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Aktueller Online-Flyer vom 08. Dezember 2016  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
"Religiöser Sohn Israels" neuer US-Finanzminister
Von Evelyn Hecht-Galinski

Endlich hat die jüdisch-israelische Lobby wieder einen Grund zum jubeln. Wie schrieb die Allgemeine jüdische Wochenzeitung: "Noch kein religiöser Sohn Israels ist in der amerikanischen Regierung dermaßen hoch aufgestiegen". Jetzt frage ich mich: ist er nun ein Sohn Israels, dieser Jack Lew, oder aber ist der in New York geborene neue Finanzminister ein US-Bürger? Welche Interessen wird er wohl vertreten? Die des jüdischen Staates oder die eines US-Bürgers? Er, der zu dem einen Prozent der Super-Reichen gehört, ein ehemaliger Citigroup- Banker und religiöser Sohn Israels - was für eine Mischung!
 

Jacob Lew – jetzt Obamas Finanzminister
Quelle: wikipedia
Wird da die AIPAC nicht die Golan-Sektkorken knallen lassen? Endlich hat es ein religiöser Sohn Israels geschafft, nach dem Stabschef-Posten im Weißen Haus, nach all den vermeintlichen Niederlagen, die die Israel-Lobby einstecken musste. Chuck Hagel, den vorgeschlagenen neuen Verteidigungsminister von Obama, hatte man so bekämpft, aber ohne Erfolg, tritt dieser doch für eine Verhandlungsfortführung mit dem Iran ein, anstatt Israel freie Hand für einen Angriff zu geben, hat er doch schon gewagt, Israel nicht Honig ums Maul zu schmieren.
 
An diesen Beispielen sieht man die Macht und Chuzpe des so kleinen jüdischen Staates und seiner mächtigen Lobbyisten. Gibt es einen anderen Staat auf dieser Welt, der sich einmischt, wenn es darum geht, den Posten eines US-Verteidigungsministers zu besetzen? Auch an deutschen Kabinettstischen wollen sie mit sitzen und entscheiden, an wen Waffen verkauft werden dürfen. Saß die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch nicht am Telefon und wartete vergeblich darauf angerufen zu werden, um ihr Einverständnis zu geben, wer ein Bundesverdienstkreuz verliehen bekommt? Meinte sie nicht einem französischen Professor Wahlnachhilfe geben zu müssen, mit dem schönen Satz: "Sie wissen doch sicher wen sie zu wählen haben, Sarkozy ist gut für die Juden"!
 
Bin ich jetzt antisemitisch? Mitnichten! Ich zähle nur Fakten auf die "NICHT GUT FÜR JUDEN SIND"! Nach der unsäglichen Antisemitismusdebatte Augstein/Broder und dessen vergifteter "Entschuldigung", die alles nur verschlimmert, sollte eigentlich jedem halbwegs intelligenten deutschen Bürger klar sein, diese Art von Antisemitismus-Schelte ausgebrodert hat und in die Altpapiersammlung gehört. Warum ist sie nur hier in Deutschland so erfolgreich? Weil sie hier auf den philosemitsch fruchtbaren, mit Schuld beladenen Boden fällt, der immer wieder instrumentalisiert wird.
 
Dazu passt auch das Outing von SPD-Gabriel und dessen schrecklicher Beziehung mit einem schlagenden Nazi-Vater! Natürlich eine typisch deutsche Debatte. Gabriel ging schon als junger Mensch nach Auschwitz um dort Buße zu tun - sehr lobenswert! Aber darf er nun überhaupt keine Israel-Kritik mehr üben? Darf er jetzt seine Hebron-Aussagen - nach seiner Israelreise ja schon vehement von Präsident Graumann gerügt - erst recht nicht mehr wiederholen? Dieses Dilemma der "Nazi-Söhne", wie z.B. Gabriel, oder Huber (dem ehemaligen EKD Vorsitzenden) bekommen wir jetzt immer häufiger zu spüren, indem Israel Kritik immer mehr als Antisemitismus denunziert wird.
 
Neueste Variante: auch Präsident Graumann streitet jetzt mit Jakob Augstein über dessen Israel-Kritik. Graumann bezeichnet diese als "kaltherzig" - was für ein Ausdruck! Es kommt mir vor wie in Grimms/Graumanns Märchen, Israelische Politik ist kaltherzig, verletzt Völker- und Menschenrechte! Warum sich Augstein überhaupt noch gegen diese UNGERECHTFERTIGTEN Angriffe verteidigt, ist mir schleierhaft! Er hat recht: obsessiv ist er bestimmt nicht, wenn er in seinen über hundert Spiegel-Online-Kolumnen gerade einmal fünf zu Israel zum Thema hatte! Wenn Graumann Augstein angreift, mit dem Vorwurf, dass dieser das jüdische Trauma, dass alle Juden weltweit haben, nicht begreift, dann verallgemeinert er sein Trauma. Er sagt, wir werden uns nie wieder der Gefahr der Vernichtung aussetzen. So schön, so gut. Aber berechtigt dieses schwer behandlungsbedürftige Trauma wirklich, sich mit diesen psychopathischen Unterstellungen über alle Rechte hinwegzusetzen? Wie sagte mein Vater schon über Michel Friedman (Paolo Pinkel): er gehört auf die Couch! Ich frage mich, muss man nach diesen ständigen kranken Anschuldigungen gegen alle und alles, was israelische Politik oder Beschneidung kritisiert, nicht heute die erlaubte Frage stellen: gehören nicht traumatisierte jüdische Funktionäre und israelische Politiker auf die Couch?
 
