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Aktueller Online-Flyer vom 28. August 2016  

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Inland
Professor Dr. Günther, Arzt, Antifaschist, Jude und mutiger Mahner
Als Entdecker des Golfkriegssyndroms verfolgt
Von Brigitte Queck

Professor Dr. Siegwart-Horst Günther feiert am 24.2. 2012 seinen 87. Geburtstag, und alle Menschen weltweit, die den Entdecker des Golfkriegssyndroms kennen, gratulieren dem Humanmediziner jetzt herzlich auch zu seinem Lebenswerk! Wer ist Professor Dr. Günther? Als Soldat an der Ostfront kam er mit der Widerstandsgruppe um Graf von Stauffenberg in Berührung und wurde ihr Kurier, was er nach der Aufdeckung der Verschwörergruppe gegen Hitler und seiner folgenden Einlieferung ins KZ Buchenwald fast mit dem Tode bezahlt hätte.
 

Professor Dr. Siegwart-Horst Günther
feiert Geburtstag
Foto: privat
Siegwart-Horst Günther, geboren in Halle, studierte in Jena von 1945 bis 1950 Humanmedizin und habilitierte 1954 an der Humboldtuniversität in Berlin. Als jüngster Professor der DDR folgte er 1956 einem Ruf an die Universität nach Kairo (Ägypten), wo er Physiologie und Pathophysiologie unterrichtete. In den folgenden Jahren war er ordentlicher Professor für Pathophysiologie in Damaskus. Einer Zusammenarbeit mit Albert Schweitzer in in dessen Hospital in Lambarene (1963 bis 1965) folgten Tätigkeiten als Arzt in Ägypten, Syrien und dem Irak. Doch besonders hoch geschätzt wird sein Einsatz als Mediziner im Irak, sowohl unter König Feisal, aber auch unter Saddam Hussein.
 
Professor Günther konnte durch das Einschmuggeln von im 2. Golfkrieg durch die USA und ihre Verbündeten eingesetzten Geschossen nach Deutschland durch Laborversuche an drei Instituten, dem Luise Meitner-Institut, dem FU-Klinikum in Berlin-Charlottenburg und der Berliner Humboldtuniversität, beweisen, dass die USA von der Genfer Konvention geächtete Waffen im Irak eingesetzt hatten. Da er die ihm auferlegte hohe Geldstrafe des Amtsgerichtes Tiergarten für das Einschmuggeln eines "radioaktiven Projektils“, wie es im Bericht des Polizeipräsidenten in Berlin hieß, nicht bezahlte, wurde er wie ein Verbrecher ins Gefängnis geworfen und dort misshandelt, so wie das von ihm in seinen Büchern "Stumme Zeugen eines Krieges“ und "Uran-Geschosse: Schwergeschädigte Soldaten, missgebildete Neugeborene, sterbende Kinder“, herausgegeben vom Ahriman-Verlag, beschrieben wurde.
 
Durch seine Untersuchungen der Umweltbelastungen im Irak erkrankte Prof. Günther selbst schwer an dem "Golfkriegssyndrom".
Quelle: http://www.nato-tribunal.de/guenther.htm
 
Wenn man heute über "Depleted Uranium" diskutiert, wird oft außer Acht gelassen, dass es Professor Dr. Günther war, der den Beweis erbracht hat, dass es sich wirklich um radioaktive Geschosse, also atomare Waffen, handelte, die die NATO im Irak-Krieg einsetzte. Das kann man im Strafbefehl des Amtsgerichts Tiergarten in Berlin gegen den Professor vom 15.01.93 wie folgt nachlesen:
„Sie werden angeklagt, in Berlin und anderen Orten des Bundesgebietes im Juli 1992 radioaktive Abfälle, zu deren Ablieferung Sie nach dem Atomgesetz oder einer aufgrund des Atomgesetzes ergangenen Rechtsverordnung verpflichtet waren, nicht abgeliefert zu haben, indem Sie etwa Mitte Juli 1992 in die Bundesrepublik Deutschland einreisten und dabei eine aus metallischen Uran bestehende Geschoßhülse mitbrachten, um diese hier als Demonstrationsobjekt zu benutzen, wobei Sie es in der nuklearmedizinischen Abteilung des Rudolf-Virchow Krankenhauses abgaben.
Das Projektil hat eine raue Oberfläche, die bei Berührung einen radioaktiven Abrieb erzeugt. Durch falschen Umgang mit dem Geschoßprojektil entsteht die Gefahr der Kontamination und Inkorperation radioaktiven Materials, was zu einer Gesundheitsgefährdung führen kann.
Die Dosisleistung an der Oberfläche des Projektils beträgt ca. 11 MikroSivers pro Stunde.“
 
Wenn Soldaten, bzw. spielende Kinder in Kriegsgebieten mit diesen Geschossen einer 11 MikroSivers/h radioaktiver Dosisleistung nur eine Stunde umgehen, oder sich in unmittelbarer Umgebung dieses Geschosses befinden, bekommen sie die von Wissenschaftlern bereits als gefährlich eingestufte radioaktive Dosis für ein Jahr und Person berechnet, schon innerhalb 1 Stunde inkorporiert! Darüber hinaus verursacht diese radioaktive Munition Krebs, Immunschwächekrankheiten, Missbildungen und andere Krankheiten.
 
