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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Sport
Trotz 4:2 Niederlage bestes FFC-Spiel, Werkselfen auf Augenhöhe mit „Turbienen“
Großes Kino in Wolfsburg
Von Bernd J.R. Henke und Johann Blaha

Nach verpatztem Saisonstart ist für die international profilierte Frauenfußball-Marke 1.FFC Frankfurt der letzte verbliebene Wettbewerb der Kampf um die deutsche Meisterschaft. Nach dem Aus im Pokal gegen die Frauen des FC Bayern München durch ein glückloses Elfmeterschießen lag am neunten Spieltag beim gastgebenden Verein VfL Wolfsburg der Fokus der Frankfurterinnen auf dem Titelgewinn. Es war im Vorjahr kein Zuckerschlecken für die arrivierten Frankfurter Nationalspielerinnen gewesen, als der allzeit über zehn Jahre überragende Star - der weibliche Leitwolf - die mehrmalige Weltfußballerin Birgit Prinz, sich überraschend aus der heimischen Umgebung verabschiedete. 

Alexandra Krieger (FFC) im Zweikampf mit Martina Müller (VfL)
Foto: Jan Kuppert
 
Seitdem laboriert der routinierte Verein in der hessischen Finanzmetropole an seinem Nimbus siegreicher Tage. Als die Frauen aus der Autostadt Wolfsburg in der letzten Meisterschaft an den Rivalinnen vom Main vorbeizogen, gleichzeitig den Frankfurterinnen durch eine schmerzliche Niederlage die diesjährige Champions League Qualifikation vermasselten, deutete der immer selbstbewusst auftretende VfL Wolfsburg seinen Anspruch an, sportlich und finanziell durch einen Global Player gesichert, die anspruchsvolle Nachfolge der wirtschaftlich geschwächten Duisburger Löwinnen sowie der taktisch unter Potential trainierten Edeltruppe vom Main in der Rolle des Trendsetters zu übernehmen.
 
Übrig blieb für die ambitionierten Hessinnen der undankbare dritte Platz in einer vitalisierten Bundesliga einer hoffnungsvollen WM-Nachsaison, da dem ostdeutschen Rivalen 1. FFC Turbine Potsdam wiederum gelang, mit seiner erfolgreichen Mannschaft, trotz personeller Querelen mit den zu Saisonende ausscheidenden Leistungsträgerinnen, die Spielserie auf hohem Niveau zu beenden. Es war rückwirkend gesehen, wie Turbine Potsdams oberster Kommandeur Bernd Schröder selbst darlegte, seine wohl nervigste Saison innerhalb seiner vierzigjährigen Trainerlaufbahn. Schröder errang aller Widrigkeiten zum Trotz mit seinen „Turbienen“ die vierte Meisterschaft in Reihenfolge - eine sensationell kaum wieder erreichbare sportliche Serie eines Trainerlebens.

Nationalspielerin Simone Laudehr wechselte vom FCR 01 Duisburg zum 1. FFC Frankfurt, im Hintergrund FFC-Vereinsvorsitzender Bodo Adler
Foto: A2 Bildagentur
 
Bedingt durch eine meist ablösefrei genutzte offensive Transferpolitik von 1. FFC Frankfurt und VfL Wolfsburg waren zu Saisonbeginn nach einem WM-Hype-Folgejahr zwei neu strukturierte Blockvarianten innerhalb des langzeitorientierten Kaders der deutschen Nationalmannschaft entstanden. So richtig klar wurde die Neuformierung, als der grün-weiße Block aus der prosperierenden Autostadt mit dem schwarzen Block aus der europäischen Bankenmetropole ins transatlantische Heimatland der mit amerikanischen Patriotismus umjubelten viermaligen Olympiagold-Gewinnerinnen (2000, 2004, 2008, 2012) reiste. Unter der zuverlässigen Regie von Bundestrainerin Silvia Neid spielten die niedersächsisch-hessischen Nationalspielerinnen gegen die USA in zwei ausgesprochen sehenswerten Treffen zweimal Unentschieden. (wir berichteten)
 
Vom „gesamtdeutschen Meister“ und brandenburgischen Vorzeigeverein Turbine Potsdam war in dem vom DFB nominierten Reisekader statistisch gesehen keine Spielerin zur USA-Reise eingeladen worden. Trotzdem genossen die Länderspiele bei den eingefleischten Potsdamer Fans eine hohe Aufmerksamkeit. Mit Peter, Schmidt, Odebrecht, Mittag und auch Torfrau Angerer konnten bezeichnenderweise fünf ehemalige Turbine-Nationalspielerinnen die lehrreiche Reise über den großen Teich antreten. Das deutsche Sprichwort - der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - sollte neu definiert werden.

