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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2017  

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Weltspartag: Großbanken in schmutzige Geschäfte verwickelt – Spar Dir das!
"Bankwechsel - jetzt!"
Von Frauke Distelrath und Peter Kleinert

Schon am Vortag des Weltspartages, also am Montagvormittag, hat das Bündnis "Bankwechsel Jetzt!" auf die schmutzigen Geschäfte von Großbanken aufmerksam gemacht. In acht Metern Höhe schwebte ein Großbanner über dem Eingang des Commerzbank-Towers in Frankfurt. Unter der Überschrift "Spar Dir das!" prangte auf dem Transparent das Bild eines riesigen geröntgten Sparschweins, in dessen Bauch sich Rüstungsgeschäfte, Geschäfte in Steueroasen und Atominvestitionen versteckten.




Die Aktivistinnen und Aktivisten verteilten zudem transparente Sparschweine, die Einblicke in die Geschäfte der Großbanken boten. "Wo Commerzbank, Deutsche Bank oder Postbank draufsteht, stecken oftmals die größten Schweinereien drin", erklärte Jutta Wieding von der Bundesjugendleitung der BUND-Jugend, den Hintergrund der Aktion. "Deutsche Großbanken
bereichern sich rücksichtslos auf Kosten der Menschenrechte und der Umwelt. Alle Menschen, die nicht möchten, dass ihr Erspartes den Klimawandel anheizt, in Waffen oder in Landraub investiert wird, sollten schleunigst die Bank wechseln!", ergänzte Agnes Dieckmann von Urgewald. Und Sina Doughan, Sprecherin der Grünen Jugend, sagte: "Zum Weltspartag wollen wir deutlich machen, dass es schon jetzt möglich ist, bei Alternativbanken mit dem eigenen Geld sinnvolle Projekte zu unterstützen und wirklich für die Zukunft zu sparen.



Im Aktionsbündnis "Bankwechsel Jetzt!" haben sich dieses Jahr 14 Organisationen und Initiativen zusammengeschlossen, um die Idee des politisch motivierten Bankwechsels zu verbreiten und die Geschäftspraxis der Banken zu verändern. Jutta Sundermann, Mitglied des
Attac-Koordinierungskreises, sagte: "Mit dem Bankwechselaufruf tragen wir zur gesellschaftlichen Diskussion bei, unser Bündnis macht sich aber auch stark für Schranken für die Banken. Die Geschäfte in Steueroasen enden beispielsweise erst dann, wenn gesetzliche Regelungen sie verbieten oder unattraktiv machen."



Die Aktion in Frankfurt war der Auftakt zu einer deutschlandweiten Bankwechselwoche des Bündnisses. Vom 29. Oktober bis 4. November kommt es zu einer "Krötenwanderung" quer durch Deutschland, die ebenfalls in der Bankenstadt startete: Mit einer Lichtinstallation wurden und werden Kröten auf Bankgebäude projiziert. Daneben haben sich in mehr als 20 Städten Gruppen zusammengefunden, die mit Aktionen und Infoveranstaltungen zum
Bankwechsel aufrufen.



 
Alternativbanken
 
Wer möchte, dass das eigene Geld nicht für Atom- und Rüstungsgeschäfte eingesetzt wird, wer eine Bank sucht, die Spekulation mit Nahrungsmitteln ebenso meidet wie anrüchige Geschäfte in Schattenfinanzplätzen, sollte zu einer der Alternativbanken wechseln. Im Folgenden werden die Banken nur kurz vorgestellt, mehr Informationen zu ihren Produkten sind auf dieser Seite zusammengestellt: http://www.bankwechsel-jetzt.de/wohin-wechseln/welche-bank/alternativbanken/produkte/
 



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EthikBank
 
Die EthikBank investiert nur in nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählte Fonds. Neben negativen Ausschlusskriterien wie Atomkraft und Kinderarbeit ist dabei auch ein positives Engagement der Firmen wesentlich. In uneindeutigen Fällen können die Kunden über Abstimmungen an der transparenten Auswahl mitwirken. Ein wichtiges Korrektiv, da die Bank sich bei der Bewertung auf externe Analysen verlässt. Eigenes soziales Engagement zeigt die EthikBank mit dem Girokonto für ökonomisch ausgegrenzte Menschen.
Außerdem bietet sie eine Riesterrente garantiert ohne kritische Investitionen an. Bei einigen Anlageprodukten können sich Kunden zwischen einer Förder- und einer Rendite-Variante entscheiden. Die EthikBank hat eine eigene Seite "Gläserne Bank" eingerichtet, auf der sie Höhe und Zweck ihrer Kredite sowie alle am Kapitalmarkt geführten Wertpapiere und Beteiligungen veröffentlicht. Die kleinste Alternativbank wurde 2002 als Tochtergesellschaft der Volksbank Eisenberg eG gegründet.


