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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Sport
Impressionen vom XX. Algarve Cup zwischen dem 06. und 13.ärz 2013 in Portugal
„US Women National Team“ - klarer Sieger
Von Günter H. Niederl und Bernd J.R. Henke

Der Algarve Cup im internationalen Frauenfußball ist nicht vergleichbar mit der nahenden Europameisterschaft 2013 in Schweden oder gar der in der Ferne liegenden Weltmeisterschaft 2015 in Kanada. Der Wettbewerb ist eher ein relativ unverbindliches Kräftemessen in der Winterpause zwischen den offiziellen nationalen Meisterschaften führender Nationen aus Nordamerika und Europa. Da wird auf internationaler Augenhöhe von den Trainerinnen und Trainern viel ausprobiert, es dürfen mehr Spielerinnen ein- und ausgewechselt werden als sonst üblicherweise die Statuten der bereits erwähnten Wettbewerbe der UEFA und FIFA erlauben.

XX. Algarve Cup – ausgestellt im Hotel Real Bellavista in Albufeira
© ghn
 
Dennoch findet ein facettenreicher kampfbetonter Wettbewerb statt. Dem Siegerteam winkt der international begehrte Algarve Cup. Der Autor Günter H. Niederl, Mitglied der Redaktionsgruppe „Free Media Sports“, war vor Ort.
 
Der Algarve Cup wurde erstmals im Gründungsjahr 1994 ausgetragen, zunächst von nur sechs Mannschaften. Die Teilnehmerinnen kamen aus jenen Ländern, in welchen attraktiver Frauenfußball zu jener Zeit am populärsten war, nämlich den Vereinigten Staaten von Amerika und Skandinavien. Was die Teilnahme über die Jahrzehnte anbelangt, so sind die Länder, die beim ersten Algarve Cup dabei waren, bis heute auch die beständigsten. Neben Gastgeber Portugal waren in zwanzig Jahren von Anbeginn an dabei immer die skandinavischen Frauenfußball-Hochburgen Schweden, Norwegen und Dänemark. Bis 2011 nahm auch Finnland ohne Unterbrechung teil. Die USA fehlten nur zweimal (1996 und 1997).

Das „US Women National Team“ hat den Algarve Cup insgesamt neun Mal gewonnen
© Federação Portuguesa de Futebol
 
Deutschland nahm zum ersten Mal im Jahr 2002 teil, seitdem insgesamt neun Mal (2002, 2005 bis 2010, 2012 und 2013). Zwischen 1995 und 2001 betrug die Teilnehmerzahl acht Nationen, seit 2002 erhöhte sich die Anzahl auf zwölf teilnehmende Länder (ausgenommen 2006, da waren es elf). Insgesamt haben in zwanzig Jahren neunundzwanzig verschiedene Länder am Algarve Cup teilgenommen. Dabei kamen die Teilnehmer aus Europa, Amerika, Asien und Australien. Ausgenommen Afrika waren somit alle Kontinente an der Algarve vertreten. Die übrigen Cup-Gewinner waren: Norwegen viermal, Schweden dreimal, China zweimal und Deutschland zweimal. Deutschland hatte letztes Jahr den Algarve Cup 2012 gewonnen und war somit der Titelverteidiger.
 
Hier die Teilnehmerländer beim Algarve Cup 2013:
 
Gruppe A: Deutschland, Japan, Norwegen und Dänemark.
Gruppe B: USA, Schweden, China und Island.
Gruppe C: Mexiko, Ungarn, Wales und Portugal.
 
Es ist wichtig zu wissen, dass nur die Gruppen A und B um den Titel spielen. Die Gruppe C mit schwächeren Teams spielt von vornherein um den 9. Platz. Anno 2013 fanden die Spiele in folgenden sieben Städten statt: Albufeira, Parchal, Ferreiras, VRS António, Lagos, Faro und Quarteira.

