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Aktueller Online-Flyer vom 25. Februar 2021  

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Globales
USA und NATO planen "präemptiven Atomkrieg" gegen den Iran
Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel – Teil II
Von Michel Chossudovsky

Michel Chossudovsky warnte bereits 2005 vor einem "präemptiven Atomkrieg" gegen den Iran, weil damit der Dritte und letzte Weltkrieg ausgelöst werden könnte, und forderte alle friedliebenden Menschen zum Widerstand auf. Chossudovsky ist ein kanadischer Professor an der Universität Ottawa. Internationale Bekanntheit erlangte er durch globalisierungskritische Publikationen, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt worden sind. US-Präsident George W. Bush verwendete den Begriff "Präemptivschlag" gegen den Irak als er behauptete, von dort stehe unmittelbar ein Angriff bevor.
 

Bereitete das Atomkriegsprojekt für seinen Nachfolger
Obama vor – G.W. Bush
NRhZ-Archiv
Seit Beginn des Jahres 2005 haben bereits verschiedene militärische Übun- gen der US-Streit-kräfte stattgefunden. In Erwartung eines von den US-Streit-kräften unterstützten Angriffs haben auch die iranischen Streitkräfte im Dezember große Militärmanöverim Persischen Golf durchgeführt.
 
Seit Anfang 2005 gibt es auch einen intensiven diplomatischen Pendelverkehr zwischenWashington, Tel Aviv, Ankara und dem NATO-Hauptquartier in Brüssel. Ende 2005 hat CIA Direktor Porter Goss bei einem Besuch in Ankara den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan "um politische und logistische Unterstützung für Luftangriffe gegen atomare und militärische Ziele im Iran" gebeten. Nach einer Meldung des Deutschen Depeschen-Dienstes / DDP vom 30. Dezember 2005 hat Goss "den türkischen Geheimdienst um eine intensive Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und Überwachung der Operation ersucht".
 
Gleichzeitig hatte der damalige israelische Premierminister Ariel Sharon den israelischen Streitkräften grünes Licht für Angriffe (auf den Iran) Ende März 2006 gegeben. Alle israelischen Spitzenleute hatten sich für einen Ende März 2006 beginnenden Angriff auf den Iran ausgesprochen. ... Ende März wurde auch der IAEA-Bericht über das iranische Atomprogramm an die UNO erwartet. Israelische Politiker hofften, mit ihren Drohungen den Bericht beeinflussen oder wenigstens zweideutige Aussagen erzwingen zu können, die es ihren ausländischen Unterstützern ermöglichten, im UN-Sicherheitsrat Sanktionen (gegen den Iran) durchzusetzen, mit denen sich israelische Militäraktionen rechtfertigen liessen. (1)
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Der von den USA unterstützte Angriffsplan wurde auch von der NATO gebilligt, zum jetzigen Zeitpunkt [Dezember 2005] ist aber noch nicht klar, in welcher Form sie sich an den geplanten Luftangriffen beteiligen wird.
 
"Schock und Entsetzen"
 
Die verschiedenen Komponenten des Militäreinsatzes stehen unter US-Kommando und werden vom Pentagon und vom USSTRATCOM auf der Offutt Air Base in Nebraska (2) koordiniert. Die von Israel angekündigten Aktionen werden in enger Koordination mit dem Pentagon durchgeführt. Die Kommandostruktur der Operation wird zentralisiert, und der Startschuss für die Militäroperation bleibt Washington vorbehalten. Militärische US-Quellen haben bestätigt, dass ein Luftkrieg gegen den Iran mit voller Wucht erfolgen soll, vergleichbar mit den unter der Parole "Shock and Awe" (Schock und Entsetzen) durchgeführten zahlreichen Bombenangriffen auf den Irak im März 2003:
 
Amerikanische Luftangriffe auf den Iran würden das Ausmaß des 1981 durchgeführten israelischen Angriffs auf den irakischen Atomreaktor Osirak (3)weit übertreffen, und eher den Anfangstagen des 2003 geführten Luftkriegs gegen den Irak ähneln. Auf der Insel Diego Garcia (4) oder direkt in den USA startende B-2-Tarnkappenbomber (5), vielleicht unterstützt von in Al Udeid in Katar oder von anderen Flugplätzen in der Region aufsteigenden Tarnkappen-Kampfflugzeugen F-117 (6) würden die zwei Dutzend verdächtigen Atomanlagen ins Visier nehmen.
 