Saisonbeginn am Brentanobad, Vorstellung der neuen Spielerinnen: von links: Simone Laudehr, Sandrine Bretigny, Babett Peter, Jessica Wich, Bianca Schmidt
Foto: Dietmar Tietzmann
 
In der Champions League erreichten die Wolfsburger Nationalspielerinnen trotz ihrem Jetlag problemlos das Viertelfinale der Champions League, Potsdam scheiterte erst nach erbitterter Gegenwehr im Achtelfinale gegen Arsenal LFC. In beiden Highlight-Duellen gegen die Londoner „Lady Gunners“ standen in Schröders Team acht international anerkannte Nationalspielerinnen aus fünf Nationen. Der in Afrika weilende Star Genoveva Anonma erhöht die einer Weltauswahl zur Ehre gereichten Zahl der Nationen auf sechs. Turbine Potsdams Zeit als „Talente legende Henne“ für eine „Eier suchende“ Bundestrainerin gehört der Vergangenheit an. Potsdams „Küken“ sind ausgeschlüpft.
 
Erzrivale 1. FFC Frankfurt hatte im Frühjahr seine schicksalhafte Mini-Chance zu einer Wiederkehr auf europäischem Parkett im UEFA Champions League Finale im Münchner Olympiastadion gegen Titelträger Olympique Lyonnais féminine mit falscher Taktik vertan. Ein Finalsieg wäre die „Last-Minute-Qualifikation“ gewesen. Vor einer respektablen Rekordkulisse von 50.212 Zuschauer hatte der 1. FFC Frankfurt in einer Momentaufnahme unter weiß-blauer Maiensonne nach vier Jahren Abstinenz wieder den Gipfel des europäischen Frauenfußballs erklommen, um gleichzeitig leidvoll zu erleben, in der femininen Fußballwelt einen kritischen Wendepunkt nach unten erreicht zu haben. Nicht Frankfurt verzauberte die Massen, die Krone der Königsklasse fiel an perfekt aufgestellte, taktisch überlegener und moderner spielende Französinnen aus der wohlhabenden Rhône-Alpes Metropole.

Großes Kino im Münchner Olympiastadion. Manager Dietrich im Gespräch mit UEFA-Präsident Michel Platini – am Ende verlor der 1. FFC Frankfurt das Finale und die letzte Chance zur Champions League
Foto: A2 Bildagentur
 
Frankfurt verlor endgültig seine glanzvolle europäische Dominanz sowie erstmals die Berechtigung für das europäische Parkett. Viel erreicht, aber nichts gewonnen – mit diesem bitteren Fazit beendete der Rekordmeister vom Main die vergangene Saison. Eine mehr als zehn Jahre dauernde Hegemonie des Rekordmeisters ging zu Ende. Der hohe Selbstanspruch seitens der Vereinsführung samt verwöhntem wirtschaftlichem Umfeld erzeugte naturgemäß Reaktionen auf den vermeintlichen Niedergang. Der Plan der hungrigen Vereinsführung sah deshalb Monate vor Saisonende vor, dass nur mit einer qualitativen Erweiterung und einem Umbau des Kaders die Rückkehr in die Führungselite des europäischen Frauenfußballs zu bewerkstelligen sei.
 
Die Vereinsführung war sichtlich überzeugt, dass sie mit spektakulären Neuverpflichtungen der Potsdamer Nationalspielerinnen Babett Peter und Bianca Schmidt sowie der Duisburgerin Simone Laudehr personell alles Notwendige geleistet habe, um Trainer Sven Kahlert ein erstklassig ausgestattetes Team zur Hand zu geben. Nicht ohne Kalkül war dabei die Schwächung durch den personellen Aderlass der Seitenhieb auf den Erzrivalen Turbine Potsdam, da auch mit Viola Odebrecht eine weitere wichtige Schlüsselspielerin an den gutbetuchten niedersächsischen „Betriebssportverein“ verlor.


Fatmire Bajramaj und Kim Kulig – zwei enttäuschte Nationalspielerinnen nach dem UEFA Champions League-Finale
Foto: A2 Bildagentur
 
Der mittlerweile beurlaubte Frankfurter Trainer Sven Kahlert betonte noch Ende August vor Journalisten und Vereinsführung über den Dächern der Bankenmetropole, dass er sehr wohl die Verantwortung sehe, die er mit diesem erstklassig ausgestatteten Team zukünftig zu tragen hätte. „Das Erreichen der Ziele wird sicherlich kein Selbstläufer sein, da mit Wolfsburg und Potsdam auch zwei weitere Teams im Rennen um die Meistertrophäe alles in die Waagschale werfen werden. Aber wir schauen auf uns und wenn wir in jedem Spiel das Maximale an Leistung investieren, können wir am Ende in beiden Wettbewerben ganz oben stehen“, so der vorsichtig mahnende Kahlert
 
Für die Saison 2012/13 erhoffte sich die Vereinsführung aus der Mainmetropole in Folge der personellen Verstärkungen und gleichzeitiger Schwächung des Turbine-Kaders alles zu gewinnen, was man gewinnen kann – Meisterschaft, Pokal und Champions League. Neben drei deutschen Nationalspielerinnen verpflichtete der 1. FFC Frankfurt mit der Französin Sandrine Brétigny eine starke Mittelstürmerin, die in elf Jahren sagenhafte 185 Tore für Olympique Lyon erzielte, und mit Jessica Wich eine vielseitige junge Stürmerin mit Champions League Erfahrung. Ebensoviele Bundesliga-Trainer und -ManagerInnen hatten beim Frauenbundesliga Kick-off am zentralen Ort des DFB in der Otto-Fleck-Schneise fast einhellig den 1. FFC Frankfurt als den Verein ausgemacht, der in dieser Saison die besten Voraussetzungen – das größte spielerische Potential – für den Titelgewinn mitbringen würde.

