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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Kultur und Wissen
Internationaler Aufruf zur Unterstützung eines Filmprojekts
"Wer Rettet Wen?"
Von Leslie Franke, Elisabethi Dobbler und Herdolor Lorenz

"Bürger zwingen EU in die Knie“, titelt die konservative FAZ und verkündet damit den Erfolg des ersten EU-weiten Referendums "right2water“. Mehr als 1,6 Millionen BürgerInnen aus 11 Ländern hatten mit ihrer Unterschrift dagegen protestiert, dass mit dem Zwang der Ausschreibung die Privatisierung der kommunalen Wasserversorgung eingeleitet wird. Nun verzichtet die EU nach dem Vorschlag des EU-Kommissars Barnier auf die Konzessionsrichtlinie für Wasser. Dies ist ein bemerkenswerter Erfolg der Demokratie in einer EU, die ansonsten mehr auf große Konzerne hört.
 

"Wer rettet wen?"
Quelle:KernFilm
Wir und alle, die dazu beigetragen haben, sind dabei besonders stolz, dass unser "Film von unten“ "Water Makes Money“ in vielen, vielen hundert Veranstal-tungen einen erheblichen Anteil an diesem Sieg über die Wasserkonzerne hat. Das gibt Mut und Vertrauen in die Kraft der Aufklärung, die Macht der vielen Kleinen gegen die mächtigen Großen!
 
Dennoch: Demokratie ist in Gefahr
 
Gerade zurück von umfangreichen Dreharbeiten in Griechenland zu "Wer Rettet Wen?", unserem neuen "Film von unten“, stehen wir noch ganz unter dem Eindruck eines Landes, in dem Demokratie zur wohlfeilen Floskel verkommen ist: Auf eine Interviewanfrage an den griechischen Finanzminister bekommen wir zur Antwort, augenblicklich stehe das ganze Ministerium Kopf. Alle seien hochnervös, weil wieder die Troika im Anmarsch sei. Tage später im Abenddunkel rollen Panzer durch Athen, wie zuletzt zu Zeiten der Diktatur. Überall dort, wo nicht genügend Menschen Widerstand leisten, werden die Einrichtungen des öffentlichen Radios und Fernsehen von bewaffneten Einheiten besetzt. Die Bildschirme werden schwarz, Radios schweigen.

Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz
Quelle: KernFilm
 
Nur vor dem zentralen Sendezentrum in Athen haben sich rechtzeitig Tausende versammelt, bereit der Räumung Widerstand zu leisten. Ihrem Mut ist es zu verdanken, dass die Einsatzkräfte letztlich zurückschrecken, gegen diese Masse von Menschen und die Besetzung des Senders vorzugehen. Bis heute wird das Gebäude verteidigt. Und das Programm des öffentlichen TV und Radio ERT ist weiter zu sehen und zu hören mit Hilfe der Hackerorganisation "Anonymos“, die auch uns schon half bei dem Hackerangriff auf unsere Webseiten und unser Studio. Mal läuft nun ERT auf der Webseite des Finanzministeriums, dann auf der des Parlaments..…
 
Die Hintergründe der Schließungsverfügung
 
Die inzwischen eingetroffene Troika, ein Kontrollgremium, das aus Vertretern der EZB, des IWF und der EU-Kommission besteht, hatte unmissverständlich die sofortigen Entlassung von mindestens 2000 Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes gefordert. Sonst würde die nächste Zahlung storniert. Derart in die Enge gedrängt, glaubte Samaras mit einer einsamen Entscheidung einen gordischen Knoten zu durchtrennen. Die Schließung von ERT am 11. Juni erlaubte ihm, der Troika auf einen Schlag 2600 entlassene Beschäftigte des öffentlichen TV und Radios zu präsentieren! Nebenbei wurde die letzte potentiell kritische Stimme einer nun nur noch aus Privaten bestehenden Medienlandschaft erstickt.
 