Die Militärplaner könnten ihre Zielliste auf die wichtigsten Atomanlagen beschränken ... oder, wenn die US-Regierung das wünscht, auch eine umfassende Bombardierung aller mit Massenvernichtungswaffen in Verbindung zu bringenden Einrichtungen und aller iranischen Streitkräfte vorsehen, die den US-Streitkräften im Irak gefährlich werden könnten.
 
Im November 2005 führte das Strategic Command der USA ein großes Manöver durch, um den Plan für einen globalen Krieg zu testen. Die Übung lief unter dem Code-Namen "Global Lightening" (Globales Leuchten). Dabei wurde ein Angriff auf einen "fiktiven Feind" mit konventionellen und atomaren Waffen geübt. Nach dem Manöver "Global Lightening" versetzte das Strategic Command die US-Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft. (7)
 
Allgemeine Zustimmung zu einem Atomkrieg
 
Aus der Europäischen Union erhob sich kein Widerspruch. Es gibt ständig Beratungen zwischen Washington, Paris und Berlin. Im Gegensatz zu dem Überfall auf den Irak, dem Frankreich und Deutschland auf diplomatischer Ebene widersprachen, ist es Washington gelungen, sowohl in der NATO als auch im UN-Sicherheitsrat "Einigkeit" zu erzielen. Dadurch fühlt es sich zu einem Atomkrieg ermächtigt, unter dessen Auswirkungen große Teile des Mittleren Ostens und Zentralasiens zu leiden hätten. Außerdem sind mehrere arabische Frontstaaten (die Arabische Liga) stillschweigend zu Partnern bei dem militärischen Projekt der USA und Israels geworden.
 
Vor einem Jahr – im November 2004 – trafen sich im NATO-Hauptquartier in Brüssel führende israelische Militärs mit führenden Militärs aus sechs Anrainerstaaten des Mittelmeeres – aus Ägypten, Jordanien, Tunesien, Marokko, Algerien und Mauretanien. (Die Arabische Liga und Israel arbeiten mittlerweile Hand in Hand.) Die NATO und Israel haben ein gemeinsames Protokoll unterzeichnet. Im Anschluss an dieses Treffen wurde vor der Küste Syriens ein gemeinsames Manöver abgehalten, an dem die USA, Israel und die Türkei beteiligt waren (8), und im Februar 2005 nahm Israel zusammen mit mehreren arabischen Staaten an militärischen Übungen und "Antiterrormanövern" teil.
 
In fast allen Medien wird der Iran als "Bedrohung für den Weltfrieden" dargestellt. Die Antikriegsbewegung hat die Medienlügen einfach geschluckt. Die Tatsache, dass die USA und Israel einen atomaren Holocaust im Mittleren Osten planen, steht nicht auf der Tagesordnung der Kriegs- und Globalisierungsgegner.
 
Die "chirurgischen Eingriffe" (mit bunkerbrechenden Atomwaffen) werden der Weltöffentlichkeit als einziges Mittel verkauft, mit dem der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen gehindert werden kann. Uns sagt man, es handle sich nicht um einen Krieg, sondern um eine friedenserhaltende Militäroperation, zu der eben Luftangriffe auf die Atomanlagen des Irans notwendig seien.
 