Landkarte der Algarve, Portugal
 
Der Algarve Cup 2013 wurde mit der Partie USA gegen Island am 06.03. um 14.00 Uhr im Estádio Municipal de Albufeira eröffnet. Schiedsrichterin war Fusako Kajiyama aus Japan. Und hier die Mannschaftsaufstellungen:
 
USA:
Jill Loyden (GK), Christie Rampone (DF), Kelley O’Hara (DF), Rachel Buehler (DF/C), Crystal Dunn (DF), Shannon Boxx (MF), Heather O’Reilly (MF), Carli Lloyd (MF), Lauren Cheney (MF), Alex Morgan (FW), Abby Wambach (FW). Trainer: Tom Sermanni.
 
Island:
Thóra B. Helgadóttir (GK), Sif Atladóttir (DF), Hallbera G. Gísladóttir (DF), Glódis P. Viggódóttir (DF), Hólmfriđur Magnúsdóttir (MF), Sara B. Gunnarsdóttir (MF/C), Fanndís Fridriksdóttir (MF), Dóra María Lárusdóttir (MF), Katrín Ómarsdóttir (MF), Dagný Brynjarsdóttir (MF), Harpa Thorsteinsdóttir (FW). Trainer: Sigurdur Ragnar ey Jolfsson.
 
Schiedsrichterin und Assistentinnen:
Fusalo Kajiyama (Japan), Allyson Flynn (Australien), Saori Takahashi (Japan) und Salome di Iorio (Argentinien).

Zweikampf zwischen US-Spielerin Lauren Cheney (12) und der Isländerin Dagný Brynjarsdóttir (14) in Albufeira (Por)
© ghn
 
In der ersten Viertelstunde spielten beide Teams munter nach vorn, ein Klassenunterschied war nicht erkennbar. Dann änderten die US-Amerikanerinnen ihre Taktik, indem sie versuchten, den Ball betont in den eigenen Reihen zu halten. Das blieb nicht ohne Wirkung. So ab der 25. Minute machte sich die Dominanz des Olympiasiegers zunehmend bemerkbar. Es passierte in der Folge, dass die Isländerinnen schon ab und an den Ball einfach nur noch wegschlugen. Die US-Amerikanerinnen kamen dann immer wieder über die Flügel, vor allem durch Heather O’Reilly. Doch die Pässe vor das gegnerische Tor kamen entweder zu ungenau, so dass die Mitspielerinnen im Zentrum die Bälle nicht verwerten konnten, oder die Isländerinnen störten rechtzeitig und erfolgreich. Nach einer halben Stunde hatte Abby Wambach zwei Torchancen, die sie aber vergab.

Dagný Brynjarsdóttir (14) im Duell mit Shannon Boxx, davor stehend Lauren Cheney (12)
© ghn
 
Die Isländerinnen verstärkten in der letzten Viertelstunde der 1. Halbzeit wieder ihre Aktivitäten nach vorn, insbesondere durch Dagný Brynjarsdóttir vom isländischen Klub Valur, doch im Strafraum blieben die Isländerinnen einfach zu harmlos. In den letzten Minuten vor dem Halbzeitpfiff liess bei den US-Amerikanerinnen die Konzentration nach, so vergab Abby Wambach eine Chance nach der anderen, während Alex Morgan schon des Öfteren alleine vor der Torhüterin Thóra B. Helgadóttir auftauchte. Crystal Dunn schlug die Bälle ohne Ziel unkontrolliert nach vorne, ohne jegliche Aussicht, dass je eine Mitspielerin die Bälle hätte erreichen können. Die immer dominanter spielenden US-Spielerinnen konnten ihre Überlegenheit nicht in Tore umsetzen. Dann kam der Halbzeitpfiff beim Stand von 0:0.

Island Women National Team Albufeira
© ghn
 
Das Spiel war überaus fair, so dass die Schiedsrichterin Fusako Kajiyama das Spiel absolut im Griff hatte. Die Schiedsrichter-Assistentinnen waren Saori Takahashi aus Japan, Salome di Iorio aus Argentinien und Allyson Flynn aus Australien.

