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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Sport
UEFA Women´s Champions League Achtelfinale-Hinspiele
Siege von Arsenal und Wolfsburg
Von Bernd J.R. Henke und Johann Blaha

Ein rettendes „Last-Minute-Tor“ der Japanerin Yuki Ogimi sorgte im Londoner Meadow Park (90.) für einen aus deutscher Sicht minimalen Rückstand der Potsdamer Turbinen-Gäste vor dem alles entscheidenden Rückspiel im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion. Keine der beiden favorisierten Meistermannschaften, die englischen Arsenal „Gunners“ oder die „Turbienen“ des 1. FFC Turbine Potsdam, schieden jemals auf europäischer Ebene in einem Achtelfinale aus. Nur in dieser Saison wird das k.o.-System eines der beiden Spitzenteams zum ersten Mal vorzeitig vor dem Viertelfinale im Achtelfinale zum Ausscheiden zwingen.

Jubel der Ungarin Zsanett Jakabfi – Wolfsburgs Linksverteidigerin mit Offensivdrang
Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Seit Gründung des europäischen UEFA-Wettbewerbes gewannen die begehrte Königsklasse ausschließlich Vereine aus Deutschland oder Schweden, bevor im Jahre 2007 das Team der Arsenal Ladies FC den früheren UEFA Women´s Cup ein einziges Mal nach England holte. Die Londoner Fußballerinnen errangen im selben Jahr ebenfalls die nationale Meisterschaft. Da sie auf dem Gipfel des Erfolgsjahres zusätzlich englische Pokalmeisterinnen wurden, zeitgleich auch den englischen Ligapokal gewannen, schafften die Arsenal Ladies anno 2007 nicht nur einen „Triple“, sondern einen „Quadruple“.
 
Spätestens seit dem britischen 1:0 Siegestor der 24-jährigen Steph Houghton (Arsenal LFC) gegen Brasilien bei den Olympischen Spielen 2012 im Heimatland, dem Gruppensieg vor Brasilien, dem Erreichen des Viertelfinales auf Augenhöhe mit Schweden und Frankreich als dritte Kraft in Europa, steht der britische Frauenfußball im Zentrum des Weltfußballs. Gegen Turbine Potsdam standen mit Alex Scott, Stephanie Houghton, Ellen White, Kelly Smith, Rachel Yankey und Kim Little immerhin sechs „Arsenal Ladies“ auf dem Platz, die im Olympiakader die Gruppenspiele und das verlorene 0:2 Viertelfinal-Spiel gegen den späteren Bronzemedaillen-Gewinner Kanada bestritten.

Weltmeisterin Yuki Ogimi – sie schoss das Potsdamer „Befreiungstor“ von London, (Archiv) Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Turbine Potsdam erwarteten auf der Insel selbstbewusste „Lady Gunners“. Unter den Augen der britischen Staatssekretärin für Kultur, Medien und Sport, Maria Miller, Großbritanniens Nationaltrainerin Hope Powell sowie zahlreichen Arsenal Premier League Topspielern, gewannen die favorisierten Arsenal Ladies in der aktuellen Begegnung gegen Potsdam knapp mit 2:1 Toren. Laut Statistik war dies in der UEFA Women´s Champions League (UWCL) der erste Sieg für eine englische Frauenmannschaft gegen einen deutschen Verein. Eine fühlbare Demoralisierung des deutschen Meisters mittels eines Zweitore-Vorsprungs gelang den favorisierten Engländerinnen nicht.
 
Dank Yuki Ogimis grandios heraus gespielten Gegentores genügt dem deutschen Meister Turbine Potsdam im kommenden Rückspiel im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion ein knappes 1:0, um die ambitionierten Engländerinnen aus dem Rennen zu werfen. Der Pokalfight in sieben Tagen bedeutet nun einen Kampf um „Alles oder Nichts.“ Drei klare Torchancen, eine 100-prozentige von Patricia Hanebeck (38.) in der ersten Hälfte und zwei gefährliche Aktionen nach der Pause durch die olympische Silbermedaillen-Gewinnerin Ogimi, konnte Potsdam im Hinspiel nicht in Tore ummünzen. Ein weiteres Manko: die Bundesliga-Torschützenkönigin Genoveva Anonma fehlte.