Mini-Atombomben: "Unschädlich für Zivilisten"
 
Die Presseberichte über bestimmte Aspekte der geplanten Militäroperation dienen vor allem dazu, ihr tatsächliches Ausmaß zu verbergen und den geplanten Einsatz von taktischen Atomwaffen zu verschleiern. Die Kriegsplan beruht auf der "Doktrin vom präemptiven Atomkrieg" der Bush-Administration aus dem Nuclear Posture Review von 2002. Die Medien haben durch Desinformation alles versucht, um die verheerenden Folgen einer Militäroperation zu verbergen, die den Einsatz von Atomsprengköpfen gegen den Iran vorsieht. Über die Tatsache, dass bei den geplanten "chirurgischen Eingriffen" neben konventionellen Bomben auch Atomwaffen verwendet werden sollen, wird nicht (informiert und) diskutiert.
 
Nach einem Senatsbeschluss aus dem Jahr 2003 gelten die neuen taktischen Atomwaffen als "Mini-Nukes" (Mini-Atombomben) mit geringer Sprengkraft; obwohl sie die bis zu sechsfache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe haben, sollen sie "unschädlich für Zivilisten" sein, weil sie erst tief im Boden explodieren.
 
Der folgende Artikel, der im Januar 2006 veröffentlicht wurde, beschreibt die Grundzüge dieser teuflischen Militärplanung. Mit den in jüngster Zeit geäußerten Drohungen Großbritanniens und Israels, haben wir einen entscheidenden Wendepunkt erreicht.
 
Ein einheitliches Kommando für Angriffe auf der Erde und im Weltraum
 
Ein mit taktischen Atomwaffen durchgeführter präemptiver Atomangriff (auf den Iran) würde vom Hauptquartier des Strategic Command der USA auf der Offutt Air Base in Nebraska aus koordiniert, unter Einbeziehung von Kommandoeinheiten der USA und der Koalition, die im Persischen Golf, auf Diego Garcia, in Israel und in der Türkei bereit stehen.
 
Mit seinem neuen Mandat ist das USSTRATCOM zuständig für die "Aufsicht über einen globalen Krieg", der sowohl mit konventionellen als auch mit atomaren Waffen geführt wird. Im Militärjargon heißt das: Ihm wurde die Rolle "der globalen Integrations-Instanz zugewiesen, die Operationen im Weltraum, die Kommunikation, die Raketenabwehr, die weltweiten Kommando- und Kontrollfunktionen, die Geheimdienste, die Aufklärung und Überwachung, den globalen Atomkrieg und die strategische Abschreckung zu koordinieren hat".
 
Im Januar 2005, zu Beginn des militärischen Aufmarsches gegen den Iran, wurde USSTRATCOM zum "führenden Kampfkommando für die Integration und Synchronisation von Maßnahmen des US-Verteidigungsministeriums gegen Massenvernichtungswaffen" bestimmt. Zur Durchführung dieses Auftrages wurde eine eigene Kommandoeinheit gegründet, das "Joint Functional Component Command Space and Global Strike / JFCCSGS"
Das JFCCSGS erhielt den Auftrag, einen Atomangriff vorzubereiten – in Übereinstimmung mit dem Nuclear Posture Review / NPR 2002 (dem Prüfbericht zur atomaren Lage), der im gleichen Jahr auch vom US-Kongress gebilligt wurde. Der NPR sieht den Einsatz von Atomwaffen nicht nur gegen Schurkenstaaten, sondern auch gegen Russland und China vor.
 
CONCEPT PLAN (CONPLAN) 8022
 
Das JFCCSGS ist in erhöhter Alarmbereitschaft, um jederzeit Atomangriffe auf den Iran oder Nordkorea auslösen zu können. Die praktische Durchführung des "Global Strike" (des globalen Atomkrieges) wird im CONPLAN 8022 skizziert. Dieser Plan wird als "Handlungsanweisung" beschrieben, "aus der Navy und Air Force Einsatzpläne für ihre Atom-U-Boote und Atombomber entwickeln sollen".
 
