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Aktueller Online-Flyer vom 16. Dezember 2017  

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Sport
Leverkusen bleibt Schlusslicht, Wolfsbräute und Löwinnen im Aufwind
Lok stockt im Heimbahnhof
Von Bernd J.R. Henke und Annemarie Fischer

„Home advantage gives you an advantage“, fasste Sir Robert „Bobby“ William Robson, Übervater im englischen Mutterland des Fußballes zusammen: „Der Heimvorteil geriert sich zu deinem Vorteil“. Von allen Mannschaftssportarten wirkt der Heimvorteil am stärksten im Fußball. Die vertraute Umgebung und die klanglich-messbare Überzahl der eigenen Fans beeinflussen Spielverhalten und Spielergebnis positiv, wie der Forscher Richard Pollard von der Harvard University statistisch nachwies. Der „Sports Illustrated“-Journalist Jon Wertheim und der Wissenschaftler Tobias J. Moskowitz von der University of Chicago jedenfalls spezifizieren in ihrem Buch „Scorecasting“ diesen Sportmythos – Faktoren seien weniger Reisestrapazen als die Anzahl der Fans und ihr konkreter, räumlicher Abstand zu ihrem Team im Stadion. Im Fußball des 21. Jahrhunderts wird sich jedoch zeigen, wie sich der Heimvorteil im globalisierten, post-nationalen Umfeld entwickeln wird – dem WM-Slogan eines Brauseherstellers folgend lokalisiert sich das Heimspiel beim Fußball-Rezipienten. An diesem neunten Spieltag lässt sich kein Heimvorteil im Frauenfußball feststellen.

Home Turf: das Bruno-Plache-Stadion
Foto: Annemarie Fischer (Archiv)
 
Stocken in Leipzig
 
Abseits der Spitzenbegegnung in Frankfurt, in dem die Gastgeber unterlagen, wiederholte sich die Leipziger Heimniederlagenserie. Der Rasen im heimischen Bruno-Plache Stadion erweist sich in dieser Bundesligasaison zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt als ein ungünstiger Platz für die Frauen des 1. FC Lok: Auch im fünften Heimspiel verbleibt die Lok punkt- und torlos. Die „Lokomotive“ der Bundesliga verlor im „Heimatbahnhof“ in Leipzig-Probstheida wieder an Fahrt und geriet in einen Rückstand. Unter Dampf auswärts gelingen wichtige Siege und Tore für den Ligaerhalt, nur im „Bruno“ fiel die Lok nach einer starken ersten Hälfte wiederum in einen Rückstand und verfehlte zumindest einen Gleichstand mit dem Gegner.

„Lokinnen“ erweisen Ehre fürs Ehrenamt
Foto: Bernd Scharfe
 
Traumtore befinden sich noch im Lok-Lager
 
Die treuen Lok-Fans konnten bisher nur von Toren träumen. Dass immerhin noch 491 Zuschauer den Weg ins „Bruno“ schafften – wenn auch, im Vergleich zum Bundesligaspitzenspiel, ein Zehntel des Rekordes am Brentanobad –, zeigt, dass der Frauenfußball in Leipzig über eine stabile Fan-Basis verfügt. Gegen den Tabellennachbarn SC Bad Neuenahr unterlagen die „Lokinnen“ mit 0:2 (0:0). Für die Tore der Mannschaft von Coach Colin Bell sorgten Laura Störzel (65.) und Celia Okoyino da Mbabi (79.).

