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Aktueller Online-Flyer vom 25. Juni 2016  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Die Reise nach Jerusalem
Von Evenlyn Hecht-Galinski

Es gibt ein Spiel, wo den Teilnehmern die Stühle unter dem Hintern weggezogen werden. Dieses lustige Gesellschaftsspiel, auf der ganzen Welt verbreitet, auch unter dem Namen Stuhltanz, hat wahrscheinlich seinen Ursprung seines Namens zu Zeiten der Kreuzzüge nach Jerusalem oder in der Zeit der zionistischen Migration nach Palästina und dem begrenzten Platzangebot auf den Schiffen nach Palästina. Dieses an sich unterhaltsame Spiel hat Israel perfekt in ein bitter ernstes Spiel verwandelt: Israel, das rassistisch-zionistische Regime, zieht den verbliebenen Palästinensern den Stuhl unter dem "Toches" (Hintern) weg.

Diesem Treiben der ethnischen Säuberung müssen wir Einhalt gebieten. Aus diesem Grund werden wir am 30. März, am "Tag des Bodens", dem Tag, der den Landraub und die Vertreibung symbolisiert, im ganzen historischen Palästina und überall auf der Welt protestieren, aufstehen und marschieren - alle Menschen, egal welcher Religion oder politischer Anschauung sie angehören -, um mit Verantwortungsgefühl und friedlich nach Jerusalem zu kommen, um der Judaisierung Jerusalems Einhalt zu gebieten.
 
Es ist dem jüdischen Staat bis heute gelungen, die Palästinenser weiter im Exil leben zu lassen - oder unterdrückt und ihrer Rechte beraubt unter dem israelischen Apartheidsregime und unter der Apartheidsmauer, die ihre Städte und Dörfer trennt - und ihnen ein menschenwürdiges Dasein zu verweigern.
 
Der "Tag des Bodens" erinnert an die Nakba, als 1948 Millionen von Menschen zu Flüchtlingen wurden, die bis heute in der Diaspora leben müssen. Neunzehn Jahre später, 1967, annektierte Israel widerrechtlich Ost-Jerusalem (unter Verletzung der Resolution 63/30 der UN-Generalversammlung, der Resolution des Sicherheitsrats Nr. 478 und der Sektion 3 der Genfer Völkerrechtskonvention) und das Westjordanland. Seitdem schreitet die Judaisierung Jerusalems täglich voran.
 
Die israelische Regierung zielt in Jerusalem auf ein unmögliches Bevölkerungsverhältnis hin: 30% Palästinenser zu 70% Israelis. Israels offizielle Planer nehmen an, dass die palästinensische Bevölkerung Ost-Jerusalems um 2020 zusätzliche 13.000  Wohneinheiten benötigt. Aber vergessen wir nicht, auch aus dem Westteil der Stadt wurden 60.000 Palästinenser vertrieben. Diese Flüchtlinge leben zum Teil bis heute elend in Flüchtlingslagern. Es gibt für Palästinenser in Jerusalem das Abwesenheitsgesetz zur Annektion, das ihnen widerrechtlich ihr Land und Gut stahl und stiehlt. Siehe den gerade in Deutschland bekannt gewordenen Fall von Firas Maraghy, bis heute ungelöst, trotz Hungerstreik und Intervention deutscher hochrangiger Politiker. Die NRhZ und ich berichteten mehrmals über den Fall.

Gegen diese Willkür des jüdischen Staates gegenüber den Palästinensern werden wir am 30. März mit dem Jerusalem-Marsch und Demonstrationen und Mahnwachen in ganz Deutschland und Europa ein Zeichen setzen.

Wir werden erst nach dem 1. März wissen, ob wir Teilnehmer aus Deutschland von Kairo, Amman oder Berirut aus gen Jerusalem marschieren werden. Ich werde darüber informieren.