CONPLAN 8022 ist der Rahmenplan für alle strategischen Szenarien, die den Einsatz von Atomwaffen vorsehen. "Er ist auf diese neuartigen Bedrohungen ausgerichtet – auf den Iran und Nordkorea, ebenso auf Staaten, die Atomwaffen weitergeben könnten, und auch auf Terroristen", so Hans Kristensen vom Nuclear Information Project. "Nirgendwo steht, dass CONPLAN 8022 in begrenzten Atomkriegen nicht auch für Angriffe auf Ziele in Russland und China benutzt werden könnte." Mit dieser Aussage wird Kristensen (9) von einer japanischen Nachrichtenagentur für Wirtschaftsfragen zitiert.
 
Das JFCCSGS erhielt den Auftrag, CONPLAN 8022 umzusetzen, mit anderen Worten, einen Atomkrieg gegen den Iran auszulösen. Wenn der Oberkommandierende (das war damals) George W. Bush den Verteidigungsminister dazu auffordert, beauftragt dieser den US-Generalstab, CONPLAN 8022 umzusetzen. CONPLAN unterscheidet sich von anderen militärischen Planungen dadurch, dass er keinen Einsatz von Bodentruppen vorsieht. CONPLAN 8022 sieht im Unterschied zu anderen Kriegsplänen nur eine begrenzte Operation ohne Bodentruppen vor. In einem typischen Kriegsplan ist das Zusammenwirken aller Streitkräfte – in der Luft, auf dem Boden und auf See – beschrieben, und er berücksichtigt auch die logistischen und die politischen Probleme, die bei länger andauernden Operationen zu erwarten sind. ... Der globale Atomkrieg ist offensiv und wird bei einer plötzlich auftretenden Bedrohung auf Anordnung des Präsidenten ausgelöst, so William Arkin, in der Washington Post, Mai 2005. (10)
 
Anmerkungen:
(1) James Petras: Israel's War Deadline: Iran in the Crosshairs (Iraels Angriffstermin: Der Iran im Fadenkreuz), aufzurufen unter http://www.globalresearch.ca/index.-
php?context=va&aid=1635
(2) http://www.globalsecurity.org/wmd/facility/offutt.htm
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Osirak
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Diego_Garcia
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Northrop_B-2
(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Lockheed_F-117
(7) http://www.globalsecurity.org/military/ops/iran-strikes.htm
(8) http://forum.keypublishing.com/showthread.php?t=37245
(9) http://www.nukestrat.com/us/jcs/jp3-12_05.htm
(10) http://www.globalresearch.ca/index.-php?context=viewArticle&code=ARK20060102&articleId=1704
 
Teil I dieses Zweiteilers finden Sie in NRhZ 332 unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17291. Im Januar 2006 erschienen ist Michel Chossudovskys Artikel "Nuclear War against Iran" (Atomkrieg gegen den Iran), der sich mit dem militärischen Aufmarsch gegen den Iran und dem möglichen Einsatz von Atomwaffen befasst. Der komplette Artikel ist aufzurufen unter http://globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=1714 Eine ausführlichere Analyse hat er in seinem Buch "Towards a World War III Scenario" (Auf dem Weg zum Dritten Weltkrieg) vorgenommen, das über http://globalresearch.ca/index.-
php?context=section&sectionName=store bestellt werden kann.
 
Hinweis der Friedenspolitischen Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein denen wir die von ihr übersetzten Beiträge von Chossudowsky entnommen haben:
"Wir haben den aktuellen Artikel und die angehängten Auszüge aus dem älteren Artikel komplett übersetzt. Wenn es den friedensbewegten Menschen im Westen nicht gelingt, den herrschenden Kräften in den USA, in den NATO-Ländern und in Israel noch rechtzeitig Einhalt zu gebieten, werden diese den Dritten Weltkrieg provozieren, der unseren Planeten in eine radioaktiv verstrahlte, unbewohnbare Trümmerwüste verwandeln wird." (PK)


Online-Flyer Nr. 333  vom 21.12.2011

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