Stand schon die ehemalige Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch voll hinter allen Äußerungen von Broder, wie sie es in einem DLF-Interview nach meinem Antisemitismus- Prozess mit Broder tat? So verteidigt Graumann auch wieder, wenn auch indirekter, diesen "Antisemiten-Jäger" Broder. Warum verteidigt er nicht seinen Vize Salomon Korn, oder geht auf die Angriffe des Vorsitzenden des Keren Hayesod und ehemaligen Broder-Anwalt Nathan Gelbart gegen Korn vor? Ja, schmutzige Debatten im Zentralrat und durch den Zentralrat machen auch vor Kollegen nicht halt. Gibt es nicht einen wunderbaren Spruch in Deutschland? "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich." Schließlich ist das die Broder-Sprache!
Ich verspreche hoch und heilig: genug gebrodert. Dieser "Rachmones (Mitleid) -Schreiber" ist bei Springer am richtigen Platz, aber sonst ziemlich allein auf der Nebbich-Achse!
 
Noch mal zurück zu der sogenannten Menschenrechtsorganisation WC Los Angeles. Deren Direktor für Internationale Beziehungen in Paris, Shimon Samuels, verteidigte in einem Tagesspiegel-Artikel vom 11. Januar erneut die Entscheidung, Augstein auf die Top Ten der Antisemitismusliste zu setzen. Er hatte sogar - und wieder muss ich es schreiben - die Unverschämtheit, einen zehn Punkte-Kodex für Journalisten zu entwerfen, was natürlich dazu dienen soll, Journalisten einzuschüchtern, wenn sie in Zukunft über Israel berichten oder kommentieren. Sieht man schon beim Broder-Nachfolger/Ersatz, als RBB Kommentator, namens Hajo Schumacher, heute freier Journalist, vormals Spiegel Online, der für die Morgenpost (Springer) einen Leitartikel schrieb und von den Piraten klare Aussagen forderte: „Wie haltet ihr es mit Israel?" Noch schlimmer sein Brief an die Piraten, in dem er die Piraten aufforderte: „Habt endlich mehr Mut zu pro Israel“. Pro Köln, pro Berlin, da wissen wir ja, worauf das hinausläuft, es kann einem nur schaudern! Diese Nachfolge ist passend geregelt, vom Regen in die Traufe! Den zehn-Punkte-Kodex für Journalisten möchte ich hier gern kommentieren:
 
1. Israel hat das Recht, nach den gleichen Maßstäben wie andere Staaten beurteilt zu werden. (Samuels)
1. Es ist unser aller Pflicht, Israel nach den gleichen Maßstäben, die wir bei anderen Staaten anlegen, zu beurteilen und nicht mit den "besonders warmherzigen Philosemitismus- Maßstäben"! (Hecht-Galinski)
 
2. Debatten über die Politik Israels sind legitim, sofern sie sich auf derselben Ebene wie die Kritik an der Außen- oder Innenpolitik aller anderen Staaten. (Samuels)
2. Debatten werden sofort von der Israel-Lobby delegitimiert, wenn sie sich auf derselben Ebene wie die Kritik an der Außen- oder Innenpolitik anderer Staaten orientieren. Das muss sich ändern. (Hecht-Galinski)
 
3. Die Bürger Israels und die jüdischen Minderheiten auf der Welt tragen einzeln und als Gruppe dieselben Rechte und Pflichten wie alle anderen ethnischen, religiösen oder nationalen Gemeinschaften. (Samuels)
3. Die Bürger Israels und die jüdischen Minderheiten auf der Welt tragen einzeln und als Gruppe dieselben Rechte und Pflichten wie alle anderen ethnischen, religiösen oder nationalen Gemeinschaften, d.h. dass man als jüdischer Staat Land nicht besetzen und rauben darf, ohne dafür zur Verantwortung gezogen oder kritisiert werden. Oder wenn man sich aus religiösen Gründen mit Erpressungsversuchen das Recht z.B. auf Beschneidung, de facto Körperverletzung bei Minderjährigen, Wehrlosen einklagen lässt, verstößt man von Staats wegen gegen das Grundgesetz. (Hecht-Galinski)
 
