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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2019  

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Kommentar
U21-EM in Israel von 2013 und Olympiade in Deutschland 1936
Das schöne "geschönte" Gesicht
Von Evelyn Hecht-Galinski

Da haben wir also den Beginn der U21-EM im Besatzer-Staat Israel live übertragen in 140 Ländern der Welt erleben dürfen. Ein schwarzer Tag für alle Palästinenser. Mit dieser Vergabe der UEFA an Israel als Austragungsland hat sich Präsident Michel Platini über alle Proteste gegen diesen Austragungsort hinweggesetzt. Die Proteste von Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und anderen Prominenten verhallten im Nirwana.

Michel Platini
Quelle: wikimedia
 
So fügt sich Platini nahtlos in die französische Politik ein. Frankreich überlegt sich, Waffen an die sogenannte syrische Opposition zu liefern. Frankreich, damals noch unter Sarkozy, war führend am Libyen-Krieg und der Ermordung von Gaddafi beteiligt. Nicht unwichtig dabei, damals der Einfluss des "Kriegsphilosophen" BHL (Bernard Henri Levy) auf Sarkozy. Dieser knüpfte schon sehr früh Kontakte zur libyschen Opposition um das Eingreifen Frankreichs einzufädeln. Auch versuchte er schon im Juni 2012 in einem offenen Brief an Staatspräsident Hollande wenige Stunden nach dessen Wahl diesen zum Eingreifen in Syrien aufzufordern.
 
BHL erinnert dann immer wieder an das Leid des syrischen Volkes, oder vorher des libyschen, aber hat er jemals versucht, an das Leid der von Israel besetzten Palästinenser zu erinnern? Weit gefehlt. Israel ist für BHL, Hollande, Sarkozy oder Platini kein Thema, wenn es um Verletzung der Menschenrechte geht. Eine Schande ist vielmehr, das dieses Politiker für dieses "Wegsehen" auch noch belohnt werden. Sarkozy bekam die Ehrendoktorwürde der Universität Netanja für die Entschiedenheit und seine Freundschaft gegenüber dem Staat Israel und dem jüdischen Volk. Ein wahrer Freund Israels, wie Hochschulpräsident Zvi Arad betonte.
 
Sarkozy bedankte sich u.A. mit folgenden schleimtriefenden Worten: "Ihr (Israel) seid der Beweis dafür, dass die Menschlichkeit immer siegt. Und die Einmischung in Libyen hat gezeigt, dass man die Todesmaschinerie aufhalten kann. Ich kann den Völkermord durch das Regime (Syrien) nicht hinnehmen. Es ist für mich sehr traurig, zu sehen, wie Europa tatenlos ist und zusieht, wie Israel allein handelt"! Die UNESCO zeichnete einen Monat später, also im Juni 2013, Präsident Hollande für seine Mali-Intervention mit dem Friedenspreis aus.
Merken wir uns also: die Preise oder Friedensnobelpreise werden inzwischen zu Preisen für den Krieg, oder Intervention, oder Kampf gegen den (islamischen) Terror vergeben, ganz im Sinne der neuen Kriegs-/Friedens-Doktrin seit 9/11!
Ach, wo ich schon bei Preisverleihungen bin: Broder hatte in der Welt, dem Blatt, wo er sein Gnadenbrot schreibend verdient, angekündigt, seinen, an ihn 2007 verliehenen Börne-Preis zurückzugeben. Broder kann nicht ertragen, dass der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk diesen Preis erhält. Das ist für ihn unsäglich und unerträglich. Er wolle keinem Zirkel angehören, der einen Massenmordversteher und Terrorversteher aufnehme. Das sagt der Richtige! Dieser Hardcore-Zionist und kritiklose Israel-Versteher, regt sich auf, weil Sloterdijk mehr als berechtigte Zweifel über 9/11 äußerte. Folgerichtig fiel auch die Antwort der Börne-Stiftung aus, dass sie natürlich auch davon ausgehe, dass Broder das Preisgeld von 20.000 Euro zurückerstatten wird, wenn er seine Ankündigung in der Welt wahr macht.
 
Ja, lieber Herr Stiftungsvorsitzender Michael A. Gotthelf, das kommt davon, wenn man Preise an Pornoverfasser und Journalisten dieses Schlages so ungeprüft vergibt. Warten wir es ab, ob Broder dabei bleibt und dann überhaupt noch in der Lage ist, das Preisgeld zurück zu geben, oder ob die Börne-Stiftung es erst beim Arbeitgeber pfänden lassen muss?
Zurück zum eigentlichen Thema, der U21-EM in Israel, dem Land, dem es laut Avi Luzon, dem Vorsitzenden des israelischen Fußballbundes außer der EM gelingt, dem Ausland "das schöne (geschönte) Gesicht Israels zu zeigen, dessen Einwohner Sport lieben". Ist wirklich schön, wie die Israelis Sport lieben. Das gilt natürlich nur für die jüdischen Einwohner, oder ein paar israelische Araber, wenn man sie denn in einer Mannschaft braucht. Gilt natürlich nicht für die besetzen Palästinenser, denen man den Sport durch Schikanen und Zerstörungen so gut wie unmöglich macht. Zur Erinnerung: Man verweigerte Teilnehmern aus Gaza die Teilnahme am Marathon? Hatte Israel nicht im letzten November erneut mehrere Sportstätten und Stadien, darunter auch das gerade wieder renovierte, in Gaza erneut zerstört? Hatte die IDF (Israelische Verteidigungs Armee!) nicht schon beim Gaza-Angriff 2008/09 bereits das Hauptfußballstadion und weitere wichtige Sportstätten bombardiert? Ebenso zögerte man auch nicht, das Paralympic Komitee-Center zu bombardieren.
 