Die Schiedsrichterinnen – von li.: Saori Takahashi, Salome di Iorio, Fusaka Kajiyama und Allyson Flynn
© ghn
 
Die US-Amerikanerinnen kamen besser aus der Kabine. In der dritten Minute schlug Lauren Cheney einen Eckball herein, die Abwehr von Island schaute zu und Rachel Buehler konnte relativ unbedrängt einen Kopfball im Netz von Thóra B. Helgadóttir versenken - 1:0 für die USA! Die Angriffe der Isländerinnen wurden immer seltener, blieben weiterhin wie gewohnt sehr harmlos. Es war nicht das Spiel von Alex Morgan, der einfach nichts zu gelingen schien. In der sechzehnten Minute war es wiederum ein Kopfball, der bei Island ins Tor ging - 2:0 durch Shannon Boxx. Die Chancen für die USA häuften sich, die Isländerinnen bauten dramatisch ab. So kam die bislang glücklose Abby Wambach in der 29. Minute zu ihrem Tor, als sie einen Abpraller ins leere Tor der Isländerinnen schoss. In der 35. Minute wären die Isländerinnen beinahe zu einem Ehrentreffer gekommen, als die eingewechselte Sandra María Jessen allein vor der US-Torhüterin Jill Loyden vergab. Endstand USA-Island: 3:0 (Gruppe B). Das zweite Spiel in Gruppe B: Schweden-China: 1:1
 
In der anschließenden Pressekonferenz fragte ich den US-Trainer Tom Sermanni, wie denn seine Maxime bei der Eingliederung junger Spielerinnen in die Stammelf sei. Er antwortete, dass er bislang vier junge Spielerinnen in den erweiterten Kader genommen hätte: Sidney Leroux (*1990) von den Boston Breakers, Kristie Mewis (*1991) vom FC Kansas City, Crystal Dunn (*1992) sowie Lindsey Horan (*1994) von Paris St. Germain (PSG). Meine Frage nach der Harmlosigkeit der isländischen Stürmerinnen beantwortete der nordeuropäische Trainer Sigurdur Ragnar ey Jolfsson damit, daß er in seinen Kader viele junge Spielerinnen aufgenommen hätte.

Emblem Algarve Cup
© Federação Portuguesa de Futebol
 
Vom anschließenden im Estádio Municipal de Albufeira stattfindenden eher qualitativ bescheidenen Spiel der Teams von Deutschland und Dänemark habe ich keine Bilder gemacht, da es begann, stark zu regnen. Das Ergebnis passte zum Wetter: Dänemark-Deutschland 0:0 (Gruppe A). Das zweite Spiel in Gruppe A: Japan-Norwegen: 0:2

Denmark Women National Team
© Federação Portuguesa de Futebol
 
Die Mannschaftsaufstellungen:
 
Dänemark:
Stina Lykke Petersen (GK), Line Røddik Hansen (DF/C), Line S. Jensen (DF), Theresa Nielsen (DF), Mariann G. Knudsen (MF), Julie Rydahl Bukh (MF), Nanna Christiansen (MF), Pernille M. Harder (MF), Katrine Veje (MF), Johanna Rasmussen (MF), Sofie Junge Pedersen (MF), Trainerin: Even Pellerud.
 
Deutschland:
Nadine Angerer (GK/C), Babett Peter (DF), Saskia Bartusiak (DF), Luisa Wensing (DF), Melanine Behringer (MF), Kim Kulig (MF), Linda Bresonik (MF), Verena Faißt (MF), Melanine Behringer (MF), Anja Mittag (FW), Dzsenifer Mározsan (FW), Trainerin: Silvia Neid.
 
Schiedsrichterin und Assistentinnen:
Efthalia Mitsi (Griechenland), Panagiota Koutsoumpou (Griechenland), Chrysoula Kourompylia (Griechenland) und Jana Adamkova (Tschechien).
 