Torjubel beim zweiten Tor von Arsenal LFC: Steph Houghton (2) gratuliert der Torschützin Ellen White, daneben Keelin Winters (Turbine)
Foto: Arsenal
 
Sie gastiert in diesen Wochen als Kapitänin der Nationalmannschaft von Äquatorial-Guinea in der südlichen Hemisphäre beim Afrika-Cup. Im Spiel gegen die Demokratische Republik Kongo schoss sie drei von sechs Toren ihres Teams. Als sich die neben der Japanerin Ogimi aufgestellte zweite Stürmerin, die Mazedonierin Nastasa Andonova, in der 11. Minute nach einem Zweikampf mit einer Arsenal Lady verletzte und ausgewechselt werden musste, reduzierte sich an diesem Tag die Offensivkraft der Brandenburgerinnen weitgehend nur auf eine torgefährliche Sturmspitze.
 
Das Rückspiel in einer Woche verspricht Spannung pur. Die britische Sportöffentlichkeit schaut mit großem Interesse nach Potsdam. Die deutsche Seite spricht von Revanche und Heimstärke. Der zweite deutsche Teilnehmer VfL Wolfsburg nutzte unter Flutlicht im Stadion an der Elsterstraße seinen strategischen Heimvorteil. Nach dem überzeugenden 4:0 in der Bundesliga gegen den FCR 2001 Duisburg veränderte Trainer Ralf Kellermann die Startelf auf einer Position: anstatt Stephanie Bunte brachte er Anna Blässe ins Team, die auf ihrem Stammplatz im rechten Mittelfeld spielte.

Torschützin Emilie Haavi (Røa IL) im Zweikampf mit Viola Odebrecht
Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Zsanett Jakabfi rückte dafür auf die linke Seite, Verena Faißt eine Reihe nach hinten in die Abwehrformation. Im Angriff blieben Alexandra Popp und Conny Pohlers erste Wahl, für die USA-Mitreisende ohne Einsatz, Martina Müller, blieb vorerst nur die Ersatzbank. Die gegnerischen „Dynamite Girls“ vom norwegischen Røa IL, einer Mannschaft aus der Nähe der Hauptstadt Oslo, zündeten zwar das Führungstor (22.) mit einem Gewaltschuss aus fünfundzwanzig Meter durch Emilie Haavi, mussten aber im Verlauf der Partie gegen die Champions League Neulinge aus der Autostadt eine hohe Niederlage verkraften.
 
Die norwegische Nationalspielerin Emilie Haavi, die während der FIFA WM 2011 im Spiel gegen Äquatorial-Guinea in der 84. Minute das entscheidende Tor zum norwegischen 1:0-Sieg schoss, überraschte die zu weit vor dem Tor stehende Torfrau Alisa Vetterlein mit einem scharf geschossenen Heber. Das urplötzliche Tor feierten die „Dynamite Girls“ mit Enthusiasmus besonderer Art. Für kurze Zeit rannten alle Norwegerinnen an die Seitenlinie zu ihrem beliebten Trainer. Eine dichte Traube sämtlicher roter Trikots um den charismatischen Trainer Geir Kristian Nordby, der im freudigen Gewusel nicht mehr sichtbar war, war die Folge. 

Anna Blässe (VfL) im Zweikampf mit Madeleine Giske (Røa IL)
Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Jener populäre 43-jährige norwegische Trainer, der außerhalb der Seitenlinie für Überraschungen gut ist, etwa als er nach dem erstmaligen Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokalsieg im Jahr 2004 eine Wette einlöste und nur mit einem roten Tanga bekleidet durch das Ullvaal-Stadion, die Heimstätte der norwegischen Fußball-National-Mannschaft, lief. Die Wolfsburgerinnen ließen den Norwegerinnen in den ersten fünfundzwanzig Minuten zu große Räume. Wolfsburgs übliches 4-2-3-1 System erzeugte im Mittelfeld eine Unterzahl, die Røa durch schnelles Pressing für sich nutzte.
 