Israel versucht massiv, durch Repressalien den palästinensischen Fußball und sein Team zu demontieren. Man verhaftete Mahmoud Sarsak 2009, als er versuchte Gaza zu verlassen, um an einem Fußballspiel im Westjordanland teilzunehmen. Dem 22jährigen palästinensischen Mittelfeldspieler, dem eine vielversprechende Karriere vorausgesagt worden war, zerstörte man diese Karriere ganz gezielt, indem man ihn nach der Verhaftung ohne Anklage in Administrativhaft nahm. Als Grund wurde ihm Mitgliedschaft im Islamischen Jihad vorgeworfen, obwohl seine Anwälte das bestritten und keine Beweise gegen ihn wegen irgendeiner Straftat vorlagen. Nicht umsonst wird diese israelische Praktik der Administrativhaft weltweit von allen Menschenrechtsorganisationen verdammt. Sarsak kam erst letzten Sommer nach einem 92tägigen Hungerstreik frei. Israel versucht eben mit allen Mitteln palästinensische Kultur, zu der eben auch Sport und dessen Ausübung gehören zunichte zu machen. Soviel zur Sportliebe der Israelis!
 
So möchte ich auch Israel 2013 mit Deutschland im Jahr 1936 vergleichen. Ein Land, das das Völkerrecht verletzt, gegen die Menschenrechte brutal verstößt, indem es 1,6 Millionen Menschen in Gaza im größten Freiluftgefängnis hält und den besetzten Palästinensern ihre  legitimen Rechte vorenthält, stattdessen alle UN-Resolutionen negiert und durch die uneingeschränkte Solidarität der USA und auch durch uns in der Lage ist, andere Staaten zu bedrohen, alles im Namen der Sicherheit für den "jüdischen Staat". Und der wird dafür noch belohnt und assoziiert auf vielen Gebieten in Europa und in die (Sport-) Gemeinschaft aufgenommen.
 
Diese U21 ist wie israelische Politiker, wie Netanjahu und Peres, die sie so medienwirksam benutzen, um damit von Besatzung, Besiedlung und anderen kriegerischen Vorhaben abzulenken. War es nicht 1936 sehr ähnlich, als das Nationalsozialistische Regime die "Olympische Jugend der Welt in Berlin so friedlich versammeln konnte"? Mich lassen diese Bilder schaudern und ich frage mich, wie es trotz massiver Proteste möglich ist, dass diese U21-EM im "Jüdischen Besatzerstaat" stattfinden darf. Sagen nicht die Fifa- und die Uefa- Richtlinien, dass man einen Anti-Rassismus Kodex hat? Wie kann man dann die U21 in einem rassistischen Apartheidstaat, der Ethnokratie Israel austragen? Wie ist es möglich, dass an Platini jede Kritik abperlt, da die Fifa "unpolitisch" ist und man den israelischen Verband "nicht für die politische Situation im Lande verantwortlich machen will"! Ja wen denn dann, etwa den palästinensischen? Auch der Trainer der deutschen Mannschaft strahlte nur Zuversicht aus vor der EM, man machte sich nur Gedanken über die Sicherheitslage wegen Syrien.

Marcel Reif, den es vor Jahren schon in die Schweiz zog und der heute nur noch für den Bezahlsender Sky sein Sport Kommentar-Geschwafel ablassen darf, fühlte sich bemüßigt in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung einen völlig unpassenden Kommentar zu schreiben. Er wollte sich die Freude über die EM in Israel auch von Friedensnobelpreisträger Tutu und anderen Persönlichkeiten, die einen offenen Protestbrief im Guardian an die UEFA wegen der Vergabe an den Staat Israel und wegen seines gesetzeswidrigen Verhaltens schrieben, nicht verderben lassen. Er stellte sich ins Abseits mit seinen Vergleichen wegen der Vergabe der Fußball-EM 2012 an die Ukraine und erinnerte dann auch noch tatsächlich an die in der Ukraine einsitzende Ex-Regierungschefin der Ukraine und Oligarchin, Julia Timoschenko, die man auf Grund ihrer Vergehen sicher nicht mit den Tausenden in israelischer Haft und Administrativhaft sitzenden Häftlingen vergleichen darf! Warum erwähnen Sie diese nicht Herr Reif?
 