Die Spiele der Gruppe C:
Portugal-Wales: 2:0 und Ungarn-Mexiko: 0:1
 
Das Wetter an der Algarve war dieses Jahr ziemlich feucht. Es regnete täglich mehr oder weniger lange. Die Vorbereitungen der Teams auf das Turnier fielen förmlich ins Wasser. Am Montag, dem 4., und Dienstag, dem 5. März, war es verregnet und windig. Wenn man aus dem kalten Norden an die Algarve kommt, staunt man nicht schlecht über Bäume mit reifen Zitronen, Orangen und Mandeln im März. Da mir am Mittwoch das Spiel der Deutschen wenig gefallen hatte, beschloss ich in Albufeira zu bleiben und mich auf das Spiel der US-Amerikanerinnen zu freuen.

Baum mit reifen Zitronen in Albufeira
© ghn
 
Freitag, 08. März, kurz vor 14 Uhr. Die Teams der USA und China laufen auf. Es regnete seit Mittag in Strömen, der Platz war kaum bespielbar, aber Schiedsrichterin Jana Adamkova aus Tschechien pfiff das Spiel pünktlich an. Hier die Mannschaftsaufstellungen:
 
China:
Zhang Yue (GK), Li Jiayue (DF), Wu Haiyan (DF), Zeng Ying (DF), Pu Wie (MF/C), Wang Chen (MF), Zhou Feifei (MF), Wang Lisi (MF), Ren Guixin (MF), Zhang Rui (FW), Li Ying (FW).
Trainer: Hao Wei.
 
USA:
Nicole Bernhart (GK), Rebecca Sauerbrunn (DF/C), Ali Krieger (DF), Whitney Engen (DF), Kristie Mewis (MF), Megan Rapinoe (MF), Yael Averbuch (MF), Tobin Heath (MF), Sidney Leroux (FW), Alex Morgan (FW), Christen Press (FW). Trainer: Tom Sermanni.
 
Schiedsrichterin und Assistentinnen:
Jana Adamkova (Tschechien), Lucie Ratajova (Tschechien), Adriana Secova (Tschechien)) und Esther Azzopardi (Malta).
 
Die Spielerinnen gaben sich redlich Mühe, trotzdem war es eher eine Wasserschlacht, bei der es spritzte, wenn der Ball auf den triefend nassen Rasen fiel. Die Chinesinnen hatten große Probleme bei diesen Verhältnissen zu spielen. Die US-Amerikanerinnen kamen mit dem Nass besser zurecht. In der 13. Minute spitzelte Sydney Leroux ihrer Gegenspielerin den Ball kurz vor der Mittellinie vom Fuß, lief mit dem Ball auf der linken Außenseite über das halbe Spielfeld schneller als die Chinesin auf das gegnerische Tor zu. Zwar waren mehrere Mitspielerinnen mitgelaufen, doch Sydney Leroux zog voll halbhoch ab ins lange Eck. Die chinesische Torhüterin Zhang Yue hatte das Nachsehen. 1:0 für die USA! Die Chinesinnen kamen mit dem nassen Rasen überhaupt nicht klar, so konnten Ali Krieger und Megan Rapinoe auf 2:0 / 3:0 bis zum Halbzeitpfiff erhöhen.


China Women National Team Albufeira
© ghn
 
In der zweiten Halbzeit ließ der Regen nach, aber der Rasen war dadurch nicht besser bespielbar. Das Wetter und das Spiel ,,plätscherten” so vor sich hin. Die Chinesinnen ließen sich von den US-Amerikanerinnen ,,einlullen” und fingen noch zwei Gegentore von Christen Press (4:0) und Whitney Engen (5:0) ein. Damit waren die Chinesinnen noch gut bedient. Alex Morgan hätte beinahe noch getroffen. Endergebnis: China-USA 0:5 (Gruppe B).

Sweden Women National Team Albufeira
© ghn
 
Beim zweiten Spiel im Estádio Municipal de Albufeira zwischen Island und Schweden regnete es zwar nicht mehr, aber der Rasen war insbesondere in der 1. Halbzeit noch ziemlich naß. Die Mannschaftsaufstellungen:
 
Island:
Thóra B. Helgadóttir (GK), Sif Atladóttir (DF), Hallbera G. Gísladóttir (DF), Rakel Hønnudóttir (DF), Edda Gardarsdóttir (DF), Katrin Jónsdóttir (DF/C), Sandra María Jessen (FW), Dóra María Lárusdóttir (MF), Katrín Ómarsdóttir (MF), Dagný Brynjarsdóttir (MF), Harpa Thorsteinsdóttir (FW), Trainer: Sigurdur Ragnar ey Jolfsson.
 
