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Aktueller Online-Flyer vom 16. Dezember 2017  

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Lokales
Antifagruppen protestieren gegen "Maßnahmenkatalog" von Alemannia Aachen:
Auch Opfer rechter Gewalt betroffen!
Von Peter Kleinert

In einem Offenen Brief haben verschiedene Gruppen, die in Aachen und Umgebung antifaschistische Arbeit leisten, den am 23. August vorgestellten "Maßnahmenkatalog" gegen rechte Gewalt am Aachener Tivoli kritisiert. Denn neben der rechts-unterwanderten Gruppe "Karlsbande Ultras (KBU)" sind auch die Opfer rechter Gewalt aus anderen Fan-Gruppen von einigen dieser Maßnahmen negativ betroffen. Der Brief ist gerichtet an den Vorstand des Fußballvereins Alemannia Aachen und seinen Präsidenten Dr. Meino-Heyen  sowie an Wolfgang Rombey, Stadtdirektor der Stadt Aachen.
 

Alemannia Aachen-Präsident
und Aufsichtsratsvorsitzender
Dr. Meino-Heyen
Quelle:
http://www.alemannia-aachen.de
Sehr geehrte Damen und Herren, mit Erstaunen haben wir den Maßnahmen-katalog (1) der Alemannia Aachen zum Umgang mit rechter Gewalt auf dem Tivoli zur Kenntnis genommen, den sie „im Schulterschluss mit der Polizei und der Stadt Aachen“ beschlossen hat. Zunächst werden hier die extrem rechts motivierten Übergriffe der Karlsbande Ultras auf die Aachen Ultras als „Fangewalt innerhalb der beiden Ultragruppen“ und als „Gewalt unter den Fangruppen“ bezeichnet. Damit werden Betroffene rechter Gewalt sprachlich zu Tätern gemacht.
 




 
Zwar benennt die Alemannia Aachen im Folgenden die „Ultragruppierung der Karlsbande sowie Personen aus dem Umfeld der Karlsbande“ als Aggressoren, und stellt fest: „Nach wie vor bewegen sich Gewalttäter und Personen mit rechtsextremer Gesinnung im Umfeld der Karlsbande.“ Auch der Angriff der Karlsbande Ultras auf die AC Ultras in Saarbrücken wird als endgültige Überschreitung durch die Karlsbande Ultras bezeichnet.
 
Dennoch finden sich im Maßnahmenkatalog auch Einschränkungen für die AC Ultras, also für die Betroffenen der Gewalt der rechten Karlsbande Ultras. Den AC Ultras wird „der Aufenthalt im und um den Fantreff untersagt. Ausnahmen für einzelne Personen (z.B. Kartenkauf) sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Vereins möglich“. Das heißt auch, dass die AC Ultras nicht mehr berechtigt sind, dort ihren Fanstand aufzubauen. Weiter heißt es: „Die Alemannia betont an dieser Stelle, dass auch die Aachen Ultras deutliche Einschränkungen akzeptieren müssen. All dies erfolgt in erster Linie zu ihrem Schutz.“
 
Wir verstehen den Ausschluss der AC Ultras, als Betroffene rechter Gewalt aus dem Fantreff als Sanktionierung. „Schutz“ gewährleistet man nicht, indem man Betroffenengruppen ausschließt, sondern indem man gewährleistet, dass sich Menschen, auch wenn sie nicht in extrem rechte Weltbilder passen, sicher fühlen können. Hier ist breite Solidarität gefragt! Was die Alemannia damit meint, dass die Maßnahmen gegen die Betroffenen rechter Gewalt „in erster Linie zu ihrem Schutz“ dienen, wird deutlich: Offensichtlich dienen sie zumindest in zweiter Linie nicht dem Schutz. Es waren maßgeblich die AC Ultras, die immer wieder stetig darauf hingewiesen haben, dass Alemannia Aachen ein Problem mit Rechtsextremismus im Stadion hat. Dementsprechend wird dann auch im Bezug auf die AC Ultras von der Möglichkeit des „vereinsschädigenden Verhaltens“ gesprochen.
 