Durch Wolfsburgs systembedingte Überzahl in der Abwehrkette und Unterzahl im Zentrum starteten die Norwegerinnen die Konter über ihre Flügel oder suchten ihr Heil in Fernschüssen, so entstand das Führungstor. Nach der Gästeführung sah es wenige Minuten so aus, als sollte Wolfsburg vor ernsten Problemen stehen. Immerhin war die Begegnung für die VfL-Frauen erst das dritte Champions League Spiel in der Geschichte des Vereines. Emilie Haavi, Torschützin von Røa, erklärte nach dem Match in der Mixed-Zone mit Stolz: „Es war toll, in Führung zu gehen. Ich sah, dass ihre Torhüterin vor dem Tor stand und habe es einfach mit einem Distanzschuss probiert. Es war ein ziemlich schönes Tor für mich.“ Wolfsburg wusste in dem Augenblick nicht recht, was zu tun war, denn Røa´s Verteidigung stoppte souverän alle Wolfsburger Bälle oder setzte die Grün-Weißen ins Abseits.


Zsanett Jakabfi (VfL) im Sturmlauf vor Torfrau Caroline Knutsen (Røa IL)
Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Die erste halbe Stunde war die beste Phase von Røa. In der 31. Minute stürmte die Ungarin Zsanett Jakabfi auf der linken Seite nach vorne, passte aus vollem Lauf zu Conny Pohlers. Sturmspitze Pohlers verlängerte den Ball elegant ins Tor zum 1:1 Ausgleich. Die neben Pohlers stehende Verteidigerin Gunhild Herregården berührte zuletzt das runde Leder, sodass nach Spielende der Treffer als Eigentor der Norwegerin Herregården gewertet wurde. Nach und nach erhöhte Wolfsburg seinen Ballbesitz, demgemäß seine Spielanteile durch höheren Körpereinsatz.
 
Mittelfeldspielerin Viola Odebrecht bemerkte nach der Partie: „Wir sind nur langsam in die ersten 20 Minuten gekommen, dieses Problem haben wir schon die ganze Saison. Wir hatten in jedem Spiel dann einen Weckruf, dieses Mal war es ihr (Røa IL) fantastisches Führungstor. Wir machen uns das Leben immer selber schwer, denn wir müssen immer einen Rückstand ausgleichen.“ Und Odebrecht selbstkritisch weiter: „Darüber müssen wir reden und unsere Anfangsphase verbessern, das darf uns nicht erneut passieren.“ Wolfsburg drückte den Gegner in die eigene Hälfte. Torfrau Caroline Knutsen und Verteidigerin Madeleine Giske gehörten zu Røas Besten.

Alexandra Popp – Nationalspielerin, Neuzugang in Wolfsburg, Hoffnungsträgerin für die Offensive
Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Als Alexandra Popp auf der rechten Seite durchbrach, einen präzisen Querpass auf Jakabfi legte, netzte diese im vollen Lauf den Ball reaktionsschnell an der gegnerischen Abwehr vorbei zur Wolfsburger 2:1 Führung ein. Danach verhinderte Torfrau Caroline Knutsen noch Schlimmeres, sie wirkte wie eine unüberwindbare lebendige Mauer, die offensive Wolfsburger Nationalspielerin Alexandra Popp schien schier zu verzweifeln. Innerhalb zwei Minuten (42./43.) ließ Alexandra Popp drei in absoluter Hochkarätigkeit stehende Großchancen liegen, was die an sich erfreuliche 2:1-Halbzeitführung trotz Führung erheblich knapp erscheinen ließ.
 
Der Frust, zeitweise in Rückstand gefallen zu sein, wog schwerer. Die zweite Hälfte begann weniger aggressiv. Røas Team blieb in seiner Hälfte. Das Selbstvertrauen von Røas Abwehr steigerte sich. Wolfsburg startete die Angriffe über Pohlers und Zakabfi - aber vergeblich ohne Erfolg. Erst als Alexandra Popp in der 75. Minute Røas Wall überwand, nach Vorarbeit von Pohlers zum sicheren 3:1 einschoss, fühlte sich Wolfsburg im grünen Bereich weiterer Champions League Träume. Nach mindestens achtmaligem Scheitern an der überragenden Torfrau Knutsen symbolisierte Popps Tor zum 3:1 eine Art von später Rache.