Nationaltorfrau Nadine Angerer, FFC Mannschaftssprecherin, im Dialog mit dem Manager beim Saisonauftakt
Foto: Dietmar Tietzmann
 
Auch der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, immer wieder regelmäßiger Gast im Stadion am Brentanobad, vermerkte mit Bewunderung: „In Frankfurt tummelt sich mehr als die halbe Nationalmannschaft. Der FFC ist für mich der erste Titelanwärter. Ich denke, dass das diesmal wieder klappen wird.“ Klaus-Peter Müller, Aufsichtsrat des Titelsponsors Commerzbank AG, stellte seine anspruchsvollen Erwartungen nicht hintenan: „Nachdem der FFC im letzten Jahr nur knapp in zwei Finals gescheitert ist, sollte es mit dieser erfolgsorientierten Truppe wieder mit einem Titelgewinn klappen, am liebsten mit der Meisterschaft.“
 
Mit stolzer Attitüde postulierte Vereinsvorsitzender Bodo Adler vor siebzig Medienvertretern und Gästen anlässlich der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz: „Mit dieser Mannschaft kann man in der Meisterschaft kein anderes Ziel haben – wir wollen, müssen und werden den Titel gewinnen.“ Im 49. Stock des Frankfurter Commerzbank-Towers waren dies erstaunlich starke Worte, die die Erwartungen und den vermeintlichen Selbstanspruch noch deutlicher steigerte als in den Jahren zuvor. Doch die Saison fing für den 1. FFC Frankfurt genauso an, wie die letzte Saison geendet hatte.

Zsanett Jakabfi (VfL) im Zweikampf mit Saskia Bartusiak (FFC)
Foto: Jan Kuppert
 
Dem glücklosen Frankfurter Trainer Kahlert gelang es mit seinen Trainingsstunden nicht, das erhoffte notwendige Niveau für die Titeleroberung zu erreichen. Um aus dem extrem individualistisch geprägten Spielerkader über Nacht eine homogene Mannschaft zu formen, fehlte in der Traineransprache die klare Feinjustierung, die den kleinen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Platz ausmachen würde. Die goldenen Fußballregeln, dass talentiert auch stets die Anderen seien, am Ende der Wille entscheidet, es auf die zielorientierte Charaktereigenschaft der gesamten Mannschaft ankommt, das geriet bei aller Vorfreude im Wunschkonzert der Euphorie in Vergessenheit.
 
Nach einem knappen Sieg gegen Außenseiter Jena, verlor man am zweiten Spieltag mit 1:3 gegen den erneuten Außenseiter Essen. Der Verein trennte sich vom Trainer, der immerhin den FFC noch im Frühjahr in zwei Finalrunden gebracht hatte, ein Plan B existierte nicht. Die frustrierte und ehrgeizige Vereinsführung engagierte keinen externen Nachfolger, sondern verzögerte durch eine intern gewählte Lösung mit dem dreiunddreißigjährigen Athletiktrainer Dahm die große Chance für einen totalen Umbruch und Neuanfang im Arbeitsverhältnis zwischen Trainer und Mannschaft. „Wer nicht in der Lage ist zu leiden, der wird auch nichts schaffen“, gilt als Mantra vieler erfolgsorientierter Fußballtrainer im Männerbereich. Ob das in Frankfurt helfen würde, bleibt offen.

Conny Pohlers (VfL) im Zweikampf mit Alexandra Krieger (FFC)
Foto: Jan Kuppert
 
Nicht ohne Grund verließen Spielerinnen die Potsdamer Phalanx. Das dreimalige harte Training pro Tag ist anderswo weniger und stressfreier. Den FFC Nationalspielerinnen eine spürbar dominantere Trainerpersönlichkeit vor die Nase zu setzen, eine Trainerfigur zu verpflichten, die sich auch einmal den Luxus leisten würde, emotionalen Druck aufzubauen, wie zu Zeiten von Monika Staab, die nicht nur die fürsorgliche Andacht zu ihrem Repertoire zählte, dafür sah der verantwortliche Manager keinen Handlungsbedarf. Seitdem gilt jedes Bundesligaspiel als Bewährungsprobe für eine hochkarätige Mannschaft und gleichzeitig als Nagelprobe für den jungen Interimstrainer Philipp Dahm.
 
Dass der nicht kampflos aufgab, dass die Frankfurterinnen ihre Krise beenden wollten, das war im Highlight, dem bisherigen zweiten Mega-Spiel der Saison augenscheinlich zu beobachten. Ob dies aber als Voraussetzung ausreichte, um dem selbstbewussten nach oben strebenden VfL Wolfsburg zu Hause drei wichtige “Big Points“ abzujagen, war die Kernfrage, als beide Mannschaften vor 1500 Zuschauern und unter den Augen der Nationalmannschaft Co-Trainerin Ulrike Ballweg in Bestbesetzung mit Einlaufkindern durch das Stadiontunnel ins Stadion am Elsterweg herein gelaufen kamen. Um es klar zustellen, die lange in Hamburg lebende Ulrike Ballweg war nicht vor Ort wegen einer „launischen, nicht erschienenen“ Bundestrainerin Silvia Neid, die Co-Trainerin pflegt schon seit langem zu beidseitigem Vorteil und Ergänzung eine plausible Nord-Süd-Arbeitsteilung mit der Bundestrainerin.