Wir haben also Professor Dr. Günther viel zu verdanken, denn ohne seinen Einsatz wäre heute nicht bekannt, dass es sich bei Depleted Uranium um eine gefährliche (wohlgemerkt atomare Waffe) handelt!
 
Anfang der 90iger Jahre wurde Prof. Günther von vielen als Verschwörungstheoretiker verhöhnt. Aber die Regierenden erkannten natürlich die Gefahr der Verbreitung der Wahrheit durch ihn und versuchten ihn 1999 kurz vor dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien, in dem ebenfalls diese Waffe zum Einsatz kam (der unabhängige Wissenschaftler Wilms sprach von ca. 100 t radioaktiver Munition, die allein im NATO-Krieg gegen Jugoslawien, vor allem im Kosovo, zum Einsatz kamen!) zum Schweigen zu bringen. Als Anlass nahm man eine seitens der Rentenversicherungsanstalt ihm verweigerte Zahlung. Im Schreiben des Amtsgerichtes Husum vom 14.07.99 hieß es lapidar:
„Ich muss Sie... nochmals darauf hinweisen, dass von hier aus weder direkt eine Zahlung veranlasst werden kann, noch eine Einflussnahme auf die Rentenversicherungsanstalt möglich ist. In diesem Verfahren geht es ausschließlich um die Frage, ob Ihnen eine Person als Betreuer zur Seite gestellt werden kann oder muss... Sofern hier nicht bis zum 30.7.1999 eine Mitteilung über einen mit Herrn Dr. Platz (er war 1999 Leiter der Psychatrie der Karl Bonhoeffer Klinik, der Verf.) abgesprochenen zeitnahen Untersuchungstermin eingeht, muss ich davon ausgehen, dass Sie nicht bereit sind, sich freiwillig zu einer Untersuchung zum Sachverständigen zu begeben.
Für diesen Fall beabsichtige ich - wie schon anlässlich vom 7. 01.1999 erörtert - Ihre (geschlossene) Unterbringung und Beobachtung -zunächst für den Zeitraum von 10 Tagen -anzuordnen zur Vorbereitung des Gutachtens. Nach der Einschätzung des bei der Anhörung vom 07.01.1999 anwesenden Dr. Mulke besteht der Verdacht, dass bei Ihnen eine paranoide Entwicklung vorliegt, die die Kritikfähigkeit partiell einschränkt.“
 
Und in einem Brief, der ihm nicht per Post, sondern an der Haustür und mit absichtlicher Verspätung an einem Donnerstagabend zugestellt wurde (Professor Günthers geschlossene Unterbringung in einer Psychiatrie sollte dann gewaltsam an einem Montag erfolgen!!) wurde ihm u.a. mitgeteilt:
„Urlaubsbedingt kann eine Untersuchung des Betroffenen in dem vorgesehenen Fachkrankenhaus nicht vor dem 02. November 1999 beginnen.
Das Gericht hat dementsprechend auch die maximale Dauer der Unterbringung zur Untersuchung des Gesundheitszustandes auf den 10. November 1999 beschränkt.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird zu überprüfen sein, ob eine weitere geschlossene Unterbringung zur Untersuchung des Geisteszustandes erforderlich ist.“
 
Die Herrschenden in diesem Lande waren offenbar sehr genau darüber informiert, dass Professor Dr. Günther
1. weder auf die Unterstützung seiner Familie rechnen konnte (seine Frau, Ärztin wie er, war nämlich nach Hakenkreuzschmierereien an seinem Haus und Naziparolenbrüllereien vor seinem Grundstück erschreckt worden. Zumal nach diesem Vorfall keine Patienten mehr kamen, ließ sie sich von ihm scheiden und lebt jetzt im Süden Deutschlands)
2. keine Rechtsschutzversicherung besaß. - Es wäre in dieser Zeit also ein Leichtes gewesen, diesen Mann zu isolieren und somit für immer mundtot zu machen.
 
