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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Medien
Wie der ZEIT-Redakteur Heinrich Wefing mit seinen LeserInnen umgeht
Eine Antwort auf sechs Fragen
Von Peter Kleinert und Jürgen Rose

Unter dem Titel "Lizenz zum Töten" hatte der Redakteur Heinrich Wefing bei ZEIT ONLINE einen Artikel ins Netz gestellt und seine LeserInnen darunter dazu aufgefordert: "Darüber muss auch gestritten werden, offen und öffentlich". (1) Als der ZEIT-Redakteur darauf eine für ihn offenbar nicht erfreuliche Antwort von dem ehemaligen Bundeswehr-Oberstleutnant und Publizisten Jürgen Rose erhielt, gefiel ihm das offenbar überhaupt nicht, wie seine Mail-Antwort zeigt. Weitere Kommentare ließ Wefing dann lieber lieber ganz unbeachtet. Hier der von ihm abgebrochene Diskurs zum Thema U-Boot-Export nach Israel.
Heinrich Wefing  
Quelle: https://twitter.com/HeinrichWefing
 
Jürgen Rose wandte sich daraufhin an die NRhZ: "Obwohl dem Grundduktus des Wefing-Artikels ja durchaus zuzustimmen ist, besteht in meinen Augen eben die Perfidie der Message zu den U-Boot-Lieferungen an Israel gerade darin, daß er diese dort - wie ich meine, bewußt und vorsätzlich - einschmuggelt. Die Leute lesen den Beitrag, sind hoch erfreut über die demokratiefördernden Postulate des Autors und nicken dann eben auch Rüstungslieferungen an Israel vorbehaltlos mit ab. So funktioniert modernes Brainwashing.
 
Darüber hinaus stellt meines Erachtens die Lieferung von Atomwaffenträgersystemen in ein Krisen- und Kriegsgebiet durch die BRD den allergrößten Skandal dar, der nur dadurch zu überbieten wäre, daß Nuklearwaffen selbst geliefert würden. Die übrigen Schweinereien auf dem Sektor des Rüstungsexports nehmen sich in meinen Augen dagegen eher als Petitessen aus."
 
Jürgen Roses Brief an den ZEIT-Redakteur
 
"Sehr geehrter Herr Wefing,
in Ihrem unter dem trefflichen Rubrum "Lizenz zum Töten" erschienen Leitartikel in der o. a. Ausgabe der ZEIT konstatieren Sie: "Die deutschen U-Boot-Lieferungen an Israel beispielsweise haben strategisch und politisch durchaus ihren Sinn."
 
Diese Ihre Feststellung wirft bei mir folgende Fragen auf:

Jürgen Rose
NRhZ-Archiv
 
1. Ist Ihnen bekannt, daß der Staat Israel in einem Krisen- und Kriegsgebiet liegt, daß dieser Staat, der habituell jegliche Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sowie die Rechtssprechung internationaler Gerichte ignoriert, sich selbst mit etlichen seiner Nachbarstaaten nach wie vor im Kriegszustand befindet, und daß nach Völkerrecht sowie deutscher Gesetzeslage Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete als friedensstörende Handlungen verboten sind - es sich folglich bei denjenigen, die derartige Waffenlieferungen gegen Recht und Gesetz genehmigen und bei denjenigen, die diese Waffensysteme dann liefern, um kriminelle Täter handelt?
 
2. Ist Ihnen darüber hinaus bekannt, daß es sich bei den von deutschen Werften gelieferten U-Booten um Nuklearwaffenträgersysteme handelt, die das seegestützte Element der israelischen atomaren Triade bilden, mit welcher der atomare Monopolist Israel in völkerrechtswidriger Weise sämtliche Nicht-Nuklearwaffenstaaten ringsum in der gesamten Region Nah- und Mittelost bedroht?
 
3. Ist Ihnen das Rechtsgutachten des IGH aus dem Jahre 1996 bekannt, gemäß dem die Drohung mit dem Einsatz sowie der Einsatz von Nuklearwaffen völkerrechtswidrig sind, welches folglich Nuklearwaffen als völkerrechtswidrige Waffen ächtet?
 