Torfreude mit Conny Pohlers, Alexandra Popp und Zsanett Jakabfi
Foto: VfL
 
Jetzt löste sich sichtbar für Trainer und Fans der Knoten der mangelnden Chancenverwertung der Grün-Weißen. Sechs Minuten später hämmerte Conny Pohlers (81.) den letzten Sargnagel in die nunmehr klare Niederlage der Skandinavierinnen zum souveränen 4:1 Endergebnis. Laut Statistik war es ihr 39stes Europapokaltor in der ewigen Torschützenliste. Sie ist damit beste europäische Torschützenfrau aller Zeiten in den UEFA Wettbewerben, gemeinsam mit der ehemaligen schwedischen Ex-Nationalspielerin Hanna Ljungberg und der Ex-Potsdamerin Anja Mittag (LdB Malmö), die jüngst mit der DFB-Auswahl ein Länderspieltor gegen die USA schoss.
 
Conny Pohlers erklärte: „Ich bin glücklich über meinen Treffer, aber viel wichtiger ist, dass wir gewonnen haben. Sicherlich hätten wir mehr Tore machen müssen, aber das ist nicht zu ändern. In Norwegen startet das Spiel wieder bei 0:0. Trotzdem haben wir uns eine gute Ausgangslage geschaffen und sind gespannt, was uns in Oslo erwartet. Der Gegner wird voll auf Angriff gehen und auf unser Tor anrennen. Und da werden wir natürlich auf Konter lauern.“ Vom Anfang bis zum Ende sahen die Zuschauer von den Wolfsburgerinnen hohe Laufbereitschaft, die zweite Halbzeit stand für wirkungsvolles Pressing schon in der gegnerischen Hälfte und ein starkes Flügelspiel.

Alisa Vetterlein – im korallenroten Trikot – bisher torlos in der Bundesliga – bekam gegen die Norwegerinnen das erste Tor
Foto: VfL
 
Kritische Anmerkungen hinsichtlich eines Torwartfehlers von Alisa Vetterlein ließ Trainer Ralf Kellermann nicht zu, ganz im Gegenteil: er pries das System der „spielenden Torhüterin“ an und entlastete sie damit. Die „spielende Torhüterin“ für Entwicklung des Aufbaus und des Konterspiels wäre ihm lieber, als nur die klassische Grundaufgabe des „Torsauberhaltens“. Alisa Vetterlein meinte: „Ich wurde vom Schuss zum 0:1 überrascht und stand auch auf dem falschen Fuß. So einen Schock muss man erst mal wegstecken, wir hatten danach sehr viel Druck, aber das setzt ja auch Adrenalin frei. Trotzdem toll, wie wir ins Spiel zurückgekommen sind und es am Ende sicher für uns entschieden haben.“
 
Auf die Frage, ob denn die USA-Reise von Nationalspielerin Martina Müller eigentlich überflüssig gewesen sei, da die spielfähige Wolfsburgerin, wie mit Bundestrainerin Silvia Neid abgesprochen, die Reise angetreten hatte, um nur auf der Bank zu sitzen, beantwortete Kellermann damit, dass er den Wert einer DFB-Nominierung für den Verein mehr als Auszeichnung ansehe denn als Belastung. „Je mehr Spielerinnen, desto besser “,erklärte er amüsiert, wohl wissend, dass seine persönlich massive Befürchtung einer auffälligen körperlichen Beeinträchtigung seiner Spielerinnen durch den Jetlag nicht zu beobachten war.

VfL Wolfsburg – genannt die Wölfinnen
Foto: VfL
 
Der UWCL Neuling VfL Wolfsburg steht mit einem Bein im Viertelfinale. Die gemessen an der Zahl der heraus gespielten Chancen schwache Torausbeute war der einzige Wermutstropfen. Eigentlich hätte der VfL schon im Hinspiel alles klar machen müssen, genug offensives Potential war sichtbar.
 