Marie-Luise Herrmann und Sara Doorsoun-Khajeh
Foto: Bernd Scharfe
 
Ballbesitz der Leipzigerinnen
 
Die Lok startete sehr vielversprechend und hatte in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz und Spielanteile als die Gästemannschaft. Aber Bad Neuenahr verstand es, die Angriffe der Leipzigerinnen mit kompakt stehender Abwehr schon frühzeitig abzublocken. Lok spielte über weite Strecken engagiert nach vorne, aber ohne klare Torchancen. Ein Freistoß von Anne van Bonn ging knapp über den Kasten (27. Minute). Auf der anderen Seite sorgte nur Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi für Gefahr. Einmal parierte Lok-Torhüterin Carolin-Sophie Härling glänzend (11.), ein weiteres Mal rettete die Latte (30.). Während die Lokinnen bei Standards immer wieder für Gefahr sorgen konnten, kam der SC 07 dem Tor von Carolin-Sophie Härling aus dem Spiel heraus immer wieder nahe. Ein Kopfball der neuseeländischen Nationalspielerin Sarah Gregorius verfehlte dabei nur knapp sein Ziel (27.). „In der ersten Hälfte waren meine Spielerinnen zu weit weg und sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen. Leipzig hatte da zu viel Ballbesitz, aber immerhin standen wir gut geordnet da und haben keinen Gegentreffer zugelassen“, so der britische Chefcoach Colin Bell.

Celia Okoyino da Mbabi und Erika Szuh
Foto: Bernd Scharfe
 
Bogenlampe aus Bad Neuenahr
 
Nach der Pause dominierte der SC 07 Bad Neuenahr jedoch klar das Spiel. Die U-20- Weltmeisterin Ramona Petzelberger traf nach gelungenem Zusammenspiel mit Okoyino da Mbabi aus sechzehn Meter gegen die Latte und weckte mit diesem Schuss ihr Team geradezu auf. So nahm anschließend auch die U-19-Nationalspielerin Laura Störzel Maß. Ihr erlösender Treffer aus fünfunddreißig Metern wurde durch Härling begünstigt, die zu weit vor ihrem Gehäuse stand. Zur bösen Überraschung der Heimmannschaft setzte sich die Bogenlampe unter die Querlatte. Lok wirkte geschockt und brachte danach keine gelungenen Spielzüge mehr zustande.

Jobina Verena Lahr und Anja Selenski
Foto: Bernd Scharfe
 
Spielentscheidung durch Okoyino da Mbabi
 
Vierzehn Minuten später landete Celia Okoyino da Mbabi (79.) den entscheidenden Treffer, indem sie das runde Leder aus zehn Metern unhaltbar im Leipziger Tor versenkte, nachdem nach einem Eckball von Ramona Petzelberger die Leipzigerinnen die Situation vor ihrem Tor nicht klären können. Bis zum Schlusspfiff ließ der SC 07 keine Gegenwehr seitens der Leipzigerinnen mehr zu. Die Harmlosigkeit des Leipziger Sturms mit den Spitzen Marlene Ebermann und Safi Nyembo war sichtlich erkennbar. Mangelndes Zuspiel im Leipziger Mittelfeld war ebenfalls zu verzeichnen. Einzig die auf dem rechten Flügel unermüdlich kämpfende Jobina Lahr sorgte bei zwei Gelegenheiten für so etwas wie Gefahr im Strafraum von Almuth Schult, die sich nach dem Rücktritt von der Essener Torhüterin Ursula Holl aus der Nationalmannschaft als mögliche Nachfolgerin von Nationaltorhüterin Nadine Angerer etablierte und in diesem Wintersemester ihr Studium an der Sporthochschule Köln begonnen hat. Ein von Lok-Kapitänin Anne Heller geschickt platzierter Freistoß hätte kurz vor dem Schlusspfiff fast den Anschlusstreffer gebracht; indes, ein Heimtor hätte nicht sollen sein.

Lok-Kapitänin Anne Heller
Foto: Annemarie Fischer (Archiv)
 
DFB-Pokal-Wiedersehen in Hamburg
 
„Wir hatten in der ersten Hälfte viel Ballbesitz, waren aber im Spiel nach vorne nicht zwingend genug“, urteilte Lok-Cheftrainer Jürgen Brauße. „Nach dem 0:1 kam ein Bruch ins Spiel. Wir haben den Rückstand nicht gut verkraftet und leider nicht mit so viel Herz gekämpft wie noch eine Woche zuvor in Jena.“ Im Interview mit Jan Kaefer von der „Leipziger Internet-Zeitung“ l-iz.de, die sich in der Lok-Berichterstattung als Zugkraft profiliert, war der Leipziger Trainer ähnlich enttäuscht wie sein Kollege vom FFC Frankfurt an diesem Tag. „Es fehlte die Aggressivität, die Leidenschaft und der Kampfgeist.“ Bad Neuenahr klettert auf den siebten Rang. Wie durch ein Wunder steht die Lokomotive durch das Remis von Jena und die Niederlage von Leverkusen jedoch im Vergleich zur direkten Konkurrenz weiterhin auf einem zehnten Nicht-Abstiegsplatz, muss sich aber demnächst gegen Turbine Potsdam und am 18. Dezember zum Start der Rückrunde gegen den FCR Duisburg behaupten. Bad Neuenahr klettert auf den siebten Rang.