Schweden:
Kristin Hammarstrøm (GK), Emma Berglund (DF), Nilla Fischer (DF), Sara Thunebro (DF), Lina Nilsson (DF), Lisa Dahlkvist (MF), Antonia Gøransson (MF), Caroline Seger (MF), Marie Hammarstrøm (MF), Lotta Schelin (FW/C), Kosovare Asllani (FW), Trainerin: Pia Sundhage.
 
Schiedsrichterin und Assistentinnen:
Jesica Salome (Argentinien), Rossana Salinas (Paraguay), Monica Amboya (Ecuador) und Teodora Albon (Rumänien).
 
Die Begegnung der beiden Teams aus Skandinavien war völlig einseitig. Die Schwedinnen waren haushoch überlegen, machten aus dem Spiel ein Schützenfest. So stand es schon nach einer Viertelstunde 2:0 für Schweden: Kosovare Asllani (10. Min.) und Sara Thunebro (14. Min.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff fielen innerhalb von fünf Minuten noch weitere drei Tore: Lotta Schelin (42. Min.), Marie Hammarstrøm (45. Min.) und Kosovare Asllani (47. Min.). Nach dem Wiederanpfiff ging der Torreigen weiter mit der eingewechselten Susanne Moberg (64. Min. 0:6). Schließlich gelang den Isländerinnen kurz vor Schluß noch der Ehrentreffer durch die eingewechselte Hólmfriđur Magnúsdóttir (86. Min. 1:6). Endergebnis: Island-Schweden: 1:6 (Gruppe B).
 
Die Spiele der Gruppe A:
Deutschland-Japan 2:1 und Norwegen-Dänemark 0:0
 
Die Spiele der Gruppe C:
Mexiko -Wales: 0:1 und Portugal-Ungarn: 0:2
 
Am folgenden Wochenende hatten die Spielerinnen kein Match. Natürlich wurde wie jeden Tag trainiert, doch es gab auch viel freie Zeit, um die schöne Natur und die Städte an der Algarve zu erkunden.


Praia da Oura Albufeira
© ghn
 
Das Leben besteht aber nicht nur aus Fußball. Und es wäre m. E. unhöflich gegenüber dem Gastgeberland Portugal gewesen, wenn man sich nicht für das Leben der Menschen in diesem Land interessiert hätte. So waren in den letzten Wochen von den 11 Mio. Einwohnern gut 1,5 Mio. auf der Straße, um gegen die Verteilung des Reichtums von unten nach oben zu demonstrieren. Allein in der Hauptstadt Lissabon waren knapp 1 Mio. Menschen unterwegs, um ihren Unmut über die Politik der konservativen Regierung Ausdruck zu verleihen.
 
Mit „Merkel, nein!“ und „Raus hier!“ begleiteten große Teile der Bevölkerung in Lissabon den Besuch der deutschen Bundeskanzlerin, der von hohem Polizeiaufgebot begleitet wurde. Mir wurde von Einheimischen in Gesprächen erzählt, dass wegen der zunehmenden Armut durch die gesetzlich verordneten Einsparungen besonders Kinder Hunger leiden müssten.
 
Für den Algarve Cup der internationalen Frauenfußball-Nationen interessierten sich nur wenig Portugiesen. Die meisten Zuschauer kamen aus dem europäischen Ausland. Die meisten Fans waren mit den Mannschaften von Schweden, den USA und Deutschland angereist.

Fans des US WNT in Portugal
© ghn
 
Am Montag waren die letzten Gruppenspiele angesagt. Ich war nach Lagos gereist, weil ich dort Deutschland und die USA sehen wollte. Vor dem Spiel hatte es geregnet, aber beim Anpfiff schien die Sonne. Die Mannschaftsaufstellungen:
 
 
Deutschland:
Nadine Angerer (GK/C), Babett Peter (DF), Luisa Wensing (DF), Josephine Henning (DF), Leonie Maier (DF), Celia Okoyino da Mbabi (MF), Verena Faißt (MF), Viola Odebrecht (MF), Lena Gößling (MF), Anja Mittag (FW), Dzsenifer Mározsan (FW).
Trainerin: Silvia Neid.
 