Torfreude des 1.FFC Frankfurt beim 1:0 gegen den VfL Wolfsburg
Foto: Jan Kuppert
 
Die Sportöffentlichkeit war gespannt, inwieweit der Herausforderer VfL Wolfsburg der anfänglich immer druckvoll vorgebrachten Spielweise des siebenfachen deutschen Meisters Frankfurt Paroli bieten konnte. Die hoch motivierten Frankfurterinnen starteten mit einem Traumstart. Nicht die heimischen Wolfsburgerinnen gingen nach einhundertundachtzig Sekunden in Führung, sondern die ehrgeizigen Frankfurterinnen. Nach einem sensationell präzis geschlagenen Freistoß von Dzenifer Marozsán auf den Kopf von Kim Kulig, die wiederum blitzschnell in den Fünfmeterraum verlängerte, erwischte Bianca Schmidt die Kugel am schnellsten, köpfte mit Effet in Richtung Wolfsburgs Tor, wobei der Ball von Luisa Wensing unhaltbar abgefälscht wurde. Eigentor – laut Schiedsrichterbericht.
 
Die 1:0 Führung für die Gäste war die Gegentreffer-Premiere für Alisa Vetterlein in der neuen Saison. Wolfsburg sah sich nach bisher lupenreiner Weste einem Rückstand hinterherlaufen. Da ist es oft die Frage, wie man mit Rückständen umgeht. Das war den „Wölfinnen” in dieser Saison noch nicht vorgekommen und dann auch noch in einem Spitzenspiel. Doch die Mannschaft zeigte keine Nerven, setzte sofort ihr gutes Zusammenspiel weiter um. Es entstand kein Schockzustand, sondern Wolfsburgs Devise lautete: Vollgas geben. Ohne Umschweife sorgten die Grün-Weißen für energische Gegenangriffe. Ein Schuss von Nadine Keßler (6.) hob über die Querlatte, auch Viola Odebrecht ließ Frankfurts Abwehr zittern (7.), dazwischen die Frankfurter Konter von Kim Kulig (8.) und wieder die torhungrige Conny Pohlers (9.) –  alle scheiterten jeweils an den heraus laufenden Torfrauen.

Die Ungarin Zsanett Jakabfi (VfL) am Ball, daneben Viola Odebrecht (VfL), im Hintergrund Simone Laudehr (FFC)
Foto: Jan Kuppert
 
Pohlers Angriff wurde zusätzlich gestört durch ein Elfmeter-reifes Foul der hereingrätschenden Japanerin Saki Kumagei. Zum Glück für Frankfurt wurde es nicht geahndet. VfL-Trainer Ralf Kellermann überraschte die Hessinnen mit exzellenten Rochaden seiner Stürmerinnen. Die Ungarin Zsanett Jakabfi besetzte er mit der Ex-Frankfurterin Conny Pohlers in der Mitte, während er Martina Müller zu Anfang als offensive Linksaußen positionierte. Es war der Tag der beidfüßigen Zsanett Jakabfi, die sowohl Linksaußen, von Rechts und im Elfmeterraum auftauchte. Ein langer Ball aus der Wolfsburger Hälfte von Luisa Wensing erreichte die vorwärts stürmende Anna Blässe auf Höhe der 30-Metermarke. Durch ein missglücktes Abwehrmanöver von Saki Kumagei rollte der touchierte Ball in die freie Mitte.
 
Als Martina Müller sich mit Schnelligkeit von der behäbig wirkenden US-Amerikanerin Alexandra Krieger löste, den Ball in letzter Sekunde erwischte, stand sie plötzlich unerreicht von Krieger und Bartusiak allein vor Frankfurts Torfrau Angerer (11.). Mit Bedacht schoss die 32jährige Müller zum verdienten 1:1 Ausgleich ein. Ein grandioser Schlagabtausch folgte. Beide Mannschaften kämpften um jeden Meter. Ein gefährlicher Freistoß von Dzenifer Marozsán rauschte knapp am Tor (17.) vorbei. Nadine Keßler rettete mit einer Grätsche den Ball von der Torlinie (19.). Typisch für den weiteren Verlauf war, dass auf Frankfurts rechter Seite Alexandra Krieger nicht ins Spiel fand, sie war dem schnellen Antritt der jungen Ungarin nicht gewachsen war. Besonders deutlich wurde die Abwehrschwäche Frankfurts, als sich Jakabfi, von Marina Müller geschickt, auf Links bis in den Strafraum durchtankte, nachdem die Amerikanerin Krieger den Zweikampf schon im Mittelfeld vertändelt hatte und hinterher trabte.