4. Ist Ihnen bekannt, daß die BRD den sogenannten Kernwaffensperrvertrag (NVV) unterzeichnet hat, demzufolge eine Beteiligung an der atomaren Aufrüstung von Drittstaaten untersagt ist?
 
5. Halten Sie es für richtig und gerechtfertigt, daß unser Land, welches vor circa 70 Jahren den ungeheuerlichsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit in Szene gesetzt hat, möglicherweise mittels der Lieferung von Trägersystemen für völkermörderische Atomwaffen zum Mittäter an einem potentiellen weiteren Völkermord wird?
 
6. Was halten Sie von der Idee, daß journalistische Schreibtischtäter, die in den warmen Redaktionsstuben bellizistischer Kampfblätter propagandistische Beihilfe zu Kriegs- und Völkerrechtsverbrechen leisten, fürderhin ebenfalls vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Verantwortung für ihr gewissenloses Tun gezogen werden?
 
 Mit freundlichen Grüßen,
 Ihr Jürgen Rose
 
P.S.: Um Ihrem Kenntnisstand hinsichtlich des israelischen Streitkräftedispositivs ein wenig auf die Sprünge zu helfen, füge ich im Dateianhang meine jüngst erschienene Analyse "Israel: ein Goliath im Gewande des David. Die Israel Defense Forces sichern dem jüdischen Staat die unangefochtene militärische Vorherrschaft im Nahen Osten" bei."
 
Hier die Antwort von Heinrich Wefing
 
"Sehr geehrter Herr Rose,
wessen wollen Sie mich den anklagen lassen: publizistische Vorbereitung eines Angriffskrieges? Geistige Entfesselung eines Völkermordes?
Andersdenkende vor Gericht - interessant, was für ein Demokratieverständnis Sie da demonstrieren.
Beste Grüße,
Heinrich Wefing
Von meinem iPhone gesendet"
 
Antwort von Jürgen Rose
 
"Sehr geehrter Herr Wefing,
besten Dank für Ihre Rückmeldung. Schade, daß Sie lediglich auf die sechste Frage Bezug genommen haben, die ersten fünf aber unbeantwortet ließen - aber deren Beantwortung wäre vielleicht auch nicht ganz so einfach.
 