Norwegen:
Ingrid Hjelmseth (GK), Marit F. Christensen (DF/C), Toril H. Akerhaugen, Ingrid Ryland (DF), Sofried A. Dahle (DF), Maren Mjelde (MF), Solveig Gulbrandsen (MF), Gry Tofte Ims (MF), Lene Mykjåland (MF), Melissa Bjanesøy (FW), Caroline G. Hansen (FW).
Trainerin: Even Pellerud.
 
Schiedsrichterin und Assistentinnen:
Salome di Iorio (Argentinien), Monica Amboya (Ecuador), Rossana Salinas (Paraguay) und Efthalia Mitsi (Griechenland).
 
Das Spiel der deutschen Mannschaft musste sich heute steigern, wollte sie den Titel erfolgreich verteidigen. Ein Unentschieden gegen Norwegen hätte nicht gereicht, weil beide Teams vor dem Spiel vier Punkte, aber Norwegen ein Tor mehr hatte. In der ersten Halbzeit sah es nicht nach einer Besserung aus, wieder eine Nullnummer.
 
Erwähnenswert ist noch der ,,Knockout” der jungen deutschen Verteidigerin Luisa Wensing, die im Zweikampf mit einer norwegischen Spielerin von deren Stollen an der linken Augenbraue getroffen wurde und genäht werden musste.

Luisa Wensing am Boden – sprichwörtlicher Knockout
© ghn
 
In der zweiten Hälfte der Partie machten die Norwegerinnen zunehmend Fehler, welche der deutschen Mannschaft zwei Tore ermöglichten: Okoyino da Mbabi (52. Min.) und die eingewechselte Nadine Kessler (87. Min.). Auch Nadine Kessler wurde in einem Zweikampf ziemlich hart getroffen. Es ist erwähnenswert, dass die norwegische Mannschaft nicht zwingend nach vorn gespielt hatte. Man konnte ein wenig den Eindruck gewinnen, dass es ihnen nicht auf einen Sieg angekommen war. Damit war die deutsche Mannschaft für das Endspiel in Faro qualifiziert, was die Spielerinnen nach dem Abpfiff vor der Tribüne zu recht gebührend feierten. Endergebnis: Deutschland-Norwegen: 2:0 (Gruppe A). Das zweite Spiel in Gruppe A: Dänemark-Japan: 0:2

Werbung für 1. FFC Turbine Potsdam – Meistertrainer Bernd Schröder war höchst persönlich angereist
© ghn
 
Mit Spannung wurde das Spiel USA - Schweden, den m. E. besten Teams, erwartet.
 
Die Mannschaftsaufstellungen:
 
Schweden:
Kristin Hammarstrøm (GK), Emma Berglund (DF), Nilla Fischer (DF), Sara Thunebro (DF), Lina Nilsson (DF), Lisa Dahlkvist (MF), Antonia Gøransson (MF), Caroline Seger (MF), Johanna Almgren (MF), Lotta Schelin (FW/C), Kosovare Asllani (FW), Trainerin: Pia Sundhage.
 
USA:
Ashlyn Harris (GK), Christie Rampone (DF/C), Kelley O’Hara (DF), Ali Krieger (DF), Rebecca Sauerbrunn (DF), Shannon Boxx (MF), Heather O’Reilly (MF), Megan Rapinoe (MF), Tobien Heath (MF), Alex Morgan (FW), Abby Wambach (FW), Trainer: Tom Sermanni.
 
Schiedsrichterin und Assistentinnen:
Fusalo Kajiyama (Japan), Allyson Flynn (Australien), Saori Takahashi (Japan) und Salome di Iorio (Argentinien).
 
