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Medien
Hessischer Rundfunk - Altersdiskriminierung gegenüber Peter Zudeick
"Du bist 66."
Von Hanne Schweitzer

Tschüss, Peter Zudeick. Der Hessische Rundfunk grüßt herzlich. Aber Du passt uns nicht mehr so richtig als freier Mitarbeiter. Du bist 66. Das ist eine sachliche Klarstellung, weiter nichts, wir sind ja Öffentlich-Rechtlich. Und wir müssen sparen. Deshalb haben wir Deinen Wochenrückblick ja schon auf vier verschiedenen Sendeplätze abgenudelt, man könnte auch sagen, wir haben ihn dreimal wiederholt. Unentgeltlich, weißt Du ja. Noch billiger wird`s für uns, wenn wir ihn ganz streichen. Oder von Jüngeren machen lassen. Frische Stimmen an den Mikrofonen sind angesagt und die Holi hat nun mal Deine Daten. 1947 geboren Zudeick, das ist lange her, daran läßt sich nicht rütteln.

Peter Zudeick, 2008 im WDR
http://www.wdr.de
 
Du weißt, was beim NDR passiert ist, neulich als die Plattdeutsch-Redaktion jüngere Stimmen in der Sendung haben wollte. Zwei Mitarbeiter mussten aufhören. Da kannst Du doch froh sein, dass es nicht um Deine Stimme geht. Die ist in Ordnung Zudeick, ehrlich, aber neue Talente brauchen doch auch eine Chance, dagegen kann doch niemand etwas haben!
 
Zukunftfähigkeit nennen wir das, Zudeick. WIR haben schließlich die Verantwortung als öffentlich-rechtlicher Radiosender. Und wenn uns gesagt wird, dass Du 47 geboren bist, müssen wir daraus eine Konsequenz ziehen. Unsere Direktoren haben das letztes Jahr doch noch mal explizit gefordert.
 
Komm jetzt bloß nicht damit, dass deine Freisetzung eine Altersdiskriminierung wäre, das ist sie nämlich ganz und gar nicht, Zudeick. Schließlich ist es unser gutes Recht, "zweckmäßige und angemessene und zulässige sozialpolitische Anliegen" zu verfolgen. WIR sind ja nicht nur öffentlich, sondern auch rechtlich. Und rechtlich, das kommt von Recht, und das bedeutet, dass WIR haben die Programmautonomie haben, dass wir wissen, was Gleichheit vor dem Gesetz ist! WIR sind schließlich den Gebührenzahlern verantwortlich.

Ausstellung des britischen Künstlers Yika Shonibare MBE in Berlin, Friedrichswerdersche Kirche 2100. Zu sehen ist die Aufteilung Afrikas unter den Großmächten.
Foto: Hanne Schweitzer
 
Und wir kicken ja auch gar nicht alle raus, die in Deinem Alter sind, Zudeick, das weißt Du doch! Wenn wir der Meinung sind, jemand ist nicht zu alt, kann er ruhig weiterarbeiten. Da sind wir ganz entspannt. Deshalb stimmt es nicht, wenn Du überall rumerzählst, dass wir Altersdiskriminierung betreiben würden. So ein Unsinn.
 
Und jetzt willst Du Schadenersatz haben? Sag mal Zudeick, tickst Du nicht mehr sauber? Zudeick, Hallo! Aufwachen! WIR sind der Hessische Rundfunk. WIR haben Justitiare, WIR haben klare Vorstellungen von geeigneten Mitarbeitern. WIR bestimmen wo`s lang geht, nicht so ein freies Mitarbeiterlein wie Du. (PK)
 
Hinweis der Redaktion auf Peter Zudeick bei Wikipedia:

"Aufgewachsen in Solingen, begann Peter Zudeick seine berufliche Laufbahn zunächst als Polizist, bevor er ab 1967 Germanistik, Pädagogik, Philosophie und Theaterwissenschaften in Köln studierte. Nach dem Staatsexamen promovierte er in Philosophie mit einer Arbeit über Ernst Bloch.
1976 war Zudeick als Volontär beim Kölner Stadt-Anzeiger im Ressort Politik tätig. 1980 folgte sein Wechsel zum Rundfunk bei SWF 3 in Baden-Baden, wo er als Reporter und Moderator und ab 1982 als Korrespondent in Bonn arbeitete. Seit 1985 arbeitet er als freier Journalist und Korrespondent für mehrere Rundfunkanstalten (u. a. WDR, NDR, SWR, MDR, HR, RB) und Zeitungsredaktionen. Seit mehreren Jahren moderiert er in unregelmäßigen Abständen die Sendung Der Tag auf hr2-kultur. Arbeitsschwerpunkte sind heute politische Berichte, Kommentare, Analysen, Hintergründe, aber auch satirische Glossen wie sein Satirischer Wochenrückblick mit kommentierten Original-Aussprüchen aus Politikermund. Diese sind so populär, dass eine Auswahl auf CD veröffentlicht worden ist.
Peter Zudeick wird gelegentlich auch in den WDR Presseclub eingeladen.
In seinem Werk "Tschüss, ihr da oben" von 2009 kritisiert Zudeick Führungspersonen in Politik und Wirtschaft, die Agenda 2010 und zunehmende Verarmung in Deutschland. Unter Rückgriff auf Philosophen wie Platon und Karl Marx konstatiert er einen Gegensatz von Gerechtigkeit und Kapitalismus und empfiehlt eine neue außerparlamentarische Opposition gegen den Kapitalismus."(PK)
Die Autorin Hanne Schweitzer ist Verantwortliche für das Büro gegen Altersdiskriminierung in 50823 Köln, Piusstr. 15, Telefon/Fax: 0221/9345007 HanneSchweitzer@gmx.net, http://www.altersdiskriminierung.de, Link: zum Thema Zwangspensionierung mit 62 - ORF verliert Prozess, http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=5078
 


Online-Flyer Nr. 391  vom 30.01.2013

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