Interessant finde ich, daß Sie sich jenen Schuh sogleich angezogen haben, obwohl meine Frage ja sehr allgemein gehalten ist und sich auf die schreibende Zunft schlechthin bezieht - konkret natürlich auf diejenigen, die sich in der von mir beschriebenen Weise besonders hervortun.
Diesbezüglich setze ich einfach mal voraus, daß Ihnen doch sicherlich der Nexus von Medien und Kriegspropaganda, den beispielsweise Frank Elter in seinem Buch "Die Medienkrieger" so prägnant beschreibt, bekannt ist. Pars pro toto auf den "Spin" in Ihrem Blatt bezogen, fallen mir hier Namen ein wie Bernhard-Henri Levy, der sich rühmt, den völkerrechtswidrigen NATO-Krieg gegen Libyen maßgeblich initiiert zu haben, dann Ihre Kollegen Bernd Ulrich und Jörg Lau, die von der "Deutschen Schande" halluzinieren, die angeblich darin bestanden haben soll, daß Deutschland im Gegensatz zu den militaristischen Exzessen der Vergangenheit im Falle Libyens gerade nicht mitgebombt hat, oder auch ein Josef Joffe, der vom "Islamo-Faschismus" schwadroniert, gegen den zu Felde gezogen werden müßte.
Ein ganz herausragendes Exempel liefert auch jener Schandartikel, der neulich unter dem Rubrum "Wir tun doch nix ..." in der ZEIT zu lesen war. In jenem Beitrag außergewöhnlicher Perfidie wird die äußerst begrüßenswerte Rückbesinnung zur ehemals verbindlichen "Kultur der Zurückhaltung" diffamiert, die zumindest während des Kalten Krieges den sicherheitspolitischen Grundkonsens unserer Republik markierte und erst von den rot-grünen Friedensverrätern unter Rädelsführerschaft eines Gerhard Schröder und Joschka Fischer in den Dreck getreten worden war (mit dem Angriffskrieg der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999). Womit wir dann auch wieder bei den einschlägigen Bestimmungen des deutschen Strafgesetzbuches angelangt wären, wo im Abschnitt X. unter dem Rubrum "Friedensverrat" (ja, so heißt das wirklich!) der § 80a Aufstacheln zum Angriffskrieg zu finden ist, der da lautet: "Wer im räumlichen Geltungsbereich dieses Gesetzes öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) zum Angriffskrieg (§ 80) aufstachelt, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft."
Nun liegt die Schwierigkeit sicherlich darin, festzulegen, an welcher Stelle dieses Aufstacheln zum Angriffskrieg beginnt. Ich bin, was Sie schwerlich überraschen dürfte, geneigt, diesen Tatbestand sehr weit auszulegen und stütze mich hierbei auf Artikel 26 (1) Grundgesetz: "Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen."
Meiner Auffassung nach fallen sowohl Rüstungsexporte in Krisen- und Kriegsgebiete als auch die mediale Rechtfertigungspropaganda hierfür unter diese - gerade für mein Demokratieverständnis fundamentale - Norm, da beides das friedliche Zusammenleben der Völker erheblich zu beeinträchtigen geeignet ist. Leider sind in der Tat die strafrechtlichen Instrumentarien zur Sanktionierung derart verwerflichen Handelns äußerst unterentwickelt.
Mit besten Grüßen,
Ihr Jürgen Rose"
 
Brief des Juden Elias Davidsson
 
"Sehr geehrter Herr Wefing
Ich schreibe Ihnen als Jude, der in Palästina geboren ist und Familie in Israel hat. Ich lebe seit 2008 in Deutschland. Wie Sie wissen, besitzt nur der Staat Israel in der Region Nuklearwaffen. Sie wissen auch, dass Israel sich immer gegen die Errichtung einer nuklearfreien Zone im Vorderen Orient einsetzte, während z. B. alle umliegenden Staaten und Iran sich immer wieder für die Errichtung einer solchen Zone ausgesprochen haben. Sie wissen wahrscheinlich auch, dass solche Waffen zur Unterdrückung der Palästinenser unbrauchbar sind und das solche Waffen kaum anwendbar sind, ohne das humanitäre Völkerrecht zu verletzen. Sie wissen wahrscheinlich auch, dass Israel mehrmals Iran mit Angriffen drohte und auch schon Aktionen gegen die Sicherheit des Iran unternommen hat. Vielleicht wissen Sie auch, dass der einzige Staat, der vom Sicherheitsrat der UNO seit ihrer Gründung wegen "Aggression" beschuldigt wurde, Israel ist, und zwar wegen des Angriffs auf Tunis im Jahr 1985. Israel ist daher kein friedlicher Staat im Sinne des Völkerrechts. Normalerweise sollte dieser Staat von der UNO suspendiert werden.
 

Elias Davidsson
NRhZ-Archiv
Die Führer des Staates Israel haben dafür gesorgt, dass kein Frieden in vorsehbarer Zukunft möglich sein wird. Sie haben vorsätzlich alle Bemühungen der Palästinenser zu einer gerechten Lösung durch systematische Siedlungen unterwandert. Israelis und Palästinenser, die zusammen für eine friedliche Zukunft arbeiten, werden von deutschen Medien kaum erwähnt. Sie bekommen keine Unterstützung von der deutschen Regierung. Dagegen werden israelische Kriegstreiber mit deutschen Steuergeldern finanziert. Die Führer des Staates Israel spielen mit dem Leben ihrer Schützlinge und mit dem Frieden in der Region. Und die Zündholzer dafür geben ihnen u. a. die europäischen Staaten und die USA. Jemand, der einem Geistesgestörten ein Seil schenkt, mit dem er sich aufhängen könnte, ist kein Freund. 
 