 
GLS Bank
 
Die GLS Bank ist eine Genossenschaftsbank, die ihr Geld und das ihrer Kunden nur in Unternehmen anlegt, die den sozial-ökologischen Positivkriterien entsprechen und keine Ausschlusskriterien verletzen, die von dem eigenen unabhängigen Anlageausschusses festgelegt wurden. Das Kapital wird zur Hälfte für Kredite vergeben, vor allem in Bildungseinrichtungen, ökologische Landwirtschaft und erneuerbare Energien. Die geführten Aktien werden von der Nachhaltigkeits-Rating-Agentur imug geprüft. Alle Investitionen sind auf der Homepage der Bank transparent einsehbar. Als Universalbank bietet sie u. a. Girokonten, Tagesgeldkonten und Sparkonten an. Als einzige der Alternativbanken hat sie ein kleines Netz von sieben Filialen in Deutschland und erwägt zudem eine Ausweitung nach Österreich. Die „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ war Deutschlands erste Bank mit ethisch-ökologischer Ausrichtung und entstand 1974 in Bochum aus anthroposophischem Kontext. Spätestens seit Übernahme der Ökobank im Jahr 2003 sind jedoch sozial-ökologische und nicht nur anthroposophische Kriterien entscheidend für ihr Engagement.


 
Triodos Bank
 
Die Triodos Bank ist die erste europäische und dabei umsatzstärkste ethische Bank. Als Aktiengesellschaft wird sie von einer Stiftung getragen, deren Ziel soziale, ökologische und kulturelle Nachhaltigkeit durch direkte Investitionen ist. Es ist möglich, sich als Privatperson an dieser Stiftung zu beteiligen. Auch ihr Engagement entscheidet sich nach Positiv- und Negativkriterien, die sie ebenso wie alle Finanzierungsprojekte und Bilanzen einsehbar macht. Mindestens 70 Prozent des angelegten Kapitals will sie als Kredite an zu fördernde Projekte vergeben, der Rest ist größtenteils als Liquiditätsreserve angelegt. Die Triodos Bank veröffentlicht auf der Internetseite zu allen Krediten sowohl den Kreditzweck und -nehmer; die Summe wird zum Schutz der Privatsphäre allerdings nicht verraten. Der Geschäftsbericht enthält Informationen zum Einfluss des Unternehmens aus sozialer und ökologischer Perspektive. Die in Deutschland noch junge Bank bietet ein Tagesgeldkonto, einen Sparplan, Investmentfonds und eine Kreditkarte an; Girokonten werden seit Herbst 2012 auch von der Triodos Bank angeboten. Die Triodos Bank wurde 1980 in den Niederlanden ebenfalls von AnthroposophInnen gegründet. Sie unterhält eigenständige Niederlassungen in Großbritannien, Belgien, Spanien und seit 2009 auch in Deutschland.


 
UmweltBank
 
Die UmweltBank ist eine Aktiengesellschaft, die sich auf die Finanzierung von Umweltprojekten konzentriert. Sie bietet ein umfangreiches Angebot an Anlagemöglichkeiten im Umweltsektor, sowohl am Kapitalmarkt als auch im Kreditgeschäft. Die am Kapitalmarkt investierten Anlagen konzentrieren sich auf Unternehmen der Solar- und Windenergie sowie der Recyclingbranche. Bei den Spareinlagen sind Solarenergie und ökologische Baufinanzierung die zwei prominentesten Zweige. Bei der Umweltbank erfährt man, wie das Kapital auf die unterschiedlichen Umweltbereiche (Bauen, Energie, etc.) verteilt ist, jedoch nichts über die einzelnen finanzierten Projekte. Außerdem verfasst sie einen ausführlichen Umweltbericht. Auch hier gibt es kein eigenes Girokonto, aber Tagesgeld- und Sparkonten. Die im Streubesitz befindliche Bank erhielt 1997 in Nürnberg ihre Lizenz als Vollbank.
 
Lichtinstallation "Krötenwanderung":
 
Bereits am Montagabend wanderten die Kröten durch die Frankfurter Innenstadt, im Laufe der Woche wandern sie auch durch Berlin, Hamburg und Köln. Kontakt: Urgewald, Agnes Dieckmann, 0178-4921363
 
Dezentrale Aktionen bis 4.11. November:
Aktionskarte mit allen Orten und Terminen unter: http://goo.gl/maps/bx3el
http://www.bankwechsel-jetzt.de/wohin-wechseln/
 
Frauke Distelrath ist Sprecherin von Attac.
Mehr Informationen zum Thema: http://www.attac.de/aktuell/bankwechsel/ (PK)
 
 


Online-Flyer Nr. 378  vom 31.10.2012

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Von Kostas Koufogiorgos
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