Ausgleich durch Martina Müller, auf dem Boden liegend Nadine Angerer, im Hintergrund Conny Pohlers
Foto: Jan Kuppert
 
Aus vollem Lauf und spitzem Winkel vollendete (29.) die Ungarin zur 2:1 Führung an Torfrau Angerers kurze Ecke vorbei ins lange Eck. Die regen Grün-Weißen schienen im Selbstvertrauen ungemein gestärkt, da sie endlich gegen eine Spitzenmannschaft einen frühen Rückstand in eine glückliche Führung gewendet hatten. Die spannende wechselseitig ausgeglichene Partie sorgte unter den 1500 Zuschauer im Stadion am Elsterweg für eine freudige Stimmung. Ex-Nationalspielerin Kerstin Garefrekes, diesmal von Frankfurts Trainer Dahm auf die linke Seite positioniert, wurde in einer Konterphase des FFC mustergültig von Kim Kulig angespielt, dass sie ungehindert einen entscheidenden Steilpass auf Sandrine Bretigny zauberte, die wiederum Wolfsburgs Josephine Henning überspielte und frei vor dem Tor der herausspringenden Torfrau Alisa Vetterlein mit einem geschickten Lupfer zum 2:2 ins lange Eck keine Chance (35.) ließ. Sechs Minuten später hatte Saskia Bartusiak eine große Chance, mit Frankfurt erneut in Führung zu gehen, doch Torfrau Vetterlein (41.) rettete zur Freude der Wolfsburger Fans mit toller Parade.
 
Die Hoffnung auf Frankfurts Trainerbank, diesmal drei Männer auf Plastikstühlen direkt am Spielfeldrand, dauerte nur drei Minuten. Aus dem direkten Gegenstoß der Niedersachsen entwickelte sich neuerliche Unbill. Ausgangspunkt im Mittelfeld war Conny Pohlers, die wie so oft über die linke Seite Zsanett Jakabfi anspielte, die schnell den Ball weiter zu Viola Odebrecht beförderte. Odebrecht passte zurück auf Martina Müller, die im Fünfmeterraum das runde Leder gegen zwei Frankfurterinnen abschirmte. Ihren Pass auf die heran jagende Nadine Kessler verwandelte Wolfsburgs Kapitänin unter großem Beifall unhaltbar für Nationaltorhüterin Nadine Angerer zur 3:2 Führung (44.). In der Nachspielzeit konterte noch einmal der 1. FFC Frankfurt, doch die Aktion der glänzend frei gespielten Sandrine Bretigny wurde durch Linienrichterin als Abseits gewertet. Durch den Pausenpfiff endete eine unglaublich packende erste Halbzeit – ohne Zweifel war dies die beste Werbung für Frauenfußball, enttäuschend war die Zuschauerzahl. Grund: für das Wolfsburger Zuschauerpotential stand am selben Nachmittag zeitversetzt ein Heimspiel der Männer auf der Agenda.

Torfrau Alisa Vetterlein – beste Spielerin auf dem Platz, neben Zsanett Jakabfi und Dzsenifer Marozsan
Foto: Jan Kuppert
 
Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann kommentierte später in einer Pressekonferenz vor fast leeren Stühlen, die meisten regionalen und überregionalen Journalisten waren für beide Bundesligaspiele akkreditiert: „In der ersten Halbzeit haben alle Zuschauer ein sensationelles Spiel gesehen, das war tolle Werbung für den Frauenfußball. Besonders beeindruckt hat mich, dass mein Team nach dem frühen Gegentor nicht in einen Schockzustand verfallen ist, sondern den Kopf hoch genommen und Vollgas gegeben hat. Wir haben ein enorm hohes Tempo gespielt. Außerdem freut es mich, dass die taktischen Überlegungen zum Tragen gekommen sind; es ist schön für das Trainerteam, wenn die Spielerinnen die Ideen umsetzen.“
 
Frankfurts Trainer Philipp Dahm veränderte zur zweiten Halbzeit die Mannschaftsausstellung. Dabei handelte der junge Trainer insoweit ungeschickt, dass er die an diesem Tag zwar langsam wirkende, aber im Spielaufbau erfahrene Amerikanerin Alexandra Krieger ganz herausnahm. Die Einwechselung von Stürmerin Svenja Huth ergab keinen Sinn, denn die Ex-Potsdamerin Bianca Schmidt übernahm die Bewachung der Ungarin und verminderte deren Aktionsradius. Die pfeilschnelle Ungarin Zsanett Jakabfi war der Liebling der Zuschauer, denn die Mehrheit der Aktionen ging über die Zweiundzwanzigjährige, die ein Tor erzielte und an der Entstehung von zwei weiteren beteiligt war.

VfL-Trainer Ralf Kellermann spricht mit Nationalspielerin Verena Faißt
Foto: Jan Kuppert
 
Frankfurt musste kommen, nahm in der Tat nach Wiederbeginn das Heft in die Hand. Als die sehr aktive Dzsenifer Marozsán kurz nach Wiederanpfiff einen Schuss abfeuerte, (51.) musste Wolfsburgs Torfrau Alisa Vetterlein erneut ihre ganze Klasse aufweisen, um den Ausgleich zu verhindern. Den scharf geschossenen Schuss lenkte Vetterlein mit der Faust über die Latte. Trainer Dahm beendete das Experiment mit Dzsenifer Marozsán im defensiven Mittelfeld und Simone Laudehr als hängende Spitze, beide kehrten in ihre gewohnten Positionen zurück. Die gefährlichen Standards von Marozsán liefen weiter, denn Vetterlein hatte trotzdem zwei gefährliche Marozsán Distanzschüsse zu parieren. 
 
