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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
DUH fordert Verbot ungefilterter Busse und Baumaschinen ab 2013
Schutz vor krebserregenden Dieselabgasen!!!
Von Daniel Eckold

Nach einer Neubewertung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen Bund, Länder und Kommunen den Schutz vor krebserregenden Dieselabgasen drastisch verbessern. Laut Deutscher Umwelthilfe ist dafür die Deutsche Bahn richtungweisend: Ab 2013 sind dafür bei allen innerstädtischen Baumaßnahmen Partikelfilter für Baumaschinen und -fahrzeuge verbindlich vorgeschrieben. Auch Berlin reduziere den Dieselrußausstoß seiner Busflotte durch konsequente Ausstattung mit Partikelfiltern um über 90 Prozent. - Die Redaktion
 

Dieselabgase verpesten auch laut Verband der
Chemielehrer Österreichs (VCÖ) die ganze Erdkugel
Deutschland muss entschlossener und umfassender gegen giftige Dieselabgase vorgehen. Diese Forderung unter-strichen Vertreter der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH), der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, der DB ProjektBau GmbH und der Wissenschaft auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Erst im Juni 2012 hatte die Weltgesundheits-organisation (WHO) Dieselabgase als krebserregend eingestuft und sie auf eine Stufe mit dem ebenfalls gefährlichen Asbest gestellt. Weil die Politik auf diesen Weckruf bislang nicht reagierte, präsentierte die DUH ein konkretes Maßnahmenpaket, um die Bevölkerung vor den oft tödlichen Folgen giftiger Dieselabgase zu schützen. Gleichzeitig stellten Bahn und Senatsverwaltung eigene positive Beispiele zur Reduktion von Dieselruß vor.
 
EU-Grenzwerte werden erheblich überschritten
 
Noch immer werden in Deutschland, aber auch in den anderen europäischen Staaten, die von der Europäischen Union vorgeschriebenen Grenzwerte für Dieselabgase und Feinstaub zum Teil erheblich überschritten. Grund dafür sind überwiegend fehlende oder nur halbherzig umgesetzte Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität insbesondere bei der Abgasreinigung von Dieselmotoren. Eine Erhebung der DUH von Mai 2012 in 55 deutschen Städten ergab, dass Bussen fast überall die Einfahrt in die Umweltzone auch ohne gültige Plakette möglich ist, obwohl diese zu den größten NO2-Emittenten gehören.
 
„Wir haben die Oberbürgermeister und Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe aller größeren Städte in Deutschland aufgefordert, kurzfristig bis 2013 ihre Busflotten mit Dieselrußfiltern und NO2-Reduktionsanlagen auszustatten. Nachdem die Deutsche Bahn eine richtungweisende Entscheidung für saubere Baumaschinen und -fahrzeuge getroffen hat, sollten sich Bund, Länder und Kommunen daran ein Beispiel nehmen und ab 2013 bei öffentlichen Bauausschreibungen diese Technik ebenfalls zwingend vorschreiben“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Die Umweltschutzorganisation hatte in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem Helmholtz-Institut München wiederholt auf die Gesundheitsrisiken durch Dieselabgase hingewiesen. Die Studien des Epidemiologen Prof. Erich Wichmann machten deutlich, dass besonders Menschen, die an dicht befahrenen Straßen leben, einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Gleichzeitig sind auch Berufsgruppen betroffen, die wie Bauarbeiter regelmäßig mit Dieselabgasen in Kontakt kommen.

Effektive Filtertechniken schon seit längerer Zeit vorhanden
 
„Für Menschen, die an stark befahrenen Straßen leben, erhöht Dieselruß das Risiko an Lungenkrebs zu sterben erheblich. Dabei ermöglichen effektive Filtertechniken schon seit längerer Zeit den nötigen Schutz vor der Gefahr. Bislang werden diese jedoch nicht in dem erforderlichen Umfang eingesetzt“, erklärte Prof. Wichmann. Entsprechend wichtig sei der konsequente Einsatz von Rußfiltern bei Diesel-Pkw, -Lkw und -Bussen. Auch müsse sichergestellt sein, dass in Umweltzonen keine ungefilterten Dieselfahrzeuge und Baumaschinen mehr betrieben werden.
 
Wie wichtig und effizient diese Maßnahmen sind, zeigt die Bundeshauptstadt Berlin. Dort tragen eine konsequent umgesetzte Umweltzone sowie weiterführende Maßnahmen, wie die Ausrüstung von Linienbussen mit Partikelfiltern, zur Minderung der messbaren Dieselrußbelastung der Berliner Luft bei. Allein durch die Umweltzone werden in der Berliner Fahrzeugflotte fast 60 Prozent Dieselruß pro Jahr gegenüber der Trendentwicklung ohne Umweltzonen in anderen Städten vermieden. Ab 2014 beabsichtigt die Bundeshauptstadt zunächst bei öffentlichen Bauprojekten entsprechende Filterausrüstungen, wie im Luftreinhalteplan angekündigt, einzufordern. „Durch den Einsatz von Partikelfiltern in allen Bussen der Berliner Verkehrsbetriebe konnte der Rußausstoß gegenüber 2004 um etwa 90 Prozent reduziert werden, das sind allein 37 Tonnen pro Jahr“, erklärt Bernd Lehming, Referatsleiter in der Senatsverwaltung Berlin. „Mit den ersten Nachrüstprojekten in Bussen vor etwa zwanzig Jahren und den Seriennachrüstungen von über tausend Bussen vor knapp zehn Jahren hat Berlin einen wichtigen Anstoß zur Entwicklung der Filternachrüsttechnik für Lkw und Busse gegeben.“

Deutsche Bahn macht Partikelfilter verbindlich
 
Die Deutsche Umwelthilfe begrüßt insbesondere die heutige richtungweisende Entscheidung eines der größten Staatsunternehmen zur Verringerung des Dieselrußes: Die Deutsche Bahn wird ab dem 1. Januar 2013 neue Maßstäbe in der Ausschreibungspraxis setzen. Christoph Bretschneider, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB ProjektBau GmbH erklärt: „Ab dem 1. Januar 2013 wird die Deutsche Bahn in Ausschreibungen von Bauvorhaben in allen innerstädtischen Bereichen - also unabhängig von Regelungen zu Umweltzonen - bei Straßenfahrzeugen die Grüne Plakette und bei allen anderen dieselbetriebenen Baumaschinen und Baufahrzeugen den Einsatz von Partikelfiltern verbindlich machen.“ Danach werde die DB in zwei Stufen die für begründete Einzelfälle vorgesehenen Ausnahmeregelungen zum Einsatz von Partikelfiltern weiter einschränken und die Anforderungen auch auf außerstädtische Bereiche übertragen. Ab 2018 werde es in innerstädtischen Bereichen keine Ausnahmen mehr geben. (PK)
 
Daniel Eckold ist Pressesprecher der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH)


Online-Flyer Nr. 372  vom 19.09.2012

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