VfL Wolfsburg:
Alisa Vetterlein - Luisa Wensing, Josephine Henning, Lena Goeßling, Verena Faisst - Anna Blässe (65 Martina Müller), Viola Odebrecht, Nadine Kessler, Zsanett Jakabfi - Alexandra Popp, Conny Pohl (81 Lina Magull)
Trainer: Ralf Kellermann
 
Røa IL:
Caroline Knutsen – Hedda Gardsjord, Siri Nordby, Gunhild Herregården, Madeleine Giske - Line Holter, Marthe Johansen, Juni Tárnes (83 Kine Kvalsvik) - Elise Thorsnes, Stine Andreassen, Emilie Haavi
Trainer: Geir Kristian Nordby
 
0-1 Emilie Haavi (22), 1-1 Gunhild Herregården.(31), 2-1 Zsanett Jakabfi (40). 3-1 Alexandra Popp (75), 4-1 Conny Pohlers (81)
 
Schiedsrichterin: Jana Adámkova, Tschechische Republik
Zuschauer: 685


Kelly Smith (Arsenal) im Zweikampf mit Heleen Jaques, die Turbine Verteidigerin sich von Spiel zu Spiel steigert
Foto: Arsenal
 
Arsenal gegen Turbine
 
Die beiden Kontrahenten Arsenal Ladies FC und Turbine Potsdam starteten druckvoll ins Spiel. Die temporeichen Potsdamerinnen fanden schneller in die Partie. Arsenal wartete ab, stand defensiv und kompakt, während Potsdams Angriffe zu ungenau vorgetragen wurden. Eindeutiger Wendepunkt für das Abnehmen der Drucksituation für die Arsenal Ladies war eine ernsthafte Verletzung der Turbine Angreiferin Nastasa Andonova (11.). Die eingewechselte 17-jährige Wibke Meister kam zu ihrem Champions League Debüt. Der Spielfluss der Brandenburgerinnen war dahin. Potsdam wurde nach dem Ausfall von Torjägerin Andonova zunehmend ungefährlicher – zu wenig zwingende Chancen mangels Offensivspielerin waren die Folge.
 
Mit zunehmender Spielzeit bissen sich die Engländerinnen immer mehr ins Spiel und brachten Turbines Abwehr von Mal zu Mal mehr in Bedrängnis. Trainer Schröder reagierte, nahm die nicht ins Spiel findende Wibke Meister wieder aus der Partie, tauschte sie nach einer halben Stunde gegen Stefanie Mirlach. Nach einem Freistoss von Kelley Smith halbrechts aus siebzehn Metern, den Turbine Torfrau Alyssa Naeher sicher auffing (34.), entwickelte sich im Gegenzug die Megachance zur Führung für Potsdam. Der einhundertdreiundneunzig Zentimeter große Torfrau Emmy Byrne verunglückte eine Ballaufnahme nach einem Missverständnis mit Verteidigerin Jordan Nobbs, der Ball landete vor den Füßen von Patricia Hanebeck. Freistehend vor dem Tor legte sich Hanebeck den Ball zurecht und lupfte das runde Leder zum Leidwesen der mitgereisten Potsdamer Fans auf das Obernetz des Gehäuses.

Die schottische Arsenal-Spielerin Kim Little im Zweikampf mit der amerikanischen Turbine-Spielerin Keelin Winters
Foto: Arsenal
 
Bis zum Pausenpfiff konnten die Brandenburgerinnen wenig Torverwertbares herausspielen, zu stark stand die tief gestaffelte Arsenal Abwehr. Die Londonerinnen dagegen vermochten vor der Pause noch zwei Freistöße herauszuspielen (44./45.), die aber ohne Wirkung blieben. In der zweiten Halbzeit drückte Arsenal Potsdam in die Defensive, die „Turbienen“ zogen sich weitgehend in die eigene Spielhälfte zurück, das Verteidigen des eigenen Strafraumes war angesagt. Die meist doppelt bewachte Stürmerin Yuki Ogimi genoss die totale Aufmerksamkeit der Gastgeberinnen, sodass kaum Entlastungsangriffe zustande kamen. Trotzdem entwischte den Engländerinnen in der 56. Minute die schottische Potsdamerin Lisa Evans, die in einem famosen rechten Flankenlauf auf Stefanie Mirlach legte, deren Aktion ebenso wie der platzierte Nachschuss von Yuki Ogimi von den „Gunners“ abgeblockt wurde.
 