4. Kritik an Israel und an jüdischen Gemeinschaften schließt bewusst aus, dass in bösartiger Absicht Parallelen zum Holocaust gezogen werden und antisemitische Stereotype verwendet werden, zum Beispiel Gottesmord, Blutanklage, die Protokolle der Weisen von Zion, Weltherrschaft, Verschwörungstheorien, das Bild des jüdischen Wucherers. (Samuels)
4. Ein abstruser Paragraph. Welcher ernstzunehmende Journalist befasst sich mit diesen Anschuldigungen? Es gibt wahrlich genug zu schreiben, um die israelische rassistisch/faschistische Politik anzuprangern, was aber zunehmend - siehe die Antisemitismusdebatte - unmöglich gemacht werden soll. Das WC Los Angeles scheint zu vergessen, wer denn immer wieder den Holocaust für die eigenen Zwecke instrumentalisiert! Verschwörungstheorien kommen zunehmend von bestimmten interessierten Kreisen, die von der tatsächlichen israelischen Unrechtspolitik ablenken wollen. Dazu gehören auch Statements von israelischen Politikern den Palästinensern die Shoah an den Hals zu wünschen oder nicht genehme Politiker mit Hitler zu vergleichen etc. (Hecht-Galinski)
 
5. Wenn Medien Boykottdrohungen gegen Israel unterstützen, entspricht das dem Tatbestand der Diskriminierung und verletzt den Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit. (Samuels)
5. Boykottaufrufe gegen den Apartheid-Staat Israel sind ein wichtiges und wirksames Mittel um das System Israel zu verändern, siehe auch Südafrika. Darf nur der jüdische Staat zum Boykott aufrufen, z.B. gegen Iran oder Syrien? Diskriminierung findet statt, wenn alle palästinensischen Bürger nicht dieselben Rechte haben wie sie jedem jüdischen israelischen Bürger zugestanden werden. (Hecht-Galinski)
 
6. Medien die Antisemitismus verbreiten, befördern auch andere Formen der Diskriminierung (aufgrund von Nationalität, Ethnie, Glauben und Geschlecht). (Samuels)
6. Da durch das WC Los Angeles und andere Israel-Vertreter die Antisemitismus-Auslegung immer mehr auseinanderdriftet, wird auch das immer schwieriger gemacht für Journalisten, und Diskriminierungen gibt es in der "einzigen Demokratie" im Nahen Osten wahrlich genug: Rassismus, Besatzung und vieles andere - begehren nicht gerade jetzt wieder jüdische Frauen auf, um gleiche Rechte beim Beten oder in öffentlichen Verkehrsmitteln wie die Männer zu erreichen? (Hecht-Galinski)
 
7. Juden sind oft ein taktisches Ziel für jene, denen es darum geht, die Demokratie insgesamt zu diskreditieren. Simon Wiesenthal sagte dazu: "Was mit den Juden beginnt, hört niemals mit ihnen auf". (Samuels)
7. Simon Wiesenthal hat sehr viel Übertriebenes gesagt, wie man auch sehr gut in der Segev Biografie nachlesen kann und er übertrieb gern, auch in seinem Nazi-Jäger-Fieber. Er wurde schon längst entzaubert; schon mein Vater hielt sich immer fern von ihm und wollte nichts mit ihm zu tun haben. Taktische Ziele sind heute unter anderem die Israel-kritischen Journalisten! (Hecht-Galinski)
 
8. Journalisten sind verantwortlich für das, was sie schreiben. Wer Hass und Gewalt anstachelt, trägt seine Mitschuld. (Samuels)
8. Wie wahr! Hass und Gewalt stacheln gewisse Listen an, die in unerträglicher Art und Weise unbescholtene Menschen willkürlich verunglimpfen, und gewisse Israel-Versteher, die diese Hass-Listen noch unterstützen! Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig! (Hecht-Galinski)
 
9. Wer willentlich und absichtlich den Staat Israel delegitimiert, muss damit rechnen, öffentlich zur Rechenschaft gezogen oder gar verklagt zu werden. (Samuels)
9. Wer willentlich und absichtlich die Untaten und Verbrechen des israelischen Regimes beschönigt und damit das israelische Regime "schön schreibt" und damit der wahrheitsgemäßen Berichterstattung und der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht nachkommt, sollte seinen Posten verlieren und angeklagt werden! (Hecht-Galinski)
 
10. Das Internet verstärkt den Einfluss von Schmähungen. Es schafft Anknüpfungspunkte dafür, dass immer neuer Hass entsteht. Das muss Journalisten besonders bewusst sein. (Samuels)
10. Gäbe es das Internet nicht, würden viele Menschenrechtsverletzungen unentdeckt bleiben und könnten, da durch Mainstream Medien nicht zugänglich, für immer ungesühnt bleiben. Und bedient nicht gerade auch die israelische Hasbara (Propaganda) mit sehr vielen Hetz-Blogs die Internet-Gemeinde, teilweise sogar von israelischen Ministerien und Organisationen finanziell unterstützt? Sollte diese Tatsache nicht allen, nicht nur Journalisten bewusst sein? (Hecht-Galinski)
 
Haben wir es nicht satt, alle zu Antisemiten gemacht zu werden, sind wir es nicht leid, ständig von neuen Einfällen der Israel-Versteher überrascht zu werden? Wir brauchen keine Schmäh-Listen, was wir brauchen sind Hit-Listen von mutigen und unbestechlichen Journalisten und Intellektuellen. Dank an Jakob Augstein und Günter Grass! (PK)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1186 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Mann Benjamin Hecht lebt.



Online-Flyer Nr. 389  vom 16.01.2013

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