Auch Südafrika mit Israel zu vergleichen, sollte Ihnen einen Platzverweis einbringen. Das einzige, was heute noch mit dem EHEMALIGEN $üdafrika vergleichbar ist, ist die Apartheid! Was sollen diese Retourkutschen und Ablenkungen durch andere auch menschenrechtsverletzenden Staaten? Sie Herr Reif als Jude und mit Ihrer Vergangenheit sollten nicht die Schlagworte der Israel-Lobby benutzen und deren Ausputzer spielen! Das klang in ihrem Buch noch ganz anders! Ist das ihr jetziges Niveau? Tutus Kritik ist absolut nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern mit Fakten belegt und mehr als wahr, so dass es Ihnen auch nicht mit Trillerpfeife gelingen wird dagegen anzuschreiben! Im Gegenteil Sie pfeifen ja schon nach der Israel-Lobby-Pfeife. Sport und Politik sind eben nicht zwei verschiedene Dinge, das wissen wir doch allzu gut von den Bildern, die uns von 1936 im Gedächtnis sind.
 
Schlussendlich die rote Karte für Ihren Aufruf, nach Israel zu reisen und die U21-EM zu genießen. Abgesehen davon dass der israelische Staat Einreisende selektiert und dass er Friedensaktivisten oder Kritiker aussortiert und zurückschickt, kann er neuerdings auch noch im E-Mail-Verkehr schnüffeln. So ist ihr Aufruf deplatziert und wird vom israelischen Staat nur für seine Zwecke missbraucht. Abpfiff, Herr Reif!
 

Ich setzte mich sofort hin und schrieb einen Kündigungsbrief an die Commerzbank, wo wir ein Konto unterhalten. Eine Bank, die nach verschiedenen Fehlspekulationen vom deutschen Steuerzahler unterstützt werden musste, unterstützt so einseitig auch mit deutschen Steuergeldern israelische Organisationen! (Übrigens hat mich der Keren Hayesod erneut verklagt. Ich bin eben eine "Gefahr", weil ich durch meinen verstorbenen Vater so viel über jüdisch/israelische Organisationen weiß!) Für mich/uns unerträglich und nicht hinnehmbar! Vielleicht bringt Vorstandsvorsitzender Blessing ja auch das "Überraschungsmitbringsel"? Auf jeden Fall unterstütze ich die Commerzbank mit unserem Konto nicht mehr! Die deutsche Delegation will junge Einwanderer in Israel unterstützen. Unkritisch und einseitig unterstützt man mit dieser Aktion aber die israelische Politik, wie jetzt schon mit der laufenden U21-EM!
Richtig wären Boykott, Desinvestition, Sanktion auf allen Gebieten gegen die israelische Politik der Besatzung, Besiedlung und Unterdrückung!

Zum Schluss noch als Letztes: Der DFB (Deutsche Fußballbund) unterstützt ein Sportprojekt der Spendenorganisation Keren Hayesod in einem israelischen Jugenddorf Hadassah Ne`urim mit einer größeren Summe als Starthilfe, plus einem "Überraschungsmitbringsel". Man wird mit einer größeren prominenten Delegation dieses Jugenddorf am 12. Juni besuchen, eines von 60, mit über 18.000 Schülern. Zur Delegation gehören bekannte deutsche Fußballer und Prominente. Unter anderem Lothar Matthäus, Günter Netzer, Otto Rehagel, Rainer Rauball und für mich persönlich ganz schlimm und kritikwürdig auch der Vorsitzende der Commerzbank Martin Blessing.

Sehr geehrte Frau .....
 
nach Rücksprache mit Herrn Roy Reiber, dem Pressereferenten des DFB, der selbst Mitglied der DFB-Delegation war, stimmt es tatsächlich, dass Herr Blessing nicht in der Delegation war. Vorgesehen aber war die Teilnahme von Commerzbank-Aufsichtsratchef Klaus-Peter Müller, der aber kurzfristig absagte.
 
Auch die Aussage von Ihrem Haus, dass die Sponsoren-Gelder zweckgebunden für Deutschland sind, ist falsch. Alle Spenden, wie auch die des DFB an das Keren Hayesod-Dorf kommen in einen Topf, und es ist nicht mehr nachvollziehbar, für welche Projekte sie eingesetzt wurden. Insofern hat mich die Antwort der Commerzbank nicht überzeugt..
Als Geste guten Willens würde ich erwarten, dass Sie die gleiche Summe an palästinensische Sportprojekte geben, die leider alle mehrmals von Israel zerbombt wurden, sogar das Paralympic Center in Gaza!.
 
Mit freundlichen Grüßen
Evelyn Hecht-Galinski.

(PK)
 
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin, Autorin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Mann Benjamin Hecht lebt.
Einen interessanten Brief von Ihr finden Sie in dieser Ausgabe an einen ZEIT-Redakteur in dem Artikel   
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro.  
 


Online-Flyer Nr. 410  vom 12.06.2013

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