Der VfL Wolfsburg lauerte auf Konter, das enorm hohe Tempo und der Druck der ersten Halbzeit war von beiden Mannschaften nicht durchzuhalten. Jetzt versuchte Frankfurt alles nach vorne zu werfen, um den Ausgleich zu erzielen. In der 65. Minute stand die an diesem Tag gut aufgelegte Wolfsburger Torhüterin wieder im Mittelpunkt des Geschehens, als sie nach einer präzisen Marozsán-Flanke den entscheidenden Tick vor der einschussbereiten Wich an den Ball kam. Erst nach siebenundsechzig Minuten brach Jakabfi wieder auf der linken Seite durch, konnte für ihre scharfe Flanke allerdings keine Abnehmerin finden. In engen Zweikämpfen in Folge rieben sich beide Mannschaften auf, erfolglos in der vielbeinigen Abwehr des Gegners nach der entscheidenden Lücke suchend.

Interimstrainerbank mit Manager Dietrich: „Wir hatten das 3:2 auf dem Kopf, kassierten stattdessen den dritten Gegentreffer. Nach dieser Niederlage gegen eine sehr dynamische Wolfsburger Mannschaft tun die vorher unnötig liegen gelassenen Punkte noch mehr weh."
Foto: Jan Kuppert
 
Für die größte Gefahr durch Frankfurt sorgte Dzsenifer Marozsán, die Alisa Vetterlein immer wieder zu starken Paraden zwang. Einen hart getretenen Freistoß der Frankfurter Spielmacherin boxte Vetterlein mit starkem Reflex über das Tor (78.). Mit Alexandra Popp für Conny Pohlers ging es in die Schlussminuten. Längst hatte sich das gesamte Spiel vor das Wolfsburger Tor verlagert. Allerdings brachte dem drängenden 1. FFC Frankfurt das optische Übergewicht wenig. Zu geschlossen standen dafür in der grün-weißen Defensive die Reihen. Nochmals prüfte Marozsán Torfrau Vetterlein, die souverän parierte.
 
Der sichtlich enttäuschte Trainer Philipp Dahm kommentierte das Spitzenspiel: „Beide Teams haben sicherlich guten Fußball gezeigt. Wir haben allerdings nicht alles das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. In der ersten Viertelstunde sind wir nicht entschlossen genug in die Zweikämpfe gegangen und haben Wolfsburg damit gezeigt, dass für sie etwas geht. Wir hätten das 3:2 machen können, kassierten aber selbst das 2:3. Gegen eine so starke Mannschaft wie Wolfsburg ist es dann sehr schwer, einen wiederholten Rückstand auszugleichen.“

VfL Wolfsburg feiert Tor zum 3:2 durch Nadine Keßler. Manager Siegfried Dietrich: „Wir müssen den bisherigen positiven Trend in die nächsten Begegnungen mitnehmen, um dann in der Rückrunde mit Siegen in den entscheidenden Partien den Rückstand aufzuholen.“
Foto: Jan Kuppert
 
Nach Torchancen gerechnet war das Spiel absolut ausgeglichen, ein Unentschieden lag durchaus in der Luft. Wolfsburg verlegte sich im weiteren Spielverlauf vermehrt auf Konter, die immer wieder über die laufstarke Jakabfi vorgetragen wurden. In der 88. Minute retteten Nadine Angerer und Saki Kumagai gemeinsam auf der Linie, dann – in der Nachspielzeit – führte ein weiterer Gegenstoß von Jakabfi zum erlösenden Tor für den vom FFC Frankfurt hart bedrängten VfL Wolfsburg
 
Der letzte Angriff vom VfL Wolfsburg entstand nach einem Fehlpass von Svenja Huth. Mit einem wunderschönen langen Ball von Josephine Henning aus der eigenen Hälfte auf die schnelle Jakabfi, deren traumhafter Querpass von Alexandra Popp erreicht wurde, die nur noch den Fuß hinhalten musste, um zum 4:2 Endergebnis einzuschieben.
 
„Jakabfi ist die schnellste Spielerin der Bundesliga. Wenn sie Freiräume bekommt, ist sie kaum zu stoppen“, meinte VfL Trainer Ralf Kellermann, der den Sieg seiner Elf als hart erkämpft, aber verdient bezeichnete. Und Kellermann weiter: „Unter dem Strich haben wir einen riesigen Schritt gemacht, insbesondere für unseren Kopf. Wir können nicht nur gegen die vermeintlich schwächeren Gegner gewinnen, sondern bezwingen auch ein Topteam wie Frankfurt, das speziell bei Standards heute immer gefährlich war. Insgesamt haben wir dieses Spiel verdient gewonnen.“ (PK)
 
Mannschaftsaufstellung                                                                                                                    VfL Wolfsburg vs.1.FFC Frankfurt am 9. Spieltag der 1. Bundesliga 2012/2013:
 
VfL Wolfsburg:
Alisa Vetterlein - Luisa Wensing, Josephine Henning, Lena Goeßling, Verena Faißt - Anna Blässe, Nadine Keßler, Viola Odebrecht, Zsanett Jakabfi - Conny Pohlers (79 Alexandra Popp), Martina Müller (86 Hartmann)
Trainer: Ralf Kellermann
 