Wie erwartet gingen die Schwedinnen gleich in den Angriff und konnten schon in der fünften Minute durch Lisa Dahlkvist mit 1:0 in Führung gehen. Die Schwedinnen mussten auf Sieg spielen, um ins Finale zu kommen. Bis zur Halbzeit konnte kein Team mehr etwas Zählbares herausholen. Die Schwedinnen gingen mit der Führung in die Halbzeit.

Sara Thunebro stoppt Heather O'Reilly
© ghn
 
Nach der Halbzeitpause veränderte sich Spiel. Die US-Amerikanerinnen gaben jetzt alles, man konnte sehen, dass sie unbedingt gewinnen wollten. Und wenn es darauf ankommt, dann ist Alex Morgan zur Stelle, so auch hier, als sie in der 56. Min. den 1:1 Ausgleich erzielte. Die Schwedinnen hatten wiederholt den Führungstreffer auf dem Fuß und verfehlten das US-amerikanische Tor nur um Zentimeter. Doch sie schafften es bis zum Abpfiff nicht, den Ball im Tor von Ashlyn Harris unterzubringen. Damit waren die USA im Finale. Endergebnis: Schweden-USA: 1:1 (Gruppe B). Das zweite Spiel in Gruppe B: China-Island: 1:0
 
Die Spiele der Gruppe C:
Portugal- Mexiko: 0:3 und Wales-Ungarn: 1:1


Portugal Women National Team
© Federação Portuguesa de Futebol
 
Am Dienstag trafen wir uns im Hotel Real Bellavista in Albufeira um 14.00 Uhr zu einer Presse-Konferenz für das bevorstehende Finale am Mittwoch zwischen Deutschland und den USA im Estádio Algarve in Faro. Die deutsche Delegation bestand aus Trainerin Silvia Neid und Nadine Angerer. Die US-amerikanische Abordnung waren Trainer Tom Sermanni und Alex Morgan, die ich nach der Pressekonferenz noch exklusiv fotografieren durfte. Das Lächeln von Alex Morgan ist ganz bezaubernd! (Anmerkung der Redaktion: Günter behielt das Foto für sich privat)


Presse-Konferenz vor dem Finale Deutschland gegen USA - von links: Nadine Angerer, Silvia Neid, Tom Sermanni, Alex Morgan
© ghn
 
Silvia Neid brachte deutlich zum Ausdruck, dass es der deutschen Mannschaft nicht in erster Linie um das Siegen ginge, sondern darum, dass sich die jungen Spielerinnen im Wettbewerb als Mannschaft finden sollten. Tom Sermanni sagte, dass er mit seinem Team zufrieden wäre und optimistisch auf das Finale blicken würde. Alex Morgan sah es genauso und freute sich schon sehr auf das Duell mit dem Titelverteidiger Deutschland.
 
Am Mittwoch, dem 13.3., war es dann so weit. Um 18.00 Uhr wurde das Finale im riesigen Algarve Stadion in Faro angepfiffen. Der deutschen Mannschaft konnte man das Bemühen ansehen, doch die Defensive der US-Amerikanerinnen ließ nicht viel zu. Umgekehrt wirkte insbesondere die deutsche Torhüterin Almuth Schult recht unsicher. In Kooperation mit Josephine Henning machten die beiden Spielerinnen folgenschwere Fehler, welche der US-Stürmerin Alex Morgan zugute kamen. Beide Szenen nutzte Morgan und erzielte in der 13. und 34. Min. das 1:0 und 2:0 für die USA.
 
War die erste Halbzeit ein gutes Fußballspiel, so ,,plätscherte” das Spiel in der zweiten Halbzeit eher vor sich hin. Die deutsche Mannschaft kam nicht zwingend vor das US-amerikanische Tor, Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) spielten auf Sicherheit und verteidigten erfolgreich den 2:0 Vorsprung. Nach 90 Minuten hieß der neue Algarve Cup Sieger Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
(PK)
 
Fotos
© ghn - Günter H. Niederl
© Federação Portuguesa de Futebol.
 
Bildbearbeitung:
Dietmar Tietzmann, Frankfurt am Main
 


Online-Flyer Nr. 398  vom 20.03.2013

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