Schon im Frühjahr vergangenen Jahres mussten die drei Regierungsparteien unterschreiben, dass sie in Zukunft jederzeit den Anweisungen der Troika folgen – ganz unabhängig davon, welche Abgeordnete dieser Parteien bei den nächsten Wahlen ins Parlament kommen. In Wahrheit regiert die Troika, und das Memorandum vom März 2012 hat die griechische Verfassung außer Kraft gesetzt. Gleichzeitig hat dieser Griechenland aufgezwungene Vertrag die Schulden des Landes auf uns europäische Steuerzahler transferiert. D.H. wir haften jetzt größtenteils für diese Schulden. Die bisherigen Gläubiger, private Banken, wurden von jedem Risiko befreit. Gleichzeitig regelt das Memorandum, dass die Schulden nun nicht mehr griechischem Recht, sondern dem Gläubiger-verbundenen englischen und luxemburgischen Recht unterliegen. Die Chancen für einen künftigen wirklichen Schuldenschnitt sollten für Griechenland damit ausgeschlossen werden. Eine ausweglose Situation für ein Land, in dem per Erlass die Löhne nahezu halbiert und die sozialen Sicherungssysteme praktisch abgeschafft wurden. Vor diesen und anderen „Rettungsmaßnahmen“ betrugen die griechischen Staatsschulden ca. 115% des Bruttosozialprodukts. Jetzt sind es 192% – Tendenz steigend!
 
IWF stellt klar: Es ging nur um Bankenrettung
 
Pikant, was jetzt der IWF – eine der drei Troikamächte – dazu veröffentlichte: Man habe sich 2009 mit der Forderung nach einem klaren Schuldenschnitt nicht durchsetzen können. Dies hätte nur ein Bruchteil der bisher vergebenen „Hilfen“ gekostet und Griechenland die Möglichkeit des wirtschaftlichen Neubeginns eröffnet. Doch aus Rücksicht auf die beteiligten Banken – vor allem deutschen und französischen Banken – hätten man darauf verzichtet, um diesen erhebliche Verluste zu ersparen. Die zwei anderen IWF-Mächte – die EU und die Europäische Zentralbank – haben dann im Auftrag der Banken den griechischen Schuldenschnitt 2009 verhindert. Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Nie ging es um die Rettung Griechenland, das Ziel war nur die Bewahrung großer Banken vor jeglichem Verlust.
 
Natürlich auf Kosten eines Großteils der griechischen Bevölkerung.
 
So hat man es geschafft, ein ganzes Land in die Schuldenfalle zu locken, erpressbar zu machen. Erpressbar für ein in Europa bisher einmaliges neoliberales Experiment. Hier wird exekutiert, wovon schon Reagan, Milton Friedman, Thatcher und auch die griechischen Reichen seit langen träumten: Die Abwicklung der Sozialversicherung, die Reduzierung der Renten auf Hungerniveau, die Abschaffung des Streikrechts, die Menschen jeglicher Rechte zu berauben und zu demütig Bittenden zu machen. Es ist erschütternd, was dies aus Menschen in Griechenland schon gemacht hat. Es weigert sich in uns zu denken, was da noch folgen wird.
 
Dieses Experiment wird nicht auf Griechenland beschränkt bleiben. In Spanien, Portugal, Irland und auch schon in Italien wird es bereits fortgesetzt. Und Versatzstücke, wie die Deregulierung der Arbeitsverhältnisse, Werkverträge, Leiharbeit und Befristung als Regelfall haben sich auch in Deutschland schon durchgesetzt.
 
Doch Solidarität macht Mut
 
Während wir in Griechenland drehten, wurden weitere 20.000 € für unseren Film "Wer Rettet Wen? gespendet. Mehr als tausend FörderInnen haben so nun schon mehr als 80.000 € zusammengetragen! Doch jetzt nicht locker lassen. Wir sollten bis Herbst mindestens 120.000 € "Filmförderung von unten“ erreichen.

Quelle: KernFilm
 
Deshalb bitten wir Sie, verbreiten Sie den folgenden Aufruf, wo immer Sie vermögen! Zum Beispiel per E-Mail an Freunde und Bekannte, als ausgedruckten Flyer oder als Aushang an Infoständen, auf Veranstaltungen und in Kultureinrichtungen in Ihrer Umgebung. Helfen Sie mit, dass ein Film entsteht, der zeigt, wie Banken auf unsere Kosten gerettet werden, die Reichen immer reicher und die Mehrheit der Bevölkerung immer ärmer wird. Seit 2008 werden zuerst die bedrohte Wirtschaft und dann ganze Länder gerettet. Politiker jonglieren mit immer neuen milliardenschweren Rettungsschirmen, während mitten in Europa Menschen wieder für Hungerlöhne arbeiten. Es wird gerettet, nur keine Rettung ist in Sicht. Unser Film "Wer Rettet Wen?“ soll zeigen, wer dabei wirklich gerettet wird.  
 