Als dann Arsenals Schottin Kim Little nach Zuspiel von Gemma Davison (59.) vor dem Potsdamer Gehäuse auftauchte, konnte Alyssa Naeher deren Ball abwehren. Der Arsenal-Zugang der von der US-amerikanischen WPS Profiliga zurückgekehrten international erfahrenen Stars Kelly Smith (Länderspiele: 111 England, 3 UK), Alexandra „Alex“ Scott (92 England, 5 UK) und Gemma Davison waren für Arsenal-Trainerin Laura Harvey Anfang des Jahres ein überraschendes „Geschenk vom Himmel“ gewesen. Chancen von Gemma Davison (64.), Kelley Smith (67.) und Jordan Nobbs (68.) ließen erahnen, dass der Torerfolg für die Londoner „Lady Gunners“ in der Luft lag.


Gemma Davison – beste Spielerin von Arsenal Ladies FC – spielte noch letztes Jahr in der amerikanischen Profiliga WPS, daneben die schwedische Nationalspielerin aus Potsdam, Antonia Göransson
Foto: Arsenal
 
Nach einer Hereingabe von Gemma Davison (70.), die von der Belgierin Heleen Jaques zur Ecke abgewehrt wurde, war es soweit. Den von rechts von Rachel Yankey in den Potsdamer Strafraum geschlagenen Eckball, drückte Arsenals Kapitänin Katie Chapmann aus kurzer Distanz mit dem Knie zur verdienten 1:0 Führung (70.) in das Potsdamer Gehäuse. Die laufstarke Lisa Evans versuchte daraufhin Potsdam zu entlasten, indem sie unermüdlich Offensivaktionen startete. Zehn Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit wurde ihr Torschuss aus zentraler Strafraumposition und gutem vorangegangenen Kurzpassspiel noch von den Ladies von der Torlinie (80.) geschlagen. Es ging Schlag auf Schlag.
 
Der direkte Gegenzug Arsenals erbrachte ein One-to-one Duell zwischen Torfrau Alyssa Naeher und der 70-fachen schottischen Nationalspielerin Kim Little, das die Amerikanerin für sich entschied. Kurz darauf hatte die Amerikanerin zum Leidwesen der Potsdamer Fans jedoch das Nachsehen. Nachdem die Schottin Kim Little für die starke Gemma Davison eingewechselte Ellen White mustergültig bediente hatte, zog die Engländerin aus fünfzehn Metern ab, der Schuss rutschte der heraus geeilten Alyssa Naeher durch die Hände und landete im Tor (82.)

Gemma Davison (Arsenal LFC) mit Sara Doorsoun (Turbine)
Foto: Arsenal
 
Noch acht Minuten reguläre Spielzeit trennten die „Gunners“ von einem Sieg ohne Gegentor. Eine schlechte Ausgangsposition für Potsdam – es wurde dramatisch eng, noch ein Gegentor durch Arsenal und der Zug wäre wahrscheinlich abgefahren gewesen. Die Engländerinnen dominierten. Als Stefanie Draws vom Mittelfeld aus in letzter Sekunde einen Diagonalpass auf die Japanerin Yuki Ogimi in Höhe der Strafraumgrenze platzierte, die wiederum den Ball von der Brust abtropfen ließ (90.), um das runde Leder volley per Direktspiel zentimetergenau unter der Querlatte zu setzen, war die großgewachsene Londoner Torfrau Emmya Byrne geschlagen. Den spektakulären Volley-Schuss zum 2:1 Sieg für Arsenal feierten die Brandenburgerinnen, ihre Trainerbank mit Bernd Schröder und deutsche Fans fast wie einen Sieg.
 
