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Aktueller Online-Flyer vom 27. Juli 2016  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Der Holocaust "heiligt" die Mittel!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Die unsägliche Geschichte der Instrumentalisierung des Holocaust, die man durch viele Beispiele belegen kann und die u. A. schon von Norman Finkelstein so treffend in seinem Buch: "Die Holocaust Industrie" beschrieben wurde, setzt sich fort, bis zum heutigen Tag. Finkelstein bemängelte in diesem Buch, dass Milliarden an Reparationszahlungen nicht wie gedacht, direkt zu den Opfern des Holocaust flossen, sondern zuerst zu jüdischen Organisationen, wie die Jewish Claims Conference gingen, während eigentlich von deutscher Seite bei den Verhandlungen ausgemacht war, dass die Gelder ausschließlich an Überlebende direkt auszuzahlen wären.
 

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel
Quelle: wikipedia
Tatsächlich aber ging ein Großteil dieser Gelder an Jüdische Gemeinden und andere Projekte, entgegen der deutschen Forderung. Nur etwa 15% gingen damals an die überlebenden Opfer. Finkelstein schreibt weiter in seinem Buch, dass man in den 50er Jahren Gelder veruntreute, weil angeblich nicht genug Opfer mehr zum Verteilen der Gelder am Leben war. Das ist wirklich, wie er richtig schreibt, eine Ironie, wenn man sieht, wie die letzten Holocaust- Überlebenden in Israel an der Armutsgrenze lebten, weil angeblich die Zahlungen aus Deutschland ausblieben. Kein Wunder, dass viele Holocaust-Überlebende, dem deutschen Staat mehr vertrauten, als jüdischen Organisationen.
 
Waren es zu Beginn die zionistischen Staatsgründer, die den Holocaust immer wieder für die Rechtfertigung der ethnischen Säuberung Palästinas heranzogen, so beherrschen heute die Nachkommen dieser Generationen dieses Mittel in beispielloser Art und Weise, um die heutigen zionistischen Menschenrechtsverletzungen und Kriegsdrohungen in der Öffentlichkeit zu verkaufen.
 
Immer hat es das zionistische Regime verstanden, seinen Landraub und die Vertreibung der Palästinenser unter dem Deckmantel der Sicherheit für das jüdische Volk zu verkaufen. Dieser Bluff sollte endlich entlarvt werden, als das was er ist, ein Ablenkungsmanöver, um dieses Treiben zu kaschieren. Es ging und geht von Anfang an nur um eins, nämlich darum, die Palästinenser zu vertreiben und deren Land und Eigentum zu besitzen und national/jüdische Interessen zu vertreten.
 
Schlimm genug, dass dieser Plan so gut aufging, auch mit Hilfe der Weltöffentlichkeit, die natürlich auf Grund des Holocaust, berechtigte Schuld und Scham empfand. Aber dies alles auf Kosten der Palästinenser/Araber, deren Rolle von Anfang an, bis heute, propagandistisch dämonisiert wird. Obwohl auch sie, die Palästinenser, wenn auch indirekt, Leidtragende des Holocaust sind, da man ihnen durch die Zionisten, die während und nach dem Holocaust kamen, ihr Land stahl und sie vertrieb. Ihre, die palästinensische Katastrophe, die Nakba, war nie ein Thema, diese Vertreibung und Ermordung der Palästinenser wurde immer verschwiegen und nicht an den Schulen gelehrt und durfte nicht in Schulbüchern erscheinen. Erst durch die dankenswerte Aufarbeitung durch die neuen Historiker wurde diese ethnische, zionistische Säuberung bekannt. Von diesen neuen Historikern blieb allerdings allein Ilan Pappe übrig, der auch das für mich "Augen öffnende" Buch über die ethnische Säuberung Palästinas schrieb. Die anderen "Kollegen" Historiker haben sich inzwischen wieder mehrheitlich in den zionistischen Schoß verabschiedet.
Ich möchte jetzt ein paar - für mich als Angehörige von Holocaust-Überlebenden - Beispiele bringen und ich sage dazu: "Nicht in meinem/unserem Namen!
 
