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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Lokales
Solidaritätsveranstaltung für griechische Kollegen im Kölner DGB-Haus
Das Leben nach dem sozialen Bankrott
Von Klaus Fischer

Die griechische Gesellschaft ist mit aktiver EU-Hilfe in nur drei Jahren aller sozialen Errungenschaften beraubt und um Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Während die dünne reiche Oberschicht massenhaft Gelder aus dem Land zieht, wird die Masse der Bevölkerung auf das Lebensniveau eines Entwicklungslandes herabgedrückt. Das wurde sehr drastisch auf einer Veranstaltung vom "Kölner Solidaritäts-Komitee-Griechenland" in enger Zusammenarbeit mit der IG Metall-Verwaltungsstelle Köln-Leverkusen im DGB-Haus deutlich.
 
Der Referent, BR-Kollege Manfred Grzegorzic, berichtete berichtete lebendig von seinen Eindrücken als Teilnehmer einer Gewerkschafterdelegation, die sich vom15. bis 22. September in Griechenland bei den Kolleg/innen vor Ort über die aktuelle soziale Situation informierte.
 
Vertragsrecht gegenüber den Gewerkschaften abgeschafft
 
Nach seinen Informationen betrifft die soziale Verwüstung alle Bereiche: Das bürgerliche Vertragsrecht gegenüber den Gewerkschaften wurde abgeschafft! So kann nun nach den beschlossenen "Reformen" der Arbeitgeberverband alle geschlossenen Tarifverträge durch einseitige Willenserklärung einfach für unwirksam erklären. So etwas kannten die Griechen bisher nur unter der Militärdiktatur in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der
Mindestlohn wurde auf 586 Euro reduziert! Das Arbeitslosengeld beträgt 322 Euro (für 2 Jahre).
 
Bei Massenentlassungen war bisher ein vorheriges Gesprächsangebot an die
Gewerkschaften gesetzlich vorgeschrieben. Auch wurde abgeschafft! So kommt es im ganzen Land nun zu Massenentlassungen, ohne dass die Gewerkschaften zuvor überhaupt informiert werden.
 
Gesundheitssystem abgeschafft
 
Nachdem die Krankenkassen offiziell im Herbst ihren Bankrott erklärt hatten, sind dringend benötigte Medikamente zur Mangelware geworden. Der Kollege berichtete, dass sie mit einer entlassenen Oberschwester zur Apotheke "einkaufen" gingen und diese ihnen berichtete, dass sie noch vor 2 Jahren niemals geglaubt hätte, dass sie mitten in Europa mit gesammelten Spendengeldern Medikamente für todkranke Menschen besorgen müsste.
 
Er berichtete auch von einem ehemaligen Berliner Busfahrer, der noch vor zwei Jahren in Berlin ca. 2000 Euro verdient hätte und nun die gleiche Arbeit unter schlechteren Bedingungen in Athen für 480 Euro verrichtet, wovon er auch noch Steuern abzuführen hätte.
 
Nachdenklich meinte der Referent, dass sie auf ihrer Reise viele griechische Gewerkschaftskollegen vor Ort kennengelernt hätten, die noch unter Schockwirkung standen. Die griechischen Kollegen schilderten ihre Lage und wunderten sich selbst darüber, wie in nur drei Jahren mitten in Europa derartige Zustände möglich wurden.
 
Löhne und Renten gesenkt
 
Es kam bisher zu Lohnsenkungen von 30 bis 50 %, die Renten wurden um 15% gesenkt! Jugendliche unter 26 Jahren sind zu 60% arbeitslos! Eine massive Auswanderungswelle besonders qualifizierter Menschen hat begonnen und die Suizidrate ist sprunghaft angestiegen. Überall beginnen die Menschen nun Netzwerke und Selbsthilfegruppen aufzubauen. Ganze Krankenhausbelegschaften arbeiten inzwischen trotz Schließungen weiter und sind dringend auf Spenden der Bevölkerung angewiesen. Über 40 Betriebe sind mittlerweile aus Notwehr von den Belegschaften in Eigenregie übernommen worden, und die Kollegen arbeiten einfach ohne Bezahlung weiter.
 
Die aus Griechenland zurückgekehrten Kollegen wurden immer wieder darum gebeten, zu berichten, was in dem Land mit Hilfe der EU angerichtet werde. Solidarität sei bitter nötig, wurde immer wieder betont.
 
Betrieb besetzt und übernommen
 
Im zweiten Teil der Veranstaltung zeigte das "Solidaritäts-Komitee-Griechenland" einen kurzen Film über die Kollegen von VIOMET (Viomichaniki Metalleftiki), einem Betrieb in der Nähe von Thessaloniki, der Partnerstadt von Köln. Seit einigen Monaten hat das Kölner Komitee zu den Viomet-Kollegen vor Ort Kontakte entwickelt und unterstützt die Belegschaft ideell und materiell. Die griechischen Kollegen besetzten ihren Betrieb vor 18 Monaten, nachdem die Geschäftsleitung zuvor alle Gelder aus dem gut gehenden Werk rausgeholt hatte und es platt machen wollte. In einer "Solidaritätskarawane" zogen die Kollegen durch Nordgriechenland und machten diesen Skandal öffentlich.
 
Sie beschlossen nach einigen Monaten auf einer Vollversammlung die Weiterführung des Betriebes in Eigenregie und erarbeiteten einen eigenen Finanzierungsvorschlag sowie einen künftigen Produktionsplan, den sie dem zuständigen Athener Ministerium überreichten. Die Experten des Wirtschafts- und Finanzministeriums waren überrascht und bewerteten die Planungen zunächst sehr positiv. Allerdings stellte sich heraus, dass weder in der griechischen noch in der EU-Gesetzgebung ein Betrieb ohne eigene Geschäftsleitung vorgesehen war. Daraufhin erarbeiteten die Kollegen mit gewerkschaftlicher Hilfe einen rechtlichen Rahmen, der auf der argentinischen Gesetzgebung beruht und nun dem Ministerium vorliegt.
 
Doch das Ministerium reagiert seit Monaten nicht mehr, und so haben die Kollegen jetzt gezwungenermaßen die Produktion in Eigenregie wieder aufgenommen, da sie nicht mehr von eingehenden Spenden leben können und vom Hunger bedroht sind.
 
Solidarität und Spenden notwendig
 
Das Kölner Komitee hat eine kleine Broschüre über diese Belegschaft erstellt und vertreibt diese derzeit zu einem Solidaritätspreis. Die Einnahmen kommen der Belegschaft zugute.
Spenden sind möglich über das Solidaritätskonto der Gewerkschafterdelegation:
Manfred Klingele-Pape, Kontonummer 1211 478 910, Hamburger Sparkasse (BLZ 200 505 50), Verwendungszweck Viomet. (PK)


Einen früheren NRhZ-Bericht über das GSKK finden Sie hier:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18118
 
Kontakte zum "Griechenland-Solidarität-Komitee Köln" über
manfred.48@gmx.net
mailto:manfred.48@gmx.net
und
koustas@gmx.net
mailto:koustas@gmx.net
 
 
 
 


Online-Flyer Nr. 384  vom 12.12.2012

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