Arsenal-Trainerin Laura Harvey: „Wir haben nie zuvor gegen eine deutsche Mannschaft gewonnen, daher ist ein 2:1 im Hinspiel großartig. Wir haben wirklich gut gespielt. Man sieht, dass wir reifer werden. Die neuen Spielerinnen haben jetzt zwei oder drei Saisons Erfahrung und das zeigt sich langsam. Kelly Smith, Alex Scott und Gemma Davison sind aus Amerika zurückgekehrt und haben den Kader verstärkt.“

Dicke Luft vor dem Potsdamer Kasten – im roten Arsenal-Trikot: Katie Chapmann (17), Gilly Flaherty (5), Jennifer Beattie (14)
Foto: Arsenal
 
Niamh Fahey, Verteidigerin Arsenal: „Es ist ein gutes Ergebnis, aber das Rückspiel steht vor der Tür und darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren. Kurz vor Schluss ein Gegentor zu kassieren war bitter, aber wir führen immer noch 2:1.
 
Ellen White, Stürmerin Arsenal: „Wir haben wirklich ein anständiges Ergebnis zuhause gebraucht und freuen uns über die beiden Tore. Natürlich ist das Gegentor enttäuschend, aber es ist immer noch ein gutes Ergebnis für das Rückspiel am Mittwoch. Wir haben eine fantastische Leistung abgeliefert, wir waren mutig und haben uns etwas getraut. Daraus können wir für Mittwoch Selbstvertrauen ziehen."
 
Yuki Ogimi, Stürmerin Potsdam: „Arsenal ist weit stärker als wir, aber mit dem Ergebnis haben wir im Rückspiel eine gute Chance. Es ist das erste Mal, dass ich gegen eine englische Spitzenmannschaft gespielt habe und ich hatte viel Spaß dabei. Wir müssen uns in Spielen gegen Mannschaften wie Arsenal weiterentwickeln. Wir müssen im Rückspiel nur 1:0 gewinnen und werden uns darauf konzentrieren, ein gutes Ergebnis zu holen."
 
Arsenal Ladies FC:
Emma Byrne - Alex Scott, Steph Houghton, Gilly Flaherty, Niamh Fahey – Kim Little, Katie Chapman (c), Jordan Nobbs - Gemma Davison (78 Ellen White), Kelly Smith (67 Jennifer Beattie), Rachel Yankey (87 Danielle Carter)
Ersatzbank: Sophie Harris, Yvonne Tracy, Ciara Grant, Bianca Bragg
Trainerin: Laura Harvey
 
1. FFC Turbine Potsdam:
Alyssa Naeher- Heleen Jaques, Stefanie Draws, Jennifer Cramer – Sara Doorsoun, Keelin Winters, Patricia Hanebeck, Antonia Göransson – Lisa Evans (90 Jeannette Grace Ngock Yango), Yuki Ogimi (c), Nastasa Andonova (11 Wibke Meister, 30 Stefanie Mirlach)
Ersatzbank: Anna Felicitas Sarholz, Sandra Starke, Alexandra Singer
Trainer: Bernd Schröder
 
1-0 Katie Chapmann (70), 2-0 Ellen White (82), 2-1 Yuki Ogimi (90 + 2)
 
Schiedsrichterin: Esther Azzopardi Farrugia (Malta)
Zuschauer: 1.200
 
Weitere Spiele im Achtelfinale der UEFA Women´s Champion League 2012/2013:
AC Sparta Praha - FC Rossiyanka 0:1, LdB FC Malmö - ASD CF Verona 1:0, Fortuna Hjørring - Göteborg FC 1:1, FK Zorkiy Krasnogorsk - Olympique Lyonnais 0:9, Stabæk FK - FCF Juvisy Essonne 0:0, ASD Torres CF - CFF Olimpia Cluj 4:1 (PK)
 
Fotobearbeitung: Dietmar Tietzmann, Frankfurt
 


Online-Flyer Nr. 379  vom 07.11.2012

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