinnert sehr stark an Zitronenmelisse, Bienen geben also einen sehr angenehmen Duft von sich.
 
Ungünstiges Wetter an den darauffolgenden Tagen sowie zahlreiche weitere Anrufe wegen Bienenschwärmen und auch Wespennestern verhinderten, daß ich mich rechtzeitig um das abgeschwärmte Bienenvolk kümmern konnte. Es ist ein sehr starkes Bienenvolk, es war zu erwarten, daß noch weitere Nachschwärme mit jungen unbegatteten Bienenköniginnen folgen würden.

Keine Angst vor zehntausend Diven auf der Palme!
Foto: Klaus Maresch
 
Nach den folgenden Regentagen warteten zwei leere Bienenkästen im Auto eigentlich darauf, nach einer Durchsicht des abgeschwärmten Volkes jeweils einige Waben und eine junge Königin aufzunehmen, die aus dem abgeschwärmten Volk stammten. Doch es kamen mehrere Anrufe aus Bonn und meldeten weitere Bienenschwärme in Bornheim, Mehlem und Rüngsdorf.
 
Als ich mich endlich in Richtung Bundeskunsthalle zu meinen eigenen Bienen begeben wollte, klingelte das Handy und eine Mitarbeiterin der Bundeskunsthalle informierte mich, daß sich in einer Palme ein Bienenschwarm niedergelassen hatte.
 
Warum schwärmen Bienen überhaupt?
 
Bienen schwärmen nicht einfach so, weil ihnen gerade danach ist. Das Schwärmen der Bienen ist die normale Art wie sich Bienen vermehren. Dieser Prozess wird von den Bienen langfristig vorbereitet. Zunächst sorgen die Bienen dafür, dass für die später zu begattenden jungen Königinnen begattungsfähige Männchen, die Drohnen, zur Verfügung stehen. Die Aufzucht der Dohnen dauert ein paar Wochen und beginnt im Frühjahr.
 
Wenn dann von außen große Mengen an Nektar und Pollen eingetragen werden und die Vorräte des Bienenvolkes aufgestockt werden, leiten die Bienen die nächste Phase ein. Beeinflusst von weiteren Faktoren wie dem Alter der Königin, dem Zustand des Wabenbaus und der Jahreszeit, entstehen Zellen, in denen junge Königinnen heranwachsen. Wenn diese Zellen verdeckelt sind, dauert es noch etwa acht Tage, bis die jungen Königinnen schlüpfen. Vorher zieht die alte Königin mit etwa der Hälfte der Bienen aus und sammelt sich in der Nähe zu einer Schwarmtraube. Wie am Sonntag in den Zweigen eines Olivenbaums am Südaufgang der Bundeskunsthalle.
 
Von dort aus suchen Bienen passende Hohlräume und ziehen dort gegebenenfalls ein, um eine neue Kolonie zu errichten. Findet man einen solchen Bienenschwarm oder wird man Zeuge, wie sich ein Bienenschwarm im eigenen Garten niederlässt, kann man sich das Naturschauspiel in Ruhe ansehen, da schwärmende Bienen nicht angriffslustig sind. Man sollte dann aber versuchen einen Imker zu erreichen, denn das Einfangen eines Bienenschwarms ist für ihn einfach. Das Bergen eines Bienenschwarms durch einen "Laien" aus der Fassade eines Hauses oder aus einem Dach kann sehr aufwendig und teuer für den Hausbesitzer werden. (PK)
 
 
Klaus Maresch ist Imker und betreibt die Bioland-Imkerei Honighäuschen in Bonn.
 
Kontakt:
Klaus Maresch
Estermannstraße 139
53117
Bonn
Tel: 02284220850
Fax: 02284220860
E-Mail: klaus.maresch@honighaeuschen.eu
Web: www.honigmet.de
 


Online-Flyer Nr. 417  vom 31.07.2013

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