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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
BAYER verwendet weiter große Mengen hochgefährlicher Stoffe in Dormagen
Der CBG sind mehr als 80.000 Tonnen bekannt
Von Peter Kleinert

Im BAYER-Werk Dormagen werden weiter große Mengen giftige und sehr giftige Chemikalien verwendet, allein 50.000 Tonnen bei BAYER CropScience und 20.000 Tonnen bei BAYER MaterialScience. Darunter befinden sich Stoffe wie TDI, Phosgen, Acrylnitril und Propylenoxid. Hinzu kommen leichtentzündliche Stoffe (CropScience: 9.900 Tonnen, MaterialScience 2.070 Tonnen, Currenta, die zu 60% zu BAYER und zu 40% Lanxess gehört: 1.140 Tonnen). Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) erhielt die Daten über eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz.

BAYER-Chef Marijn Dekkers
Quelle: www.cbgnetwork.org/3524.html
 
Prof. Jürgen Rochlitz, Mitglied der vom Bundes-Umweltministerium eingesetzten Kommission für Anlagensicherheit und Beiratsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren, kommentiert: „Die Aufstellung zeigt, dass bei BAYER weiterhin große Mengen hochgefährlicher Stoffe verwendet werden. Dementsprechend ist die Veröffentlichung der Daten ein Fortschritt in Sachen Transparenz, nicht aber in Richtung hin zu einer Substitution risikoreicher Chemikalien.“ Rochlitz fordert zum Schutz von Anwohnern und Belegschaft ein Höchstmaß an Sicherheitsmaßnahmen, z.B. Betonhüllen um phosgenführende Anlagen.
 
Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG ergänzt: „Die Öffentlichkeit hat ein Anrecht darauf zu erfahren, welche Risiken von chemischen Fabriken ausgehen. Hierzu gehört die Veröffentlichung des Schadstoff-Eintrags in Luft, Wasser und Böden sowie die Kenntnis von Art und Umfang der eingesetzten Gefahrstoffe“. Die CBG verlangt seit Jahrzehnten eine Veröffentlichung der Mengenangaben gefährlicher Stoffe in den BAYER-Werken. Wegen angeblicher Betriebsgeheimnisse hatte sich das Unternehmen jedoch stets geweigert, entsprechende Anfragen zu beantworten. Seit einigen Jahren informiert der Konzern auf seiner website zwar über die Art der gehandhabten Chemikalien, nicht jedoch über den Umfang.
 
Giftige BAYER-Chemikalien im Detail
 
Details zu den bei BAYER Dormagen gelagerten Chemikalien:
Toluol-diisocyanat (TDI): 7765 Tonnen
Dimethylsulfat: 51 Tonnen
Phosgen: 36 Tonnen
Brom: 2 Tonnen 
Hydrazin: 360 Tonnen
Chlor: 761 Tonnen
Propylenoxid: 6.400 Tonnen
Ethylenoxid: 66 Tonnen plus 505 Tonnen bei Currenta
Methanol: 951 Tonnen plus 470 Tonnen bei Currenta
 
Weitere giftige oder sehr giftige Stoffe, die im Werk Dormagen gelagert werden, sind Chlorameisensäuremethylester, Kohlenmonoxid, Ammoniak und Acrylnitril. Sollte Bayer MaterialScience eine Genehmigung zum Bau einer neuen TDI-Anlage erhalten, so würden die Mengenangaben für TDI, Phosgen, Kohlenmonoxid und Chlor noch deutlich steigen. Die CBG hat eine Einwendung gegen die Genehmigung eingereicht.
 
Warum nicht eine Betonhülle wie bei BASF?
 

BASF Ludwigshafen
Quelle; www.hima.de/Presse
Im Gegensatz zu BAYER gab die BASF im Januar bekannt, in Ludwigshafen eine neue TDI-Anlage zu bauen, die sicherer sein soll als die des Leverkusener Konzerns. Die Fabrik soll mit 300.000 Jahrestonnen dieselbe Kapazität erhalten wie die von der BAYER MaterialScience AG geplante Anlage in Dormagen. Die beiden Projekte unterscheiden sich jedoch in einem wichtigen Punkt: die BASF will die gefährlichsten Anlagenteile mit einer Betonhülle umgeben. Umweltverbände hatten ebendies auch im Erörterungstermin für die BAYER-Anlage im vergangenen Oktober gefordert. Auch eine entsprechende Anlage von Dow Chemicals in Stade ist mit einer Betonkuppel versehen. Die Fabrik in Dormagen hingegen soll nur mit einer Blechhülle geschützt werden; der Standort befindet sich lediglich 300m von der Werksgrenze entfernt. Wahrscheinlich ist eine Betonhülle dem neuen BAYER- Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers zu teuer, der, wie wir im Januar berichteten auch für Forschung nicht mehr Euro investieren wilkl als 2011. Im Gegenteil: Er werde, kündigte er an, eigene Entwicklungsabteilungen schließen und sich mehr außer Haus bei Firmen bedienen, die ein Präparat liefern, das bloß noch des Feintunings bedarf. (1)
 
Philipp Mimkes von der CBG: „Wir sind nach wie vor gegen die Genehmigung einer Anlage, die über Jahrzehnte hinweg die Herstellung von Phosgen zementiert. Sollte es dennoch zu einer Genehmigung kommen, muss zumindest der Einsatz der bestmöglichen Sicherheitstechnik gewährleistet sein. Eine Einhausung aus Beton bietet in jedem Fall einen höheren Schutz gegen Feuer, Explosionen oder eine Beschädigung von außen als die von BAYER geplante Blechhülle.“
 
In der Dormagener TDI-Produktion sollen als Zwischenprodukt jährlich rund 360.000 Tonnen Phosgen eingesetzt werden. Diese Chemikalie wurde im 1. Weltkrieg als Kampfgas verwendet. Gegen die Genehmigung des Antrags von BAYER hatten die CBG, der BUND, die Grünen sowie rund 60 Einzelpersonen Einwendungen eingereicht. Hauptpunkte der Kritik sind neben dem Einsatz hochgefährlicher Chemikalien der hohe Energie- und Ressourcen-Einsatz sowie das Fehlen von worst case-Szenarien. Die Bezirksregierung Köln hat über eine Genehmigung des Antrags noch nicht entschieden. (PK)
 
(1) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17398


Online-Flyer Nr. 342  vom 22.02.2012

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