1. FFC Frankfurt:
Nadine Angerer – Alexandra Krieger (46 Svenja Huth), Saskia Bartusiak, Saki Kumagai, Babett Peter – Bianca Schmidt, Kim Kulig, Simone Laudehr, Kerstin Garefrekes – Dzsenifer Marozsán – Sandrine Bretigny (55 Jessica Wich)                                                                      
Trainer: Philipp Dahm

Tore: 0-1 Luisa Wensing (Eigentor, 3), 1-1 Martina Müller (10), 2-1 Zsanett Jakabfi (29) , 2-2 Sandrine Bretigny (35), 3-2 Nadine Keßler (44), 4-2 Alexandra Popp (90 + 3) 
Zuschauer: 1.493
Schiedsrichterin: Christina Biehl (Schwollen)

Stefanie Mirlach – Verteidigerin der 1. FFC Turbine – schoss Tor gegen Bayer 04 Leverkusen
Foto: Jan Kuppert
 
Ein weiterer Meisterschaftsfavorit, der im November beim niedersächsischen Tagessieger VfL Wolfsburg antreten wird, die Brandenburgerinnen des 1.FFC Turbine Potsdam, bestritten ihr Auswärtsspiel gegen Bayer 04 Leverkusen schon vormittags. Als Wolfsburgs Stadionsprecher das Ergebnis durchgab, bestand bei den Fans in der Autostadt Anlass zur Freude. Titelrivale Turbine Potsdam hatte dem Ergebnis nach nur mit sehr viel Mühe seine drei Punkte gewinnen können. Wie wir später von Kollegen und dem Pressedienst erfuhren, hatte Turbine Potsdam Federn lassen müssen, zu stark waren die Beanspruchungen in den Englischen Wochen mit dem Hemmschuh eine sehr dünnen Personaldecke.
 
Zu allem Übel war bei den Brandenburgerinnen kurzfristig Patricia Hanebeck ausgefallen. „Stark erkämpfte drei Punkte und wieder war die japanische Weltmeisterin Yuki Ogimi mit zwei Toren Matchwinnerin und Zünglein an der Waage“, berichteten die Kollegen vor Ort. Das bedeutete Ausbau der Führung von Ogimi in der Torschützenliste, Ogimis Siegestore zum 4:2 (2:2) Sieg über Bayer 04 Leverkusen fielen in der 81. und 89. Minute. Potsdam hatte wohl wieder sein kämpferisches fußballerisches Mantra ausgelebt. „Fußballspielen heißt Spiele gewinnen, auch wenn es nicht so gut läuft, aber nach hinten heraus die Kondition und Konzentration haben, am Ende noch eine Schippe drauf zu legen“, vermerkte einmal ein italienischer Erfolgstrainer in der Bundesliga der Männer.
 
Leverkusens Trainer Thomas Obliers wirkte nach dem Spiel sogar enttäuscht, dabei hatte er eigentlich keinen Grund dazu. Die Werkselfen hatten sich einen spannenden Schlagabtausch in gleichwertiger Qualität mit dem Deutschen Meister geliefert. „Heute haben wir gezeigt, dass die Niederlage letzte Woche ein Ausrutscher war und wir gegen die Großen der Liga läuferisch und spielerisch mithalten können. Wir hatten die klareren Chancen. Wenn wir die nutzen, dann gewinnen wir sogar. Nach dieser Leistung brauche ich mir eigentlich keine Sorgen für die Zukunft zu machen. Daran müssen wir im nächsten Spiel anknüpfen“, erklärte Obliers.

Isabel Kerschowski – Mannschaftsführerin von Bayer 04 Leverkusen. Sie spielte in der Saison zuvor noch beim 1.FFC Turbine Potsdam
Foto: Jan Kuppert
 
Die quirlige schussstarke Isabel Kerschowski, noch letztes Jahr am Olympiastützpunkt auf dem Trainingsrasen des Potsdamer Luftschiffhafens zu finden, empfing die ehemaligen Kameradinnen mit einem besonderen Geschenk. Die privat handwerklich begabte Isabel Kerschowski hämmerte ein frühes Führungstor für Leverkusen ins feinfühlige Potsdamer Nervengebäude. Nach einem von Marith Prießen vorgelegten Freistoss zog sie den Ball aus achtzehn Metern an der Potsdamer Mauer (14.) vorbei meisterhaft ins linke untere Eck.
 
Es dauerte einige Minuten bis die Potsdamerinnen sich vom Schock über den Rückstand erholt hatten und überhaupt in der Lage waren, zurück zu schlagen. So wenig Differenz lag zwischen der Leistung der Werkselfen zum deutschen Meister in den Anfangsminuten. Allein der Schwedin Antonia Göransson war es mit einer feinen Einzelleistung (26.) zu danken, dass Potsdam den Ausgleich schaffte. Göransson überspielte die gegnerische Hintermannschaft und zirkelte den Ball handwerklich sauber von halblinks aus zehn Meter zum 1:1 ins lange rechte Eck. Die Schottin Lisa Evans sorgte für Furore, als kurz nach einem ins Aus abgewehrten Freistoss ihr folgender Eckball von rechts von der Ex-Münchnerin Stefanie Mirlach aufgenommen (28.) und zur Potsdamer 2:1 Führung verwertet wurde.
 