Unterstützen Sie uns bitte, mit Ihrer Unterschrift, Teilnahme, und Spende, jeder Beitrag ist willkommen:
Cafe Palestine Freiburg e.V.
BLZ 680 501 01
Kto Nr. 13088899
Pay Pal
cafepalestine@sin-hom.com
Kennwort: Global Marsch to Jerusalem

Wie wichtig dieser Marsch und dieses Symbol Jerusalems als interreligiöse und freie Stadt ist, zeigt auch der Aufruf von Mitgliedern der regierenden rechtsrassistischen Likud Partei, unter Führung von Moshe Feiglin, dem Gegenspieler von Netanjahu, zum Sturm auf die Al Aqsa-Moschee. Slogan: "Auf den Ruinen der Moschee soll unser zerstörter Tempel wieder aufgerichtet werden." Schmierereien und Zerstörungen von Moscheen und Kirchen in Jerusalem sind ja schon an der Tagesordnung.

Deshalb richten wir uns an unsere Poltiker und Regierenden, Kirchen und Gewerkschaften: Denken sie am 30. März auch einmal an das Existenzrecht der Palästinenser. Also unterstützen Sie den BDS-Boykott - Desinvestitiion, Sanktionen und die Kampagne Boykott israelischer Produkte. Bis Israel das Völkerrecht einhält und die legitimen Rechte der Palästinenser/innen anerkennt.
Beim Stuttgarter Treffen am 11.Februar zu Vorbereitung des Globalen Marsches nach Jerusalem habe ich folgende Rede gehalten:
 
Liebe Freunde,
lassen Sie mich mit den Worten von dem von mir hoch geschätzten Roger Tucker beginnen:
"Es ist unerlässlich den jüdischen Staat Israel in seiner jetzigen Form aufzulösen. Dieser Staat basiert auf einer faschistisch, rassistisch basierten Mythologie von Paranoia, also Verfolgungswahn. So ein Staat sollte keinerlei Legitimation in der heutigen Welt haben. Er verkörpert alle Charakteristika, in dem alle Menschlichkeit wiederholt verweigert wurde und das seit Jahrzehnten: Siedler Kolonialismus, Rassismus, Ethnische Säuberung, Apartheid und Völkermord! Die Entmenschlichung und Vernichtung eines Volkes, zusammen mit der Enteignung seines Landes und Eigentums. Das ist völlig intolerant und nicht hinnehmbar!
 
Die einzige realisierbare Alternative ist die Ersetzung durch einen pluralistischen demokratischen Staat, der die Palästinenser als gleichwertige Bürger einbezieht in diesen demokratischen Staat Israel/ Palästina. Es gibt keine andere Lösung für den Israel/ Palästina Konflikt." Soweit Roger Tucker, der mir aus dem Herzen spricht.
 
Das sage ich im Bewusstsein, dass Israel es kontinuierlich geschafft hat, von Beginn seiner Staatsgründung an, als Staat ohne feste Grenzen und ohne Verfassung der einheimischen Bevölkerung, also den Palästinensern alle Lebensgrundlagen zu entziehen. Durch diese massive Einnahme von Land und Besitz und Besatzung durch Unterdrückung und Vertreibung ist eine Zwei Staatenlösung zu einer Unmöglichkeit geworden, die nur noch ein Schlagwort für Israel und die Weltpolitik geworden ist. Auch das ist mit ein Grund, dass ich den Jerusalem Marsch von ganzem Herzen unterstütze, als Symbol gegen Besatzung und Entrechtung. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe und Pflicht, darauf hinzuweisen, dass unter den Augen der Weltöffentlichkeit die Judaisierung Jerusalems täglich massiv voranschreitet. Jerusalem ist und bleibt ein Symbol für alle Religionsgruppen und Völker. Das sollte auch so bleiben. Seit aber Israel im Jahr 1967 den Ostteil Jerusalems besetzt hält, arbeitet es zielstrebig und leider auch ziemlich erfolgreich am Ausbau der Stadt als jüdisches Symbol.
 
Das wird jetzt ganz offiziell in die Regierungspolitik hineingenommen, mit der dauernden Feststellung israelischer Politiker, dass Jerusalem die ungeteilte Hauptstadt eines jüdischen Staates bleiben soll. Das müssen wir als zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss mit aller uns zustehender Macht bekämpfen und verhindern. Auch deshalb ist die im Februar 2011 geborene Idee des Jerusalem-Marsches von Teilnehmern der Gaza Karawane so wichtig und unterstützenswert.
 