Lok-Heimatbahnhof „Bruno“
Foto: Annemarie Fischer (Archiv)
 
Liga-Fahrplan
 
Das kommende Auswärtsspiel in München in zwei Wochen verbleibt wohl als letzte Chance, vor Jahreswechsel und Winterpause noch zu punkten. Schwierige Heimpartien gegen die Tabellenführerin Turbine Potsdam und, zu Beginn der Rückrunde, gegen den Tabellenzweiten Duisburg stehen auf dem Bundesliga-Fahrplan, gegen den die Lok ihr erstes Bundesliga-Auftakttor von Lyn Meyer vorsetzte.
 
Duisburg legt Sieg vor
 
Neuer Tabellenzweiter ist der FCR Duisburg. Bereits am Samstag hatte sich das Team von Trainer Marco Ketelaer gegen Bayern München mit 3:1 (2:0) durchgesetzt. Die Duisburger Tore erzielten Jennifer Oster (15.), Alexandra Popp (20.) und Kozue Ando (90.). In einer spannenden Partie vor 1327 Zuschauern im PCC Stadion kamen die Münchener Gäste durch Laura Feiersinger in der 48. Minute zum Anschlusstreffer. Durch die Niederlage der „Nonplusultra-Elf“ aus Frankfurt gegen Turbine Potsdam schoben sich die Duisburg nunmehr einen Punkt vor Frankfurt.
 
Wolfsbräute" hungrig auf Revanche
 
Die „Wolfsbräute“ des VfL Wolfsburg haben dem SC Freiburg beim 3:0 (3:0) im Möslestadion keine Chance gelassen. Das Team von Trainer Ralf Kellermann hat nun 19 Punkte auf dem Konto und rückt bis auf zwei Zähler an Frankfurt (21 Punkte) heran. Kapitänin Martina Müller (4.) traf schon früh zum 1:0-Führungstreffer; Nadine Keßler in der 22. und Verena Faißt in der 30. Minute machten den Sieg perfekt. Der 1. FFC Frankfurt wird die Wolfsburger zu Hause empfangen. Die hungrigen „Wolfsbräute“ hoffen auf die Revanche zum knappen DFB-Pokalrauswurf.
 
Hamburg und Jena stagnieren
 
Der Hamburger SV und FF USV Jena stagnieren weiter nach einem 1:1 (1:0) am Sonntag. Die Hamburgerinnen, die nun mit acht Punkten Bundesliga-Achte sind, verpassten somit den Anschluss an den SC Freiburg (13 Punkte) auf dem sechsten Platz. Das von Martina Voss-Tecklenburg trainierte Jenaer Team verbleibt mit fünf Punkten Vorletzter in der Tabelle. Die zwischenzeitliche Führung für den HSV erzielte Stürmerin Maike Timmermann (15.), die Neuseeländerin Amber Hearn glich in der 75. Minute aus. Jena bleibt damit weiter Abstiegskandidat. Das nächste Heimspiel gegen Bayer Leverkusen könnte bei Sieg und einem Dreier das Remis gegen den HSV noch aufwerten.
 
Leverkusen mit drei Punkten Schlusslicht
 
Die SG Essen-Schönebeck hat indes den Tabellenletzten Leverkusen im eigenen Stadion mit einem 2:0 (0:0) noch tiefer in die Krise gestürzt, Melanie Hoffmann in der 52. Minute und Stürmerin Isabelle Wolf (90.) erzielten die Treffer der Partie. Die von Trainerin Doreen Meier trainierten Werkself-Frauen belegen mit nur drei Punkten den zwölften und letzten Platz. Die Schlusslaterne der Bundesliga hat ihren Stammplatz in der Chemiestadt Leverkusen. Sollte das nächste Auswärtsspiel gegen den Jena wiederum verloren gehen, ständen die Werkselfen in Leverkusen vor dem Abgrund.
 