Die „Turbienen“ bekamen größere Spielanteile. Eine große Chance vergab Yuki Ogimi, als sie (33.) einen Freistoss handwerklich präzis an die Querlatte klopfte. Drei Minuten später schwebte ein als Flanke gedachter Ball von der Leverkusenerin Isabelle Linden (36.) genau unter die Querlatte des Potsdamer Gehäuses von Alyssa Naeher ins Tor zum verdienten 2:2 Ausgleich für die Werkselfen. Nach einer Ecke für Leverkusen nagelte Bayers Eunice Beckmann das runde Leder (41.) knapp am Pfosten vorbei. Nach dem Seitenwechsel wurden beide Teams offensiv.

Potsdams Neuerwerbung Sara Doorsoun, die sich schon jetzt in die Herzen der Zuschauer gespielt hat
Foto: Jan Kuppert
 
Bayer, die Mannschaft aus dem Keller der Bundesliga bisher ohne Sieg, witterte eine Chance gegen die vom Champions League-Betrieb gestressten Potsdamerinnen. Eunice Beckmann tauchte frei vor dem Tor auf, zielte aber zu ungenau (46.). Auch Isabelle Linden, Turid Knaak und Kathrin Hendrich vergaben weitere Großchancen aus bester Position. Potsdams Torfrau, die US-Amerikanerin Alyssa Naeher rettete mit einer Glanzparade (65.) das Unentschieden für Turbine. Bayer 04 Leverkusen, der dank dem Fiasko beim Hamburger SV dem Abstieg entronnene Fastabsteiger der letzten Saison (wir berichteten), hielt läuferisch, konditionell und spielerisch mit.
 
Potsdam schien zu resignieren. Yuki Ogimis genial gedrechselter Freistoss von der Strafraumgrenze (81.) unter Berührung der Querlattenunterkante und einem nachrangigen Abtropfen auf die Torlinie war Anlass zur Debatte. Eine Leverkusenerin köpfte den Ball zurück ins Feld. Schiedsrichterin Kathrin Heimann wertete die Aktion als Tor. Das halbe Torgeschenk befreite Turbine Potsdam von seiner schweren Nervenqual gegen den aufmüpfigen Tabellenvorletzten, der nicht aufgab und kämpferisch bis zum Ende Paroli bot.
 
Ein zweites Geschenk der Schiedsrichterin folgte, nachdem Stefanie Mirlach per Kopf das Leder nach einem Zuspiel (88.) von Ogimi über das Bayer-Gehäuse gesetzt hatte. Die schwedische Nationalspielerin Antonia Göransson wurde im Strafraum gestoppt – die Schiedsrichterin entwickelte sich offensichtlich zur zwölften Frau Potsdams: sie zeigte zum Leidwesen der Leverkusener Fans auf den Elfmeterpunkt. Weltmeisterin und Turbine-Chefin Yuki Ogimi übernahm die Verantwortung und hobelte den Elfmeterball halbhoch rechts zwischen den Pfosten zum 4:2-Schlussergebnis.
 
Der Vorletzte Leverkusen hatte dem Zweiten Potsdam die Grenzen aufgezeigt, die Siege von Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg beendeten für den 1.FFC Frankfurt die wochenlange Tabellenspitze in der Frauenbundesliga. Turbine Potsdam heißt momentan der alte und neue Tabellenführer. Durch die irrwitzigen Spiele und Tabelle verzerrenden Nachholspiele am Mittwoch kann sich alles noch ändern. Wunder gibt es immer wieder – ja natürlich, durch die Zeitdispositionen der Ligawächter bedingt sind kleine Unübersichtlichkeiten immer spürbar. Der von Woche zu Woche merkliche Zuschauerschwund ist die Quittung. (PK)
 
Fotobearbeitung: Dietmar Tietzmann, Frankfurt
 
Mannschaftsaufstellung                                                                                                                  Bayer 04 Leverkusen vs. 1.FFC Turbine Potsdam am 9. Spieltag der 1. Bundesliga 2012/2013:

Bayer 04 Leverkusen:
Anna Klink – Isabel Kerschowski, Marith Prießen, Marisa Ewers, Susanne Kasperczyk – Kathrin Hendrich, Claudia Götte – Audrey Knopp (39 Francesa Weber), Turid Knaak, Eunice Beckmann (83 Lisa Schwab) – Isabelle Linden

1. FFC Turbine Potsdam: Alyssa Naeher – Heleen Jaques, Stefanie Draws, Alexandra Singer – Sara Doorsoun, Stefanie Mirlach, Keelin Winters, Jennifer Cramer – Lisa Evans, Yuki Ogimi, Antonia Göransson

Tore: 1-0 Isabel Kerschowski (15), 1-1 Antonia Göransson (26), 1-2 Stefanie Mirlach (28),    2-2 Isabelle Linden (36), 2-3 Yuki Ogimi (81), 2-4 Yuki Ogimi (89, Foulelfmeter)
Zuschauer: 257
Schiedsrichterin: Kathrin Heimann (Gladbeck)
 


Online-Flyer Nr. 381  vom 21.11.2012

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