Pünktlich zum Jom Haschoa, der diesmal auf den 8. April fiel. Wenn dann um 10 Uhr Ortszeit die Sirenen in Israel an die Ermordung der 6 Millionen Juden erinnern und das Land in einer Schweigeminute verharrt, zögerte man nicht "ganz nebenbei", den Bau neuer Siedlungen zu verkünden. Nein, es ist nicht diese Meldung, die allein schon schlimm genug ist, die mich so fassungslos und wütend macht. Nein es ist der Umstand, dass man 40 neue Siedlerwohnungen im annektierten/geraubten Ostteil von Jerusalem für Holocaust-Opfer baut und das auch noch just an diesem speziellen Tag bekannt gibt. Sollen diese alten Menschen jetzt dazu missbraucht werden, um den Anspruch des zionistischen Regimes auf ganz Jerusalem als ewige, für immer ungeteilte Hauptstadt des "jüdischen Staates" Israel auf so schändliche Art und Weise zu demonstrieren? Immer wieder denke ich, dass dieses zionistische Besatzer-Regime in seiner verbrecherischen Unmoral nicht tiefer sinken kann, aber ich werde täglich eines Besseren belehrt. Ich hoffe nur, dass sich die Holocaust-Überlebenden, die man im "jüdischen Staat" Israel eigentlich immer vergessen hat, sich nicht in diese Besatzerrolle drängen lassen.
 
Auch eine andere Geschmacklosigkeit, über die ich schon einmal berichtete, hat sich wieder pünktlich zum Holocaust-Gedenktag angesagt: junge jüdische Israelis lassen sich KZ-Nummern ihrer Großeltern tätowieren, eine von der internationalen Werbeagentur "Saatchi" unterstützte Aktion, um junge Menschen für die Vergangenheit zu interessieren. Diese Tätowierungen werden als ein Tor begriffen, um mehr über den Holocaust zu lernen. Diese fürchterliche Aktion, mit den Nummern früherer KZ-Häftlinge, wird zwar "nur" mit abwaschbaren Aufklebern angebracht, ist aber an Geschmacklosigkeit nicht zu übertrumpfen. Auch das wieder eine an Zynismus kaum zu überbietende Aktion, die nur in einem so von Grund auf krank gemachten Land ausgehen kann. Eine Schande mehr der Instrumentalisierung des Holocaust. Man schreckt vor nichts zurück!
 
Kommen wir nun zu einem Friedensnobelpreisträger, der besonderen Art. Ich spreche von Elie Wiesel, dem wie Noam Chomsky ihn nennt "furchtbaren Hochstapler". Der angesehene amerikanische Historiker Howard Zinn fand es "zutiefst beschämend" wie Elie Wiesel als Präsident des Holocaust Memorial Councils durchsetzte, dass im amerikanischen Holocaust-Museum nur der jüdischen Opfer des Holocaust gedacht werden dürfe. Da haben wir sie also wieder, die Selektierung der Opfer in Gruppen und den Anspruch auf Einmaligkeit, der nichts anderes an Leid neben sich duldet. Noch schlimmer wird es, wenn Wiesel als Jude fordert, dass Jerusalem nur die Stadt der Juden sein darf, also alle anderen Religionen ausschließt und den Alleinanspruch auf Jerusalem fordert. Elie Wiesel ist nicht umsonst mehr als umstritten, da er mit seiner Stiftung so gut wie bankrott ging, da er den Großteil des Stiftungsvermögens dem Fond des Investmentbetrügers Bernie Madoff anvertraut hatte. Da kam eine Spende in Höhe von einer halben Million Dollar für kostspielige Anzeigen von einem für seine antisemitischen Ausfälle bekannten christlich-fundamentalen Prediger, namens John Haguee gerade recht. Dieser glühende christliche Zionist, will das Heilige Land von den Muslimen zurück haben. Hier vereint sich das Interesse der Zionisten beider Lager.
 
Wiesel hat nur Augen für jüdisches Leid, das er pathetisch und in unerträglich schwülstiger Art vertritt, ohne Rücksicht auf Muslime. Wiesel gesellt sich mit seinem Friedensnobelpreis in eine ungute Reihe von Preisträgern, von Begin bis Peres und Rabin, bis Obama. Ich selbst erlebte Wiesel 1966 in New York, wo ich mich für ein Jahr zum Sprachstudium bei einem ehemaligen KZ-Kameraden meines Vaters aufhielt. Diese Familie war eng mit Wiesel befreundet und er ging dort ein und aus, so das ich ihn mehrmals traf. Ich empfand ihn als pathetischen, "Kitsch-Sprecher" mit psychopathischen Zügen, ich empfand diese Begegnungen als mehr als beängstigend und mehr als unangenehm.
 