Post-WM-Bilanzierung von Steffi Jones
 
Die Trendsportart Frauenfußball hat während und nach der FIFA Weltmeisterschaft 2011 ihre nachhaltige Bewährungsprobe bestanden. Die charismatische Steffi Jones, OK-Präsidentin der FIFA Frauen-WM 2011 und DFB-Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball, bilanzierte in der Oktober-Ausgabe des FF-Magazins die Weltmeisterschaft in heimischen Landen als positiven Impuls für die Bundesliga: „Die nachhaltige Weiterentwicklung unserer höchsten Spielklasse ist ein langwieriger Prozess, an dem wir alle gemeinsam arbeiten müssen. Allein die wunderbaren TV-Einschaltquoten dokumentieren, mit welchem Interesse das Thema verfolgt wurde. All dies spiegelt eine sensationelle Rückmeldung für unseren Sport wider, aus der jeder, der sich in der Frauen-Bundesliga engagiert, neue Motivation ziehen kann.“
 
Bundesliga-Publikum steigt ein
 
Der neunte Spieltag zeigte beim Spitzenspiel in Frankfurt eine beachtliche Medienbeteiligung. Laut media control und gemeldet via framba verfolgten rund eine Viertel Million TV-ZuschauerInnen den Auswärtssieg von Potsdam gegen Frankfurt. Mit 90.000 Zuschauern stellen die Senioren den größten altersmäßigen Anteil des Gesamtpublikums. Ungemein stark vertreten waren dafür die Männer mit 200.000 Zuschauern. Nur ein Fünftel des Fernsehpublikums war weiblich. Auch bei der regionalen Aufteilung lag Potsdam vorn – 130.000 Zuschauer in Brandenburg gegenüber 120.000 in Hessen.
 
Kultivierung des Fußball-Brachlandes im Osten
 
Die Fußball-Metropolen lokalisieren sich derzeit im Westen und Osten. Medial haben die Spiele des FFC Frankfurt und der Turbine Potsdam bei ihren jeweiligen Heimatsendern, dem Hessischen Rundfunk (hr) – insbesondere „heimspiel!“ – und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), eine Heimat gefunden.
 
Jena und Leipzig hingegen konnten abseits ihrer Heimstadien noch keine Live-Stream-Homebase lokalisieren. Den derzeitig medial fokussierten, dunklen Schatten des Ost-Männerfußballs setzen der universitäre Frauen-Fußball in Jena und die bunt gemischten Lok-Fans Lichtblicke entgegen, die von den lokalen Medien bisher noch kaum beleuchtet werden. Zwar stehen beide Mannschaften am unteren Ende der Frauenbundesliga, platzieren sich hinsichtlich Fanbase und Zuschauerresonanz jedoch schon vor dem Hamburger SV im Norden und vor dem FC Bayern München im Süden. Personell ist beim Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) als neugekürte Sport-Redaktionsleitung Sylvia Peuker zu verzeichnen. Peuker vereint akademische Expertise und athletische Weihen – sie absolvierte den Journalistik-Studiengang an der Universität Leipzig und die Fachrichtung Regie/Dokumentarfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, und profiliert sich als ehemalige Leistungssportlerin und als ehrenamtliche Trainerin für den Fußballnachwuchs.

1. Congress for Sports, Business & Society in Hattenheim
Foto: Institute for Sports, Business & Society, European Business School (EBS)
 
Veranstaltungshinweis: Vortrag von Steffi Jones
 
Im Rahmen der vom Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) an der European Business School (EBS) ausgerichteten Vortragsreihe „Innovation & Zukunft“ spricht Steffi Jones, OK-Präsidentin der FIFA Frauen-WM 2011 und DFB-Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball, am 30. November 2011 um 19 Uhr zum Thema „Rückblick auf die FIFA Frauen-WM 2011 und Auswirkungen auf den Frauen- und Mädchenfußball“. Vortragsort ist aber der Hochtechnologiepark MikroFORUM in Wendelsheim. Eine Anmeldung wird unter www.mikroforum.de erbeten. Die Veranstaltung ist kostenfrei. (PK)


Online-Flyer Nr. 329  vom 24.11.2011

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