Nie ging es um die Rettung der Griechen, nie um die der Spanier oder Portugiesen. Stets geht es nur um das Wohl der Hauptverdiener an diesen Krisen: der dort mit hochriskanten Spekulationen engagierten Banken. Uns Steuerzahlern und sozial Benachteiligten hingegen werden alle milliardenschweren Risiken zugemutet!
 
Steuerzahler finanzieren private Vermögen
 
Es heißt, Griechenland habe 300 Mrd. € Hilfen erhalten. Gerettet wurden damit aber nur die privaten Banken, Versicherungen und Investmenthäuser. Ihnen gehörten 2009 fast alle griechischen Staatsanleihen. 2012 - drei Jahre danach - sind diese Schulden fast gänzlich auf uns europäische Steuerzahler übertragen! Wir haben dadurch etwa 300 Mrd. € Schulden mehr. Dafür wurden viele reiche Griechen reicher und Hedgefonds, Banken, reiche Privatanleger vor jeglichen Verlusten bewahrt. Aus milliardenschweren "Hilfen" der Steuerzahler sind private Vermögen geworden. Der ansonsten neoliberale Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn hat ausgerechnet, dass die Fortsetzung der Rettungsschirmpolitik sicher im Interesse der großen Finanzinstitute und der 5% reichsten Individuen der Welt ist. Aber selbst die Bürger der wirtschaftlich stärksten Länder der EU werden um ihre Altersversorgung bangen müssen. Doch Hauptsache, „die Märkte atmen auf“.
 
Die Macht der "Märkte"
 
Im Zentrum dominieren drei Ratingagenturen und Goldman Sachs die Welt. Ihre Eigentümer sind Händler mit Staatsanleihen, die größten Investmentbanken und Private Equity-Konzerne der Welt. Wenn sie die Daumen senken, zittern Staaten. Viele Menschen ahnen, dass da etwas schief läuft. Sie fühlen sich ausgeliefert, weil sie das Spiel der Milliarden nicht verstehen. Doch Demokratie hat angesichts der Macht des Finanzmarkts nur eine Chance, wenn Bürger anfangen, ihre Interessen in dem "Spiel der Milliarden“ zu erkennen, die wesentlichen Strukturen und Mechanismen des Finanzkapitals zu durchschauen. "Wer RettetWen?“ wird ein Werkzeug dazu sein.
 
"Wer Rettet Wen?“ entsteht als "Film von unten“ – finanziert von denen, die ihn sehen wollen, die ihn zeigen wollen, die dieses Hilfsmittel als Aufklärung brauchen. Was so für Verständnis und Mobilisierung geleistet werden kann, zeigen unsere letzten Projekte "Water Makes Money“ und "Bahn unterm Hammer“. Deshalb rufen wir auf: Helfen Sie mit, dass auch dieser so dringend benötigte Film zustande kommt. Investieren Sie in den Film „Wer RettetWen?“! Helfen Sie mit, ein Stück Ihrer Zukunft zu sichern!
 
Mit jeder Spende sind Sie FörderIn des Filmes. Ab 20 € erhalten Sie von "Gemeingut in BürgerInnenhand“ eine DVD-Kopie mit der Lizenz zur nichtkommerziellen Vorführung.
Ab 100 € erhalten die FörderInnen die Auszeichnung Goldförderer/in. Auf Wunsch werden Sie im Abspann namentlich genannt.
Ab 1.000 € erhalten die FörderInnen die Auszeichnung NachhaltigkeitsförderIn. Sie werden als Ehrengast zur Premiere eingeladen.
 
Zahlungen bitte auf das Konto:
Empfänger: Wer Rettet Wen Konto-Nr.: 2020346200 GLS Bank, BLZ: 43060967
120.000 EURO - Ihr Beitrag ist die Filmförderung von unten, die bis zum 31.12.2013 das Fundament des Films errichten soll.
www.wer-rettet-wen.org film@whos-saving-whom.org
 
Hinweis der Redaktion: Wir haben einen Aufruf zur Unterstützung dieses Films bereits im September 2011 veröffentlicht, denken aber, dass es sinnvoll ist, die Filmemacher hiermit noch einmal zu unterstützen.
Über den 2011 produzierten Film "Water Makes Money" von Leslie Franke und Herdolor Lorenz haben wir u.a. folgende Artikel in der NRhZ veröffentlicht:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16200
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16081, http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15660
(PK)  


Online-Flyer Nr. 414  vom 10.07.2013

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