Zurück zur Gegenwart. In einem Artikel für die Jüdische Allgemeine vom 5. April 2013 schreibt Wiesel, auch zum Jom Haschoa: "Nie wieder Opfer". So weit so gut. Aber dann, beginnt die Propaganda: "Die Welt muss sich gegen die iranischen Vernichtungsdrohungen stellen", oder schlimmer noch: "Das Mullah-Regime will Israel vernichten". Oder noch pikanter: "Zuallererst muss Präsident Ahmadinedschad wegen seiner Verbrechen gegen die Menschheit verhaftet werden, und sobald er oder ein anderer Vertreter des Mullah-Regimes sich im Ausland aufhalten, festgenommen werden und dem Internationalen Gerichtshof nach Den Haag überstellt werden. Dies ist unsere Pflicht. Ansonsten wären die Mahnungen des Westens zur Einhaltung der Menschenrechte bloß eine leere Phrase." (1) Robbt sich diese jüdische Allgemeine nicht mittlerweile ran, um als Kampfblatt und "Ober-Stürmer" in die deutsch/jüdische Geschichte der israelischen Propaganda einzugehen?
 
Hört, hört! Würden diese Worte des Herrn Wiesel nicht viel eher auf das zionistische Besatzer-Regime Israel passen? Dessen Shin Bet-Vertreter sich noch in Filmen ihrer Taten rühmen können, ohne belangt zu werden? Sowie für deren Politiker, die ständig die Menschenrechte verletzten und ungestraft als brutale Besatzer gegenüber den Palästinensern auftreten? Gehört nicht auch jeder israelischen Politiker vor den Haager Gerichtshof, der die Angriffe auf Gaza oder den Libanon befahl, oder gezieltes Morden als legitim ansieht und auf Resolutionen und das Völkerrecht pfeift? Nicht der Iran ist die Gefahr sondern die ständige Bereitschaft des israelischen Regimes Nachbarn anzugreifen oder eben auch den Iran. Nicht der Iran droht mit Angriff, sondern Israel steht schon in den Startlöchern, um seine Kriegsgeräte wieder einmal zu testen.
 
Wer entscheidet eigentlich, über Schurke oder nicht? Nordkorea darf, Pakistan darf, Indien darf, Iran, Irak und Syrien dürfen nicht. Die Herrscher der Geopolitischen Strategie, also die USA und deren Verbündete, entscheiden, Daumen hoch, Daumen runter.
 
Der Iran-Konflikt ist eine unendliche Geschichte. Auch der "Kriegsbaron", Ex-Verteidigungsminister Guttenberg hat sich aus seinem selbst gewählten Asyl in Connecticut ungefragt gemeldet. Er, der jetzt unter dem informellen Titel eines "renommierten Staatsmanns" für den Washingtoner Think-Tank "Center for Strategic and International Studies"(CSIS) im Einsatz steht und dort einem eigens für ihn geschaffenen Forum für transatlantische Beziehungen vorsteht. Der schrieb zusammen mit einem Ulf Gartzke, dem Chef des Washingtoner Büros der CSU-nahen Hans-Seidel-Stiftung, einen furchtbaren Artikel. Glücklicherweise sind wir diesen Verteidigungsminister los, obwohl dieses Amt, nicht gerade von Sympathieträgern geleitet wird.
 
Zurück zum Baron, schreibt er doch wirklich, dass Berlin sich schon im voraus Gedanken machen sollte, wie man vor etwaigen israelischen Angriffen gegen den Iran, Israel unterstützen kann. Nach möglichen Luftangriffen gegen den Iran, Schiffe im Mittelmeer oder Patriot-Luftabwehrraketen? Die Bundesregierung sollte ein klares Zeichen der Solidarität zeigen und Israel in dieser Krise nicht allein lassen. Dann zeigt er sich noch sehr besorgt, dass eine Mehrheit der Deutschen Israel als aggressiven Staat wahrnimmt, der seine Interessen ohne Rücksicht auf andere Nationen verfolgt. Die beiden "Schreiberlinge" beenden ihren Artikel mit dem folgenschweren Satz: "Viel steht auf dem Spiel. Deutschland kann es sich nicht leisten auf der falschen Seite zu stehen." Wo die falsche und die richtige Seite ist, und wer und wo richtig steht, darüber wird hoffentlich noch die Geschichte entscheiden.
 
