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Aktueller Online-Flyer vom 27. September 2020  

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Globales
Nach dem Prozess gegen den Massenmörder Breivik in Oslo:
Killerspiele generell verbieten!
Von Heinrich Frei

Ist Breivik geisteskrank oder mehr oder weniger „zurechnungsfähig“? Breivik sieht sich als unschuldig, sieht sich als Soldat der für eine „höhere Sache“ 77 Menschen ermordet hat. Die Psychiater in Oslo streiten sich nun, ob Breivik bösartig, geisteskrank oder mehr oder weniger voll „zurechnungsfähig“ sei. Die Staatsanwaltschaft in Oslo fordert, Breivik als „unzurechnungsfähig“ einzustufen.

Amok - Cartoon von Kostas Koufogiorgos
 
Die Frage, ob ein Mensch der tötet, normal oder verrückt ist, hat Ärzte schon früher beschäftigt. Sigmund Freud postulierte einen biologisch verankerten Destruktions- und Aggressionstrieb und sogar einen Todestrieb im Menschen. In seinem Briefwechsel mit Albert Einstein „Warum Krieg?“ schrieb er Einstein, „die Tötung des Feindes befriedige eine triebhafte Neigung“. (1)
 
Andere Forscher nehmen an, ein Destruktions- und Todestrieb sei kein biologisch verankerter Trieb oder ein Instinkt im Menschenwesen wie Freud dies annahm. Destruktions- und Todestriebe würden sich im Laufe des Lebens entwickeln, sie seien lebensgeschichtlich durch negative Einflüsse erklärbar. Diese Wissenschaftler argumentieren, in der Regel würden Menschen miteinander kooperieren und hätten einen ausgeprägten Lebenstrieb, nicht einen Todestrieb.
 
Die Mordtaten von Breivik haben vielfache Ursachen, nehme ich an, die in seiner Kindheit und Jugend liegen, in seinem Umfeld, in dem er aufgewachsen und beeinflusst wurde, auch in seiner Isolation.
 
Breivik hat sich auch mit Computerspielen und Übungen am Schiesstand akribisch auf seine Bluttaten vorbereitet. Er spielte "Modern Warfare", ein Killergame. Dabei kann der Spieler wie ein Scharfschütze Gegner mit einem Zielfernrohr im Fadenkreuz erfassen. In diesen Games werden auch Feindbilder gepflegt, es wird gegen Islamisten gekämpft usw. (2)
 
Killergames werden aber auch nach der Breivik-Mordserie nicht verboten. Das Milliardengeschäft mit diesen Games ist zu gut um es zu verbieten.
 
Dabei wäre es wichtig, diese Killergames generell zu verbieten. Schon der Amokläufer in Erfurt hatte bekanntlich seine Erschiessungen vor zehn Jahren mit Computer-Spielen wie "Counterstrike" geübt, er hatte gar nicht so oft im Schiessstand gestanden. Der ehemalige US-Militärpsychologe Dave A. Grossmann hat darauf hingewiesen, dass ähnliche, aber eher weniger brutale Spiele wie "Counterstrike" von der US-Armee benutzt werden. Die Army benutzt diese "Spiele" um Teenager zu trainieren, die die Absicht haben, in die Armee einzutreten. Jugendliche lernen in diesem militärischen Vorunterricht, mit diesem Armeematerial, Menschen virtuell zu töten. Nach dem Fall Breivik fragte Grossmann: „Wann verstehen wir endlich, dass Killergames Massenmord-Simulatoren sind?" (PK)
 
(1) Albert Einstein, Sigmund Freud: "Warum Krieg?" - Briefwechsel 1932
(2) Rudolf Hänsel: "Game over! - Wie Killerspiele unsere Kinder manipulieren“, Kai Homilius Verlag 2011 und http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16025


Online-Flyer Nr. 360  vom 27.06.2012

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