Da Sie die Lieferung von strategischen Waffen aus Deutschland an Israel befürworten, lässt sich fragen, ob Sie ein Antisemit sind, denn damit wird die Zukunft der israelischen Juden gefährdet. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass Sie sich jemals für einen gerechten Frieden in meinem Geburtsland eingesetzt haben. Solche "Freunde", besonders aus Deutschland, sind mir höchst suspekt.
Grüße,
Elias Davidsson"
 
Elias Davidsson ist ein isländischer Komponist mit deutschen Wurzeln. Er wurde laut wikipedia in Palästina als Sohn deutscher Eltern mit jüdischem Glauben geboren, die 1931 bzw. 1935 aus Deutschland emigriert waren (den Familiennamen seines Vaters David Kahn ersetzte er später gemäß isländischer Namenskonvention durch das Patronym Davidsson). Davidsson lebte zunächst in Tel Aviv, später in Jerusalem. Teile des zweiten Lebensjahrzehnts verbrachte er in Frankreich, wo er zeitweilig Mitglied der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair war…
Elias Davidsson, der neben Klavier auch Akkordeon und Lithophon spielt, lebt seit 2008 als freischaffender Komponist in Alfter bei Bonn...
Sich selbst als „Palästinenser jüdischer Abstammung“ betrachtend, publiziert er zu gesellschaftlichen Themen, vertritt eine antizionistische Position und gilt als isländischer Hauptverfechter antiisraelischer und antiamerikanischer Theorien. 2012 besuchte er zusammen mit Yavuz Özoguz, Jürgen Elsässer, Gerhard Wisnewski, Karl Höffkes und weiteren Personen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.
 
Brief der Jüdin Evelyn Hecht-Galinski
 
"Lieber Herr Wefing,
die Zeit ist unter dem Chefredakteur Josef Joffe zu einer einseitig Israel und die USA unterstützenden Lobby-Gazette verkommen. Besonders erschreckend dabei ist, dass damit jegliche Empathie für die besetzten und unterdrückten Palästinenser zu vermissen ist. Was ist das für ein Journalismus? Erschreckend ähnlich zum Broder Stil?
 

Evelyn Hecht-Galinski
NRhZ-Archiv
Aber das zeigt ja auch die flapsige Antwort von ihnen an Jürgen Rose. Sie zeigen damit ihre Unkenntnis über die tatsächlichen Zustände der israelischen Hochrüstung. Tatsache ist doch, dass Israel aus dieser Stärke der unkritischen Unterstützung der USA und von uns in der Lage ist die ganze Region und den Iran zu bedrohen. Solange aber deutsche Journalisten nicht bereit sind, darüber objektiv berichten und die Leser so falsch informiert werden, halte ich es für verschwendete Zeit die Zeit zu lesen. Leider lässt Helmut Schmidt diese Tendenz zu! Gräfin Dönhoff fehlt in der Zeit an allen Ecken, obwohl sie erschreckender Weise laut Richard Chaim Schneider, dem ARD-Korrespondenten in Israel, eine Antisemitin wäre. Das könnte auch Josef Joffe bestätigen, so sollte ich mich informieren, wie Schneider mir in einer E-Mail schrieb.
Was soll man dazu noch sagen? Sind nicht die die wahren Antisemiten, die den Zionismus unterstützen? Auch das hat in Deutschland eine unrühmliche Vergangenheit. Gerade deutsche Journalisten sollten auch diese Tatsache nicht außer acht lassen, wenn sie über den "Jüdischen Staat" so einseitig berichten und kommentieren!
Evelyn Hecht-Galinski" (PK)
 
(1) http://www.zeit.de/2013/23/waffen-ruestungsexport-bundestag/seite-2
 
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin, Autorin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Mann Benjamin Hecht lebt.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. 
  


Online-Flyer Nr. 410  vom 12.06.2013

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