Dieser Artikel ist so substanzlos und "pomadig", wie des Barons frühere Auftritte. Hier wollen zwei Herren weltpolitischen Weitblick beweisen und haben ihn aber nicht. Mich besorgt viel mehr der Gedanke, sollte dieser "Ex-Doktor" wieder zurückkommen und nach ihm der Baron, um ihm vermeintlich zustehende Ämter zu erklimmen, hüte uns die Politik und der Wähler davor. Wir haben hier schon genug "kriegslüsternde" Jungpolitiker, wie den "Herrn der Selektionen" Philipp Mißfelder (2). Also Herr Baron, bleiben sie in ihrem "Think-Tank", wir brauchen ihre "Kriegs-anal-Lysen" nicht!
 
Noch eine deutsch-amerikanische Allianz, die gut zum Thema passt: am Montag besuchte der Sohn Israels(1) Jack Jacob Lew, der neue amerikanischen Finanzminister, seinen deutschen Kollegen Schäuble, um über eine Allianz gegen Steueroasen zu sprechen. Freilich beim Sprechen blieb es auch, da es sich, wie Schäuble betonte, nicht nur um illegale Praktiken handelte, sondern auch um legale, wie man Einkünfte in steuerlich günstige Jurisdiktionen verschieben könne. Amerikanische Konzerne wie Apple, Amazon, Google und andere zahlen auf ihre im Ausland erwirtschafteten Gewinne kaum Steuern. Lew ließ nicht erkennen, dass er konkrete Pläne hat, dies zu ändern.(3) Wozu also taugt diese "Allianz" überhaupt und worüber verhandeln diese ungleichen Verhandlungspartner?
 
Woran erinnert mich das? US-Außenminister Kerry, reist mit hellblauer Krawatte und Plänen, die so alt aussehen wie er, in den Nahen Osten. Plädiert für direkte Verhandlungen ohne Vorbedingungen, lässt seine zionistischen Freunde weiter die Vorbedingungen schaffen, die fleißig annektieren und auf geraubtem Land bauen, und phantasiert weiter von der Zweistaatenlösung. Die Realität ist aber inzwischen für die meisten Einwohner im Westjordanland angekommen. So Bettina Marx am 9. April aus Israel, für den DLF, nach einem Besuch in Ramallah: "Die dortige Zivilgesellschaft plädiert inzwischen auch, für einen Staat (vom "Jordan River to the Sea"), für alle seine Bürger gleich und ohne Unterschied von Religion oder Ethnie. Ist das ein Wunder, nach den Äußerungen der neuen Minister Bennett und Lapid, die keine Zweistaatenlösung auf dem Plan haben? Kerry kam und geht, mit "leeren, ausgestreckten Händen", passend zu denen seiner Allianz Freunde. Was für Allianzen......
 
Die erste Stuttgarter Palästina-Solidaritätskonferenz nahm schon vieles vorweg, was sich jetzt bewahrheitet. Die zweite, die Nachfolgekonferenz, wird spannend, ich verspreche es. Bitte melden sie sich an. Eine solche Menge an hochkarätigen Referenten werden sie so schnell - vereint, auf einem Podium und in einer Konferenz - nicht mehr erleben können. (PK)
 
 
(1) http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15597
http://www.freitag.de/autoren/schlesinger/elie-wiesel-propaganda-fur-ein-gross-jerusalem
(3) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/jack-lew-in-berlin-amerika-und-deutschland-wollen-steueroasen-gemeinsam-trocken-legen-12142699.html
http://original.antiwar.com/muhammad-sahimi/2013/04/02/the-long-history-of-lies-about-iran/
http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/pjoengjang-darf-teheran-darf-nicht
(2) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18140&css=print
http://www.faz.net/aktuell/nahost-kerry-reist-ohne-ergebnis-aus-israel-ab-12142825.html
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin, Autorin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Mann Benjamin Hecht lebt.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro.


Online-Flyer Nr. 402  vom 17.04.2013

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