Der Maßnahmenkatalog schließt ab mit der Formulierung, dass „mit den beschriebenen Maßnahmen […] insbesondere die Karlsbande zu einem Umdenken gebracht werden“ soll. Und es wird der rechten Fangruppe gleich noch ein Angebot gemacht: „Bei entsprechend guter Entwicklung können im ersten Schritt die oben beschriebenen Maßnahmen ganz oder teilweise rückgängig gemacht werden. In einem weiteren Schritt kann über die bereits zuvor entzogenen Privilegien (Infostand etc.) gesprochen werden.“
 
Laut dem Maßnahmenkatalog begrüßten der Stadtdirektor der Stadt Aachen, Wolfgang Rombey und Josef Bayer, Hauptkommissar der Polizei Aachen, den Maßnahmenkatalog – und damit auch die Maßnahmen gegen die Betroffenen rechter Gewalt. Dieses Vorgehen ist den Vorfällen am Tivoli absolut unangemessen. Die überregionale Presse stellte unlängst die Verbindungen der Karlsbande Ultras zur inzwischen verbotenen neonazistischen Kameradschaft Aachener Land und der NPD dar. Wir sehen in den Maßnahmen gegen die AC Ultras eine Bestrafung des Engagements gegen rechte Gewalt. Wie froh sollte ein Verein darüber sein, dass Fans trotz der massiven Bedrohungslage sich für eine Fankultur einsetzen, die frei ist von Rassismus, Neofaschismus und Antisemitismus!
 
Wir fordern die Verantwortlichen eindringlich auf, die Maßnahmen gegen die AC Ultras umgehend zurückzunehmen und dafür zu sorgen, dass rechte Gewalt auf dem Tivoli keinen Platz mehr findet. Und zwar nicht, indem man die ausschließt, die von rechter Gewalt betroffen sind!

Hinweis der Redaktion
 
Aus einem Artikel der "Zeit" (2) unter dem Titel "Rechte Aachen-Fans verprügeln linke Aachen-Fans" geht hervor, dass sich Alemannia Aachen, Stadtspitze und Polizei über den "Maßnahmenkatalog", der auch linke Fan-Gruppen treffen soll, offenbar einig sind:  
"Die Karlsbande, die sich vor zwei Jahren von den Ultras abspaltete, stellt sich als unpolitisch dar. Aber es bewegen sich Neonazis in ihrem Umfeld, etwa Neonazis aus der Kameradschaft Aachener Land. Auch dem langjährigen Alemannia-Fan Sascha Wagner – ein Vorstandsmitglied des NPD-Jugendorgans Junge Nationaldemokraten – wird großer Einfluss nachgesagt.
Die Karlsbande hat sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, die Ultras aus den Stadien zu vertreiben. Die achtzig Mitglieder zählende ACU war im vergangenen Herbst und Winter mehrfach von Karlsbande-Mitgliedern attackiert und eingeschüchtert worden, oft begleitet von schwulen- und judenfeindlichem Gejohle. Manche wurden zu Hause bedroht… Beobachter der Szene fürchten, dass die Strategie der Karlsbande aufgehen wird, auch weil die Ultras wenig Schutz seitens des Vereins und der Polizei erführen." (PK)
 
(1) Mehr zum Maßnahmenkatalog finden Sie unter http://www.welt.de/print/wams/nrw/article108682422/Wenn-Fans-gegen-Fans-kaempfen.html
 
(2) http://www.zeit.de/sport/2012-08/aachen-saarbruecken-karlsbande-ultras

 
UnterstützerInnen des Offenen Briefes sind:
 
AK Antifa Aachen
Bündnis gegen Rechts Herzogenrath
Autonomes Zentrum Aachen
Antifa Düren
Antifa Euskirchen
Antifa Heinsberg
VVN BdA Aachen
Antifaschistisches Aktionsbündnis Aachen (AFAB)
Fraktion „Die Linke“ im Aachener Stadtrat
Antifa Quadrat im Kreis Aachen


Online-Flyer Nr. 371  vom 12.09.2012

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