Auf einer Erfurter Tagung über den Jugoslawienkrieg 1999 machten die "Mütter gegen den Krieg“ (heute nennen sie sich "Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“) Bekanntschaft mit Professor Günther. Als dem Professor die briefliche Drohung an einem Donnerstagabend überbracht wurde, ihn kommenden Montag gewaltsam in die Psychiatrie abholen zu wollen, schickte er uns ein Fax.
Wir, die „Mütter gegen den Krieg“, fürchteten damals zu Recht um das Leben von Professor Dr. Günther und baten Dr. Diestel, seinen Rechtsbeistand zu übernehmen. Darüber hinaus informierten wir zusammen mit einem Hamburger Verein alle wichtigen Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehstationen darüber, dass Prof. Günther in Gefahr war. Einer von unserem Verein fuhr außerdem nach Sankt Peter Ording, um zu verhindern, dass Prof. Günther am kommenden Montag durch die Polizei abgeholt würde. So war er nicht mehr allein. Als er dennoch in der Karl Bonhoeffer Klinik auf seinen Geisteszustand untersucht werden sollte, begleiteten ihn dann schon 5 Mitglieder unseres Vereins, sowie Professor Schott. Rechtsanwalt Schulz richtete sogar eine Telefonkette ein, über die im Ernstfall die Medien informiert werden sollten!
 
Wie perfide das Gutachten über Prof. Günther ausfiel, kann man hier lesen, obwohl auf unsere Unterstützung und die von Teilen der Friedensbewegung hingewiesen worden war:
„Es wurden jedoch paranoide Züge festgestellt. Ob diese jedoch ausreichen, um den Betroffenen geschäftsunfähig zu erklären, muss vom Gericht (medizinisches Sachverständigengutachten) geprüft werden.
Herr Prof. G. sei nicht mit einer Betreuung einverstanden, sodass zur Einrichtung einer Betreuung gegen den erklärten Willen des Betroffenen dessen Geschäftsunfähigkeit nachgewiesen werden müsste.....
In seinem energetischen Potential schien Herr Prof. G. gemindert, inhaltsbezogen (Urangeschosse, Umweltschädigung, radioaktive Verseuchung von Menschen) wurde eine gesteigerte Emotionalität deutlich....“
Abschließend kam man jedoch zu der Schlussfolgerung: "…dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt Herr Prof. G. auch außerhalb einer gesetzlichen Betreuung in der Lage ist, seine Angelegenheiten selbst zu besorgen“
Allerdings wurde angeregt:
„Sollte sich auf diesem Weg keine Lösung für die zu klärenden Angelegenheiten finden lassen, wird aus nervenärztlicher Sicht weiter angeregt unter dem Aspekt einer Verlaufsbeobachtung nach einem gewissen Zeitraum nicht vor einem halben Jahr eine Nachexploration durchzuführen…“
 

Dr. Leuren Moret - Strahlungsexpertin
An die genannte "Nachexploration" wagte man sich aber nicht mehr heran - angesichts des immer mehr steigenden Bekanntheitsgrades von Prof. Günther durch die weltweite Anerkennung seiner Entdeckung der Gefährlichkeit von Depleted Uranium. Denn dieses wurde inzwischen von Dr. Leuren Moret, einer internationalen Expertin über Strahlungen und frühere Mitarbeiterin von Marian Falk, einem früheren Manhattan-Projekt-Wissenschaftler und anerkannten Insider in den Livermor Laboratorien, der ein Experte für radioaktiven Fallout ist, als "Trojanisches Pferd eines Atomkrieges" bezeichnet.
 
Bis heute werden überall auf der Welt in Kriegsgebieten Depleted Uranium-Waffen eingesetzt, und sowohl Vertreter der Rüstungsindustrie als auch regierungsamtliche Kreise in den USA und anderen kapitalistischen Ländern halten deren Einsatz nach wie vor geheim oder leugnen, dass es sich bei Depleted Uranium-Waffen um Kernwaffen handelt. Das hat seinen Grund, wurde doch bereits vom Internationalen Gerichtshof 1996 der Einsatz von Atomwaffen verboten!
 

„Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“
auf einer Friedenskundgebung
Unsere Aufgabe als Friedensbewegte, aber auch als Gegner des Einsatzes von Atomenergie ist es, auf diesen Umstand immer wieder hinzuweisen. Dazu gehören Mut und Durchsetzungs-vermögen. Professor Dr. Günther hat uns vorgelebt, mutig und unerschrocken für Humanität und Gerechtigkeit in der Welt zu kämpfen. Sein Einsatz für das Leben, den auch sein Lehrmeister Albert Schweizer vorlebte, muss uns Ansporn sein, alles dafür zu geben, die Menschen über die unermesslichen und nicht rückgängig zu machenden Veränderungen im Natur-, Menschen- und Tierreich durch diese neuzeitlichen atomaren Waffen aufzuklären und deren endliches Verbot in allen Staaten durchzusetzen. Im Interesse auch unserer Nachfahren ist deshalb dringend Handeln geboten! (PK)
 
Brigitte Queck ist Diplomstaatswissenschaftlerin Außenpolitik und Vorsitzende des Vereins „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“


Online-Flyer Nr. 342  vom 22.02.2012

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