Es macht mich sehr stolz, zu den Unterstützern zu gehören, zu denen Menschenrechtsaktivisten, wie Richard Falk und Mazin Qumsiyeh gehören, die ich auch das Glück hatte persönlich kennenzulernen. Besonders auch Attia und Verena, die mich nach der einmaligen Stuttgarter Konferenz jetzt auf den Marsch brachten. Lassen Sie mich nochmals betonen, dieser Marsch ist mir eine Herzensangelegenheit, aus Solidarität mit dem palästinensischen Volk, das fortwährend entrechtet, besiedelt und ethnisch gesäubert wird durch Landraub und Transfer, damit Jerusalem - wie von Israel gewünscht - für immer jüdisch bleibt. Dagegen protestiere ich und sage den Palästinensern: "Ihr seid nicht allein" in eurem Kampf gegen den jüdischen Staat Israel, der Eure legitimen Rechte mit Füßen tritt, als einzige Ethnokratie im Nahen Osten. Ich fordere auch deutsche Staatsräson für die Sicherheit der Palästinenser und Palästinas. Jerusalem muss die Hauptstadt eines demokratischen Staates Israel/Palästina sein.

Internationaler Aufruf, Amman, 12.12.2011
 
Globaler Marsch nach Jerusalem – Aufruf für die Freiheit
 
Die Teilnehmer des Globalen Marsches nach Jerusalem halten fest:
 
Jerusalem ist aus politischen, kulturellen und religiösen Gründen für das palästinensische Volk und die Menschheit als ganzer von größter Bedeutung. Alle Versuche den kulturellen Charakter und die arabische Identität der Stadt zu zerstören, betrachten wir daher als Verbrechen gegen die Menschheit. Wir setzen uns für den Schutz der Heiligen Stätten und archäologischen Schätze ein und rufen alle internationalen Institutionen dazu auf diesbezüglich ihre Pflicht zu tun.
Die Verteidigung und Befreiung Jerusalems sind Pflicht aller freien Menschen weltweit und wir rufen daher alle Institutionen, Organisationen und Individuen dazu auf dieser Pflicht nachzukommen.
Wir verurteilen die ethnische Säuberung Jerusalems und des Rests von Palästina wie sie von den Zionisten durchgeführt wird. Wir lehnen die Politik der Judaisierung ab, die darauf abzielt die demografischen und geografischen Verhältnisse zu verändern. Wir kämpfen gegen die anhaltenden Versuche der zionistischen Besatzung die Apartheid-Mauer aufzurichten, um so palästinensisches Land zu enteignen, es zu besetzen und die schrumpfenden palästinensischen Enklaven von einander zu isolieren.
Wir unterstützen das Recht der Palästinenser ihr Land zu befreien und in ihm in Freiheit und würde zu Leben, so wie es allen Völkern der Erde zukommt.
Wir unterstützen das unverhandelbare und unveräußerliche Recht des palästinensischen Volkes in ihre Heimat, in ihre Häuser, in ihr Land, aus dem sie vertrieben wurden, zurückzukehren.
Wir weisen alle rassistischen Gesetze, die zwischen Menschen aufgrund ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit unterscheiden, zurück, und fordern ihre Aufhebung sowie ihr Verbot.
Der Globale Marsch nach Jerusalem repräsentiert keine politische Fraktion oder Partei, sondern ruft alle sozialen, politischen und ideologischen Richtungen zur Beteiligung auf.
Der Globale Marsch nach Jerusalem ist eine friedliche Bewegung, die Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele ablehnt. (PK)

Weitere Infos unter
http://sites.google.com/site/onedemocraticstatesite/
 
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Unsere LeserInnen kennen sie als Autorin der Serie, die sie "vom Hochblauen", ihrem 1186 m hohen "Hausberg" im Badischen, schreibt.


Online-Flyer Nr. 341  vom 15.02.2012

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